Théâtre National de l’Odéon

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Das Théâtre National de l’Odéon

Das Théâtre National de l’Odéon ist ein französisches Staatstheater in Paris.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Theater geht auf ein königliches Patent vom 10. August 1779 zurück, worin König Ludwig XVI. die Errichtung eines Theaters im Quartier Latin, dem Studentenviertel und in unmittelbarer Nähe des Palais du Luxembourg für die Comédie-Française beschloss. Es wurde 1782 unter dem Namen Théâtre Française eingeweiht und bot 1900 Plätze, darunter auch, was für die damalige Zeit ungewöhnlich war, Sitzplätze im Parkett.

Ein erster großer Erfolg war 1784 Der tolle Tag oder Figaros Hochzeit. Nach einem Brand am 18. März 1799 schloss sich die Truppe wieder mit jener von Talma und der Comédie-Française zusammen und traten dauerhaft im Saal Richelieu auf. Das Theater wurde vom Architekten Chalgrin wiederaufgebaut und im Juni 1808 unter dem Namen Théâtre de Sa Majesté l’Impératrice et Reine eröffnet. Am 20. März 1818 brannte das Haus erneut ab. Es wurde von Baraguay (1748–1820) umgebaut und im September 1819 von Ludwig XVIII. als Second Théâtre-Français wiedereröffnet. Dieses Haus besteht bis heute.

Im 19. Jahrhundert wurden Opern, romantische, dann realistische Stücke, anspruchsvolle Unterhaltungsstücke und Melodramen aufgeführt. Beliebte Autoren waren unter anderem Gioachino Rossini, Alfred de Musset und Alexandre Dumas der Ältere.

Höhepunkte erreichte das Odéon im frühen 20. Jahrhundert unter den Direktoren André Antoine (1906–1914) und Firmin Gémier (1922–1933), der das Repertoire des zweiten Hauses der Comédie-Française um erfolgreiche Komödien bereicherte.

Von 1946 bis 1959 hieß das Theater Salle Luxembourg, während das Stammhaus der Comédie-Française Salle Richelieu genannt wurde. Am 1. September 1959 erhielt es den Namen Théâtre de France und wurde am 21. Oktober 1959 mit Tête d’or von Paul Claudel als selbstständiges Theater eingeweiht.

Theaterleiter Jean-Louis Barrault bot zusammen mit Madeleine Renaud Uraufführungen und Erstaufführungen zeitgenössischer Dramatiker wie Eugène Ionesco, François Billetdoux, Marguerite Duras, Edward Albee, Samuel Beckett und Jean Genet sowie Wiederaufnahmen von Jean Giraudoux, Luigi Pirandello, Paul Claudel, Jean Anouilh und Klassiker. Barrault empfing im Théâtre de France zugleich das Theâtre des Nations mit meist fremdsprachigen Aufführungen ausländischer Ensembles. 1967 wurde das Studiotheater Le petit Odéon mit 110 Sitzplätzen und einer 10 m²-Bühne eingerichtet.

Während der Mairevolte 1968 hielten Studenten das Theater mehrere Wochen besetzt. Barrault musste das Theater aufgeben. Seit 1971 ist der Name wieder Théâtre national de l’Odéon. Nach Pierre Dux und Jacques Toja wurde 1983 François Barachin Intendant, während Giorgio Strehler zum Leiter des im Odéon residierenden Théâtre de l’Europe ernannt wurde.

Im März 1990 übernahm Lluis Paqual die Leitung des Odéons, das nun ausschließlich als Europa-Theater genutzt wurde, während Strehler die Präsidentschaft des im Odéon residierenden Verbandes Europäischer Theater (Union des Théâtres de l’Europe) übertragen wurde. 1996 übernahm Georges Lavaudant die Leitung des Theaters. Im Jahr 2006 wurde es nach umfangreicher Restaurierung und Erneuerung des gesamten Apparates wiedereröffnet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Horst Schumacher (Red.): Théâtre National de l’Odéon in: Manfred Brauneck, Gérard Schneilin (Hg.): Theaterlexikon 1. Begriffe und Epochen, Bühnen und Ensembles. Rowohlt Taschenbuch Verlag Reinbek bei Hamburg, 5. vollständig überarbeitete Neuausgabe August 2007, ISBN 978-3-499-55673-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Théâtre National de l’Odéon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.8500222.338927Koordinaten: 48° 51′ 0″ N, 2° 20′ 20″ O