Thanom Kittikachorn

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Thanom Kittikachorn um 1960

Thanom Kittikachorn, (thailändisch ถนอม กิตติขจร, Aussprache: [tʰànɔ̌ːm kìttìkʰàt͡ɕɔ̌ːn]; * 11. August 1911 in Ban Nong Luang, Amphoe Mueang Tak, Provinz Tak; † 16. Juni 2004 in Bangkok) war ein thailändischer Heeresoffizier und Politiker. Nach einem Staatsstreich des Militärs war er vorübergehend von Dezember 1957 bis Oktober 1958 und, nach dem Tod seines Förderers Sarit Thanarat, erneut von 1963 bis 1973 Ministerpräsident von Thailand. Ab 1964 führte er den Rang eines Feldmarschalls.[1]

Politische Laufbahn[Bearbeiten]

Thanom Kittikachorn (2.v.r., neben Präsident Lyndon B. Johnson) beim Treffen der SEATO-Regierungschefs in Manila 1966.

Nach der Ausbildung an der Chulachomklao-Militärakademie trat Thanom 1929 in den Militärdienst. 1947, als Oberstleutnant, unterstützte er den Militärputsch gegen die zivile Regierung. 1951 wurde er zum General befördert. Inzwischen Kommandant der Ersten Armee und Stellvertreter des Oberkommandierenden des Heeres, nahm er als „rechte Hand“ von Sarit Thanarat an dessen Staatsstreich von 1957 teil. Anschließend war er Premierminister und Verteidigungsminister vom 24. Dezember 1957 (offiziell 1. Januar 1958) bis Sarit, im Rahmen einer autoritären „Revolution“ am 20. Oktober 1958 selbst die Regierungsführung übernahm. Thanom diente nun als Sarits Stellvertreter. Nach Sarits Tod war Thanom erneut Premierminister, vom 8. Dezember 1963 bis zum 11. März 1969 und gleich anschließend für eine dritte Amtszeit, die bis zum 14. Oktober 1973 dauerte.

Thanom spielte in dem Vierteljahrhundert seiner politischen Tätigkeit eine zentrale Rolle in Thailand. Er war ein Vertreter der herrschenden Oberschicht, des Militärs. Er fuhr einen harschen pro-amerikanischen und antikommunistischen Kurs, unterstützte die USA im Vietnamkrieg und war ein Gegner des Parlamentarismus, auch des 1969 wieder zugelassenen Parlaments. Zugleich förderte er Handel, Wirtschaftsinvestitionen und Modernisierung der Infrastruktur.[2] Thanom wurde in seiner Herrschaft von seinem Stellvertreter, General Praphas Charusathien, unterstützt.[3] Gemeinsam mit Thanoms Sohn Oberst Narong Kittikachorn, der mit Praphats Tochter verheiratet war, galten sie als die „Drei Tyrannen“.[4] Thanom, Praphas und Narong bauten, neben ihrer militärischen und politischen Aktivitäten, ein ökonomisches Netzwerk auf, das an 137 Privatunternehmen beteiligt war. Sie hatten des Weiteren Bankguthaben in Höhe von 151 Millionen Baht, 3 % des landesweit angelegten Vermögens.[5]

Am 17. November 1971, unternahm er aus der Position des Premierministers heraus einen erneuten Staatsstreich, um die Verfassung außer Kraft zu setzen und das Parlament zu entmachten. Dies begründete er mit der Notwendigkeit, das Land vor innerer Zersetzung und der prokommunistischen Guerillabewegung retten zu müssen. Er konzentrierte die gesamte Macht auf seine Person, verhängte das Kriegsrecht und löste das Parlament auf. Gegen Ende seiner Amtszeit verlor er aber selbst im Militär an Akzeptanz, das der Dominanz von Thanom und Praphas überdrüssig war.[6] Am 14. Oktober 1973 wurde seine Militärjunta nach Studentenprotesten, die sich zu einem Volksaufstand ausweiteten, bei dem 77 Menschen umkamen, gestürzt. König Bhumibol Adulyadej legte Thanom nahe, ins Exil zu gehen.[3]

Im Juli 1974 zog die neue Regierung von Sanya Dharmasakti Teile der Vermögen von Thanom, Narong und Praphas ein, die diese nach ihrer Ansicht unrechtmäßig erworben hatten.[7] Thanom versuchte im Dezember desselben Jahres, nach Thailand zurückzukehren. Er wurde aber noch am Flughafen verhaftet und am nächsten Tag zurück nach Singapur geschickt.[8]

Rückkehr aus dem Exil[Bearbeiten]

Die Versuche der zivilen Nachfolgeregierungen, in Thailand demokratische Reformen umzusetzen, waren nur von begrenztem Erfolg. Am 19. September 1976 kehrte Thanom aus Singapur zurück. Dies wurde vordergründig mit seinem Wunsch begründet, sich im Wat Bowonniwet, dem von der Krone favorisierten Haupttempel des Königreichs, zum Mönch ordinieren zu lassen. Dort besuchten ihn der König und die Königin.[9] Thanoms Rückkehr führte zu Studentendemonstrationen, die nach Maßnahmen der am 23. September 1976 umgebildeten Regierung am 6. Oktober 1976 im Massaker an der Thammasat-Universität blutig niedergeschlagen wurden. Dabei wurden, nach offiziellen Angaben, 46 Menschen getötet. Anschließend übernahm erneut das Militär die Macht. Thanom zog sich jedoch ins Privatleben zurück.[3]

Letzte Jahre[Bearbeiten]

Thanom trat noch einmal an die Öffentlichkeit, als er im März 1999 von Premierminister Chuan Leekpai für die umstrittene Nominierung zur königlichen Ehrengarde vorgeschlagen wurde. Thanom verzichtete auf die Ernennung.

Im Januar 2004 wurde er nach einem Schlaganfall ins Krankenhaus eingeliefert. Von der Operation am Gehirn erholte er sich nicht wieder. Am 16. Juni 2004 starb er im General Hospital von Bangkok im Alter von 92 Jahren.[10]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. cabinet.thaigov.go.th: Biografie Field Marshal Thanom Kittikachorn
  2. Harold E. Smith, Gayla S. Nieminen, May Kyi Win: Historical Dictionary of Thailand. Scarecrow Press, 2005, 258. Stichwort „Thanom Kittikachorn“.
  3. a b c Michael Leifer: Dictionary of the Modern Politics of South-East Asia. Routledge, 1995, S. 164. Stichwort „Thanom Kittikachorn“.
  4. Patit Paban Mishra: The History of Thailand. ABC-CLIO, 2010, S. 123
  5. Akira Suehiro: Capitalist Development in Postwar Thailand. Commercial Bankers, Industrial Elite, and Agribusiness Groups. In: Southeast Asian Capitalists. Cornell Southeast Asia Program, 1992, S. 50.
  6. Peter G. Warr, Bhanupong Nidhiprabha: Thailand's Macroeconomic Miracle. Stable Adjustment and Sustained Growth. The World Bank, Oxford University Press, 1996, S. 14.
  7. Government seizes assets of the ‘Three Tyrants’. In: Chronicle of Thailand. Headline News Since 1946. Editions Didier Millet, Singapur 2010, S. 200.
  8. Thanom's sneaky return cut short. In: Chronicle of Thailand. Headline News Since 1946. Editions Didier Millet, Singapur 2010, S. 201.
  9. Chris Baker, Pasuk Phongpaichit: A History of Thailand. Cambridge University Press, 2005, S. 194.
  10. NYTimes: Thanom Kittikachorn, Ex-Thai Leader, 92

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkung zu thailändischen Namen: Dieser Artikel spricht Personen mit ihrem Vornamen an.