Theater am Kurfürstendamm

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Theater am Kurfürstendamm
Innenansicht der Komödie am Kurfürstendamm

Das Theater am Kurfürstendamm zählt zu den bekanntesten Privattheatern Berlins. Es befindet sich gemeinsam mit der Komödie am Kurfürstendamm im Ku’damm-Karree auf dem Kurfürstendamm.

Das Theater und die Komödie am Kurfürstendamm[Bearbeiten]

In den ehemaligen Räumen der „Berliner Sezession“, wo unter Max Liebermann der Impressionismus Furore gemacht hatte, wurde am 8. Oktober 1921 das Theater am Kurfürstendamm eröffnet. Die Pläne für den Umbau stammten vom bekannten Theaterarchitekten Oskar Kaufmann, der in Berlin auch das Hebbeltheater, die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, die Krolloper, die Komödie am Kurfürstendamm sowie das Renaissance Theater entwarf. Die Eröffnungspremiere war „Ingeborg“ von Kurt Goetz (damals noch mit K). Auf der Bühne stand neben dem Autor selbst unter anderem auch Adele Sandrock. Über „Ingeborg“ gingen die Meinungen auseinander, doch beim Architekten waren die Journalisten sich einig: Oskar Kaufmann hatte ein Meisterwerk vollbracht. Am 9. Oktober 1921 schrieb das Berliner Tageblatt: „Wen riefen die Leute zum Schluß? Den Autor? Vielleicht. Die Darsteller? Möglich. Den Direktor? Kann sein. Den Regisseur? Denkbar … Mit voller Sicherheit riefen sie: <Kaufmann, Kaufmann!> Das ist der Architekt.“ Die Berliner Allgemeine beschrieb das Theater so: „Dieser neue, spielerisch reizende Theatersaal in seiner farbigen Festlichkeit, seinem allerliebsten, bizarren Plastikenkrisskrass, ein maurisches Rokoko, soll die leichte Muse zu Gaste bitten, um einer gehobenen, sozusagen zivilisierten Heiterkeit zu dienen.“

1927 übernahm Ferdinand Bruckner, Autor von „Elisabeth von England“, „Die Verbrecher“ und „Krankheit der Jugend“ die Bühne. Er zeigte hier hauptsächlich Revuen. Ein großer Erfolg war Friedrich Hollaenders „Bei uns um die Gedächtniskirche rum“ mit Willi Schäffers und Hubert von Meyerinck. 1928 wurde das Theater aufgrund einer Anordnung der Baupolizei geschlossen. Im selben Jahr übernahm Max Reinhardt die Bühne und ließ das Haus von Oskar Kaufmann noch einmal gründlich umbauen. 1931 nahm Reinhardt das Theater wieder in Betrieb. Kurze Zeit später fand hier die Berliner Erstaufführung der Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ von Bertolt Brecht und Kurt Weill statt. 1932 zog sich Max Reinhardt aus der Direktion zurück, 1933 wurde Hans Wölffer Direktor von Theater und Komödie am Kurfürstendamm und blieb es bis 1942. Unter den Nazis hatte Wölffer - obwohl oder gerade weil die Theater sehr beliebt waren und weil er nicht in der „Partei“ war - große Schwierigkeiten, was schließlich 1942 zur Enteignung und Verstaatlichung beider Bühnen führte. 1943 wurden beide Theater im Bombenhagel schwer beschädigt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

1946 wurden die Häuser wieder aufgebaut. Ein Jahr später wurde das Theater am Kurfürstendamm mit Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ eröffnet. 1948 zog kurzfristig ein Kino in das Haus ein.

Die Freie Volksbühne im Theater am Kurfürstendamm[Bearbeiten]

1949 übernahm die „Freie Volksbühne“ das Haus als Spielstätte. Eröffnet wurde mit ShakespearesHamlet“. Bis zum Umzug in die Schaperstraße im Jahr 1963 inszenierten hier Regisseure wie Giorgio Strehler, Oscar Fritz Schuh, Erwin Piscator, entwarf Caspar Neher Bühnenbilder, spielten Schauspieler wie Peer Schmidt, Tilla Durieux, Wolfgang Neuss, Wolfgang Spier, Wolfgang Gruner, Wolfgang Kieling, Agnes Windeck, Cordula Trantow, Therese Giehse, Hanne Hiob sowie Günter Pfitzmann. Kurz vor dem Umzug in die Schaperstraße im Jahr 1963 inszenierte Piscator die Uraufführung von Rolf HochhuthsDer Stellvertreter“.

Die Wölffers im Theater am Kurfürstendamm[Bearbeiten]

Innenansicht des Theaters am Kurfürstendamm

Nach dem Auszug der Freien Volksbühne in ihr eigenes Theater der Freien Volksbühne übernahm Hans Wölffer, der damals schon lange Direktor der benachbarten Komödie am Kurfürstendamm war, die Direktion. Zwei Jahre später holte er seine Söhne Jürgen und Christian mit in die Direktion.

Auf dem Spielplan standen Autoren wie Alan Ayckbourn, Neil Simon, Curth Flatow und Horst Pillau. Die Liste der bekannten Darsteller, die dort auf auftraten, ist lang: Inge Meysel, Rudolf Platte, Georg Thomalla, Nora von Collande, Utz Richter, Eckart Dux, Grete Weiser, Grit Boettcher, Chariklia Baxevanos, Peer Schmidt, Anita Kupsch, Harald Juhnke, Wolfgang Spier, Agnes Windeck, Günter Pfitzmann, Brigitte Grothum, Gaby Gasser, Gisela Uhlen, Jan Hendriks, Herbert Herrmann, Herbert Bötticher, Karin Eickelbaum, Edith Hancke, Klaus Sonnenschein, Brigitte Mira, Maria Sebaldt, Michael Degen, Ulrich Wildgruber, Johanna von Koczian, Walter Plathe, Peter Striebeck, Johannes Heesters, Friedrich Schoenfelder, Hans-Jürgen Schatz, Elisabeth Wiedemann, Ute Willing, Judy Winter, Ralf Wolter, Winfried Glatzeder, Evelyn Künneke, Georg Preuße, Witta Pohl, Katja Riemann, Otto Sander, Jörg Schüttauf, Günter Schubert, Nicolette Krebitz, Susanne Lothar, Manon Straché, Susann Uplegger, Jasmin Tabatabai, Helmut Baumann, Markus Majowski, Oliver Mommsen, Andreas Schmidt, Tanja Wedhorn, Julia Jäger, Michael von Au, Susanna Simon, Katharina Thalbach, Anna Thalbach, Achim Wolff, Herbert Köfer, Anton Rattinger, Victoria Sturm, Peter Fricke, Gisbert-Peter Terhorst, Maria Furtwängler sowie Jochen Busse sind nur ein kleiner Ausschnitt der vielen Schauspieler, die dort gastierten.

Im Jahr 2004 übergab Jürgen Wölffer die Direktion seinem Sohn Martin. Er trat an mit dem Anspruch, das Programm zu verjüngen. Mit Kristof Magnussons „Männerhort“ hat er im Jahr 2005 auf die richtige Karte gesetzt. Andreas Schmidts Inszenierung mit Bastian Pastewka, Christoph Maria Herbst, Michael Kessler und Jürgen Tonkel wurde ein Riesenerfolg. Es folgten Inszenierungen wie „Szenen einer Ehe“, „Wie es euch gefällt“, „Gut gegen Nordwind“, „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ oder „Fettes Schwein“, mit denen Martin Woelffer seinen Anspruch, großstädtisches Unterhaltungstheater zu machen, einlöste.

Kündigung der Mietverträge[Bearbeiten]

Die Kündigung der Mietverträge von Theater und Komödie am Kurfürstendamm zum Ende des Jahres 2006 durch die db-Real-Estate, eine Tochter der Deutschen Bank, durchkreuzte seine langfristigen Ziele. „Das war ein Schock, aber die Unterstützung der Öffentlichkeit hat mir Mut gemacht für den Erhalt beider Häuser zu kämpfen. Das haben wir auch den vielen Berlinern und Berlinerinnen zu verdanken, die uns unterstützt haben. Ihnen gilt mein Dank.“, betonte Martin Woelffer. Ende 2006 gab es einen erneuten Besitzerwechsel: Die db-Real-Estate verkaufte das komplette Ku’damm-Karree, in dem sich auch die beiden Theater befinden an Fortress, einen Private-Equity-Fonds. Fortress verlängerte den Mietvertrag des Theaters bis zum 31. Januar 2008, den Mietvertrag der Komödie bis zum 30. Juni 2008. Im September 2008 wurde das Ku’damm-Karree an Ballymore Properties verkauft.

Obwohl die Theater über keinen gültigen Mietvertrag verfügen, geht der Spielbetrieb weiter. Ein Antrag im Kulturausschuss der Stadt die Häuser unter Denkmalschutz zu stellen, wird abschlägig beschieden.

Ballymore plant die Neugestaltung des Ku’damm-Karrees; ein Logentheater mit 650 Plätzen soll entstehen, die beiden historischen Theater abgerissen werden. Eine Genehmigung dieser Pläne durch den Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf steht noch aus.

Aufzeichnungen aus dem Theater (Auswahl)[Bearbeiten]

Zu den zahlreichen Fernsehübertragungen aus dem Theater gehören:

Literatur[Bearbeiten]

  • Dietrich Worbs: „Komödie“ und „Theater am Kurfürstendamm“. Das Erbe von Oskar Kaufmann und Max Reinhardt. Deutscher Kunstverlag, München 2007, ISBN 978-3-422-06694-6.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Theater am Kurfürstendamm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

52.50194444444413.323888888889Koordinaten: 52° 30′ 7″ N, 13° 19′ 26″ O