The KLF

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The KLF (Kopyright Liberation Front oder auch Kings of Low Frequency) waren eine in der elektronischen Tanzmusik einflussreiche britische Musikgruppe in den späten 1980er und frühen 1990er Jahren. Die Bandbreite ihrer Musik reichte von Ambient bis zu House, wobei sie vor allem durch die freizügige Verwendung von Samplings aus Musikstücken anderer Künstler bekannt wurden. Im englischen Sprachraum hat sich für die von The KLF geprägte Beimischung von Publikumsgeräuschen über House-Produktionen der Begriff Stadium House geprägt.

Biografie[Bearbeiten]

Entstehung[Bearbeiten]

Die Musikgruppe wurde von Bill Drummond (* 29. April 1953 in Butterworth, Südafrika als William Ernest Drummond) (alias King Boy D, Time Boy) und Jimmy Cauty (* 1956 in Devon, England als James Cauty) (alias Rockman Rock, Lord Rock) gegründet. Drummond war zuvor bei der Plattenfirma WEA Manager der Popbands Echo and the Bunnymen und The Teardrop Explodes gewesen und hatte dort auch Cautys Band Brilliant betreut. Nach Drummonds Ausstieg bei WEA 1986 begann die Zusammenarbeit mit Cauty.

Entwicklung[Bearbeiten]

1987 nannten sie sich zunächst The Justified Ancients of Mu Mu (The JAMs, dt. Die wirklich wahren Ahnen/Vorfahren von Mu Mu) nach der fiktiven konspirativen Gruppe „The Justified Ancients of Mummu“ aus der Roman-Trilogie Illuminatus! und veröffentlichten ihre erste Single All You Need Is Love, die überwiegend aus Samples vom gleichnamigen Titel der Beatles und von Samantha FoxTouch Me (I Want Your Body) bestand. Im selben Jahr wurden sie von ABBA verklagt, da sie ohne Erlaubnis große Teile deren Hits Dancing Queen für ihren Titel The Queen and I gesampelt hatten. Das JAMs-Album 1987 – What the Fuck Is Going on? musste deshalb vom Markt genommen werden.

Für die nächsten beiden Singles bedienten sich Drummond und Cauty bei der Titelmusik zur Fernsehserie Kobra, übernehmen Sie, vermischt mit Whitney Houstons I Wanna Dance with Somebody sowie bei Down Town von Petula Clark, darauf folgte das Album Who killed the JAMs?. Ihren ersten Nummer-Eins-Hit in Großbritannien hatten sie 1988 als The Timelords mit Doctorin’ the Tardis, einer Coverversion der Filmmusik von Doctor Who, vermischt mit Gitarrenriffs aus Gary Glitters Rock and Roll (Part Two) und der Sirene aus dem Intro von The Sweets Blockbuster.

Anschließend veröffentlichten sie das Buch The Manual (How to Have a Number One – The Easy Way) (auf deutsch: The KLF - Das Handbuch - Der schnelle Weg zum Nummer-Eins-Hit), in dem sie detailliert beschrieben, wie man aus einer Handvoll Samples einen Nummer-Eins-Hit konstruiert. Es gilt heute als ein Klassiker der Pop-Literatur. Mit diesem Buch enttarnten sie klug und sarkastisch die Mechanismen des Musikgeschäfts. Mittlerweile wird das Manual kostenlos im Netz vertrieben. Die Hörbuch-Doppel-CD zu dem Buch wird von Bela B. gesprochen.

Zur selben Zeit benannten sie ihre zuvor The Sound of Mu(sic) benannte Plattenfirma in KLF Communications um und nannten sich künftig The KLF, wenngleich Justified Ancients of Mu Mu bzw. The JAMs weiterhin als Untertitel geführt wurde. Zwischen 1988 und 1989 veröffentlichten sie eine Reihe von House-orientierten Maxis, die die Band als „pure trance“ bezeichnete. Zur Irritierung des Publikums trugen Aktionen wie beim Helter Skelter Rave in Oxfordshire 1989 bei, als The KLF 1.000 schottische Pfundnoten mit der Aufschrift „Children we love you" an die Anwesenden verteilten.

The KLF erlangten einen legendären Ruf in der eben aufkeimenden englischen Rave-Szene. Hier fand ihr im Sommer 1990 herausgebrachter Track What Time is Love? enormen Anklang, so dass sich die Gruppe verstärkt elektronischen Produktionen widmete. Eine weitere Pure-Trance-Veröffentlichung war Anfang 1991 der Titel 3 A.M. Eternal, in dem am Anfang das mit Maschinengewehrsound verkoppelte Jingle vom ehemaligen ANC-Sender Radio Freedom eingespielt wurde.[1] Anschließend erschien ihr Film White Room, in dem Drummond und Cauty den gleichnamigen mystischen Raum suchen.

Um dieselbe Zeit gründete Cauty mit Alex Paterson das Ambient-Projekt The Orb. Von Ambient beeinflusst war dann auch das nächste KLF-Album Chill Out (1990), das nur aus einem langen Musikstück besteht, obwohl es offiziell in 14 Tracks unterteilt ist. Es sind fahrende Züge, zirpende Grillen und raschelnde Maisstängel zu hören. Chill Out gilt als Beginn des gleichnamigen Musikstils.

Höhepunkt[Bearbeiten]

Ebenfalls 1990 machten sich Drummond und Cauty an die Neuaufnahmen der Lieder aus ihrem Film White Room, nun mit Gastmusikern und mehr Gesang/Rap. Die Titel wurden auch mit gesampelten Publikumsgeräuschen unterlegt, womit die Stilrichtung des Stadium House begründet war. Im Frühjahr 1991 wurden die bereits 1989 fertiggestellten Titel What Time is Love? und 3 A. M. Eternal zu internationalen Hits, obwohl beide Titel teilweise dieselben Sample-Versatzstücke verwendeten. Im gleichen Jahr nahmen sie mit der amerikanischen Country-Sängerin Tammy Wynette ihren Titel Justified and Ancient neu auf. Das zu diesen Remakes gehörige Album The White Room wurde auch zum erfolgreichsten Album der Gruppe.

1990 und 1991 traten The KLF auch als Remixer von Depeche Mode und den Pet Shop Boys in Erscheinung.

1992 gewannen sie einen BRIT Award und absolvierten bei der Preisverleihung ihren letzten gemeinsamen Auftritt, der bis heute Kultstatus genießt: The KLF taten sich zum Auftritt mit der Grindcore-Formation Extreme Noise Terror zusammen, schossen mit Maschinenpistolen und Platzpatronen in die Zuschauermenge und verließen nach einer zweieinhalbminütigen Grindcoreversion ihres Hits 3 A. M. Eternal und der abschließenden Durchsage „The KLF has now left the music business“ die Bühne. Die Verantwortlichen der BBC hatten gerade noch verhindern können, dass die Band Blut aus Eimern über das Publikum schüttete, dafür hinterließ die Band bei der Aftershow Party allerdings einen Schafskadaver, der einen Zettel mit der Aufschrift „I died for you. Bon appetit“ („Ich starb für dich. Guten Appetit.“) trug.

Ende[Bearbeiten]

Nach dem Skandalauftritt versuchte sich die Band noch an gemeinsamen Aufnahmen mit Extreme Noise Terror zu einem geplanten Album The Black Room, verkündete dann jedoch am 14. Mai 1992 die Beendigung all ihrer Aktivitäten. Auf Veranlassung der Band wurde auch der Verkauf von KLF-Tonträgern eingestellt.

Drummond und Cauty gründeten nach ihrem Rückzug aus dem Musikgeschäft die K Foundation, die sich zwischen 1993 und 1995 an verschiedenen Happenings beteiligte. Am 23. August 1994 nahmen die beiden den Dokumentarfilm Watch The K Foundation Burn a Million Quid auf, in dem sie eine Million Britische Pfund in 50-Pfund-Noten verbrannten.

1997 traten Drummond und Cauty für 23 Minuten unter dem Namen 2K als Senioren verkleidet und in Rollstühlen sitzend bei einer einmaligen Performance in London auf, wo sie zweimal eine neue Version von What Time is Love? unter dem neuen Titel Fuck the Millennium mit einer Blaskapelle darboten und einmal K Cera Cera (The War Is Over if You Want It). Der Auftritt war als Parodie auf das klassische Pop-Comeback gedacht, um auf das künstlerische Pathos dieses Gedankens hinzuweisen und ihn zu reversieren. Ein Mitschnitt wurde als Single veröffentlicht und erreichte die UK Top 40.

Nach The KLF[Bearbeiten]

Drummond und Cauty gingen zwar seit 1995 zumeist getrennte Wege, haben sich jedoch nicht aus dem Musik-Geschäft zurückgezogen. Während Drummond wieder Projekte aus dem Rock- und Pop-Bereich produziert und berät, hat sich Cauty mehr in den Underground zurückgezogen. Mit Partnern wie Youth oder Alex Paterson arbeitet er nun an diversen Projekten aus dem Ambient- und Dub-Bereich. Im Jahre 2003 stieg er wieder bei The Orb ein und wirkte an der Produktion des Albums Bicycles and Tricycles mit. Im Jahre 2005 veröffentlichten Cauty, Paterson und Guy Pratt (Ex-Tour-Bassist von Pink Floyd) unter dem Namen Transit Kings die Single Token EP. Cauty beteiligt sich meist nur kurzzeitig an Projekten, bis er seinen Ausstieg verkündet. Zusammen mit anderen Musikern hat er diverse Projekte gegründet, die nach kurzer Zeit ohne ihn weiter bestehen. Lediglich dem Projekt The Orb ist er mehrfach für kurze Zeit erneut beigetreten. Bereits Anfang der 1990er Jahre haben Cauty und Drummond in Interviews mitgeteilt, dass sie ihre Hauptrolle innerhalb der Musikszene darin sehen, Musik-Projekten ihre Erfahrungen zu vermitteln, um ihnen dabei zu helfen, neue Ideen umzusetzen, die das Potential haben, neue Musikrichtungen zu etablieren.

Diskografie[Bearbeiten]

Alben[Bearbeiten]

Jahr Titel Chartpositionen[2] Anmerkungen
DE AT CH UK US
1991 The White Room 14
(33 Wo.)
13
(21 Wo.)
13
(12 Wo.)
3
(46 Wo.)
39
(… Wo.)
Erstveröffentlichung: März 1991

Weitere Veröffentlichungen:

  • 1987: 1987 (What the Fuck Is Going On?)
  • 1988: Who Killed The JAMs?
  • 1989: Shag Times
  • 1989: The "What Time Is Love?" Story
  • 1990: Chill Out

Singles[Bearbeiten]

Jahr Titel Chartpositionen[2] Anmerkungen
DE AT CH UK US
1988 Doctorin' The Tardis 28
(11 Wo.)
1
(9 Wo.)
66
(13 Wo.)
Erstveröffentlichung: Mai 1988
1990 What Time Is Love?
The White Room
6
(22 Wo.)
23
(12 Wo.)
23
(4 Wo.)
5
(12 Wo.)
Erstveröffentlichung: Juli 1990
3 A.M. Eternal
The White Room
3
(20 Wo.)
7
(12 Wo.)
4
(15 Wo.)
1
(11 Wo.)
5
(19 Wo.)
Erstveröffentlichung: Dezember 1990
1991 Last Train To Trancentral
The White Room
4
(20 Wo.)
6
(12 Wo.)
6
(19 Wo.)
2
(9 Wo.)
Erstveröffentlichung: April 1991
Justified & Ancient
The White Room
3
(23 Wo.)
1
(21 Wo.)
2
(24 Wo.)
2
(12 Wo.)
11
(18 Wo.)
Erstveröffentlichung: Oktober 1991
(mit Tammy Wynette)
America: What Time Is Love? 6
(18 Wo.)
3
(14 Wo.)
3
(15 Wo.)
4
(7 Wo.)
57
(12 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1991
It's Grim Up North 26
(1 Wo.)
10
(6 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1991
1996 Ooh! Aah! Cantona 11
(4 Wo.)
Erstveröffentlichung: Mai 1996
(mit 1300 Drums)
1997 Fuck The Millennium 28
(2 Wo.)
Erstveröffentlichung: Oktober 1997

Literatur[Bearbeiten]

  • Bill Drummond, Jimmy Cauty: The KLF. Das Handbuch. Der schnelle Weg zum Nr. 1 Hit. Die Gestalten Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-931126-22-6.
  • Stephan Trüby: "Absolute Architekturbeginner: Pyramidenbau, Potlatsch und Paranoia-Pop", in archplus 171, Juni 2004, S. 60-71 (sehr guter Artikel über das Ende von KLF und die Geschichte der K Foundation).
  • Ulrich Gutmair und Micz Flor: "The KLF. James Cauty erinnert sich" In: de:bug 102, 05/2006, S. 34-37, Onlineversion: http://de-bug.de/mag/4334.html

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lebona Mosia, Charles Riddle, Jim Zaffiro: From Revolutionary to Regime Radio: Three Decades of Nationalist Broadcasting in Southern Africa. In: Africa Media Review, Vol. 8 (1994), Nr. 1, S. 8. auf www.archive.lib.msu.edu (PDF; 4,1 MB)
  2. a b Chartquellen: DE AT CH UK US

Weblinks[Bearbeiten]