Thüngen

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Dieser Artikel beschreibt die Gemeinde Thüngen in Bayern; zu anderen Bedeutungen siehe Thüngen (Begriffsklärung)
Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Thüngen
Thüngen
Deutschlandkarte, Position des Marktes Thüngen hervorgehoben
49.9422222222229.8594444444444199Koordinaten: 49° 57′ N, 9° 52′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Main-Spessart
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Zellingen
Höhe: 199 m ü. NHN
Fläche: 13,61 km²
Einwohner: 1368 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 101 Einwohner je km²
Postleitzahl: 97289
Vorwahl: 09360
Kfz-Kennzeichen: MSP
Gemeindeschlüssel: 09 6 77 189
Marktgliederung: 1 Ortsteil
Adresse der
Marktverwaltung:
Markt Thüngen
Würzburger Str. 26
97225 Zellingen
Webpräsenz: www.markt-thuengen.de
Bürgermeister: Lorenz Strifsky (SPD)
Lage des Marktes Thüngen im Landkreis Main-Spessart
Hessen Baden-Württemberg Würzburg Landkreis Aschaffenburg Landkreis Miltenberg Landkreis Bad Kissingen Landkreis Kitzingen Landkreis Würzburg Forst Lohrerstraße Rechtenbach Esselbach Ruppertshüttener Forst Ruppertshüttener Forst Partensteiner Forst Partensteiner Forst Langenprozeltener Forst Herrnwald Haurain Hafenlohr Fürstlich Löwensteinscher Park Frammersbacher Forst Frammersbacher Forst Frammersbacher Forst Forst Aura Forst Aura Gemeindefreies Gebiet Burgjoß Gemeindefreies Gebiet Burgjoß Schollbrunn Bischbrunn Thüngen Partenstein Mittelsinn Hasloch Neuhütten (Unterfranken) Rechtenbach Rechtenbach Hafenlohr Hafenlohr Lohr am Main Lohr am Main Zellingen Wiesthal Urspringen Rothenfels Roden (Unterfranken) Rieneck Retzstadt Obersinn Obersinn Obersinn Neustadt am Main Neuendorf (Unterfranken) Marktheidenfeld Triefenstein Kreuzwertheim Karsbach Karlstadt Karbach (Unterfranken) Himmelstadt Gräfendorf Gössenheim Gemünden am Main Frammersbach Frammersbach Fellen Eußenheim Erlenbach bei Marktheidenfeld Birkenfeld (Unterfranken) Aura im Sinngrund Aura im Sinngrund Arnstein (Unterfranken) Burgsinn Steinfeld (Unterfranken) Landkreis SchweinfurtKarte
Über dieses Bild

Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Markt

Thüngen ist ein Markt im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart und Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Zellingen.

Ansicht von Norden (Weinberg)

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Thüngen liegt in der Region Würzburg, 25 km nördlich von Würzburg und 30 km westlich von Schweinfurt, im nördlichen Maindreieck an der Wern.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Thüngen hat nur einen Ortsteil.[2] Es gibt nur die Gemarkung Thüngen.

Geschichte[Bearbeiten]

Ostansicht des Schlosses der Freiherren von Thüngen

Am 19. April 788 wird der Ort Thüngen erstmals urkundlich erwähnt. Im Codex Eberhardi heißt es:

„Manto comes et frater eius Megingoz tradiderunt sancto Bonifacio bona sua in his locis: Isinhusen, Wanchei, Heselere, Tungede, Binizfelt, Hoholtesheim, Steti, Bucheled.“

Der Namen des Ortes Thüngen könnte sich von Thing ableiten. Als Ding, historisierend Thing (germanisch, altnordisch und neuisländisch: Þing, interskandinavisch: Ting, oder Thie bzw. Tie) wurden Volks- und Gerichtsversammlungen nach dem alten germanischen Recht bezeichnet. Dies würde auf einen Ort hindeuten, an dem solche Versammlungen durchgeführt wurden. Daneben gibt es die Möglichkeit, dass der Name Thungidi bzw. Tungede keltischen Ursprungs ist oder auf einer ursprünglich römischen Ortsbezeichnung beruht.

Bis circa 1200 befand sich der Ort unter der Herrschaft der Grafen von Henneberg. Nach deren Aussterben wurde die Herrschaft von einem Rittergeschlecht übernommen, das sich später nach dem Ort Herren von Thüngen nannte. Die Geschichte Thüngens ist stark mit der Geschichte dieses Adelsgeschlechts verknüpft. Später war diese Familie Mitglied im Fränkischen Ritterkreis.

1366 wurde erstmals ein Thüngener Bürger urkundlich genannt und 1419 die erste Dorfordnung erlassen. 1465 wurde Thüngen zur Stadt erhoben, was die Befestigung mit Mauern und Türmen sowie eine Stadtverfassung erlaubte. Zünfte durften eingeführt und Wochenmärkte abgehalten werden. Ab 1551 wurde mit Genehmigung der Herrschaft endgültig die Reformation eingeführt, was in den nächsten Jahrhunderten zu erheblichen Streitigkeiten zwischen den Konfessionen führte - vor allem, seit im Dreißigjährigen Krieg ein Teil des Dorfes unter die Herrschaft des Fürstbischofs in Würzburg kam (verwaltet vom Juliusspital). Eine jüdische Landgemeinde entstand im 16. Jahrhundert.

Am 28. Juni 1814 wurde Thüngen im Zusammenhang mit den Napoleonischen Kriegen dem Königreich Bayern zugesprochen. 1825 musste das Zunftwesen eingestellt werden. Offiziell wurde das Stadtrecht niemals aberkannt. 1846 wurde die heute noch bestehende Schlossbrauerei Thüngen durch Wilhelm, Wolfgang und Hanskarl von Thüngen gegründet. Nach der Fertigstellung der Werntalbahn fuhr am 16. April 1879 der erste Zug durch Thüngen.

In Gegenwart des Prinzen Ludwig von Bayern wurde am 18. Mai 1892 die Ludwigslinde auf dem Planplatz gepflanzt.

1923 kam es in Thüngen bei einer Veranstaltung des Bundes „Bayern und Reich“ zu Auseinandersetzungen mit Dorfeinwohnern, bei denen ein Arbeiter ums Leben kam.

Von den 1933 noch 152 jüdischen Einwohnern wanderten bis 1940 viele aus, mindestens 50 Einwohner wurden aber deportiert und ermordet.[3]

Seit 1978 bilden der Markt Thüngen, der Markt Zellingen und die Gemeinden Himmelstadt und Retzstadt die Verwaltungsgemeinschaft Zellingen.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1970: 1.336 Einwohner
  • 1987: 1.341 Einwohner
  • 2006: 1.375 Einwohner
  • 2011: 1.325 Einwohner

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bürgermeister ist Lorenz Strifsky (SPD). Er wurde im Jahr 2014 Nachfolger von Klaus Enzmann (Freie Wähler).

Gemeinderat[Bearbeiten]

Dem Marktgemeinderat gehören in der Wahlperiode 2014/2020 an:

Wolfgang Heß (2. BGM), Anja Morgenstern (3. BGMin), Kathrin Schilling, Günter Morgenstern, Werner Trabold

  • SPD (fünf Gemeinderäte):

Richard Steigerwald, Nicola Rügemer, Werner Pfeiffer, Bernd Müller, Ursula Schmidt-Finger

  • CSU (zwei Gemeinderäte):

Irene Neumeyer, Fabian Bentele

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 2012 833.000 €, davon betrugen die Grundsteuereinnahmen 111.000 €, die Gewerbesteuereinnahmen (netto) 168.000 €, der Anteil an der Einkommensteuer 512.000 € und an der Umsatzsteuer 39.000 €.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen ist geteilt von Silber und Rot, und zwar hier nicht durch eine Zinnenteilung wie in den ersten Entwürfen, sondern durch eine so genannte Scharte (zwischen zwei Zinnen), womit das Schloss als örtliches Wahrzeichen symbolisiert sein soll. Oben (in Silber) das Stammwappen der Freiherren von Thüngen Lutz’scher Linie, unten in Rot ein silbernes, sechsspeichiges Zahnrad als Sinnbild für die ortsansässige Industrie (und damit auch für das Gewerbe) zwischen zwei goldenen Ähren als Hinweis auf die Landwirtschaft in der Gemeinde.

Heraldiker Karl Haas

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft sowie Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten]

Thüngen mit Solarpark

Es gab 2012 nach der amtlichen Statistik im produzierenden Gewerbe 327 und im Bereich Handel und Verkehr 11 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 31 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 550. Im verarbeitenden Gewerbe gab es einen Betrieb, im Bauhauptgewerbe drei Betriebe.

Landwirtschaftliche Betriebe bestanden im Jahr 2010 7 mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 763 ha (davon bewirtschaftet das "Hofgut" der Freiherren von Thüngen allein über 300 ha).

Auf einem ca. 40 Hektar großen Feld des "Hofguts" wurde im Jahr 2010 ein Solarpark errichtet - damals angeblich der größte Deutschlands, der "bis zu 30.000 Haushalte" mit Strom versorgen können soll. Er liegt nördlich des Ortes auf dem Riedberg und ist schon von weitem zu sehen.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

  • SchmitterGroup: Automobilzulieferer
  • Ammersbach GmbH: Konstruktionstechnik
  • Hugo Kämpf GmbH & Co. KG: Sägewerk, das Holz für die Dresdner Frauenkirche ist aus diesem Werk
  • Herbert Birnbaum Brotformenfabrik & Bäckereitechnik, Wolfgang Birnbaum E.K.: seit 1847, Brotformen aus Rattan/Holz und Kunststoff (Weltmarktführer), sowie div. Bäckereigeräte u. Spezialmaschinen. Exportanteil 60 % weltweit (ca.45/55 Europa/Welt).
  • Trachten-Benkert: Trachtenschneiderei und Landhausmode
  • Kress-Bau GmbH: Bauunternehmen
  • Burgbrauerei "Herzog von Franken" (die ehemalige Schlossbrauerei)
  • Fluri-Plast GmbH: Kunststoffbearbeitung

sowie weitere Klein- und Einzelunternehmen

Verkehr[Bearbeiten]

Thüngen wird durchquert von der B 26. Auf Höhe des ehemaligen Gasthofes Schwarzer Adler trifft die Staatsstraße St 2437 mit Anschluss an die B 27 Richtung Würzburg auf die B 26. Die elektrifizierte Werntalbahn wird derzeit fast ausschließlich von Güterverkehrszügen befahren. Die sommerlichen Fahrradzüge - die einzigen Personenzüge der Werntalbahn - verkehren ohne Halt auf dieser Bahnstrecke. Das Bahnhofsgebäude wird privat bewohnt.

Öffentlicher Nahverkehr: Busse der OVF Richtung Karlstadt/Gemünden bzw. Arnstein/Schweinfurt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Schloss Thüngen
Burgsinner Schloss
Blauer Turm

Östlich der Hauptstraße befindet sich in einem etwas verwilderten Park das "Burgschloss" (49° 56′ 32″ N, 9° 51′ 26″ O49.942219.85726) aus dem 16. Jahrhundert, daran angebaut das „Spitalschloss“ (ebenfalls aus dem 16. Jahrhundert, aber im 19. Jahrhundert im neugotischen Stil umgebaut und erweitert), die beide von Familien der Freiherren von Thüngen bewohnt werden. Südlich davon befindet sich der "Alte Stock", ein Rest der frühmittelalterlichen Burganlage. Das "Burgsinner Schloss" westlich der Hauptstraße (ebenfalls aus dem 16. Jh.) dient vorwiegend wirtschaftlichen Zwecken (Gutsverwaltung, Schlossbrauerei).

Vom nach seinem ehemaligen (blauen) Schieferdach benannten Blauen Turm (49° 55′ 33″ N, 9° 49′ 53″ O49.9257111111119.8314333333333) sind nur noch Mauerreste erhalten. Er wurde zu Beginn der Neuzeit zur Überwachung der Mainschifffahrt und zweier alter Straßen errichtet und liegt in einem Wäldchen an der Straße nach Retzbach; vom Main-Wanderweg ist er über einen kurzen, schmalen mit einem blauen Turmsymbol markierten Pfad erreichbar.

Die evangelische St.Georgskirche in der Ortsmitte wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört und konnte wegen Besitzansprüchen des kath. Juliusspitals erst im 19. Jahrhundert wieder aufgebaut werden. Im Innenraum befinden sich sehenswerte Grabsteine der Familie von Thüngen. Am "Planplatz" liegt auch das Rathaus aus der Gründerzeit.

Die ehemalige Synagoge in der Obergasse wurde 1938 beschädigt. Nach dem Krieg wurde sie an einen DDR-Flüchtling verkauft, der eine Handweberei betrieb; und ist heute zu einem Wohnhaus umgebaut. Im November 2007 wurde eine Gedenktafel angebracht.

An der Wern befindet sich ein historisches Wehr (diente bis in den 1950er Jahren zur Bewässerung der Wiesen) sowie das „Waaghäuschen“ (ehem. Viehwaage).

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Liste der Baudenkmäler in Thüngen

Vereine[Bearbeiten]

Der FC 1920 Thüngen ist der größte Ortsverein der Marktgemeinde Thüngen. Er bietet in den verschiedenen Abteilungen von Fußball, Fasching und Turnen bis hin zu Tennis und Tischtennis zahlreiche sportlich sowie gesellschaftlich Attraktive Angebote. Besonderer Wert wird hierbei auf die nachhaltige Förderung und Integration der Jugendlichen gelegt.[4]

Kirchweih[Bearbeiten]

Jedes Jahr am letzten Septemberwochenende richtet der FC 1920 Thüngen e. V. die „Thüngener Kirchweih“ aus.

Bildung[Bearbeiten]

Es gibt folgende Einrichtungen:

Sonstiges[Bearbeiten]

2007 wurde der CSU-Ortsverband in einem „Stern-Artikel“ als Beispiel genommen, in dem es um den Rücktritt Edmund Stoibers von seinem Ämtern als Ministerpräsident und Parteivorsitzender ging.

Literatur[Bearbeiten]

  • Fritz Kugler: Thüngener Heimatbuch, Markt Thüngen 1988, keine ISBN (zu beziehen nur vom Markt Thüngen)
  • Hannskarl Frhr. von Thüngen: Das Haus Thüngen 788–1988. Geschichte eines fränkischen Adelsgeschlechts. Echter Verlag, Würzburg 1988, ISBN 3-429-01162-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Thüngen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111119/224757&attr=OBJ&val=1747
  3. http://www.alemannia-judaica.de/thuengen_synagoge.htm Thüngen - Jüdische Geschichte
  4. Homepage des FC 1920 Thüngen