The Limits of Control

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Filmdaten
Deutscher Titel The Limits of Control
Originaltitel The Limits of Control
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2009
Länge 118 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Jim Jarmusch
Drehbuch Jim Jarmusch
Produktion Gretchen McGowan,
Stacey E. Smith
Musik Boris[1]
Sunn O)))
Kamera Christopher Doyle
Schnitt Jay Rabinowitz
Besetzung

The Limits of Control (deutsch auch: Der geheimnisvolle Killer) ist ein Spielfilm des US-amerikanischen Regisseurs Jim Jarmusch aus dem Jahr 2009.

Handlung[Bearbeiten]

Ein wortkarger Mann trifft in einem Madrider Flughafen ein und wird auf eine mysteriöse Reise durch Spanien geschickt. Er begegnet immer wieder ebenso mysteriösen Menschen, die nach ritualisierter Erkennungsfloskel mit ihm Streichholzschachteln austauschen. Diese enthalten kleine Zettel mit jeweils drei Zeilen Buchstaben und Zahlen. Der Mann liest die Zettel und verschluckt sie mit Espressoflüssigkeit. Während seine Partner bei den Treffen pseudophilosophische und poetische Monologe halten, wobei einige Sätze von allen variiert werden, sagt der Einsame fast kein Wort. Zwischen den Treffen sitzt er in Cafés, bestellt immer zwei Espressi, betrachtet Bilder im Museum, verbringt die Nächte wach und angezogen im Bett und macht Taijiquan-Übungen. Die Verführungsversuche einer gelegentlich im Hotelzimmer auftauchenden nackten Frau weist er zurück: „Nicht während der Arbeit.“

Schließlich gelangt der Einsame mit der Bahn und über einen weiteren Kontakt in die spanische Einöde zu einem schwer bewachten Anwesen, vor dem schwarze Limousinen parken. Ein Hubschrauber, der schon vorher immer wieder zu sehen war, landet. Der Einsame dringt „durch seine Vorstellungskraft“ in das Anwesen ein. Er hat eine sehr kurze, kryptische Unterhaltung mit einem Amerikaner, der verächtlich durchblicken lässt, dass der Mann nicht die geringste Ahnung habe, was die Welt am Laufen hält. Der Einsame erdrosselt den Amerikaner auftragsgemäß mit einer Gitarrensaite. Danach kehrt der Mann nach Madrid zurück. Die Schlusssequenz zeigt ihn, wie er sich auf einer Toilette im Atocha-Bahnhof umzieht, seinen „Dienstanzug“ im Schließfach entsorgt und diesen Ort verlässt.

Hintergrund[Bearbeiten]

Der Film-Titel „The Limits of Control“[2] ist einem Essay-Titel des Underground-Literaten und Dichters William S. Burroughs entlehnt,[3] einer der Lieblingsdichter von Jarmusch.[4] Das Skript war mit anfangs 25 Seiten sehr schmal gehalten, erst während der Dreharbeiten entstanden die Dialoge.[5]

Um dem Zuschauer das Gefühl zu geben, sich „auf einem Trip“ zu befinden, wählte Jarmusch für die Taxifahrt des Auftragskillers vom Madrider Flughafen aus in die Stadt hinein nur die unsauberen und missglückten Aufnahmen aus. „Der Zuschauer soll die neue Welt ganz und gar mit Augen des Helden sehen und dabei spüren, wie die Eindrücke auf ihn einstürmen.“[6] Den Eindruck der visuellen Authentizität erhöhte Jarmusch auch durch die Wahl des Filmmaterials. Anstelle der „sehr gesättigten, leuchtenden Kodak-Farben“ verwendeten er und sein Kameramann Chris Doyle ein „eher blasse[s] Material von Fuji“.[7]

Mit dem Hauptdarsteller Isaach De Bankolé ist Jim Jarmusch seit 25 Jahren befreundet. Jarmusch schätzt an dessen Schauspielkunst eine eindrucksvolle körperliche Präsenz bei zugleich minimaler Mimik und Gestik, was ihm eine „unerhörte Expressivität“ verleihe.[5]

Zu seinen Bildkompositionen im Film meinte Jarmusch: „Es ist mein Ziel, dass die Zuschauer solche Bilder sehen, als wären sie Gemälde. Und dass sie, wenn sie das Kino verlassen, diese Gegenstände wieder ganz anders wahrnehmen. Die [Geschichte] ist zweitrangig. Es gibt eine Geschichte, aber eher versteckt. Ich lasse die dramatischen Dinge gern weg. Mich interessieren eher die Charaktere und ihre Interaktionen. Ich zeige, wie meine Figuren Dinge anschauen und dabei die Zeit vergeht.“[8]

Rezeption[Bearbeiten]

Der Film polarisierte die Zuschauer und Kritiker in zwei Lager: während die Einen sich darüber beklagten, dass er nicht ihre Erwartungen an einen herkömmlichen Thriller bedient hatte,[9] begrüßten oder bewunderten Andere die Art und Weise, wie der Film eine Geschichte erzählt, Stimmungen transportiert und Bilder erschafft.[10]

The Limits of Control startete am 1. Mai 2009 in einer nur geringen Anzahl amerikanischer Kinos. Eine Mehrheit der amerikanischen Filmkritiker bewertete ihn vorwiegend negativ. Das US-Filmportal Rotten Tomatoes zählte bei bislang 73 Kritiken nur 32 % positive und bezeichnet selbst das Filmerlebnis als „ermüdend“ und „mit geringer Belohnung“.[11] In Deutschland wurde der Film am 28. Mai 2009 in synchronisierter Fassung gestartet.

Andreas Kilb bezeichnete in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung The Limits of Control als „kein simples Stück Kinounterhaltung, und so waren viele Kritiker rasch fertig mit dem Film: elitär, minimalistisch, unverständlich, so tönt es aus den Texten der Kollegen in Amerika…“ […] Demgegenüber meint er, „die toten Plätze in den Städten im Mittagslicht – das alles ist längst beschrieben (und von Dalí und De Chirico gemalt), nur im Kino hat man es so noch nicht gesehen.“ Kilb hält daher und aus weiteren Gründen den Film für „auf der Höhe seiner Zeit“.[12]

Tobias Kniebe bezeichnete in der Süddeutschen Zeitung den Film als „Minimal Cinema“, da Jarmusch „Ritual, Langsamkeit, Reduktion und Kodifizierung“ in diesmal besonderer „Strenge“ verfolge. Kniebe akzeptiert zwar die „äußerste[.] Verknappung seiner Mittel, bis hin zu einem fast vollständigen Verzicht auf Plot, Handlungslogik und Figurenentwicklung“. Doch das Film-Ende hält Kniebe dagegen für einen „Beschiss, wenn man zuvor einen derart gewaltigen Anlauf genommen hat.“[9]

Ruprecht Skasa-Weiß hält in der Stuttgarter Zeitung The Limits of Control für „ein[en] Thrillverweigerungsfilm, ein Anti-Thriller. Ein Filmessay, gezeugt aus dem Vorsatz, über das Wesen der Wirklichkeit nachzudenken.“ […] „Wiederholung, Repetition, Déjà-écouté-Dialoge – sie sind das wichtigste dramaturgische Mittel des bildstarken Films“ […] „Die kurzen Kaffeetischkollegs strukturieren den Film sonderbar akademisch. So gerät ‚The Limits of Control‘ zu einer verpuzzelten Reflexion über Wahrnehmung, Wirklichkeit und Vorstellungskraft. Einzig die Ruhe, die Genauigkeit des Blicks entscheidet darüber, was in die Realität treten soll; ob ein Gemälde, angeschaut im Museo Nacional, oder eine Landschaft, angeschaut durchs Zugfenster: Bild sind beide, Wirklichkeit sind beide.“[13]

Georg Seeßlen findet für den Film Sympathie und Gefallen. Wieder einmal verändere Jarmusch in einem „höchst poetischen Spiel“ das Muster eines Filmgenres, nämlich den „Verschwörungsthriller“:
The Limits of Control ist weniger eine Geschichte als eine cineastische Installation: Bilder – Gemälde, Metaphern, Zitate und Einstellungen – erschaffen Bilder. Jede Einstellung könnte man sich auch als Kunstdruck ins Wohnzimmer hängen. Jede Dialogzeile könnte Eingang in einen Lyrik-Band finden. Jeder Schauspieler-Auftritt ist eine autarke Performance. Und all das in Bewegung gebracht mit der großartigen Musik von Boris[1] und Sunn O))) in diesem wundervollen Flow, wie es eben nur Jarmusch versteht. Andererseits: besonders aufregend ist das alles aber auch wieder nicht. Trotz der Gefahren, trotz nackter Damen in Hotelzimmern, trotz einer beklemmenden Mordszene. Aber um das Aufgeregt-Sein oder Aufgeregt-Werden ging es ja ohnehin nie in Jim Jarmuschs Filmen. Erreicht werden vielmehr cineastische Zustände zwischen Komik, Poesie und Versenkung, zwischen Dada und Buddha, die einem das Herz aufgehen lassen, wenn man in der richtigen Stimmung dazu ist.“[14]

Das ZDF hob die Regie des Kameramannes hervor: „Grandios komponierte Tableaus und furiose Kamerafahrten – in dem jüngsten Thriller von Jim Jarmusch zeigt Kameramann Christopher Doyle sein herausragendes Talent.“[15]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Boris, englische Wikipedia
  2. William S. Burroughs: The Limits of Control oder BurroughsControl
  3. Teresa Corceiro: „Verschwörung mal anders. Jim Jarmuschs "The Limits Of Control" “, 3sat, Kulturzeit, 26. Mai 2009 mit Video, 4:13 Min.
  4. Karen Schoemer: „On The Lower East Side With: Jim Jarmusch; Film as Life, and Vice Versa“, New York Times, 29. April 1992
  5. a b „Interview mit Regisseur Jim Jarmusch“, moviepilot.de, 2. Mai 2009
  6. Lars-Olav Beier: „Die Filmindustrie ist am Ende“, Spiegel Online, 29. Mai 2009, Interview mit Jarmusch
  7. Daniel Kothenschulte: „Kino als Liebeserklärung an die Künstlichkeit“, Frankfurter Rundschau, 28. Mai 2009, Interview mit Jarmusch
  8. Jan-Christoph Wiechmann: „Ich studiere Pilze und katalogisiere Vögel“, stern, 28. Mai 2009, Interview mit Jarmusch
  9. a b Tobias Kniebe: „Zur Sache, Schätzchen“, Süddeutsche Zeitung, 27. Mai 2009
  10. Georg Seeßlen: „The Limits of Control“, epd Film, Nr. 6, 2009
  11. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatThe Limits of Control Movie Reviews, Pictures. Rotten Tomatoes, abgerufen am 31. Mai 2009 (englisch): „The Limits of Control is a tedious viewing experience with little reward.“
  12. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatAndreas Kilb: Wunschphantasie: Jarmuschs „Limits of Control“. Frankfurter Allgemeine Zeitung, abgerufen am 31. Mai 2009.
  13. Ruprecht Skasa-Weiß: Ein Film auf der Grenze, Stuttgarter Zeitung, 28. Mai 2009
  14. Markus Metz & Georg Seeßlen: „The Limits of Control – Die Filme von Jim Jarmusch“, WDR 5, 26. Mai 2009
       vgl. auch Georg Seeßlen: „The Limits of Control“, epd Film, Nr. 6, 2009
  15. Josef Nagel, Ursula Beyer: „neu im kino: The Limits of Control“, ZDF, 27. Mai 2009, 4:06 Min.

Weblinks[Bearbeiten]