The Staircase: Tod auf der Treppe

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Filmdaten
Deutscher Titel The Staircase: Tod auf der Treppe
Originaltitel Soupçons
Produktionsland Frankreich
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2004
Länge 360 Minuten
Stab
Regie Jean-Xavier de Lestrade
Drehbuch Jean-Xavier de Lestrade
Produktion Jean-Xavier de Lestrade
Kamera Jean-Xavier de Lestrade
Schnitt Jean-Xavier de Lestrade
Besetzung

The Staircase: Tod auf der Treppe ist der deutsche Titel des Dokumentarfilms Soupçons (wörtlich in Deutsch: "Verdacht") von Oscar-Preisträger Jean-Xavier de Lestrade. Der Film begleitet den US-amerikanischen Schriftsteller Michael Iver Peterson während seines Mordprozesses. Die Dokumentation beginnt wenige Wochen nach dem Tod seiner Frau Anfang Dezember 2001 und endet mit der Urteilsverkündung im Oktober 2003.

Der Fall[Bearbeiten]

Am 9. Dezember 2001 abends ruft der Schriftsteller Michael Peterson völlig aufgelöst beim örtlichen Notruf in Durham, North Carolina an und berichtet, seine Frau Kathleen Peterson sei auf der Treppe gefallen und schwer verletzt. Die eintreffenden Retter und die Polizei finden die Frau in einer großen Blutlache am Fuße der Treppe auf. Schon bald hegen die Beamten den Verdacht, dass es kein Unfall gewesen ist. Nachdem sie herausbekommen, dass Peterson neben seiner Ehe Kontakte zu männlichen Prostituierten hatte, nehmen sie an, dass es darüber zum Streit gekommen sei, in dessen Verlauf Peterson seine Frau mit einem Schürhaken des Kamins erschlagen habe. Zudem würde der verschuldete Schriftsteller von der Lebensversicherung seiner Frau profitieren. Bezirksstaatsanwalt Jim Hardin erhebt Anklage. Peterson bleibt nach Hinterlegung einer hohen Kaution auf freiem Fuß. Ein angesehenes Team von Strafverteidigern um den Anwalt David Rudolf übernimmt die Verteidigung des Beschuldigten. Der Dokumentarfilm begleitet das Verteidigungsteam während des Prozesses.

Das Verfahren[Bearbeiten]

Die Dokumentation beginnt wenige Wochen nach dem Tod von Kathleen Peterson Ende 2001.

Die Kinder von Michael Peterson sind fest von der Unschuld ihres Vaters überzeugt. Auch sein Bruder, ein Anwalt aus Kalifornien, unterstützt seine Verteidigung. Die Tochter von Kathleen aus einer früheren Beziehung glaubt zunächst auch nicht, dass ihre Mutter ermordet worden ist. Später kommen ihr Zweifel und sie wendet sich von ihrer Familie ab. So wie Kathleens leibliche Schwester ist sie nun überzeugt, dass Michael ein Mörder ist.

Der Film zeigt, wie die Mitglieder des Verteidigerteams um Anwalt David Rudolf alles Erdenkliche unternehmen, um ihren Mandandten in den Augen der Jury zu entlasten. Sie engagieren hochangesehene Experten, wie den bekannten Forensiker der Wayne State University in Detroit, Dr. Werner Spitz und seinen Kollegen Dr. Henry Chang-Yu Lee, die beide bereits in bekannten Fällen wie dem Tod der Mary Jo Kopechne, dem Kennedy Mord oder dem O.J. Simpson Fall bekannt wurde. Sie sollen mögliche andere Erklärungen für den Tod von Kathleen Peterson liefern. Chang-Yu Lees Ausführungen werden vorab einer Probejury vorgeführt, um die Wirkung zu testen. Peterson selbst wird von einem Spezialisten für die Vorbereitung von Zeugen in einem leeren Gerichtssaal für eine mögliche eigene Aussage trainiert. Man kommt aber überein, dass er doch nicht aussagen soll.

Michael Peterson nimmt das Filmteam mit auf eine Rundfahrt durch Durham. Er beschreibt die Stadt als einen Ort an dem noch immer Rassenvorurteile vorherrschten und die schwarze und weiße Bevölkerung in getrennten Wohngebieten lebten. Er zeigt ein fehlgeschlagenes Bauprojekt, das Wohnungen für sozial schwache Bevölkerungsschichten hätte bieten sollen, aber nun weitgehend leer steht und zunehmend verfällt. In seinem Haus zeigt er Kolumnen, die er in den vergangenen Jahren für die örtliche Zeitung geschrieben hat. Darin hatte er die Korruption in der Stadt hart kritisiert und die Polizei und Ermittlungsbehörden, darunter auch Bezirksstaatsanwalt Hardin persönlich scharf angegriffen und Ihnen Versagen in der Verbrechensbekämpfung vorgeworfen. Unterschwellig stellt er einen Zusammenhang mit der Anklage gegen ihn her.

Gegen den vehementen Widerstand der Verteidigung wird im Verfahren eine Verbindung zu dem Tod einer Bekannten der Petersons 1985 in Deutschland hergestellt. Elizabeth Ratliff wurde damals in ihrem Wohnhaus in Gräfenhausen, nahe der der Rhein-Main Air Base, ähnlich wie Kathleen Peterson, ebenfalls tot an einer Treppe aufgefunden. Der letzte, der sie lebend gesehen haben soll, war Michael Peterson. Der Anwalt reist nach Deutschland und erfährt dort, dass nach den Ermittlungen der deutschen Staatsanwaltschaft und der amerikanischen Militärpolizei Elizabeth Ratliffs Tod seinerzeit als Unfall eingestuft worden ist. Die Frau habe an dem von-Willebrand-Syndrom gelitten, sei deshalb auf der Treppe ohnmächtig geworden und habe sich bei dem darauffolgenden Sturz tödliche Kopfverletzungen zugezogen. In dem damaligen Wohnhaus in Gräfenhausen lässt Anwalt Rudolf von Zeugen die Auffindesituation rekonstruieren. Die Staatsanwaltschaft des Bezirks Durham setzt jedoch eine Exhumierung und Überführung der Toten nach North Carolina durch. Die dortige Gerichtsmedizin kommt zu der Überzeugung, dass auch dieser Vorfall ein gewaltsamer Tod war.

Ein Blutspurenexperte sagt für die Anklage aus, dass das Spurenbild eindeutig zeige, dass es einen gewaltsamen Angriff auf Kathleen Peterson gegeben hat. Als er erwähnt, dass er dem Staatsanwalt einen schriftlichen Bericht gegeben hat, in dem er erwähnt habe, dass er an dem Hemd von Peterson keine Blutspuren feststellen konnte, kommt es zum Eklat, weil die Verteidigung diesen Bericht nie bekommen hat.

Die Aussage des Sachverständigen wird dennoch zugelassen. Er benutzt für die Nachstellung der Schläge einen Schürhaken, wie ihn die Staatsanwaltschaft als Tatwaffe vermutet. Auf alten Fotos des Kamins ist ein solcher Schürhaken zu sehen, der einmal ein Geschenk der Familie gewesen sei. Allerdings ist die Staatsanwaltschaft nicht in der Lage, den Schürhaken als Beweisstück vorzulegen. Er scheint verschwunden. Erst als das Verfahren schon fast beendet ist, findet ein Sohn von Michael Peterson den vermissten Schürhaken verstaubt und mit Spinnweben behangen in einer Ecke des Kellers. Er muss offensichtlich schon sehr lange dort gestanden haben. Da er auch zum Anblasen der Glut gedacht war, handelte es sich um eine relativ leichte, innen hohle Ausführung, die bei kräftigen Schlägen sofort verbogen wäre. Er weist auch keinerlei Blutspuren auf, und war offensichtlich nicht die Tatwaffe. Die Verteidigung bringt ihn als Beweisstück in die Verhandlung ein.

Der frühere Fall aus Deutschland und die Tatsache, dass es für die massiven Kopfverletzungen von Kathleen Peterson keine andere vernünftige Erklärung gäbe, als Schläge mit einem Gegenstand auf dem Kopf, lassen aus Sicht der Anklage am Ende nur den Schluss zu, dass Peterson, der allein mit seiner Frau im Haus war, sie ermordet haben muss. Fotos zeigen Kathleen Peterson in einer großen Blutlache und ihre starken Kopfverletzungen. Dies spreche für sich. Ob er dazu nun den Schürhaken, oder doch einen anderen Gegenstand benutzt habe, sei nebensächlich. Kathleen Peterson habe an diesem Abend durch Zufall E-Mails ihres Mannes mit einem Callboy entdeckt. Nach der Aussage ihrer Schwester hätte sie dies auf keinen Fall toleriert. Wenn sie sich von ihrem Mann getrennt hätte, wäre seine finanzielle Lebensgrundlage zusammengebrochen, da die Familie seit längerem ausschließlich von ihrem Einkommen als erfolgreiche Managerin gelebt habe.

Die Verteidigung führt an, Peterson habe kein Motiv für eine Tat gehabt, da seine Frau seit langer Zeit seine bisexuellen Neigungen gekannt und toleriert habe. Außerdem habe das Paar kurz vor der Tat erfahren, dass einer seiner Romane demnächst in Hollywood verfilmt werden soll, was ihm erhebliche Einnahmen versprach. Am Abend des Todes habe man dies mit einer Flasche Rotwein am Pool gefeiert. Petersons Anwalt versucht begründete Zweifel an der Schuld Petersons bei den Geschworenen zu streuen und sie zu überzeugen, dass der Tod von Kathleen Peterson ein Unfall war. Sie habe Alkohol getrunken, Valium genommen und sei schließlich auf der Treppe unglücklich gestürzt. Dabei sei sie mehrmals mit dem Kopf aufgeschlagen. Ihr Mann habe das nicht gehört, weil er immer noch draußen am Pool gesessen sei und habe sie deshalb auch erst später gefunden. Der Verteidiger verweist auf die fehlende Tatwaffe und auf fehlende Blutspritzer an der Decke, die entstanden sein müssten, wenn jemand mehrmals mit einem Gegenstand weit ausholt und auf einen bereits blutenden Kopf einschlägt. Außerdem habe es im gesamten Staat North Carolina noch nie einen Fall gegeben, bei dem jemand erschlagen wird und dabei lediglich Platzwunden am Kopf davongetragen habe. In allen anderen dokumentierten Fällen sei immer der Schädel gebrochen gewesen oder es habe Hirnverletzungen gegeben, meist beides. Kathleen sei nicht erschlagen worden sondern auf der engen, schlecht beleuchteten Treppe unglücklich gestürzt und schließlich verblutet, weil ihr Mann sie zu spät gefunden habe. Ausserdem sei die Staatsanwaltschaft nicht in der Lage eine Tatwaffe vorzulegen, und könne auch nicht erklären, wohin Peterson sie habe verschwinden lassen.

Am 10. Oktober 2003 wird das Urteil im bis dahin längsten Gerichtsprozess in North Carolina gefällt. Der Angeklagte wird zum Entsetzen seiner Kinder von den Geschworenen wegen Mordes an seiner Ehefrau für schuldig befunden und zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe ohne Möglichkeit der Bewährung verurteilt. Er wird noch im Gerichtssaal verhaftet und abgeführt.

Hintergrund[Bearbeiten]

Der Film ist auch als eine kritische Betrachtung des US-amerikanischen Justizsystems zu werten. Bereits im Jahr zuvor drehte Jean-Xavier de Lestrade einen oscarprämierten Dokumentarfilm über die Gerichtsbarkeit in den USA, Ein Mörder nach Maß, in dem das Verfahren gegen den 15-jährigen Brenton Butler begleitet wird, der beschuldigt wird, eine Touristin in Jacksonville, Florida erschossen zu haben und, wie sich am Ende herausstellt, völlig unschuldig ist. Lestrade ist außerdem Produzent der Kriminalreihe "Das Gesetz von Las Vegas", die, ähnlich aufgebaut, Verhandlungen über Mordfälle aus der Spielermetropole, vor allem aus der Sicht der Kanzlei für Pflichtverteidigung begleitet. Die Serie wurde in arte und der ARD ausgestrahlt.

Spätere Entwicklung[Bearbeiten]

TV Film[Bearbeiten]

Im Jahre 2007 produzierte der Regisseur Tom McLoughlin einen Fernsehfilm mit dem englischen Titel „The Staircase Murders“ in dem die Geschichte von der Tat bis zur Verurteilung nacherzählt werden.

Berufung und Wiederaufnahmeverfahren[Bearbeiten]

Die Berufung gegen das Urteil wurde vom Obersten Gericht des Staates North Carolina zunächst zurückgewiesen und das Urteil bestätigt. Nachdem Anfang 2011 bekannt wurde, dass der Blutspurenexperte, der im ersten Verfahren gegen Michael Peterson ein maßgeblicher Zeuge der Anklage war, wegen zahlreicher gefälschter Gutachten in Gerichtsprozessen von den staatlichen Ermittlungsbehörden entlassen worden war, wurde ein neues Verfahren von den Anwälten Petersons angestrengt. Der Richter erklärte alle von dem Blutspurenexperten vorgetragenen Erkenntnisse für nichtig. Die Geschworenen seien dadurch maßgeblich beeinflusst worden. Im Dezember 2011 erhielt Peterson ein neues Verfahren zugesprochen. Er wurde nach Hinterlegung von 300.000 $ Kaution aus dem Gefängnis entlassen und unter Hausarrest gestellt. Er muss eine elektronische Fußfessel tragen. [1]

Skandale in der Bezirksstaatsanwaltschaft von Durham[Bearbeiten]

[2]Bezirksstaatsanwalt Jim Hardin wurde im Jahre 2005 zum Richter ernannt. Einer seiner ehemaligen stellvertretenden Staatsanwälte, Mike Nifong, wurde zu seinem Nachfolger gewählt, musste jedoch im Jahre 2007 vorzeitig aus dem Amt scheiden, da ihm mehrere Rechtsverstöße im Fall des Lacrosse-Teams der Duke University nachgewiesen wurden. Er habe nur eine schnelle Verurteilung erreichen wollen und dabei die Rechte der Beschuldigten missachtet. Er verlor seine Anwaltslizenz und wurde zu einem Tag Gefängnis verurteilt. Auch dessen Nachfolgerin, Tracey Cline musste das Amt im März 2012 vorzeitig wieder abgeben, wegen Vorwürfen, entlastende Beweismittel in einem Mordfall aus dem Jahre 1998 mutwillig zurückgehalten zu haben. Der damalige Angeklagte Derrick Allen wurde nach 12 Jahren wieder aus der Haft entlassen. Nachdem sie den ausführenden Richter Orlando Hudson, der seinerzeit auch im Peterson Fall den Vorsitz hatte, öffentlich scharf angegriffen und gefordert hatte, er müsse aus dem Amt entfernt werden wurde sie endgültig ihres Amtes enthoben[3]. Ihr Einspruch dagegen wurde Anfang Oktober 2013 zurückgewiesen [4]. Ein Teil der Vorwürfe treffen auch ihre damalige Kollegin Freda Black, die im Falle Peterson mit Jim Hardin die Anklage vertreten und sich später vergeblich um das Amt der Bezirksstaatsanwältin beworben hatte. [5]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatSuzan Clarke: Novelist Michael Peterson, Convicted of Wife’s Murder, Is Released From Prison and Will Get New Trial. In: ABC News. ABC, 15. Dezember 2011, abgerufen am 17. Dezember 2011.
  2. Homepage von Richter Jim Hardin, beruflicher Werdegang (engl.)
  3. Artikel newsobserver "Aufstieg und Fall von Tracey Cline" (engl.)
  4. Artikel newsobserver "Appelationsgericht verwirft Einspruch der ehemaligen Bezirksstaatsanwältin Cline aus Durham" (engl.)
  5. "Freda Black wegen Trunkenheitsfahrt angeklagt" (engl.)

Weblinks[Bearbeiten]