Teymur Rəcəbov

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TRadjabov12.jpg
Name Teymur Rəcəbov
Schreibweisen Teimour Radjabov (FIDE)

Теймур Раджабов (russisch)

Land AserbaidschanAserbaidschan Aserbaidschan
Geboren 12. März 1987
Baku, AsSSR
Titel Internationaler Meister (1999)

Großmeister (2001)

Aktuelle Elo-Zahl 2724 (Juli 2014)
Beste Elo-Zahl 2793 (Nov. 2012 – Apr. 2013)
Karteikarte bei der FIDE (englisch)

Teymur Rəcəbov (* 12. März 1987 in Baku, Aserbaidschanische SSR) ist ein aserbaidschanischer Schachmeister der Weltklasse.

Schreibweisen des Namens[Bearbeiten]

Das aserbaidschanische Alphabet basiert auf dem lateinischen, die korrekte Schreibweise ist daher Rəcəbov. Die alternative aserbaidschanische Schreibweise seines Namens lautet Teymur Räcäbov. Ausgesprochen wird der Name in etwa Rädschäbow. Die englisch-französische Mischtranskription Teimour Radjabov (von russisch Теймур Раджабов) hat sich international durchgesetzt und wird in den meisten Sprachen verwendet – auch vom Weltschachbund, in Schachdatenbanken und zumeist auch in der deutschen Presse. Manchmal wird im deutschen Sprachraum Teimur Radschabow geschrieben.[1]

Leben und Erfolge[Bearbeiten]

Teymur Rəcəbov erlernte das Schachspiel bereits im Alter von vier Jahren. Das große Talent des als „Wunderkind“ bezeichneten Rəcəbov kam sehr schnell zur Geltung. Sein erstes Auftreten in Deutschland zeigte ihn als Sieger des U9-Turnieres beim Internationalen Jugendfestival in Dresden im Juli 1994 mit 13 Siegen in 13 Partien. Bereits im Alter von elf Jahren wurde ihm von der FIDE der Titel eines Internationalen Meisters zuerkannt. Als Zwölfjähriger gewann er als jüngster Teilnehmer den Titel des Jugendeuropameisters U18. Ein weiteres Jahr später wurde Rəcəbov Großmeister, zu diesem Zeitpunkt der zweitjüngste in der Geschichte des Schachs. Seine frühzeitige Bekanntheit in der Schachszene ließ ihm schon in sehr jungen Jahren Einladungen zu Weltklasseturnieren zukommen: seit 2001 nimmt er in unregelmäßigen Abständen an den hochkarätigsten Turnieren teil. Bei Jugendwelt- und Jugendeuropameisterschaften konnte Rəcəbov insgesamt sieben Medaillen erringen.

Das Jahr 2003 war für ihn sportlich sehr erfolgreich. Beim Turnier von Linares besiegte er Garri Kasparow mit den schwarzen Steinen, in Dortmund bezwang er in einer vieldiskutierten Glanzpartie, gleichfalls mit Schwarz, Viswanathan Anand. Bei der FIDE-K.-o.-Weltmeisterschaft 2004 in Tripolis wurde Rəcəbov Dritter, er schied erst im Halbfinale gegen den Engländer Michael Adams aus. Im Jahr 2005 setzte Rəcəbov seine Erfolge fort: er gewann ein sehr stark besetztes Turnier im spanischen Dos Hermanas und wurde Zweiter hinter Liviu-Dieter Nisipeanu bei der Europameisterschaft in Warschau.

Im Jahre 2006 belegte er beim Turnier von Linares gemeinsam mit FIDE-Weltmeister Wesselin Topalow Platz zwei hinter dem Turniersieger Lewon Aronjan. Bei den Mainzer Schachtagen verlor er das Schnellschach-Match um die inoffizielle Schnellschach-Weltmeisterschaft gegen Anand mit 3:5. Im Oktober gewann er ein stark besetztes Schnellschachturnier in Cap d’Agde, bei dem er sich im Finale mit 1,5:0,5 gegen Sergei Karjakin durchsetzte.

Im Jahr 2007 konnte Radjabov gemeinsam mit Lewon Aronjan und Wesselin Topalow das stark besetzte Großmeister-Turnier in Wijk aan Zee gewinnen, das neben den Turnieren in Linares/Morelia, Dortmund und Sofia als eines der wichtigsten im Schachjahr angesehen wird. Er fiel dabei insbesondere durch Schwarzsiege mit neuen Ideen in der Königsindischen Verteidigung auf.

2010 konnte er sich durch seinen zweiten Platz beim FIDE Grand Prix für das Kandidatenturnier zur Schachweltmeisterschaft 2012 qualifizieren. Dort schied er in der ersten Runde gegen Wladimir Kramnik aus.

Er nahm auch am Kandidatenturnier in London zur Schachweltmeisterschaft 2013 teil, bei dem er mit dem 8. Platz scheiterte.

Schach in Aserbaidschan[Bearbeiten]

Das Schachspiel in Aserbaidschan, das bereits durch den in Baku geborenen 13. Schachweltmeister Garri Kasparow zu hohem Ansehen gelangte, blüht mit der Generation von Rəcəbov auf. Aserbaidschans Schacholympiade-Mannschaft bestand eine Zeit lang nur aus unter 20-jährigen. Ein weiteres großes Talent dieses Landes ist der Jugendweltmeister von 2003 und 2005 Şəhriyar Məmmədyarov. In Şəki und in Baku gibt es von Kasparow gegründete Schachschulen. In Baku ist Schach in Schachcafes und in Teehäusern an der Promenade des Kaspischen Meers allgegenwärtig und bildet einen wichtigen Teil der Alltagskultur. Zu Garri Kasparow gibt es aufgrund dessen armenischer Abstammung jedoch ein zwiespältiges Verhältnis.

Partie[Bearbeiten]

Teymur Rəcəbov gelangen im Jahr 2003 einige spektakuläre Siege gegen führende Weltklassespieler, so schlug er in Linares Garri Kasparow und in Dortmund Viswanathan Anand. Das Turnier von Dortmund gewann in überlegener Manier, aber hochüberraschend, der Moldauer Viktor Bologan. In der zweiten Runde, am 1. August, besiegte Rəcəbov (Schwarz), den Turnierfavoriten und Weltranglistenzweiten Viswanathan Anand (Weiß) in einer Glanzpartie:[2]

1. e2-e4 c7-c5

Die Sizilianische Verteidigung, eine der Lieblingseröffnungen von Rəcəbov.

2. Sg1–f3 Sb8-c6 3. d2-d4 c5xd4 4. Sf3xd4 e7-e5

Rəcəbov wählt die zweischneidige Kalaschnikow-Variante.

5. Sd4-b5 d7-d6 6. c2-c4 Lf8-e7 7. b2-b3 f7-f5 8. e4xf5 Lc8xf5 9. Lf1–d3 e5-e4 10. Ld3-e2 a7-a6 11. Sb5-c3 Le7-f6 12. 0–0 Sg8-e7 13. a2-a3 0–0 14. Ta1–a2 Dd8-a5 15. b3-b4 Da5-e5 16. Tf1–e1 b7-b5 17. c4xb5 a6xb5 18. Le2xb5 Sc6-d4?

Rəcəbov kritisierte in seinen Analysen diesen Zug und gibt 18. ... De5-e6!? den Vorzug.

19. Lb5-f1?

Anand lässt hier die Möglichkeit aus, in Vorteil zu gelangen: 19. Lb5-c4+! d6-d5 20. Sc3xd5!! Se7xd5 21. Lc1–b2! Kg8-h8 22. Lb2xd4 De5xd4 23. Dd1xd4 Lf6xd4 24. Lc4xd5 mit besserer Stellung für Weiß gemäß Rəcəbov.

19. ... d6-d5 20. Ta2-d2! Lf5-e6! 21. f2-f4 De5xf4 22. Td2-f2!

Aber nicht 22. Td2xd4??, wegen Df4-f2+ und Schwarz gewinnt.

Solid white.svg a b c d e f g h Solid white.svg
8 a8 b8 c8 d8 e8 f8 g8 h8 8
7 a7 b7 c7 d7 e7 f7 g7 h7 7
6 a6 b6 c6 d6 e6 f6 g6 h6 6
5 a5 b5 c5 d5 e5 f5 g5 h5 5
4 a4 b4 c4 d4 e4 f4 g4 h4 4
3 a3 b3 c3 d3 e3 f3 g3 h3 3
2 a2 b2 c2 d2 e2 f2 g2 h2 2
1 a1 b1 c1 d1 e1 f1 g1 h1 1
a b c d e f g h
Stellung nach dem 22. Zug von Weiß
22. ... Df4xf2+!!

Ein glänzendes Damenopfer, das der junge Aserbaidschaner schon lange im Voraus geplant hatte. Anand geriet jetzt unter starken Druck.

23. Kg1xf2 Sd4-b5!!

Die Pointe des vorherigen Opfers ist dieser bescheidene Springerrückzug.

24. Kf2-g1 Sb5xc3 25. Sb1xc3 Lf6xc3 26. Lf1–b5 Lc3xe1 27. Dd1xe1 Se7-f5 28. Lc1–b2 Ta8-c8!? 29. Lb5-a4! Tf8-f7 30. h2-h3?!

Der Inder begeht eine Ungenauigkeit. Weiß sollte gemäß Rəcəbov 30. La4-b3! spielen. Die Stellung bliebe danach im Gleichgewicht.

30. ... h7-h5!

Mit der Absicht h5-h4 und der Überführung des Springers nach g3. Schwarz hat jetzt das Übergewicht und baut sukzessive seinen Vorteil aus.

31. b4-b5 h5-h4 32. Lb2-e5 d5-d4!! 33. b5-b6

Auf 33.De1xe4 folgte 33. ... Sf5-e3! 34. De4xh4 Tf7-f1+ 35. Kg1–h2 Se3-f5 nebst Tc8-c1 und Schwarz gewinnt.

33. ... e4-e3! 34. Kg1–h2 d4-d3 35. De1–b4 e3-e2 36. Le5-c3 Tc8xc3! 37. Db4xc3 Sf5-g3 38. b6-b7 Tf7xb7 39. Dc3-a5 Tb7-b8!

Weiß gab auf.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Teymur Rəcəbov – Sammlung von Bildern

Quellen[Bearbeiten]

  1. FAZ, Sport in Kürze, 18. November 2010
  2. Schachinformator 88, Partie Nr. 112, Belgrad 2003