Theater Osnabrück

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Osnabrücks Theater am Domhof
Weihnachtsmarkt mit Spieldose vor dem Theater Osnabrück

Das Theater Osnabrück (ursprünglich Stadt-Theater) ist ein Vier-Sparten-Theater in Osnabrück (Niedersachsen), das von der Städtische Bühnen Osnabrück gGmbH betrieben wird.

Hauptspielstätte ist das Jugendstil-Theater mit 642 Plätzen am Domhof. Daneben gibt es in der Innenstadt ein Studio-Theater, das emma-theater mit 96 Plätzen. Außer den Sparten Musik, Schauspiel und Tanz bieten die Städtischen Bühnen Theater für Kinder und Jugendliche mit Oskar, dem Jungen Theater Stadt und Land Osnabrück.

Seit 1945 unterstützt der Theaterverein die Bühnen ideell und materiell. Als Ziel nannten die Gründer, Bürger der Stadt, die Wahrung und Förderung des kulturellen Lebens der Stadt Osnabrück.

Geschichte[Bearbeiten]

Theater gespielt wurde in Osnabrück bereits seit 1771 im Marstall-Flügel des Osnabrücker Schlosses. Ab 1780 wurden zwei ehemalige Adelshöfe in der Straße Große Gildewart als Spielstätte genutzt. Hier trat auch Albert Lortzing zwischen 1827 und 1833 auf. 1832 übernahm die Stadt den Komplex als erstes kommunales Theater. Wegen fehlender Feuerschutzeinrichtungen wurde dieses Theater 1881 vorübergehend geschlossen und mit einem eisernen Vorhang versehen. Der Wunsch nach einem Neubau wuchs.

An der südlichen Seite des Domhofs hatte sich seit 1817 in der früheren Boeselagerschen Kurie das Ratsgymnasium, ein Gymnasium für Knaben, befunden. Die Schule räumte das Gebäude und zog zum Wall um.

Der ursprüngliche Entwurf für das heutige Jugendstil-Gebäude auf der Fläche der Boeselagerschen Kurie stammt von dem Dresdner Architekten Martin Dülfer. Sein Entwurf wurde aus finanziellen Gründen nicht vollständig übernommen. Die Bauleitung für das Theater hatte der Osnabrücker Baurat Friedrich Lehmann, der die endgültigen Pläne ausarbeitete. Das Gebäude mit Sandsteinverkleidungen und Putzflächen und gerundeter Frontseite ist vielfach verziert, etwa mit Füllhörnern, Medaillons, stilisierten Lotosblüten und Putten.[1]

1905 legte Oberbürgermeister Julius Rißmüller den Grundstein an der südlichen Seite des Domhofs. Der Rohbau stand im Herbst 1908. 1909 war das Theater vollendet, mit vielen Zuwendungen der Osnabrücker Bevölkerung. So war der Bühnenvorhang ein Geschenk der Osnabrücker Frauen und Jungfrauen. Er hob sich am 29. September 1909 zum Shakespeare-Drama Julius Cäsar.[2]

Das Theater gewann in den ersten zwanzig Jahren überregionales Ansehen durch Erst- und Uraufführungen. In der Zeit des Nationalsozialismus arbeitete es eng mit dem Regime zusammen. Der Literaturwissenschaftler Rolf Düsterberg stellte fest, dass das Phänomen des vorauseilenden Gehorsams auch für das Osnabrücker Theater galt.[3]

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Theatergebäude am Domhof am 25. März 1945, dem Palmsonntag, durch Bombardement schwer beschädigt. Das Foyer blieb erhalten; es war jedoch rußgeschwärzt.

Nach Kriegsende verhängten die britischen Militärbehörden ein Kulturverbot. Das Verbot kultureller Betätigung wurde im Juli 1945 aufgehoben. Es wurde mit der Auflage verbunden, dass sich das Theater, ausgestattet mit einem Grundkapital, selbst tragen müsse. Im September 1945 wurde der Theaterverein Osnabrück mit dem Vorsitzenden Allan Haarmann gegründet, am 4. Oktober 1945 die Theater GmbH. Erster Intendant war Hanspeter Rieschel aus Bielefeld. Die britische Militärbehörde erlaubte ihm und dem damaligen Stadtarchivar und Schriftsteller Ludwig Bäte, Theaterstücke, Opern und Operetten aufzuführen sowie Konzerte zu veranstalten.

Im Foyer des Theaters wurde eine Behelfsbühne mit 150 Plätzen eingerichtet. Dort fand am 1. Dezember 1945 die erste Premiere der Nachkriegszeit statt. Ab Februar 1946 wurde der Saal des Restaurants Blumenhalle als weitere Spielstätte genutzt. Er wurde im Sommer 1946 umgebaut und unter dem Namen „Neues Stadttheater“ betrieben. Die Besucher mussten im Winter der Spielzeit 1946/47 je ein Stück Holz, ein Brikett oder ein Stück Torf mitbringen, damit der Saal geheizt werden konnte. 1947/48 ging der Betrieb von der Theater GmbH an die Stadt Osnabrück zurück. Als Intendant löste 1948 Heinrich Buchmann den ersten Nachkriegsintendanten Rieschel ab.

Im Mai 1949 beschloss der Stadtrat, das Theater am Domhof wieder aufzubauen; die Beschäftigten des Neuen Theaters in der Blumenhalle wurden entlassen. Sie wechselten zum Teil zum privaten Lortzingtheater, das jedoch nur bis 1950 bestand.

1950 wurde eine neue Theater GmbH gegründet. Im wieder aufgebauten Theater am Domhof wurde am 9. September 1950 mit „Über allem Zauber Liebe“ von Pedro Calderón de la Barca Premiere gefeiert. In der Spielzeit 1950/51 hatte das Theater in 343 Vorstellungen insgesamt 220.000 Besucher. 1956 wurden die Anteile der Theater GmbH von der Stadt Osnabrück übernommen.[4]

Plastik Gleiches Gewicht – Gleichgewicht von Joachim Bandau auf dem Theatervorplatz

Das Theater wurde in den folgenden Jahrzehnten in zwei Abschnitten umgebaut. 1971 wurde ein neues Foyer angebaut; auch die Innenausstattung wurde verändert. Weitere bauliche Veränderungen im Stil der Zeit wurden 1985 begonnen und 1987 abgeschlossen.

Um dem Theater bis zum 100-jährigen Bestehen im Jahr 2009 seinen historischen Jugendstilgiebel zurückgeben, wurde der Förderverein Jugendstilgiebel gegründet. Die Baukosten werden mit 350.000 Euro veranschlagt.[5]

Auf dem Vorplatz des Theaters wurde 1998 die Plastik Gleiches Gewicht – Gleichgewicht des Künstlers Joachim Bandau aufgestellt, die von der Herrenteichslaischaft gestiftet wurde.

Leitung[Bearbeiten]

Ralf Waldschmidt leitet das Theater seit der Spielzeit 2011/2012, vorher war er Operndirektor am Theater Augsburg.

Literatur[Bearbeiten]

  • Stefan Hüpping: Von den Städtischen Bühnen zum Deutschen Nationaltheater Osnabrück, WiKu-Verlag., Duisburg 2006 ISBN 3-86553-177-6.
  • Holger Schultze und Tobias Vogt: Gegen den Alltagsstaub, 100 Jahre Theater am Domhof, Verlag Theater der Zeit, 2009, ISBN 978-3-940737-50-2.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Günter Hindersmann: Der Jugendstil in Osnabrück. In: Heimat-Jahrbuch für das Osnabrücker Land, Meinders und Elstermann. Belm 2002, S. 80–82, ISBN 3-88926-102-7.
  2. http://www.klassik-heute.de/veranstaltungen/oper_2004_1_5.shtml
  3. http://www.osnabrueck.de/pressedienst/22558.asp?action=show_form
  4. Carsten Steuwer: Die Wiederbelebung des Theaters nach dem 2. Weltkrieg. In: Heimat-Jahrbuch für das Osnabrücker Land, Meinders und Elstermann. Belm 2002, S. 97–102, ISBN 3-88926-102-7.
  5. http://lkos.de/magazin/drucken.php?artikel=10160&type=&lang=de

52.2766666666678.0444444444444Koordinaten: 52° 16′ 36″ N, 8° 2′ 40″ O