Theater am Franz-Josefs-Kai

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Theater am Franz-Josefs-Kai, Fotografie von Michael Frankenstein

Das Theater am Franz-Josefs-Kai in Wien, auch Treumann-Theater oder Quai-Theater genannt, befand sich an der Adresse 1., Morzinplatz 4 (Platzbenennung erst 1888) und bestand lediglich von 1860 bis 1863, spielte aber eine wichtige Rolle in der ersten Phase der Wiener Operette.

Es wurde von dem Operettentenor Karl Treumann mit kaiserlicher Bewilligung als Provisorium (Interimstheater) aus Holz erbaut und am 1. November 1860 eröffnet. Architekt war Ferdinand Fellner der Ältere. Mit seiner Neorenaissance-Fassade war das Haus ein früher Zeuge des Ringstraßenstils.

Spielplan und Künstler[Bearbeiten]

Hier wurde eine ganze Reihe von Operetten uraufgeführt. Treumann konnte Franz von Suppé als musikalischen Leiter gewinnen; ihm gelang es, den damals äußerst erfolgreichen Stücken von Jacques Offenbach mit Das Pensionat 1860 ein wienerisches Pendant gegenüberzustellen. Im Theater am Franz-Josefs-Kai (der damals Franz Josefs Quai geschrieben wurde) wurden in den Jahren 1862/63 Suppés Operetten Die Kartenschlägerin, Zehn Mädchen und kein Mann und Flotte Bursche uraufgeführt. Am 1. Februar 1862 war anlässlich einer Galavorstellung in Anwesenheit von Kaiser Franz Joseph I. Johann Nestroys letztes Werk, Häuptling Abendwind, mit dem Autor in der Titelrolle zu sehen. Treumann gelang es, bedeutende Darsteller zu verpflichten: Die Soubrette Anna Grobecker begann auf dieser Bühne ihre Wiener Laufbahn, der Schauspieler Friedrich Hopp trat hier zum letzten Mal auf.

Baugeschichte[Bearbeiten]

Der Brand des Theaters 1863, Gemälde von Leopold Munsch

Der Baugrund war, wie der Franz-Josefs-Kai, durch die Entfernung der Wiener Stadtmauern ab 1858 entstanden. Der wirtschaftliche Auslöser für den Bau des Theaters war, dass Treumann den hohen Pachtzahlungen, die er als Direktor des Carltheaters zu leisten hatte, ausweichen wollte. Die Bewilligung für das Gebäude wurde bis 1863 ausgestellt. Im Mai 1863 wurde das Provisorium vom k. k. Innenministerium bis 1865 verlängert; gleichzeitig liefen die ersten Vorarbeiten für den Bau eines ständigen, gemauerten Theaters an. Das Theater fiel aber in der Nacht vom 8. zum 9. Juni 1863 einem Brand zum Opfer. Treumann gab daraufhin den Plan eines eigenen Theaterbaus auf und übernahm am 19. August 1863 neuerlich die Direktion des Carltheaters.

Auf dem Grundstück Morzinplatz 4 wurde von 1871 an das 1873 eröffnete Hotel Metropol erbaut. 1888 erhielt der Platz seinen Namen. Im Hotel hatte 1938–1945 die Wiener Gestapo-Zentrale ihren Sitz. Das stark von Bomben beschädigte Hotel wurde in der Folge abgerissen und auf dem Bauplatz der heutige Leopold-Figl-Hof errichtet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Johann Hüttner: Baugeschichte und Spielplan des Theaters am Franz Josefs Kai, in: Franz Hadamowsky (Hrsg.): Jahrbuch der Gesellschaft für Wiener Theaterforschung XVII, Wien 1970, S. 87–106.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Treumann-Theater – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.21281388888916.374366666667Koordinaten: 48° 12′ 46″ N, 16° 22′ 28″ O