Tetum (Sprache)

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Tetum

Gesprochen in

Osttimor, Indonesien
Sprecher ca. 900.000
Linguistische
Klassifikation
  • Tetum
Offizieller Status
Amtssprache von OsttimorOsttimor Osttimor
Sprachcodes
ISO 639-1:

-

ISO 639-2:

tet

ISO 639-3:

tet

Tetum (auch Tétum oder Tetun, früher Belu) ist eine der beiden Amtssprachen von Osttimor und eine Minderheitensprache im indonesischen Westtimor. Tetum ist eine malayo-polynesische Sprache, die viele Elemente aus der portugiesischen Sprache und dem Indonesischen/Malaiischen übernommen hat. Die Ethnie der Tetum verwendet Tetum als Muttersprache in verschiedenen Dialekten.

Anzahl der Sprecher[Bearbeiten]

Insgesamt sprechen allein in Osttimor über 449.085 Einwohner Tetum als Muttersprache (2010). 56,1 % der Bevölkerung können Tetum sprechen, lesen und schreiben, weitere 1 % sprechen und lesen, 2 % nur lesen und 30 % nur sprechen.[1] 599.745 Einwohner des Landes sprechen Tetum, 34.713 können es nur lesen (2004). Von den verschiedenen Dialekten geben 385.269 Osttimoresen an, dass Tetum Prasa ihre Muttersprache ist, 63.519 nennen hier Tetum Terik und 297 Nanaek (2010). Ein Großteil der Einwohner der indonesischen Regierungsbezirks Belu und Malaka spricht ebenfalls Tetum als Muttersprache. Daneben gibt es aber auch kleine Gruppen von Bekais-, Bunak- und Kemak-Sprechern.

Dialekte[Bearbeiten]

Übersichtskarte der Sprachen Timors

Folgende Dialekte werden aufgeführt:

  • Tétum Oficial (Tetun Prasa, Tétum-praça, Tetun Dili, Dili Tetun)
  • östliches Tetum (Tetum Terik, Soibada, Natarbora, Lakluta)
  • südliches Tetum (Lia Fehan, Flachland-Tetum, Tasi Mani, Belu Selatan, Belu Tetun, Belunesisch)
  • nördliches Tetum (Lia Foho, Hügel-Tetum, Tasi Feto, Belu Utara, Belu Tetun, Belunesisch)
  • Nanaek (Nana'ek)

Als die Portugiesen 1769 Dili zur neuen Hauptstadt ihrer Kolonie Portugiesisch-Timor machten, wurde in dem umliegenden Gebiet noch Mambai gesprochen. Folge war, dass das dortige Tetum Prasa (portugiesisch Tétum-praça) starke Einflüsse aus dem Mambai hat.[2] Besonders stark war aber der Einfluss des Portugiesischen. Unter portugiesischer Herrschaft konnte man sich nur in Portugiesisch weiterbilden, obwohl Tetum und die anderen Sprachen verwendet werden durften. Er wird heutzutage mehrheitlich in den Subdistrikten Dili und Ermera gesprochen. Weiter entfernt von der Hauptstadt, im OSten und an der Südküste Osttimors spricht man traditionell Tetum Terik. Tetum Prasa ist durch ihren Gebrauch als Zweitsprache heute weiter verbreitet und wird als Tétum Oficial auch in der Schule unterrichtet. Während der Kolonialherrschaft durch die Portugiesen war zwar Portugiesisch die offizielle Amtssprache, jedoch diente Tetum als lingua franca. Nach der Annektierung Osttimors durch Indonesien wurde die portugiesische Sprache verboten, die katholische Kirche hielt ihre Messen jedoch nicht auf Bahasa Indonesia, sondern auf Tetum und trug so zur Herausbildung der Sprache und Identitätsstiftung bei. Das Belu Tetum war die Sprache des alten Wehale-Königreichs, das sein Zentrum im heute indonesischen Teil Timors hat. Nanaek wird in Metinaro und entlang der Küste zwischen Dili und Manatuto gesprochen.

Tetum Prasa.png
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Tetum Terik.png
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Vokabular[Bearbeiten]

Portugiesisch und Tetum

Das Tetum-Wort für Wort ist liafuan, abgeleitet von lia („Stimme“) und fuan („Frucht“).

Im Tetum findet man neben Wörtern, welche die Sprache als austronesische Sprache auszeichnen, Lehnwörter aus dem Portugiesischen. Außerdem gibt es Wörter, die direkt aus dem ebenfalls austronesischen Bahasa Indonesia übernommen wurden. Für manche Begriffe werden Wörter verschiedenen Ursprungs parallel zueinander verwendet, so etwa für Stadt das indonesische Kota oder die aus dem Portugiesischen abgeleiteten Wörter prasa (port. praça, deu. Markt) und sidadi (port. cidade, deu. Stadt).

Austronesischen Ursprungs[Bearbeiten]

Austronesische Wörter:

  • boot – „groß“
  • ki'ik – „klein“
  • mane – „Mann“
  • fetu – „Frau“
  • foho – „Berg“
  • tasi – „Meer“
  • rain – „Land“

Lehnwörter aus Bahasa Indonesia[Bearbeiten]

Wörter, die sich aus dem Malaiischen ableiten:

  • barak - „viel“ (von banyak)
  • bele - „können“ (von boleh)
  • uma - „Haus“ (von rumah)
  • dalan - „Straße“ (von jalan)
  • karreta - „Auto“ (von kereta)
  • lima - „fünf“ (von limah)
  • oan - „Mensch“ (von orang)
  • tulun - „helfen“ (von tolong)
  • malae - „Fremder“, „Ausländer“ (von melayu = „Malaie“)

Lehnwörter aus dem Portugiesischen[Bearbeiten]

Tetum und Portugiesisch

Wörter, die sich aus dem Portugiesischen ableiten:

  • aprende – „lernen“ (von aprender)
  • demais – „zuviel“
  • entaun – „so“, „nun“ (von então)
  • eskola – „Schule“ (von escola)
  • igreja – „Kirche“
  • istória – „Geschichte“ (von história)
  • paun – „Brot“ (von pão)
  • povu – „Volk“ (von povo)
  • relijiaun – „Religion“ (von religião)
  • serveja – „Bier“ (von cerveja)
  • tenke – „müssen“ (von tem que)
  • ajuda – „Hilfe“

Wie im Indonesischen hat sich der Laut [z] (in Portugiesisch s or z geschrieben) in Tetum oft geändert zu [ʒ] (geschrieben j). Beispiele: meja („Tisch“) von mesa, kemeja („Hemd“) von camisa. Die portugiesischen Buchstaben b und v wurden gegeneinander ausgetauscht, wie in serbisu („Arbeit“) vom Portugiesischen serviço.

Ländernamen[Bearbeiten]

  • Alemaña/alemaun - „Deutschland/deutsch“
  • Áustria/austríaku - „Österreich/österreichisch“
  • Listenstaina/listenstainianu - „Liechtenstein/liechtensteinisch“
  • Suisa/suisu - „Schweiz/schweizerisch“

Der Tetum-Name für Osttimor ist Timor Lorosa'e, was wörtlich übersetzt „Timor der aufgehenden Sonne“ bedeutet. Lorosa'e leitet sich ab von loro („Sonne“). Loron bedeutet „Tag“.

Zahlen[Bearbeiten]

  • ida - „eins“
  • rua - „zwei“
  • tolu - „drei“
  • haat - „vier“
  • lima - „fünf“
  • neen - „sechs“
  • hitu - „sieben“
  • ualu - „acht“
  • sia - „neun“
  • sanulu - „zehn“
  • sanulu-resin-ida - „elf“
  • sanulu-resin-rua - „zwölf“
  • sanulu-resin-tolu - „dreizehn“
  • sanulu-resin-haat - „vierzehn“
  • sanulu-resin-lima - „fünfzehn“
  • sanulu-resin-neen - „sechzehn“
  • sanulu-resin-hitu - „siebzehn“
  • sanulu-resin-walu - „achtzehn“
  • sanulu-resin-sia - „neunzehn“
  • ruanulu - „zwanzig“
  • ruanulu-resin-ida - „einundzwanzig“
  • tolunulu - „dreißig“
  • haatnulu - „vierzig“
  • limanulu - „fünfzig“
  • neennulu - „sechzig“
  • hitunulu - „siebzig“
  • walunulu - „achtzig“
  • sianulu - „neunzig“
  • atus ida - „einhundert“
  • atus ida resin ida - „einhunderteins“

Jedoch benutzen Tetumsprecher oft auch malaiische/indonesische Wörter, wie etwa duapuluh („zwanzig“) statt ruanulu, speziell für Zahlen über Tausend.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • John Hajek, Alexandre Vital Tilman: East Timor Phrasebook. Lonley Planet, Footscray u. a. 2001, ISBN 1-74059-020-1, (Lonely Planet phrase books).
  • Alexander Loch, Maria Tschanz: Kleines Wörterbuch Tetum-Deutsch Deutsch-Tetum. Helmut Buske Verlag, Hamburg 2005, ISBN 3-87548-417-7.
  • George Saunders: Tetum für Osttimor. Wort für Wort. Bielefeld, Reise-Know-How-Verlag Rump, März 2004, ISBN 3-89416-349-6, (Kauderwelsch 173 Reise-know-how).
  • Woertelboer, W.: Zur Sprache und Kultur der Belu (Timor). Anthropos 50.1: 155-200, 1955.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikipedia auf Tetum
 Wikibooks: Tetum – Lern- und Lehrmaterialien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Direcção Nacional de Estatística: Population Distribution by Administrative Areas Volume 2 English (Zensus 2010; PDF; 22,6 MB)
  2. The Languages of East Timor: Some Basic Facts im Internet-Archiv