Thanjavur (Distrikt)

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Distrikt Thanjavur
தஞ்சாவூர் மாவட்டம்
Lagekarte des Distrikts
Bundesstaat Tamil Nadu
Verwaltungssitz: Thanjavur
Fläche: 3.477 km²
Einwohner: 2.402.781 (2011)
Bevölkerungsdichte: 691 Ew./km²
Website: thanjavur.tn.nic.in

Der Distrikt Thanjavur (Tamil: தஞ்சாவூர் மாவட்டம்; früher: Tanjore) ist ein Distrikt des indischen Bundesstaates Tamil Nadu. Verwaltungszentrum ist die namensgebende Stadt Thanjavur.

Geografie[Bearbeiten]

Der Distrikt Thanjavur liegt in Zentral-Tamil-Nadu und nimmt den westlichen Teil des Kaveri-Deltas ein. Das flache und fruchtbare Land wird von zahlreichen Mündungsarmen dieses größten Stroms von Tamil Nadu durchschnitten. Im Süden hat der Distrikt Anteil an der Küste zur zwischen Indien und Sri Lanka gelegenen Palkbucht. Nachbardistrikte sind Pudukkottai im Südwesten, Tiruchirappalli im Westen, Ariyalur im Norden, Nagapattinam im Nordosten sowie Tiruvarur im Osten.

Die Fläche des Distrikts Thanjavur beträgt 3.477 Quadratkilometer. Der Distrikt ist in die acht Taluks Thiruvaiyaru, Thanjavur, Papanasam, Kumbakonam, Thiruvidaimarudur, Orathanadu, Pattukkottai und Peravurani unterteilt.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Brihadisvara-Tempel von Thanjavur entstand während der Blütezeit der Chola-Dynastie

Das Gebiet des Distriktes ist das historische Kernland der bedeutendsten südindischen Herrscherdynastie, der Cholas. Mitte des 9. Jahrhunderts wurde Thanjavur zur Hauptstadt der Chola-Könige. Auf dem Höhepunkt seiner Macht im 10. und 11. Jahrhundert reichte der Einfluss des Chola-Reiches bis nach Bengalen und Südostasien. Im 13. Jahrhundert wurden die Cholas von den in Madurai residierenden Pandyas besiegt. Im 14. Jahrhundert stand die Gegend kurzzeitig unter muslimischer Herrschaft, ehe sie gegen Ende desselben Jahrhunderts unter die Herrschaft Vijayanagars kam. Die Könige von Vijayanagar setzten in Thanjavur Militärstatthalter (Nayaks) ein, die sich 1535 selbstständig machten. 1675 fiel Thanjavur in die Hände des Marathenführers Venkaji, eines Bruders von Shivaji. Die von Venkaji begründete Marathendynastie herrschte über das Königreich Thanjavur, bis sie 1799 die Oberhoheit der Briten anerkennen mussten. Der König von Thanjavur durfte nur seine Hauptstadt behalten, das restliche Gebiet des Königreichs wurde als Distrikt Tanjore (Thanjavur) der Provinz Madras und somit britischer Verwaltung unterstellt. Als der letzte König von Thanjavur 1855 ohne Erben starb, fiel das Königreich gänzlich an die Briten.

Nach der indischen Unabhängigkeit kam er 1956 an den neuformierten Bundesstaat Madras (heute Tamil Nadu). Ursprünglich umfasste der Distrikt Thanjavur das gesamte Kaveri-Delta, das Gebiet verkleinerte sich aber sukzessive durch die Gründung neuer Distrikte. 1974 wurde ein kleineres Gebiet des Distrikts Thanjavur dem neugegründeten Distrikt Pudukkottai zugeschlagen. 1991 entstand der der Distrikt Nagapattinam aus dem aus den östlichen Teilen des Distrikts Thanjavur. 1997 wurde wiederum der Distrikt Tiruvarur aus sechs Taluks des Distrikts Nagapattinam und einem Taluk des Distrikts Thanjavur gebildet.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bauern im Distrikt Thanjavur bei der Reisernte

Nach der indischen Volkszählung 2011 hat der Distrikt Thanjavur 2.402.781 Einwohner. Im Vergleich zur letzten Volkszählung 2001 war die Einwohnerzahl um 8,4 Prozent und damit langsamer im Mittel Tamil Nadus (15,5 Prozent) gewachsen. Der Distrikt ist recht dicht besiedelt: Die Bevölkerungsdichte liegt mit 691 Einwohnern pro Quadratkilometer über dem Durchschnitt des Bundesstaates (555 Einwohner pro Quadratkilometer). 35,4 Prozent der Einwohner des Distrikts Thanjavur leben in Städten. Der Urbanisierungsgrad ist damit niedriger als der Mittelwert Tamil Nadus (48,5 Prozent). Die Alphabetisierungsquote ist mit 82,7 Prozent etwas höher als der Durchschnitt Tamil Nadus (80,3 Prozent).[1] Wegen der Fruchtbarkeit des Bodens im Kaveri-Delta ist der Distrikt Thanjavur als „Reisschüssel Tamil Nadus“ bekannt. Eine entsprechend große Rolle spielt die Landwirtschaft: Nach der Volkszählung 2001 sind 61,9 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung im Agrarsektor beschäftigt.[2]

Unter den Einwohnern des Distriktes stellen die Hindus nach der Volkszählung 2001 mit 86,9 Prozent eine große Mehrheit. Daneben gibt es Minderheiten von Muslimen (7,4 Prozent) und Christen (5,6 Prozent).[3]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Airavatesvara-Tempel in Darasuram

Im Distrikt Thanjavur finden sich zahlreiche Tempelbauten aus der Chola-Zeit. Der bedeutendste von ihnen ist der Brihadisvara-Tempel in Thanjavur, der unter König Rajaraja I. (985–1014) erbaut wurde. Zusammen mit dem Airatesvara-Tempel in Darasuram und dem Brihadisvara-Tempel in Gangaikonda Cholapuram (Distrikt Ariyalur) gehört er seit 1987 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Für ihre vielen Tempel bekannt ist auch die Stadt Kumbakonam, in der alle zwölf Jahre ein großes religiöses Fest stattfindet. Mit Swamimalai liegt eine von sechs Wallfahrtsstätten (Arupadaividu) des Hindu-Gottes Murugan im Distrikt Thanjavur. Ferner befinden sich in Thingalur, Tirunageswaram, Tirumangalakkudi und Kanjanur vier der neun Navagraha-Tempel, einer Gruppe von Hindu-Tempeln im Kaveri-Delta, die mit den Himmelskörpern assoziiert werden.

Im Dorf Melattur, 18 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt findet Anfang Mai das mehrtägige Jahresfest Narasimha Jayanti zu Ehren Vishnus statt, bei dem das religiöse Tanzdrama Bhagavata Mela aufgeführt wird.

Städte[Bearbeiten]

Stadt Einwohner
(2001)[4]
Adiramapattinam 27.697
Aduthurai 11.455
Ammapettai 13.816
Ayyampettai 14.317
Cholapuram 6.364
Darasuram 13.027
Kumbakonam 140.021
Madukkur 15.171
Melathiruppanthuruthi 8.409
Melattur 7.815
Nanjikottai 21.898
Neelagiri 11.046
Orathanadu 10.268
Papanasam 16.397
Pattukkottai 65.453
Peravurani 21.025
Perumagalur 5.405
Perumandi 7.000
Swamimalai 6.985
Thanjavur 215.725
Thirukattupalli 12.567
Thirunageswaram 13.814
Thiruppanandal 10.376
Thirupuvanam 14.139
Thiruvaiyaru 14.535
Thiruvidaimarudur 13.758
Ullur 7.779
Vallam 14.495
Veppathur 7.414

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Census of India 2011: Provisional Population Totals. Paper 1 (PDF-Datei; 16,96 MB) und Paper 2. (PDF-Datei; 13,40 MB)
  2. Census GIS India
  3. Census GIS India (Religion)
  4. Census of India 2001: Population, population in the age group 0-6 and literates by sex - Cities/Towns (in alphabetic order) (Version vom 16. Juni 2004 im Internet Archive)

Literatur[Bearbeiten]

  • The Imperial Gazetteer of India. Band 23: Singhbhūm to Trashi-Chöd-Zong. New edition. Clarendon Press, Oxford 1908, S. 225–242, Stichwort: Tanjore District.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Thanjavur district – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien