The Will to Believe

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The Will to Believe and Other Essays (1897) - Komplettscan

The Will to Believe ist ein religionsphilosophischer Essay von William James, in dem er durch pragmatistische Argumentation den Glauben an Gott zu rechtfertigen versucht. James hielt diesen zunächst als Vortrag in Yale und an der Brown University, veröffentlichte ihn dann 1896 in der Zeitschrift New World, 1898 dann in dem Sammelband seiner Vorträge The Will to Believe and other essays in popular philosophy.[1]

Inhalt[Bearbeiten]

James beginnt mit einer Unterscheidung zwischen lebendigen und toten Hypothesen. Lebendig sind für eine bestimmte Person nur solche Hypothesen, die sie auch tatsächlich möglicherweise akzeptieren kann. So sei der Islam für die meisten westlichen Menschen eine tote Hypothese, das Christentum dagegen eine lebende.[2] Darauf trifft James drei Unterscheidungen verschiedener Wahlen: Echte Wahlen (living options) seien Wahlen zwischen zwei lebenden Hypothesen, alles andere seien unechte Wahlen. Zwingende Wahlen (forced options) seien solche Wahlen, bei denen wir nicht unentschieden bleiben können, alles andere seien vermeidbare Wahlen. Dringende Wahlen (momentous options) seien Wahlen, die das Ergreifen oder Nichtergreifen einer einmaligen Gelegenheit betreffen. James will zeigen, dass die Wahl zwischen Theismus und Agnostizismus eine echte, zwingende und dringende Wahl sei; dass sie zumindest eine echte Wahl sei, setzt er dabei voraus.[3]

James setzt sich zunächst mit Pascals Wette auseinander, der zufolge die Glaubensentscheidung wie eine Wette getroffen werden könne, bei der der Glaube an Gott die besseren Gewinnaussichten biete. James kritisiert, dass wir so eine Belohnungsstrategie Gottes unplausibel finden müssten:

“[...] and if we were ourselves in the place of the Deity, we should probably take particular pleasure in cutting off believers of this pattern from their infinite reward.”[4]

Da also die Vorstellung eines so belohnenden Gottes unsinnig scheine, sei Pascals Wette bereits eine tote Hypothese. Da diese Argumentation außerdem das wissenschaftliche Denken gefährde, sei sie nicht nur dämlich, sondern auch widerwärtig.[5] Pascals Argument sei zwar kraftlos, aber dennoch zeige es, dass die Wahl zwischen Glauben und Agnostizismus zwingend und dringend sei, denn sie beeinflusse unsere Emotionen und unser Handeln in moralisch relevanter Weise, und die Entscheidung zum moralisch richtigen Handeln sei immer sofort nötig.[6]

Alle echten, zwingenden und dringenden Wahlen, die nicht aufgrund intellektueller Überlegungen entschieden werden können, dürfen laut James aus dem Bauch heraus (durch die passional nature) entschieden werden. Bei diesen Wahlen sei es nämlich auch schon eine Bauchentscheidung, nichts zu entscheiden und die Frage offenzulassen.[6] In solch einer epistemischen Situation seien zwei Maximen relevant: Wir sind epistemisch verpflichtet, möglichst viel zu erfahren, also die Wahrheit zu kennen, und möglichst gut Fehler zu vermeiden, also keine Unwahrheiten zu glauben.[7] Diese beiden Gesetze seien materiell verschieden und unsere Wahl einer Präferenz zu einer von beiden könne unser ganzes intellektuelles Leben in unterschiedliche Richtungen lenken.[8]

In vielen Bereichen sei es sinnvoll, der Vermeidung von Irrtum den Vorrang einzuräumen: in der Wissenschaft, aber auch z.B. in Gerichtsverhandlungen. Wissenschaftliche Entscheidungen seien aber auch meist nicht zwingend oder dringend: Für unser praktisches Leben haben sie zunächst keine Relevanz, der Mensch sei hier in einer neutralen, beurteilenden Position.[9] Moralische Entscheidungen dagegen seien häufig dringend und müssten auch ohne rationalen Beweis der Richtigkeit getroffen werden. Auch im sozialen Bereich entscheiden wir oft ohne große Überlegung aus dem Bauch heraus.[10] Das sei wichtig, denn wenn wir etwa überlegen, ob jemand uns mag, wird die Annahme, dass das so ist, auch häufig dazu führen, dass diese Person uns letztlich auch tatsächlich mag. So wird hier durch erst durch den Glauben an einen Satz dieser Satz überhaupt erst wahr.[11]

Die „religiöse Hypothese“ bestehe nun darin, dass erstens Vollkommenheit etwas Ewiges sei und dass wir zweitens besser bedient seien, wenn wir an den ersten teil glauben.[12] James merkt dazu an, dass die Wahl zwischen Annahme und Nichtannahme der Hypothese hier zwingend und dringend sei, da sofern die Hypothese wahr ist, wir sofort und dauerhaft von unserem Glauben profitieren werden.[13] Der Skeptizismus räume nun in religiösen Fragen der Fehlervermeidung unbedingten Vorrang vor der Wahrheitserkenntnis ein und lehne die Religion mangels ausreichender Evidenz ab. James lehnt diese Sichtweise schlicht ab, da er keinen Beweis kenne, warum es besser sei, aus Angst statt aus Hoffnung in eine Falle zu laufen.[13] Eine Regel, die vom Finden einer ganzen Klasse von Wahrheiten abhalte, sei irrational; dies sei aber gegeben, wenn die Maximen der Wissenschaft auf religiöse Überzeugungen ausgeweitet werde.[14] Solange wir in Glaubensfragen also eine echte Wahl haben sei es akzeptabel und richtig, sich für den Glauben zu entscheiden.[15]

Literatur[Bearbeiten]

Textausgaben

  • William James: The Will to Believe and other essays in the popular philosophy, Dover, New York 1956, S. 1–31.
  • William James: Der Wille zum Glauben. in: Philosophie des Pragmatismus: Ausgewählte Texte, herausgegeben und eingeleitet von Ekkehard Martens, Reclam, Stuttgart 2002.

Sekundärliteratur

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. The Will to Believe, S. 1.
  2. The Will to Believe, S. 2 f.
  3. The Will to Believe, S. 3 f.
  4. The Will to Believe, S. 6.
  5. The Will to Believe, S. 6 f. Im Original „silly“ und „vile“.
  6. a b The Will to Believe, S. 11.
  7. The Will to Believe, S. 17.
  8. The Will to Believe, S. 18.
  9. The Will to Believe, S. 20 f.
  10. The Will to Believe, S. 22 f.
  11. The Will to Believe, S. 23–25.
  12. The Will to Believe, S. 26 f.
  13. a b The Will to Believe, S. 26.
  14. The Will to Believe, S. 28.
  15. The Will to Believe, S. 29.