The Housemartins

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
The Housemartins
Allgemeine Informationen
Genre(s) Pop
Gründung 1983
Auflösung 1988
Letzte Besetzung
Paul Heaton
Stan Cullimore
Norman Cook
Hugh Whitaker (bis 1987)
Schlagzeug
Dave Hemingway (ab 1987)
Ehemalige Mitglieder
Schlagzeug
Chris Lang
Ted Key

The Housemartins (engl. für „Mehlschwalbe“) waren eine britische Independent-Pop-Band zwischen 1983 und 1988, die aus der nordenglischen Stadt Kingston upon Hull stammte.

Bandgeschichte[Bearbeiten]

Sofern es sich bei der 1986 von der Schallplattenfirma Chrysalis/Go! Discs verbreiteten Entstehungsgeschichte[1] nicht um eine Legende handelt, die von Musikredaktionen (beispielsweise die des Musikexpress[2]) übernommen wurde, führte ein ins Fenster geklebtes Mitmusikergesuch des Anfang der 1980er Jahre nach Kingston upon Hull gezogenen Sängers Paul Heaton zur Bekanntschaft mit dem Gitarristen Stan Cullimore. Die alternative Version spricht von einer Zeitungsannonce.[3] Nachdem sie Ende 1983 zunächst als Straßenmusiker unterwegs waren, stockten sie mittels Hinzunahme einer Rhythmussektion zu einer kompletten Band auf.[3] Paul Heaton (Gesang), Stan Cullimore (Gitarre), Ted Key (Bass) und Chris Lang (Schlagzeug) bildeten die Housemartins und erhielten 1985 ihren ersten Plattenvertrag bei dem Label Go! Discs. Erst Lang und dann auch Key schieden bereits vor der Produktion der ersten LP aus. Lang wurde durch Hugh Whitaker ersetzt, den Cullimore von der örtlichen Studenten-Vereinigung her kannte,[4] während Key von Norman Cook, zu Schulzeiten in Reigate mit Heaton in derselben Band spielend, abgelöst wurde.[3][5]

Die Gitarren-orientierten Songs der Housemartins, meist aus der Feder von Heaton und Cullimore, waren von sozialkritisch und politischen Texten geprägt (so waren alle Bandmitglieder auch in der örtlichen Kommunistischen Partei aktiv); dennoch erreichten sie 1986 mit ihrer Single Happy Hour und der LP London 0 Hull 4 ein größeres Publikum und Aufmerksamkeit über England hinaus. Konservative Kreise versuchten immer wieder die linksgerichtete Band mit Arbeitermilieu-Anstrich in Misskredit zu bringen.[2] Die Jugendzeitschrift Bravo griff eine Kampagne auf und berichtete im Februar 1987 von den bestens abgesicherten Söhnen begüterter Eltern, und lastete zweien, die tatsächlich ihre Vornamen geändert hatten, eine Vertuschungsabsicht an.[4] In einem Interview mit dem New Musical Express betonten sie ihre Genügsamkeit und Bescheidenheit. Vieles von dem Working-Class-Image sei in die Band hineingetragen worden.[6]

Whitaker verließ die Gruppe im Februar 1987, weil er sich auf die Musikhochschule konzentrieren wollte. Über einen Mittelsmann besorgte er noch den Ersatz Dave Hemingway.[7] Dieser wirkte sogleich bei den Aufnahmen zur zweiten LP The People Who Grinned Themselves to Death mit. Der Wechsel wurde u. a. im Video zu dem Hit Five Get over Excited thematisiert. Für einzelne Aufnahmen arbeitete die Band auch mit wechselnden Gastmusikern zusammen, u. a. mit Pete Wingfield (Piano bei Bow Down, Build und Lean on Me), Jeffrey Wood (Piano bei I’ll Be Your Shelter) und Guy Barker (Trompete bei Think for a Minute).

Auch wenn die Housemartins nur mit der Single Caravan of Love (im Original vom Trio Isley Jasper Isley) einen Nummer-eins-Hit verzeichnen konnten, erreichten die meisten ihrer Singles in den britischen Charts mindestens Top-40-Positionen. Five Get over Excited, Me and the Farmer und Happy Hour werden auch heute noch in mancher Indie- und Britpop-Disco aufgelegt.

Anfang 1988 löste sich die Band zur Überraschung vieler Fans quasi auf dem Höhepunkt ihres Erfolges auf,[8] die musikalischen Differenzen zwischen einigen der Mitglieder wurden zu groß. Zudem war das Projekt The Housemartins nach eigenen Angaben von Anfang an nur für einige Jahre geplant gewesen.

Heaton und Hemingway gründeten daraufhin Ende 1988 The Beautiful South und erarbeiteten sich mit ihrer neuen Band noch größere (europaweite) Anerkennung, während Norman Cook sich der Elektronischen Tanzmusik zuwandte, zuerst mit einem Soloalbum, später mit den Projekten Beats International, Freak Power, Mighty Dub Kats und Fatboy Slim sogar weltweiten Erfolg feierte.

Diskografie[Bearbeiten]

Studioalben[Bearbeiten]

Jahr Titel Chartplatzierungen[9] Anmerkungen
Flag of Germany.svg DE Flag of Switzerland.svg CH Flag of the United Kingdom.svg UK Flag of the United States.svg US
1986 London 0 Hull 4 15
(14 Wo.)
17
(5 Wo.)
3
(41 Wo.)
124
(14 Wo.)
1987 People Who Grinned Themselves to Death 30
(12 Wo.)
9
(18 Wo.)
177
(6 Wo.)

Kompilationen[Bearbeiten]

Jahr Titel Chartplatzierungen[9] Anmerkungen
Flag of Germany.svg DE Flag of the United Kingdom.svg UK
1986 The Housemartins' Christmas Singles Box 84
(1 Wo.)
1988 Now That's What I Call Quite Good 29
(7 Wo.)
8
(11 Wo.)
2004 The Best Of 29
(3 Wo.)
2007 Soup (The Housemartins Condensed,
The Cream of The Beautiful South)
15
(24 Wo.)
mit The Beautiful South
weitere Kompilationen
  • 1997: Raise the Flag (B-Seiten, Live-Tracks und Raritäten)
  • 2006: Live at the BBC
  • 2011: Happy Hour - The Collection

Singles[Bearbeiten]

Jahr Titel Chartplatzierungen[9] Anmerkungen
Flag of Germany.svg DE Flag of Austria.svg AT Flag of Switzerland.svg CH Flag of the United Kingdom.svg UK
1986 Sheep 54
(4 Wo.)
56
(4 Wo.)
1986 Happy Hour 3
(13 Wo.)
1986 Think for a Minute 18
(8 Wo.)
1986 Caravan of Love 2
(18 Wo.)
7
(14 Wo.)
2
(11 Wo.)
1
(11 Wo.)
1987 Five Get over Excited 11
(6 Wo.)
1987 Me and the Farmer 15
(5 Wo.)
1987 Build 15
(8 Wo.)
1988 There Is Always Something There to Remind Me 15
(8 Wo.)
2003 Change the World 51
(1 Wo.)
Dino Lenny vs. The Housemartins
weitere Singles
  • 1985: Flag Day
  • 1987: The Housemartins (Interview mit Stan Cullimore und We Are Not Going Back)

Quellen[Bearbeiten]

  1.  Hanns Peter Bushoff (verantwortlich), Presse International und National Ariola-Eurodisc GmbH (Hrsg.): The Housemartins. München [1986] (Promo-Sheet).
  2. a b  (lz): The Housemartins. The People Who Grinned Themselves To Death. In: Musikexpress. November 1987, Platte des Monats, S. ?.
  3. a b c Vicky-Leigh Sayer: The Housemartins. The Band. In: beautifulsouthfans.co.uk. Abgerufen am 14. Juni 2014 (englisch).
  4. a b  Housemartins. Die „Caravan of Love“-Sänger geben sich als arme Schlucker. Die Wirklichkeit sieht anders aus. In: Bravo. Nr. 9/1987, 19. Februar 1987, S. ?.
  5. You've come a long way, baby. In: about.brighton.ac.uk. Abgerufen am 14. Juni 2014 (englisch).
  6.  Barbara Ellen: Power, Corruption and Guys. In: New Musical Express. 28. November 1987, S. 18 f. und 53.
  7.  Adrian Thrills: Goodbye to the House of Fun. In: New Musical Express. 23. Mai 1987, S. 25 und 41.
  8.  Sebastian Zabel: Housemartins. Lös dich nicht morgen auf, wenn du dich heute auflösen kannst. Die Housemartins gehen über Kleine-Mädchen-Leichen. In: Spex. März 1988, S. 6.
  9. a b c Chartquellen: Singles / Alben / Billboard 200

Weblinks[Bearbeiten]