The Tree

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Filmdaten
Deutscher Titel The Tree
Originaltitel L’Arbre
Produktionsland Australien, Frankreich, Deutschland, Italien
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2010
Länge 100 Minuten
Altersfreigabe FSK 6
Stab
Regie Julie Bertuccelli
Drehbuch Julie Bertuccelli
Elizabeth J. Mars
Produktion Yael Fogiel
Sue Taylor
Musik Grégoire Hetzel
Kamera Nigel Bluck
Schnitt François Gédigier
Besetzung

The Tree ist ein australisch-französisches Filmdrama aus dem Jahr 2010 von Julie Bertuccelli. Die Literaturverfilmung nach dem Roman Our Father Who Art in the Tree von Judy Pascoe erzählt die Geschichte einer Mutter und ihrer Tochter: Sie glauben, dass die Seele des verstorbenen Ehemannes und Vaters im Baum neben dem Haus einzog und dort fortan mit ihnen leben würde.

Handlung[Bearbeiten]

Peter O’Neil lebt glücklich und verliebt mit seiner Frau Dawn O’Neil sowie den gemeinsamen vier Kindern im australischen Outback. Als er eines Tages seine Tochter vom Spielen abholt und nach Hause fährt, hat er einen Herzinfarkt im Auto. Im Sterben verursacht er mit seinem Wagen am großen Feigenbaum neben seinem Haus einen Unfall. Mit dem Tod Peters verschwindet auch das Glück in der Familie, sodass Dawn depressiv und ihre Kinder egoistisch und aggressiv werden. Nur Simone entscheidet sich glücklich zu sein und entdeckt, dass der Baum, an dem ihr Vater starb, scheinbar dessen Seele aufnahm und nun zu ihr flüstert. Sie klettert immer häufiger hinauf, um sich mit ihm zu unterhalten. Nach einigen Tagen reißt sie auch ihre Mutter Dawn aus dem Schlaf, um ihr dies als Geheimnis anzuvertrauen. Dawn selbst klettert anschließend in den Baum hinauf, verteilt persönliche Dinge von Peter, glaubt an Peters Seele im Baum und unterhält sich mit ihm.

Aber der Baum wächst aggressiv weiter, sodass er mit seinem Wurzelwerk nicht nur das Fundament des Hauses angreift, sondern auch die Wasserleitungen verstopft. Als Dawn einen Klempner sucht, findet sie mit George Elrick nicht nur einen hilfsbereiten Handwerker, sondern auch ihren neuen Boss, bei dem sie tagsüber als neue Verkäuferin arbeitet. Bei ihm fühlt sie sich wieder wohl und glücklich, sodass sie immer mehr Zeit mit ihm verbringt und ihn auch nach der Arbeit auf einen Umtrunk in die Kneipe begleitet. Dort spielen und tanzen sie gemeinsam, bis sie sich das erste Mal nahe kommen und sich küssen. Simone ahnt davon erst etwas, als ein besonders großer Ast Dawns Schlafzimmerfenster zerstört und direkt auf dem Bett landet. Sie hält es für eine Bestrafung des Baumes. Und Dawn nutzt ihn, um sich unter dem Blättern und Ästen einzukuscheln und wieder behütet schlafen zu können.

Simone ist entsetzt, als sie entdeckt, dass mit George ein neuer Mann ins Leben ihrer Mutter getreten ist, und wie dieser rabiat und mit Gewalt das Gestrüpp aus Ästen aus dem Schlafzimmer ihrer Mutter zieht und reißt. Wütend wird sie, als sie erfährt, dass George mit seinem Wohnwagen als neuer Freund ihrer Mutter das Weihnachtsfest mit den Kindern am Strand verbringt und dabei wieder etwas Glück und Freude aufkommt. Dawn selbst empfindet auch bald diese Wut auf George, denn als sie aus dem Urlaub wieder kommen, sehen sie, wie stark der Baum das Haus mit seinem Geäst und seinem Wurzelwerk bereits in Beschlag nahm und es droht zu zerstören. George fasst dabei die Initiative, den Baum fällen zu lassen, wobei er mit allen Mitteln versucht, Simone, die den Baum verteidigen will, aus dem Baum zu zerren. Dawn reicht das, beschimpft George und jagt ihn davon.

Nachdem Dawn eine Nacht unter dem Schutz des Baumes geschlafen hatte, bedroht ein Zyklon die Küstenregion. Zwar kann sich Dawn mit ihren Kindern retten, aber der Zyklon zerstört nahezu das komplette Haus und entwurzelt den Baum, sodass sie die Gelegenheit sieht und mit ihrer Familie davon zieht, da sie nichts mehr an dem Ort hält.

Kritik[Bearbeiten]

„Eine Fallstudie über die Trauer. The Tree folgt mehr oder weniger Elisabeth Kübler-Ross' fünf Phasen der Trauer: Leugnen, Wut, Verhandeln, Depression und Akzeptanz. Aber die Geschichte nimmt einen Weg, welcher sowohl von einem Dichter als auch von einem Baumpfleger geliebt werden könnte.“

Michael O’Sullivan in der Washington Post[1]

„Der Film präsentiert die meisten seiner Metaphern ohne Anstrengung Richtung übernatürlichen Schmalz. Was nicht einfach ist, in einer Geschichte, die viele Qualitäten eines Märchens hat und praktisch auf ein Happy End angewiesen, welches der Film mit seinem gedämpfte Optimismus, nicht liefern will.“

Stephen Holden in der New York Times[2]

„In Julie Bertucellis Filmen hat der Tod nicht das letzte Wort. Er setzt der Kommunikation mit dem verlorenen Menschen kein Ende. […] Nicht rückhaltlos, aber hingebungsvoll setzt sich der Film der Natur aus. Sein animistischer Furor mag manchen Zuschauer an einen Scheideweg führen. Bertucelli lässt ihn zwischen dem Prinzip des Möglichen und des Märchenhaften pendeln. Der Baum scheint regelmäßig in das Leben der Hinterbliebenen einzugreifen. Nachdem Dawn ein erstes, heimliches Rendezvous mit ihrem neuen Arbeitgeber hat, bricht ein Ast und stürzt in ihr Schlafzimmer. Bald bedrohen die Wurzeln das Weiterleben im Haus so massiv, dass er gefällt werden soll. Der Widerstreit zwischen Verharren und Aufbruch wird von den Kräften der Natur entschieden; die Last der Symbolik wiegt leicht in diesem Film.“

Gerhard Midding in der Welt[3]

„Ohne Pathos, dafür mit Charlotte Gainsbourg: In „The Tree“ stellt sich eine Zehnjährige vor, ihr verstorbener Vater habe sich in einen Baum verwandelt. Ein Kinderfilm über den Tod, der nicht auf die Tränendrüse drückt? Wann hat man so etwas schon gesehen?“

Daniel Kothenschulte in der Frankfurter Rundschau[4]

„Wie Charlotte Gainsbourg als schmale, zerbrechliche Dawn die Frau, die neben sich steht, spielt, in embryonaler Schlafstellung in die Hängematte oder eine Mulde des Baums flüchtet und von ihren vier- bis vierzehnjährigen Egomanen in rettende Alltagsverrichtungen zurückgeholt wird, gibt den wunderbar unsentimentalen Grundton des Films vor.“

Claudia Lenssen in der Zeit[5]

Motivation[Bearbeiten]

Sowohl die Regisseurin Julie Bertuccelli als auch Charlotte Gainsbourg hatten privat jeweils den Verlust eines ihnen nahestehenden Menschen erlebt. Gainsbourg verlor als zwanzigjährige Frau ihren Vater Serge Gainsbourg (1928−1991) durch den Tod. Als Schauspielerin hatte sie vor zwei Dingen Angst: Einerseits glaubte sie, dass sie die Rolle für die Regisseurin nicht adäquat genug spielen könnte. Andererseits hatte sie Angst davor, während einer Autofahrt fröhlich zur Melodie von Bach zu summen.[6]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Veröffentlichung[Bearbeiten]

The Tree hatte seine Weltpremiere beim Internationalen Filmfest von Cannes 2010 am 23. Mai 2010. Nachdem er in Frankreich am 11. August 2010 und in Australien am 30. September 2010 in die Kinos kam, lief er in Deutschland am 3. März 2010 an. Weltweit spielte er lediglich 2,2 Mio. US-Dollar ein.[7] Seit dem 2. September 2011 ist der Film in Deutschland auf DVD erhältlich.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Michael O’Sullivan: When a beloved life topples auf washingtonpost.com vom 22. Juli 2011 (englisch), abgerufen am 22. Dezember 2011
  2. Stephen Holden: The Tree (2010) auf nytimes.com vom 15. Juli 2011 (englisch), abgerufen am 22. Dezember 2011
  3. Wie Charlotte Gainsbourg um ihren Mann trauert auf welt.de vom 2. März 2011, abgerufen am 22. Dezember 2011
  4. Daniel Kothenschulte: Mein Freund, der Baum auf fr-online.de vom 2. März 2011, abgerufen am 22. Dezember 2011
  5. Claudia Lenssen: Die Macht der Trauer auf zeit.de vom 3. März 2011, abgerufen am 22. Dezember 2011
  6. Thomas Abeltshauser: Wie Charlotte Gainsbourg mit Tod und Verlust umgeht auf welt.de vom 4. März 2011, abgerufen am 22. Dezember 2011
  7. The Tree (2011) auf boxofficemojo.com (englisch), abgerufen am 22. Dezember 2011