The White Shadow

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Filmdaten
Originaltitel The White Shadow
Produktionsland Großbritannien
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1924
Stab
Regie Graham Cutts
Drehbuch Alfred Hitchcock
Produktion Michael Balcon und Victor Saville für Balcon, Freedman & Saville
Kamera Claude L. McDonnell
Schnitt Alfred Hitchcock
Besetzung

The White Shadow (Verleihtitel in den Vereinigten Staaten: White Shadows) ist ein britischer Spielfilm aus dem Jahr 1924. Der auf Michael Mortons Roman Children of Chance basierende Stummfilm gilt als der älteste zumindest teilweise erhaltene Film, bei dem Alfred Hitchcock mitgearbeitet hatte. Er unterstützte hier Regisseur Graham Cutts als Regieassistent, Drehbuchautor, Cutter und Artdirector.

Inhalt[Bearbeiten]

Da die erhaltenen, etwa 30 Minuten langen Fragmente des Films erst im Jahr 2011 wiederentdeckt wurden, ist zur Handlung noch wenig bekannt. Erzählt wird die Geschichte zweier Zwillingsschwestern, von denen die eine böse und die andere gut ist.[1]

Produktion und Veröffentlichung[Bearbeiten]

The White Shadow war der zweite von insgesamt fünf Filmen, in denen Hitchcock Cutts in verschiedenen Funktionen assistiert hatte.[2] Die Dreharbeiten schlossen sich im Sommer 1923 nahtlos an die Arbeiten zu dem Film Weib gegen Weib an, für den die Produzenten Michael Balcon und Victor Saville den US-amerikanischen Filmstar Betty Compson engagiert hatten. Wie auch Weib gegen Weib basiert The White Shadow auf einer Vorlage von Michael Morton, der britische Schauspieler Clive Brook agierte erneut an Compsons Seite.

Nachdem sich Weib gegen Weib als ein großer Publikumserfolg erwiesen hatte, wurde The White Shadow beworben mit dem Versprechen: „Derselbe Star, Produzent, Autor, Held, Kameramann, Szenenbildner, Stab, dasselbe Studio und derselbe Verleih wie bei Weib gegen Weib.[3] Der Film konnte aber nicht die Einspielergebnisse von Weib gegen Weib wiederholen, und erwies sich als ein finanzieller Reinfall.[4] Zeitgenössische Filmkritiker monierten bei der Uraufführung im Februar 1924 vor allem die Schwäche der Story, auch wenn nach Ansicht des Kritikers der Times die schauspielerischen Leistungen von Betty Compson und Clive Brooks exzellent und die Inszenierung clever seien.[5]

Vor allem der Misserfolg von The White Shadow trug dazu bei, dass 1924 der Produktionsvertrag zwischen dem Filmverleiher und -finanzier C. M. Woolf und Balcon, Freedman & Saville aufgelöst wurde. Michael Balcon gründete daraufhin die Filmproduktionsgesellschaft Gainsborough Pictures, bei der die letzten beiden Kooperationen von Cutts und Hitchcock sowie Hitchcocks erste eigene Regiearbeiten veröffentlicht wurden.[6]

Wiederentdeckung des Films[Bearbeiten]

Wie auch Weib gegen Weib galt The White Shadow als ein verschollener Film. Im August 2011 gab das New Zealand Film Archive bekannt, dass die drei ersten Rollen des Films im Bestand des Filmarchivs entdeckt wurden. Sie gehörten zu einer Reihe bislang unidentifizierter amerikanischer Nitratfilme, die aus der Sammlung des 1989 verstorbenen neuseeländischen Filmvorführers Jack Murtagh stammten. Auch wenn der Film ursprünglich sechs Rollen umfasst hatte, könne gemäß der National Society of Film Critics der wiederentdeckte Teil einen guten Eindruck von der Struktur und dem Inhalt des Film geben.[1]

Die gefundenen Rollen werden von Park Road Post Production in Neuseeland konserviert und restauriert. Von dem neuen Filmmaster sollen Kopien für die fünf amerikanischen Filminstitutionen, die an der Sichtung und Konservierung des neuseeländischen Filmarchivs beteiligt werden, erstellt werden. Eine weitere Kopie soll an das British Film Institute gehen, das ein eigenes Programm zur Rettung der frühen Filme Hitchcocks gestartet hatte.[7] Für den Herbst 2013 wurde eine DVD-Veröffentlichung durch die National Film Preservation Foundation angekündigt.[8]

Die Fragmente von The White Shadow gelten als die ältesten erhaltenen Filmaufnahmen, an denen Alfred Hitchcock mitgewirkt hatte.[9]

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Donald Spoto: Alfred Hitchcock – Die dunkle Seite des Genies. Piper, München 1999, ISBN 3-492-22798-8.
  • Maurice Yacowar: Hitchcock’s British Films. Wayne State University Press, Detroit 2010, ISBN 978-0-8143-3494-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b BBC News: Rare Alfred Hitchcock film footage uncovered, 3. August 2011.
  2. François Truffaut: Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?. Heyne, München 2003, ISBN 3-453-86141-8, S. 27.
  3. Rachael Low: The History of the British Film Vol. IV: 1918-1929. George Allen & Unwin, London 1971, S. 135.
  4. Donald Spoto: Alfred Hitchcock. S. 79.
  5. The Film World: The White Shadow. In: The Times, 18. Februar 1924.
  6. Donald Spoto: Alfred Hitchcock, S. 79-80, 97–98.
  7. : Lost Hitchcock Feature Recovered in New Zealand, Pressemitteilung der National Film Preservation Foundation vom 3. August 2011.
  8. NFPF ANNOUNCES DVD OF LONG-LOST FILMS BY FORD, NORMAND AND HITCHCOCK, Pressemitteilung der NFPF, 3. Juni 2013.
  9. Spiegel Online: Archivare entdecken frühen Hitchcock-Film, 3. August 2011.