Die Chroniken von Narnia

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Dieser Artikel behandelt die Buchreihe zu Die Chroniken von Narnia. Zur Filmreihe von Walden Media, siehe Die Chroniken von Narnia (Walden Media).

Die Chroniken von Narnia (orig. The Chronicles of Narnia) ist eine sieben Bücher umfassende Serie von Fantasyromanen, die zwischen 1939 und 1954 von dem irischen Schriftsteller Clive Staples Lewis geschrieben und 1950–1956 veröffentlicht wurden und sein mit Abstand bekanntestes Werk darstellen. Bislang wurden mehr als 100 Millionen Exemplare verkauft und die Bücher in 47 Sprachen übersetzt. Des Weiteren gibt es zahlreiche Adaptionen für Radio, Fernsehen, Theater und Kino.

Zur Welt von Narnia[Bearbeiten]

Die Chroniken machen deutliche Anleihen an christliche Motive, aber auch an griechische und römische Mythologie sowie traditionelle englische und irische Märchen. Die Bücher sind für ihre von Pauline Baynes angefertigten Illustrationen bekannt und veranschaulichen verschiedene Aspekte damaliger gesellschaftlicher Wertvorstellungen auf eine Weise, die diese auch für Kinder zugänglich macht. (Diese Illustrationen sind auch der 2005 bei Ueberreuter aufgelegten Gesamtausgabe beigegeben, nicht aber einigen anderen deutschen Ausgaben.)

C. S. Lewis, der einen Lehrstuhl für englische Literatur des Mittelalters und der Renaissance innehatte, war lange Zeit eng mit J. R. R. Tolkien befreundet, welcher einen Lehrstuhl für englische Sprache innehatte. Die beiden Autoren beeinflussten sich gegenseitig wesentlich. Durch Tolkien konvertierte Lewis auch zum Christentum, vorher war er Atheist. Später jedoch kühlte diese Freundschaft merklich ab, unter anderem, da Tolkien sich negativ über Lewis’ Narnia-Chroniken äußerte. Tolkien nannte im Wesentlichen zwei Kritikpunkte: Erstens war ihm Narnia zu wenig detailverliebt und zu wenig sorgfältig ausgearbeitet, zweitens hielt er nichts von den zahlreichen und seiner Meinung nach allzu populärchristlichen Allegorien (in seinen eigenen Werken erscheinen christliche Motive allenfalls in sehr verhüllter Form).

Das Narnia-Universum[Bearbeiten]

Hauptartikel: Die Welt von Narnia

Die Chroniken erzählen die Abenteuer verschiedener Kinder und einiger Erwachsener, die eine zentrale Rolle in der Entwicklung der magischen Welt Narnia spielen. Die konkreten Inhalte der einzelnen Bücher sind in den jeweiligen Artikeln zusammengefasst.

Narnia ist eine von unendlich vielen Welten, die parallel in einem Multiversum existieren, in dem auch unsere eigene Welt eingebettet ist. Ein Wechseln von einer Welt in eine andere ist zwar möglich, kommt aber sehr selten vor und kann dann auf verschiedene Art und Weisen erfolgen. Der Zeitverlauf in den verschiedenen Welten ist unabhängig voneinander. Während auf unserer Erde ein Tag vergeht, können auf einer anderen Welt eine Woche oder auch tausend Jahre vergangen sein.

Die Bewohner Narnias bestehen unter anderem aus einer Vielzahl von Figuren, die aus der europäischen Mythologie und aus britischen Märchen bekannt sind. Auffällig ist, dass die zentrale Gottheit Narnias, der Löwe Aslan, deutliche Züge des christlichen Gottes trägt; es finden sich so auch in der Geschichte Narnias Elemente wie eine Schöpfung, ein Garten Eden mit einem Baum des Lebens, ein Tod des Gottes, der damit die Sünden anderer auf sich nimmt und dann Wiederauferstehung feiert, sowie zuletzt das Erscheinen eines "Antichrist" und eine anschließende Apokalypse.

Bücher-Reihenfolgen[Bearbeiten]

Die einzelnen Titel der Bücher lauten in der Erzählfolge nach einer Empfehlung, die Lewis 1957 einem Leser schrieb:

Diese Reihenfolge entspricht auch der inneren Chronologie der Romane von der Entstehung der Welt Narnia bis zu deren Untergang, wobei das Buch „Der Ritt nach Narnia“ innerhalb der Handlung des Buches „Der König von Narnia“ spielt.

Erschienen sind die Bücher in folgender Reihenfolge:

  • 1950 – Der König von Narnia (engl. The Lion, the Witch and the Wardrobe)
  • 1951 – Prinz Kaspian von Narnia (engl. Prince Caspian)
  • 1952 – Die Reise auf der Morgenröte (engl. The Voyage of the Dawn Treader)
  • 1953 – Der silberne Sessel (engl. The Silver Chair)
  • 1954 – Der Ritt nach Narnia (engl. The Horse and His Boy)
  • 1955 – Das Wunder von Narnia (engl. The Magician’s Nephew)
  • 1956 – Der letzte Kampf (engl. The Last Battle)

Auch alle bisherigen Filmreihen orientieren sich an der Erscheinungsreihenfolge.

Inhalt[Bearbeiten]

Am Anfang erzählt die Geschichte von der Erschaffung von Narnia durch den göttlichen Löwen Aslan und von der ersten Reise von Digory Kirke und Polly Plummer nach Narnia. Diese können mit Hilfe von Zauberringen zwischen den Welten reisen. Man erfährt hier auch, wie die Hexe Jadis von ihrer ursprünglichen Heimatwelt Charn nach Narnia kam und damit das Böse in die Welt brachte und wie Aslan für lange Zeit verhinderte, dass diese die Herrschaft über das Land errang. Digory darf zuletzt einen Apfel vom Baum des Lebens mit zurück in seine Welt nehmen. Aus dem Holz des daraus gewachsenen Apfelbaums lässt er Jahre später einen Wandschrank anfertigen.

Viele Jahre später geraten die Geschwister Peter, Susan, Edmund und Lucy Pevensie aus dem Londoner Stadtteil Finchley, die während des Zweiten Weltkrieges beim gealterten Professor Digory Kirke (altenglisch für „Kirche“) untergebracht sind, durch einen Zufall in den Wandschrank und finden den Weg nach Narnia. Dort herrscht seit einhundert Jahren Winter, den die tyrannische „Weiße Hexe“ Jadis verursacht hat, die zu dieser Zeit Narnia beherrscht. Sie treffen den göttlichen Löwen Aslan und kämpfen gegen die Hexe. Aslan opfert sich für Edmund, der durch Jadis zum Verräter wurde, und kehrt danach wieder von den Toten zurück. Jadis wird von den Kindern und Aslan besiegt, woraufhin die vier Kinder Königinnen und Könige von Narnia werden und das für viele Jahre bleiben.

In dieser Zeit wird die Geschichte von Bree, einem sprechendem Pferd, und dem Jungen Shasta erzählt: Aus dem heidnischen Kalormen im Süden kommend, versuchen sie, in die Freiheit nach Narnia zu fliehen. Während der Flucht treffen sie auf Aravis, eine Tochter eines Tarkaans (so nennt man die Reichen und Landesherren), mit ihrem ebenfalls sprechenden Pferd Hwin. Sie wollen auch in den Norden flüchten. Auf ihrem Weg können sie vor einem Angriff auf das Schloss Anvard in Archenland, dem befreundeten Nachbarreich Narnias, warnen und somit die Eroberung verhindern. Am Ende erfährt Shasta, dass er Prinz von Archenland ist, einst entführt wurde und sogar einen Zwillingsbruder hat: Prinz Corin. Shasta heißt eigentlich Prinz Cor, und da er der Erstgeborene ist, wird er (mit Aravis als Königin) König von Archenland. Edmund und Susan treten auf, als sie den karlormenischen Hof besuchen, Edmund und Lucy kämpfen in der Schlacht um Anvard. Peter wird mehrmals erwähnt, tritt aber nicht auf, da er sich zurzeit im Norden aufhält, wo er gegen die Riesen kämpft.

Die Pevensies finden durch Zufall den Weg zurück in ihre Welt, wo sie wieder als Kinder und zur Zeit ihres Weggangs auftauchen.

Ein Jahr später aber geraten Peter, Susan, Edmund und Lucy wieder nach Narnia. Dort sind inzwischen 1300 Jahre vergangen. Gerade auf dem Weg in die Schule – sie stehen an einem Bahnhof –, finden sie sich auf einmal in den Ruinen ihres alten Schlosses Cair Paravel (in früheren Übersetzungen „Feeneden“) wieder, wo sie einen Zwerg namens Trumpkin treffen. Dieser erzählt, dass die Telmarer, ein Menschenvolk aus dem Westen, vor langer Zeit Narnia erobert und die alten Bewohner Narnias vertrieben hätten. Zurzeit herrscht der unrechtmäßig an die Macht gekommene Miraz, vor dem der rechtmäßige Erbe Kaspian geflohen ist, weil er sonst von Miraz umgebracht worden wäre.

Als Kaspian auf seiner Flucht in eine ausweglose Situation gerät, benutzt er das alte Zauberhorn von Susan, um die vier Kinder zur Hilfe nach Narnia zurückzuholen. Gemeinsam mit den übriggebliebenen Narnianen machen sich die Kinder auf den gefährlichen Weg zur Burg der Telmarer, jedoch ohne Aslans Beistand. Deshalb können sie die Burg nicht erobern.

Aslan erscheint wieder. Zuerst können ihn die Kinder (außer Lucy) nicht sehen. Nach und nach aber schlüpfen sie in ihre alten Rollen und erblicken ihn damit, Susan zuletzt. Mit der Hilfe der Alt-Narnianen kämpfen die Kinder, Prinz Kaspian und Aslan gegen Miraz. Kaspian wird neuer König von Narnia und versöhnt die Telmarer mit den Alt-Narnianen. Am Ende erfahren Peter und Susan, dass sie nun nicht mehr nach Narnia kommen dürften, da sie zu alt seien.

Eine lange Zeit später kommen Edmund und Lucy Pevensie mit ihrem Cousin Eustachius Knilch (im Original Eustace Scrubb) durch ein Bild nach Narnia zurück. Sie landen im großen östlichen Ozean, in unmittelbarer Nähe der Morgenröte, dem Schiff König Kaspians. Sie werden an Bord geholt und reisen mit König Kaspian auf dem Schiff Morgenröte über den großen östlichen Ozean, um die sieben Lords zu finden, die unter seinem bösen Onkel Miraz verbannt wurden, und um das östliche Ende des Ozeans zu erreichen. Dabei erleben sie die tollsten Abenteuer und erreichen schließlich das Ende der Welt Narnias. Hier kehren Edmund, Lucy und Eustachius mit Hilfe des Löwen Aslan wieder in die reale Welt zurück. Und fortan dürfen auch Edmund und Lucy Pevensie nicht wieder zurück nach Narnia kommen, da auch sie nun zu alt sind.

Eustachius wird von Aslan mit seiner Mitschülerin Jill Pole tatsächlich wieder nach Narnia geholt, wo inzwischen Jahrzehnte vergangen sind. Sie bekommen vier Hinweise, um den vermissten Prinz Rilian (Sohn des nun uralten König Kaspian) zu finden, der von der unterirdisch herrschenden grünen Hexe verführt, verzaubert und verschleppt wurde.

Ihre Reise verläuft nördlich von Narnia, in die Wilden Länder des Nordens, Heimat der Riesen und schließlich in ein riesiges Höhlensystem. Als Begleitung steht ihnen der depressiv gestimmte, zweiflerische Moorwackler Trauerpfützler zur Seite. Eustachius, Jill und Trauerpfützler finden den Prinzen, brechen den Zauber und beenden die unterirdische Herrschaft der Hexe, die sich daran gemacht hatte, von ihrer unterirdischen Basis aus die Herrschaft über Narnia zu erringen. Nach dem Sieg über die Hexe kehren Eustachius und Jill in ihre Welt zurück.

Jill und Eustachius kommen abermals zurück nach Narnia, um dem letzten König von Narnia zu helfen, nachdem viele Jahre in Narnia vergangen sind. Der hinterhältige Affe Listig täuscht die Bewohner mit einem falschen Löwen Aslan, bei dem es sich in Wirklichkeit um einen verkleideten Esel handelt.

Er unterwirft die Bewohner und beginnt aus Habsucht die Zerstörung der narnianischen Wälder. Er holt die feindlichen Kalormen ins Land, die dieses besetzen und erobern. König Tirian und seine Helfer können das Ruder nicht mehr herumreißen. Der wahre Aslan zerstört daraufhin Narnia, errettet jedoch die ihm treu Gebliebenen in eine jenseitige neue Welt, das wahre Narnia (das Narnia, von dem bisher die Rede war, war nur die Schattenwelt des wahren Narnia). Auch Digory, Polly, Edmund, Lucy und Peter werden von ihm, nachdem sie in ihrer Welt bei einem Zugunglück gestorben sind, in das Paradies Narnia geführt. Dort im wahren Narnia treffen Jill, Eustachius, Digory, Polly, Edmund, Lucy und Peter Bekannte, denen sie in Narnia geholfen oder die sie begleitet hatten.

Übersetzungen ins Deutsche[Bearbeiten]

Die Narnia-Chroniken wurden zunächst von Lisa Tetzner (Der König von Narnia; Prinz Kaspian von Narnia), Hans Eich (Der letzte Kampf) und Ulla Neckenauer (übrige Bände) ins Deutsche übersetzt. Von Christian Rendel wurde – zusammen mit Wolfgang Hohlbein – eine weitere Übertragung aufgelegt. Letztere folgt etwas enger dem englischen Satzbau und erscheint etwas weniger sprachlich antiquiert. In einer FAZ-Rezension empfiehlt Lorenz Jäger allerdings Tetzners Fassung: Die Neuübersetzung sei ohne „Prägekraft“, ihr fehle das „Charaktervolle der deutschen Sprache“, sie zeige ein „ausgeleiertes, unidiomatisches Deutsch“.[1]

Hörbücher[Bearbeiten]

Mittlerweile sind alle Bücher der Chroniken von Narnia auch als Hörbücher erschienen. Die englischen Ausgaben werden von den bekannten britischen und irischen Schauspielern Michael York, Lynn Redgrave, Derek Jacobi, Kenneth Branagh, Patrick Stewart und Jeremy Northam gelesen.

Eine weitere englische Ausgabe wurde von Andrew Sachs gelesen.

Die deutschsprachigen Ausgaben werden durchgängig von Philipp Schepmann gelesen.

Verfilmungen[Bearbeiten]

Die Narnia-Geschichten wurden bereits mehrfach filmisch umgesetzt, sowohl als Real- wie auch als Zeichentrickfilm.

Fernsehtrilogie[Bearbeiten]

Drei Filme wurden von der britischen Fernsehgesellschaft BBC erstellt.

Aus Budgetgründen musste von der Verfilmung der letzten drei Bücher abgesehen werden. Die BBC-Verfilmungen sind seit dem 19. Dezember 2005 in Deutschland als Special Edition mit vier DVDs erhältlich.

Kinoverfilmungen[Bearbeiten]

Drei Filme wurden bisher von Walden Media erstellt. Ein weiterer Film ist in Planung, wird aber, im Gegensatz zu den ersten drei, keine Neuverfilmung sein.

Bühnenfassungen[Bearbeiten]

Unter zahlreichen in England viel gespielten Bühnenfassungen des Narnia-Stoffs ist vor allem das Musical von Irita Kutchmy The Lion, the Witch, and the Wardrobe aus den 1980er-Jahren zu erwähnen, das auch in deutscher Sprache unter dem Titel Der Winterwald im Kleiderschrank erstmals im Oktober 2008 auf einer professionellen, deutschen Bühne im Westfälischen Landestheater Castrop-Rauxel aufgeführt wurde.[3]

Rezeption[Bearbeiten]

Die schwedische Metal-Band Narnia benannte sich nach den Büchern. Dies galt auch für die US-amerikanische Band Psychotic Waltz gleichen Genres, die ursprünglich unter dem Namen Aslan gegründet worden war, sich aber später wegen einer anderen Band gleichen Namens umbenennen musste. Auch die deutsche Metal-Band Charn fand ihren Namen in Narnia. Harris Johns, der Bandgründer, schrieb und produzierte die Musik für die erstmals 1986 ausgestrahlte, sechsteilige Hörspielreihe Das Wunder von Narnia des Senders RIAS Berlin. Die Hörspielbearbeitung machte Brita Nasarski, die Regie Robert Matejka.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. FAZ vom 24. Dezember 2005, Zusammenfassung bei perlentaucher
  2. Narnia 4: Das Wunder von Narnia. In: filmkinotrailer.com. Abgerufen am 10. November 2012.
  3. Westfälisches Landestheater zeigt „Der Winterwald im Kleiderschrank“. In: ruhrnachrichten.de. 14. Oktober 2008, abgerufen am 3. Februar 2009.