Thüga

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Thüga Aktiengesellschaft
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 22. Mai 1867
Sitz München, Deutschland
Leitung Ewald Woste (Vorstandsvorsitzender)
Petra Roth (Aufsichtsratsvorsitzende)
Mitarbeiter 18.100 (31. Dezember 2013)[1]
Umsatz 23,3 Mrd. Euro (2013)[1]
Branche Energiewirtschaft
Website www.thuega.de

Die Thüga Aktiengesellschaft wurde 1867 in Gotha als Thüringer Gasgesellschaft (Thüringer Gas AG) gegründet und ist heute Kern des deutschlandweit größten kommunalen Netzwerks kommunaler Energie- und Wasserversorgungsunternehmen, die gesellschaftsrechtlich miteinander verbunden sind. Thüga ist in 12 Bundesländern an rund 100 Unternehmen beteiligt. In der Thüga Aktiengesellschaft arbeiten 250 Mitarbeiter, gegenüber 18.100 Mitarbeitern in der Thüga-Gruppe.

Die in der Thüga-Gruppe[2] zusammengefassten Unternehmen erwirtschafteten 2013 einen Umsatz von 23,3 Mrd. Euro. Es wurden rund 2,1 Mio. Gaskunden sowie rund 3,9 Mio. Stromkunden mit Energie versorgt.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung und frühe Jahre[Bearbeiten]

Die Thüga geht zurück auf die 1867 in Gotha (Thüringen) von Theodor Weigel († 20. Februar 1905 in Mentone) gegründete Thüringer Gasgesellschaft. Zunächst erwarb das Unternehmen zwei Gaswerke in der Nähe von Leipzig und begann mit der Gasversorgung der im Zuge der Industrialisierung aufstrebenden sächsischen Großstadt. Bald schon wurde der Unternehmenssitz nach Leipzig verlegt, von wo aus der weitere Ausbau der Gasversorgung in Sachsen vollzogen wurde.

Um 1900 zählte die Thüga zu den größten Gasversorgern im Deutschen Reich mit Schwerpunkt auf Sachsen und Thüringen. Noch vor dem Ersten Weltkrieg expandierte die Thüga nach Bayern und betrieb ein großes Gasfernversorgungsnetz. Ab den 1920er Jahren errichtete die Thüga auch Gasanlagen in Niedersachsen, Baden und Württemberg. Nach der Übernahme der Rheinische Wasserwerks Gesellschaft (heute rhenag, zu 66,67 % RWE und zu 33,33 % RheinEnergie AG) sowie der Aktiengesellschaft für Licht- und Kraftversorgung (LUK) wurde Thüga 1930 selbst von der Preussische Elektrizitäts AG und der sächsischen Elektra AG (die später zur PreussenElektra fusionierten und nach dem Zweiten Weltkrieg in der staatlichen VEBA bzw. ab 2000 in der E.ON AG aufgegangen sind) übernommen. Während den 1930er Jahren betrieb die Thüga ein beinahe das gesamte Deutsche Reich abdeckendes Gasnetz.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sämtliche Besitzungen und Fernleitungen in der Sowjetischen Besatzungszone sowie den Deutschen Ostgebieten enteignet und der Unternehmenssitz nach Köln verlagert. In der Folgezeit wurde die schwer kriegsbeschädigte Gasinfrastruktur zügig wieder aufgebaut, einen Schwerpunkt bildete nun Bayern, wo sich die Thüga an zahlreichen regionalen Energieversorgern und Stadtwerken beteiligte. 1972 übernahm Thüga erstmals eine Minderheitsbeteiligung an einem größeren deutschen Stadtwerk, der Freiburger Energie- und Wasserversorgungs-AG (heute badenova), seit den 1970ern folgten weitere Anteilskäufe nach diesem Muster.

1979 fusionierte das Unternehmen mit seiner Tochter LUK, verlegte seinen Unternehmenssitz nach München und firmierte fortan unter Thüringer Gas AG. Mitte der 1980er Jahre bestand der Konzern aus 27 Beteiligungen an regionalen Versorgern, das eigene Gasgeschäft rückte zunehmend in den Hintergrund. 1986 wurde der Unternehmensname auch offiziell in die bereits gebräuchliche Abkürzung Thüga AG umbenannt, wodurch auch die Abkehr vom einstigen Kerngeschäft Gas verdeutlicht werden sollte. Zwischen 1991 und 1996 investierte die Thüga rund 1,1 Mrd. DM in ehemals staatliche ostdeutsche Energieversorger, vornehmlich im einstigen Stammgebiet Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. 1998 übernahm die Thüga 24 % der Frankfurter Mainova Aktiengesellschaft.

Neuordnung unter dem Dach der E.ON[Bearbeiten]

Im Jahre 2000 kam es im Zuge der Konsolidierung des deutschen Energiemarkts, insbesondere durch die Zusammenschlüsse von Viag und VEBA zur E.ON AG sowie VEW und RWE zur neuen RWE AG, zu großen Beteiligungsverschiebungen und kartellrechtlich erzwungenen Umstrukturierungen. Die Kölner rhenag AG, die zahlreiche Beteiligungen an der Thüga und RWE hatte, wurde aufgespalten und zwischen beiden Konzernen aufgeteilt. Am 2. Juli 2001 übernahm die Thüga gegen eine Kapitalbeteiligung von 18,9 % an der Thüga AG das Gasgeschäft der Contigas Deutsche Energie AG, die sich seitdem auf ihr Stromgeschäft konzentriert. Das Beteiligungsportfolio der Thüga wurde wesentlich verändert. Sie ist nun in Deutschland Minderheitsgesellschafter an rund 100 kommunalen Energie- und Wasserdienstleistern. Nachdem sie zunächst als Beteiligung der E.ON AG gehalten wurde, gehörte die Thüga AG seit Dezember 2004 über die hundertprozentige E.ON-Tochter E.ON Ruhrgas Thüga Holding GmbH zu E.ON Ruhrgas, einem Teilbereich des E.ON-Konzerns.

Kauf durch Integra/Kom9[Bearbeiten]

Im März 2009 bestätigte E.ON die Absicht, Thüga zu verkaufen. Der Kaufvertrag zwischen E.ON und dem kommunalen Erwerberkonsortium Integra/Kom9 ist am 22. Oktober 2009 unterzeichnet worden.[4] Nachdem das Bundeskartellamt am 30. November 2009 dem Verkauf ohne Auflagen zugestimmt hat, wurde er zum 1. Dezember 2009 vollzogen.

Die Integra-Konsorten enercity (Stadtwerke Hannover Aktiengesellschaft), Mainova Aktiengesellschaft (Frankfurt) und N-ERGIE Aktiengesellschaft (Nürnberg) haben jeweils 20,5 Prozent der Thüga-Anteile, die Stadtwerkegruppe Kom9 rund 38,4 Prozent an der Thüga Holding GmbH & Co. KGaA übernommen.[5] Diese hält 81,1 Prozent an der Thüga Aktiengesellschaft sowie weitere 18,9 Prozent über die 100-prozentige Tochtergesellschaft CONTIGAS Deutsche Energie-Aktiengesellschaft. Die Kom9 ist ein Zusammenschluss aus 55 (Stand 31. Dezember 2013) kommunalen Energieversorgungsunternehmen in Deutschland. Außerdem wollte sich eine bundesweite Genossenschaft von Bürgern (Energie in Bürgerhand) beteiligen, dies ist jedoch sowohl von Thüga als auch Kom9 abgelehnt worden.[6]

Die Thüga-Beteiligungen an der GASAG Berliner Gaswerke (36,9 Prozent), an der HEAG Südhessische Energie (40 Prozent), an den Stadtwerken Duisburg (20 Prozent) sowie an den Stadtwerken Karlsruhe (10 Prozent) wurden gemäß Kaufvertrag an die E.ON Ruhrgas übertragen. Für die so verkleinerte Thüga wurde ein Kaufpreis von rund 2,9 Mrd. Euro vereinbart.

Jüngste Entwicklungen[Bearbeiten]

Die drei Eigenversorgungen Gas- und Elektrizitätswerk Singen der Thüga AG, Thüga AG Erdgas Allgäu-Oberschwaben und Thüga Rheinhessen-Pfalz wurden am 1. Februar 2009 zur Thüga Energie GmbH zusammengefasst und der Betrieb der Netze in die Thüga Energienetze GmbH ausgegliedert.

Mit wirtschaftlicher Wirkung zum 1. Januar 2010 beteiligte sich Thüga mit 25,1 Prozent an dem in Schwerin ansässigen Regionalversorger WEMAG AG. Am 20. Dezember 2010 gab Thüga die Übernahme des 24,9 %-Anteils an der Städtische Werke Aktiengesellschaft, Kassel, von Vattenfall bekannt. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen bewahrt. Das Bundeskartellamt gibt die Beteiligung der Thüga an der Stadtwerke Energie Jena-Pößneck GmbH frei; damit kann sich Thüga Anfang Januar 2012 mit 20 Prozent an der Gesellschaft beteiligen. In einem ersten Schritt erwirbt Thüga 23,1 Prozent der Anteile an der Stadtwerke Freudenstadt GmbH & Co. KG.

Thüga gab im Februar 2012 die Gründung der Thüga Energieeffizienz GmbH bekannt. Diese unterstützt die Unternehmen der Thüga-Gruppe mit einem breiten Dienstleistungsspektrum und Konzepten zur Energieeinsparung und befasst sich mit der Recherche und Beantragung von Fördermitteln.[7]

Im Dezember 2012 beteiligte sich Thüga mittelbar über die 57,5-%ige Beteiligung an der EKO2 GmbH an der Koblenzer Elektrizitätswerk und Verkehrs-Aktiengesellschaft. In Thüringen verstärkt Thüga im Jahr 2013 ihr Engagement und übernimmt 15,2 Prozent der Aktien an der Thüringer Energie AG.

Konzernstruktur[Bearbeiten]

Aufsichtsrat der Thüga Holding GmbH & Co. KGaA[Bearbeiten]

Stand: Mai 2014[8]

Geschäftsführung der Thüga Holding GmbH & Co. KGaA[Bearbeiten]

Stand: Mai 2014[8]

Die Geschäftsführung erfolgt durch die Komplementärin, die Thüga Management GmbH.

  • Ewald Woste, Vorsitzender, zugleich Vorsitzender des Vorstands der Thüga Aktiengesellschaft
  • Bernd Rudolph (Jurist), stellv. Vorsitzender, zugleich stellv. Vorsitzender des Vorstands der Thüga Aktiengesellschaft
  • Gerhard Holtmeier, zugleich Mitglied des Vorstands der Thüga Aktiengesellschaft
  • Michael Riechel, zugleich Mitglied des Vorstands der Thüga Aktiengesellschaft
  • Christof Schulte, zugleich Mitglied des Vorstands der Thüga Aktiengesellschaft

Am 9. Oktober 2014 wurde bekannt, dass sich die Thüga von den Mitgliedern des Vorstandes Ewald Woste und Bernd Rudolph trennt.[9]

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b Unternehmenszahlen der Thüga-Gruppe (www.thuega.de)
  2. Thüga-Partner
  3. Anm.: Summe aller Einzeldaten der Thüga und ihrer Beteiligungsgesellschaften, an denen Thüga mit mindestens 20 Prozent beteiligt ist.
  4. Thüga AG Pressemitteilung vom 23. Oktober 2009
  5. Thüga AG Gesellschafterstruktur
  6. http://www.energie-in-buergerhand.de/Home.aktuelles0.0.html
  7. http://www.effizienz.thuega.de/no_cache/header/presse/presseinformationen-detail/article/pressemitteilung-20.html
  8. a b Thüga AG Gremien und Organe
  9. Thüga braucht neuen Konzernchef, Meldung der Frankfurter Rundschau vom 9. Oktober 2014, zuletzt abgerufen am 11. Oktober 2014[1]

Weblinks[Bearbeiten]