Textilindustrie in Bangladesch

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Die Textilindustrie in Bangladesch ist dort ein sehr bedeutender Wirtschaftsfaktor. Der Anteil am Bruttoinlandsprodukt beträgt mehr als 10 Prozent.[1] Für die Textilindustrie ist in Bangladesch das Textil- und Juteministerium zuständig.

Situation in Bangladesh[Bearbeiten]

Bangladesh ist ein dicht besiedeltes Land, das seine Bevölkerung durch seine landwirtschaftliche Produktion allein nicht mehr ernähren könnte. Die Bevölkerung ist daher auf Arbeitsplätze in der Industrie angewiesen um zu überleben. Im Zeitraum von 1765 bis 1780 wurden neue Spinnradtypen erfunden. Das Ziel war, so viele Spulen wie möglich an die Spinnmaschinen zu hängen. Wenn man aber zu viel Spulen an eine Maschine hängt, wird es schwierig, diese mit Muskelkraft zu betreiben. Dann kam die Idee, dass man die Spinnräder von einer Dampfmaschine oder Wasserrad antreiben lassen könne. Die Spinnräder wurden in möglichst großer Anzahl an die Dampfmaschine oder Wasserrad gehängt. Die Heimarbeit wurde unmöglich. 1769 baute Richard Arkwright die erste Fabrikspinnerei. 1787 gab es schon um die 140, 1835 bereits 1300 Fabrikspinnereien. Man schätzte, dass jetzt ein Arbeiter so viel Garn herstellte wie früher zehn Arbeiter. Es war ein großer Erfolg für die Unternehmer, sie hatten viel Gewinn gemacht. Sie konnten die Tücher exportieren.

In Bangladesch sind etwa 3,5 Millionen Textilarbeiter beschäftigt, 80 Prozent davon sind Frauen.[2] Bis zu 20 Millionen Menschen, etwa ein Achtel der Bevölkerung, sind direkt oder indirekt von der Textilindustrie abhängig.[1][3]

Anfang der 2000er Jahre setzte ein Boom der Textilindustrie in Bangladesch ein.[4] Nach China ist Bangladesch zweitgrößter Textilproduzent der Welt. Die Europäische Union ist der größte Handelspartner.[5] Bangladesch exportiert jährlich Kleidung im Wert von etwa 15 Milliarden Euro an westliche Ketten.[4]

Unternehmen der Modeindustrie haben in den vergangenen Jahren zunehmend ihre Produktion nach Bangladesch verlagert. Das Land ist der drittgrößte Exporteur von Kleidung nach Europa. So stammen etwa 9 % aller Textilimporte nach Europa (EU 15) aus Bangladesch. Es gibt einen Trend eines weiteren Ausbaus, wie eine Studie von McKinsey nahelegt, in welcher unter anderem führende Einkaufschefs in Europa und den USA befragt wurden.[6]

Kritik und Forderungen an die Textilindustrie[Bearbeiten]

Die Textilindustrie wird häufig dafür kritisiert, Verstöße gegen Menschenrechte zu begehen, die besonders bei Zulieferbetrieben von Textilherstellern alltäglich seien. Höhere Sicherheitsstandards, insbesondere beim Brandschutz, und Mindestarbeitsbedingungen werden eingefordert.[7]

Auch die Arbeiter und Arbeiterinnen selbst demonstrieren für ihre Rechte. Nach dem Unglück von Sabhar haben sich hunderttausende Menschen zusammengeschlossen, um für strengere Sicherheitsstandards und bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen.[8]

Probleme der Textilindustrie liegen nach Achim Berg in der Infrastruktur, den sozialen Bedingungen und den unzureichenden Arbeitsstandards sowie beim Fachkräftemangel und der Leistungsfähigkeit der Lieferanten.[6]

Unglücke und Todesfälle[Bearbeiten]

Im Zusammenhang mit der Textilindustrie wird immer wieder von Unglücken und Todesfällen berichtet.

2009 wurde von einem Todesfall einer 18-jährigen Näherin berichtet, die an sieben Tagen in der Woche 13 bis 15 Stunden in einer Textilfabrik in Chittagong arbeitete und an Erschöpfung starb. In der Fabrik wurde vor allem für das Unternehmen Metro produziert. Der Konzern beendete daraufhin die Zusammenarbeit mit der Fabrik.[9]

Bei einem Brand in der Tazreen-Kleiderfabrik im November 2012 kamen mindestens 117 Menschen ums Leben, mehr als 200 Menschen wurden verletzt.

Mehr als 50 Menschen wurden bei einem Brand in einer Textilfabrik in der Hafenstadt Chittagong verletzt.[7]

Unglück in Sabhar 2013[Bearbeiten]

Hauptartikel: Gebäudeeinsturz in Sabhar

Beim Fabrikunglück in Sabhar, in der Nähe der Hauptstadt Dhaka, kamen über 1100 Menschen ums Leben. Ein Gebäude mit fünf Textilfabriken und 3000 Arbeitern war eingestürzt. Das Unglück ist das schwerste seiner Art in der Geschichte der Textilindustrie in Bangladesch. Funde belegen, dass dort Hersteller wie Kik, Primark, Mango und Benetton produzieren ließen.[2]

Infolge des Unglücks wurden in Bangladesch 18 gefährdete Fabriken geschlossen.[10]

Weitere Unglücke und Todesfälle[Bearbeiten]

Anfang Oktober 2013 ereignete sich in einer Textilfabrik am Rande der Hauptstadt Dahka ein Brand, welcher durch eine defekte Nähmaschine verursacht wurde. Bei dem Brand wurden ca. 7 Menschen getötet. Offenbar war die defekte Nähmaschine bereits mehrmals in Brand geraten. Bisher konnte das Feuer jedoch immer von den Arbeitern selbst gelöscht werden.[11]

Anfang Mai kamen bei einem weiteren Unglück in einer Textilfabrik acht Menschen ums Leben.[12]

Gewerkschaften und Organisationen[Bearbeiten]

In Bangladesch gibt es die National Garments Workers Federation, die sich für bessere Bedingungen einsetzt. Die Kampagne für Saubere Kleidung verfolgt dieselben Ziele, ebenso die Fair Wear Foundation.

Reaktionen und Maßnahmen[Bearbeiten]

1994 wurde in Bangladesch erstmals ein Mindestlohn beschlossen.[4]

Nach heftigen Protesten beschloss im Jahr 2010 eine Kommission mit Vertretern von Regierung, Arbeitgebern und Gewerkschaften eine Erhöhung des Mindestlohns von 1700 Taka (etwa 19 Euro) pro Monat auf 3000 Taka (etwa 34 Euro).[13]

Infolge der Ereignisse im Frühjahr 2013 beschloss das Kabinett in Dhaka, dass es künftig Beschäftigten der Textilindustrie auch ohne Erlaubnis der Arbeitgeber möglich ist, Gewerkschaften zu gründen. Durch Textilminister Abdul Latif Siddiqui wurde eine weitere Erhöhung des Mindestlohns angekündigt. In Bangladesch liegt die Inflationsrate bei etwa 8 Prozent. [14][4] Die Behörden in Bangladesch begannen damit, in 950 von einer Untersuchungskommission als potenziell gefährlich eingestuften Fabriken Sicherheitsstandards durchzusetzen.[15] H&M und Inditex kündigten ihre Hilfe bei der Verbesserung von Brandschutz- und anderen Sicherheitsbedingungen in Fabriken an, in denen sie produzieren. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO), Gewerkschaften wie IndustriALL und andere handelten ein auf fünf Jahre angelegtes Abkommen aus, das die Stärkung der Arbeiterrechte, eine höhere Gebäudesicherheit, größeren Brandschutz, eine bessere Ausbildung sowie finanzielle Unterstützung beinhalte. Hunderte Textilfabriken sollen ab dem 14. Mai 2013 bis auf weiteres geschlossen bleiben.[15]

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Uwe Kekeritz hat am 13. Mai eine Beschwerde gegen die Textilunternehmen KIK, C&A und Karl Rieker bei der nationalen Kontaktstelle der OECD in Berlin eingereicht. Kekeritz kooperierte für die Beschwerde mit Medico International und der Berliner Menschenrechtsorganisation ECCHR. Er hält die deutschen Firmen mitverantwortlich für den Tod der Näherinnen. [16] [17]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b [1]
  2. a b http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/textilindustrie-in-bangladesch-wie-westliche-firmen-mit-dem-fabrikunglueck-von-savar-umgehen/8160416.html
  3. [2]
  4. a b c d [3]
  5. [4]
  6. a b http://www.mckinsey.de/html/presse/2011/20111213_bangladesch.asp
  7. a b [5]
  8. [6]
  9. http://www.spiegel.de/wirtschaft/tote-naeherin-in-bangladesch-metro-beendet-zusammenarbeit-mit-zulieferer-a-624685.html
  10. [7]
  11. Tote bei Brand in Textilfabrik in Bangladesch, Zeit Online, Artikel vom 9. Oktober 2013
  12. [8]
  13. [9]
  14. Deutschlandfunk. Nachrichten am 13. Mai 2013, 14:30 Uhr.
  15. a b [10]
  16. spiegel.de 12. Mai 2013: Feuer in Textilfabrik: Grüner beschwert sich bei OECD über Kik und C&A
  17. www.medico.de Pressemitteilung 13. Mai 2013