Thaur

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Thaur
Wappen von Thaur
Thaur (Österreich)
Thaur
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Tirol
Politischer Bezirk: Innsbruck Land
Kfz-Kennzeichen: IL
Fläche: 21,07 km²
Koordinaten: 47° 18′ N, 11° 28′ O47.29511.471944444444633Koordinaten: 47° 17′ 42″ N, 11° 28′ 19″ O
Höhe: 633 m ü. A.
Einwohner: 3.793 (1. Jän. 2014)
Bevölkerungsdichte: 180 Einw. pro km²
Postleitzahl: 6065
Vorwahl: 05223
Gemeindekennziffer: 7 03 58
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Dorfplatz 4
6065 Thaur
Website: www.thaur.tirol.gv.at
Politik
Bürgermeister: Konrad Giner (Bürgermeisterliste)
Lage der Gemeinde Thaur im Bezirk Innsbruck Land
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Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Thaur von Nordwesten
Thaur von Nordwesten
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria
Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt
Die Romedius- oder Schlosskirche
Volksschule
Denkmalgeschütztes Haus in der Bauerngasse
Auch der Gasthof Purner steht unter Denkmalschutz

Thaur ist eine Gemeinde mit 3793 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014) im Bezirk Innsbruck Land, Tirol (Österreich). Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Hall in Tirol.

Durch die Nähe zur Landeshauptstadt Innsbruck ist die Gemeinde einem recht großen Siedlungsdruck unterworfen, der bäuerlich-dörfliche Ortskern konnte aber gut erhalten werden. Thaur ist heute unter anderem auch eine beliebte Wohngemeinde.

Geografie[Bearbeiten]

Thaur liegt am östlichen Fuß der Nordkette, an der alten Dörferstraße von Innsbruck nach Hall und ist eines der MARTHA-Dörfer. Die Gemeinde bildet ein Haufendorf in leichter Hanglage, das hauptsächlich nördlich dieser Straße gelegen ist. Den höchsten Punkt des Gemeindegebietes bildet mit 2.668 Metern die Hintere Bachofenspitze.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name Thaur stammt eventuell aus der illyrischen Sprache und bedeutet „Fels“. Eine weitere Namensherkunft könnte das rätoromanische „Taur“ bzw. „Tgaura“ (Ziege) darstellen, und somit auf Weidenutzung hinweisen.

Ein Urnengräberfeld aus der Bronzezeit weist darauf hin, dass das Gebiet schon um 1000 v. Chr. besiedelt war. 827 wurde Thaur erstmals urkundlich als „taurane“ erwähnt.

Im Mittelalter war die Salzgewinnung von Bedeutung.

Die Burg von Thaur wurde im 13. Jahrhundert ausgebaut und war Gerichtssitz. Nach einem Brand und einem folgenschweren Erdbeben sind heute nur noch Ruinen vorhanden.

Die Gemeinde hat fünf Kirchen aufzuweisen. Bedeutend ist die barocke Wallfahrtskirche „Romedikirchl“ oberhalb des Ortes. Sie ist nahe der ‚vermutlichen‘ Heimstatt des Heiligen Romedius, dem Schloss Thaur, erbaut. Vom einst stolzen Schloss sind nur mehr Ruinen erhalten. Einst war Schloss Thaur eine der größten Burgen im Inntal.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]


Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bürgermeister von Thaur ist Konrad Giner. Er gewann 2010 mit 44,99 % gegen seine Konkurrenten Christoph Walser (22,36 %), Romed Giner (19,40 %) und Max Krug (13,25 %). Christoph Walser von der Wir Thaurer Einheitsliste wurde demnach Vizebürgermeister.[1]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat besteht aus 15 Mitgliedern und setzt sich seit der Gemeinderatswahl 2010 aus Mandaten der folgenden Parteien zusammen:

  • 6 Bürgermeisterliste Konrad Giner
  • 3 Wir Thaurer Einheitsliste
  • 3 Romed Giner SPÖ und Parteiunabhängige Liste
  • 3 Bürger in Thaur

Quelle: [2]

Wappen[Bearbeiten]

Die drei silbernen, im Wappen vorkommenden Türme deuten auf die damals hier befindliche Burg Thaur hin, von der mittlerweile nur noch eine Ruine übrig geblieben ist.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Thaur
  • Pfarrkirche Maria Himmelfahrt:
Eine der fünf Kirchen in der Gemeinde und Sitz der Urpfarre Thaur. Spätgotischer Bau. Urkundlich erwähnt 1244. Geweiht 1487. 1766 barock umgestaltet. Im 19. Jahrhundert entbarokisiert und mit Fresken von Franz Pernlochner versehen. Klassizistischer Hochaltar mit spätgotischer Muttergottes. 4 Rokokoaltäre im Langhaus.[3]
  • Vigilkirche:
Erstmals urkundlich im 14. Jahrhundert erwähnt. 1643 von Salinenbeamten neu erbaut. Einrichtung aus dem 19. Jahrhundert.[3]
  • Ulrichskirche und Afrahof:
Ursprünglich romanische Anlage. Im 16. Jahrhundert umgebaut. Hölzerne Westempore und Kassettendecke aus dem 16. Jahrhundert. Spätgotische Malereien des Meisters der Magdalenenkapelle in Hall in Tirol. Flügelaltärchen aus dem 16. Jahrhundert.[3]
  • Schlosskirche:
Die Schlosskirche zu den Hll. Aposteln Petrus und Paulus ist die ehemalige Wallfahrtskirche zum Hl. Romedius, einem Eremiten aus dem heutigen Südtirol. 1432 geweiht. Neu errichtet 1648. Stukkaturen und Altäre aus dem Rokoko.[3]
An der Haller Straße, Station einer ehemaligen Wallfahrt. Erbaut und gestiftet von Erzherzog Ferdinand II. von Tirol. Renaissancesäulenaltar aus dem ehemaligen Haller Damenstift.[3]
  • Ruinen des Schlosses Thaur:
Ehemals größte Burganlage im Inntal und Gerichtssitz. Im 13. Jahrhundert im Besitz der Grafen von Andechs, später im tirolischen. Ab dem 16. Jahrhundert zunehmender Verfall. Seit einigen Jahren Theateraufführungen.[3]
  • Kaisersäule:
Die 1700 Meter hoch gelegene Kaisersäule erinnert an den Besuch von Kaiser Franz I. am 22. Oktober 1815.[3]

Brauchtum[Bearbeiten]

In Thaur wird die Krippentradition großgeschrieben. Fast in jedem Haus findet sich eine Weihnachtskrippe. Viele Künstler aus dem Dorf haben sich mit dem Bauen von – meist orientalischen – Bergen, dem Schnitzen von Figuren oder dem Malen der Hintergründe befasst. Die bekannteste Künstlerfamilie sind die Giner. Das Brauchtum wird mit Krippenausstellungen und Mullerlaufen (einem Fasnachtsbrauch) gepflegt.

Thaur ist die einzige verbleibende Gemeinde in Tirol in der noch eine Palmeselprozession veranstaltet wird, dabei wird eine Lebensgroße Christusfigur auf einem Esel – beide geschnitzt – von der Pfarrkirche unter Glockengeläute zur Schlosskirche gezogen, wo in der Allerheiligenlitanei um Schutz und Hilfe gebetet wird, und anschließend in das Nachbardorf Rum. Der Weg zurück nach Thaur führte früher über die – noch autofreie Dörferstraße, heute jedoch auf einem Feldweg. Ebenfalls findet als einzige Gemeinde noch eine Grablegungsprozession am Karfreitag statt. Wie bei einem Begräbnis wird ein lebensgroßer Christuskörper unter den Klängen der Musikkapelle, die Trauermärsche spielt, und dem Beten des schmerzhaften Rosenkranzes durch das Dorf getragen. In der Kirche wieder angekommen, wir der „Grablieger“ in das große, den ganzen Altarraum verdeckende, Heilige Grab gelegt. Die Feier der Osternacht am Folgenden Tag ist auch nicht minder prächtig, wird doch die Auferstehung bildlich – mit dem Hochziehen der Heilig-Grab-Leinwand und dem Erscheinen des auferstandenen Christus- dargestellt. Der Besuch der Thaurer Osterliturgie hinterlässt einen bleibenden religiösen Eindruck. Weiters wird an Christi Himmelfahrt die Himmelfahrt sichtbar vollzogen: Christus schwebt von vier Engeln begleitet im Mittelschiff der Pfarrkirche nach den Fürbitten während des feierlichen Hochamtes durch ein Loch in der Decke „zum Himmel auf“.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Südlich der neuen Bundesstraße nach Hall liegt ein bedeutendes Industrie- und Gewerbegebiet, das direkt an das der Gemeinde Hall angrenzt. Von großer Bedeutung ist der Gemüseanbau in den umliegenden Feldern. Thaur ist Sitz des Unternehmens Physiotherm.

Unweit südlich von Thaur liegt die Inntal Autobahn (A12), und damit auch die Europastraße E45 bzw. E60. Noch davor liegt die Tiroler Straße (B171). Thaur wird von der Landesstraße L372 durchquert. Der nächstgelegene Bahnhof befindet sich in Rum, wo ein Anschluss zur S-Bahn Tirol besteht. Mit dem Flughafen Innsbruck existiert eine Fluganbindung in nicht allzu weiter Entfernung.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Thaur – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ergebnisse der Bürgermeisterwahl 2010 auf der Webpräsenz der Gemeinde
  2. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2010 auf der Thaurer Webpräsenz
  3. a b c d e f g Dehio Tirol, Verlag Anton Schroll & Co. Wien 1980 Seiten 804–808