Theater im Bauturm

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Theater im Bauturm

Das Theater im Bauturm – Freies Schauspiel Köln ist ein freies Theater, das 1983 im Gebäude der Architektengruppe „Bauturm“ gegründet wurde und daher seinen Namen erhielt.[1] Es liegt im Belgischen Viertel an der Aachener Straße, schräg gegenüber dem Millowitsch-Theater.[2]

Eingangsbereich zum Foyer des Theaters im Bauturm

Im Durchschnitt werden pro Spielzeit vier bis fünf Neuproduktionen am Haus inszeniert, darunter modern inszenierte Klassiker (z. B. Faust - Der Tragödie Erster Teil von Johann Wolfgang von Goethe, 2011 inszeniert von Jörg Fürst[3]) und moderne Theaterstücke zeitgenössischer Autoren (z. B. Deportation Cast von Björn Bicker, 2013 inszeniert von Gerhard Roiß[4]). Dazu kommt ein umfangreicher Repertoirebetrieb und zahlreiche, zum Teil internationale Gastspiele. Thematischer Schwerpunkt sind Theaterstücke, die sich mit gesellschaftlich oder politisch relevanten Problemen und/oder Fragestellungen befassen.

Mit dem 2011 initiierten biennalen africologneFESTIVAL, mit zahlreichen Gastspielen und Aufführungen außerhalb Kölns sowie dem jährlichen SommerGäste-Programm zählt das Theater im Bauturm jährlich bei ca. 300 Veranstaltungen zwischen 22.000 und 26.000 Zuschauer.

Geschichte[Bearbeiten]

Ein Gründungskollektiv von Schauspielern, Regisseuren und weiteren künstlerisch Interessierten gründete 1983 das Theater im Bauturm in dem Gebäude, in dem es bis heute angesiedelt ist.[5] Zu dem Gründungskollektiv gehörte u. a. Hans-Georg Bögner (Geschäftsführer der SK Stiftung Kultur), der bis heute Vorsitzender des Trägervereins ist.[5] Das Gebäude gehörte der Architekten- und Ingenieurgemeinschaft „Bauturm“, die 1968 von Erich Schneider-Wessling und Peter Busmann in Köln gegründet wurde und der das Theater seinen Namen verdankt. Ab 1972 stieß auch Godfrid Haberer zu der freien Architektengruppe.[6]

Im November 2012 ging der biennal vergebene Kunstpreis des Fördervereins des Theaters im Bauturm an die Familien Schneider-Wesseling, Busmann und Haberer für ihre langjährige Unterstützung als Vermieter.[7] Heute gehört das Gebäude allein der Familie Schneider-Wesseling.

Pauken und Trompeten von Bertolt Brecht nach George Farquhar war das erste Theaterstück, das am Theater im Bauturm aufgeführt wurde. Die Premiere fand am 7. Oktober 1983 statt.

Der Kontrabaß von Patrick Süskind hatte am 7. Juni 1984 am Theater im Bauturm Premiere. Die Inszenierung mit Axel Siefer in der Hauptrolle wird bis heute regelmäßig gezeigt (Stand 2013). Es gab bereits über 1.000 Vorstellungen [8]

Seit 1995 ist Gerhardt Haag der Theaterleiter.[9] Für seine langjährige verantwortungsvolle Tätigkeit erhielt er 2013 den Kölner Ehrentheaterpreis.[10]

Seit der Spielzeit 2004/05 entscheidet eine sogenannte Regie-Gruppe über die künstlerische Ausrichtung und die Auswahl der Theaterstücke. Neben dem Leiter und der Dramaturgin des Theaters gehören mehrere Regisseure der für jeweils drei Spielzeiten zusammengestellten Regie-Gruppe an.[9]

1987 wurde der „Verein der Freunde und Förderer für das Theater im Bauturm e.V.“ gegründet. Inzwischen gehören dem Verein mehr als 215 Mitglieder an, die mit ihren Beiträgen und Spenden zahlreiche Produktionen und Investitionen möglich gemacht haben. Seit 2009 gibt es die „Theaterschwärmer“. Das sind die Mitglieder des Vereins, die unter 34 Jahre alt sind. Sie bringen sich mit eigenen Programmpunkten wie Vorträgen oder Führungen aktiv ins Theatergeschehen ein.[11]

Ausstattung[Bearbeiten]

Außenfahne des Theaters im Bauturm mit der Beschriftung anlässlich der Premiere von Deportation Cast im April 2013

Der Theatersaal verfügt über 135 Sitzplätze (Stand 2013). Die Bühnenhöhe beträgt 2,90 m.

An der Fassade des Hauses der Aachener Str. 26 hängt eine große Fahne, die die Premieren des Hauses ankündigt. Anlässlich der Premiere des Theaterstücks Deportation Cast von Björn Bicker, inszeniert von Gerhard Roiß, am 6. April 2013 stand auf der Fahne zum ersten Mal nicht Titel, Autor und Premierendatum der Produktion, sondern eine Aussage, die thematisch zum Inhalt des Stücks passte: „Duldung, Überstellung, Abschiebung – Die Würde des Menschen ist unantastbar?“[12]

Veranstaltungen[Bearbeiten]

africologneFESTIVAL[Bearbeiten]

Das biennal stattfindende africologneFESTIVAL zeigt (west-)afrikanisches Theater und findet in Koproduktion mit internationalen Partnern statt wie dem Festival Récréâtrales in Burkina Faso; es bildet eine Plattform für Netzwerke und interkulturellen Austausch.[13]

Die erste Ausgabe fand vom 22. bis 28. Juni 2011 statt und es wurden sieben Produktionen gezeigt. Die Theaterstücke wurden in französischer Sprache bzw. in Mooré (eine der burkinischen Landessprachen) mit deutschen Übertiteln präsentiert.[14]

Das zweite africologneFESTIVAL fand vom 12. bis 22. Juni 2013 in Köln, am Theater im Bauturm – Freies Schauspiel Köln sowie an der studiobühneköln, der Alten Feuerwache und dem Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen der Welt statt. Das Programm wurde über den Bereich des Theaters hinaus in Richtung Tanz und Musik sowie in Kooperation mit FilmInitiativ Köln in Richtung Film erweitert.[15]

2013 wurden neun Produktionen, davon drei Europa-, vier Deutschland- und eine Köln-Premiere, gezeigt.[16]

SommerGäste[Bearbeiten]

Die SommerGäste stellen das jährliche Sommerprogramm dar und fanden zum ersten Mal im Sommer 2006 statt. Die SommerGäste präsentieren Künstler und Ensembles mit Programmen aus den Bereichen Literatur, Theater, Musik, Kabarett und Kleinkunst.

Kölner lesen zu zweit[Bearbeiten]

„Kölner lesen zu zweit“ ist eine Benefiz-Reihe, in deren Rahmen jeweils zwei Kölner Persönlichkeiten pro Veranstaltung aus ihren Lieblingsbüchern lesen.[17]

Bauturm Kunstpreis[Bearbeiten]

Seit 2006 vergibt der „Verein der Freunde und Förderer für das Theater im Bauturm e.V.“ alle zwei Jahre den „Bauturm Kunstpreis“, mit dem Künstler und Personen ausgezeichnet werden, die sich durch besondere Verdienste zur Unterstützung des Theater im Bauturm ausgezeichnet haben. Der „Bauturm Kunstpreis“ hat jedes Mal eine andere Form, denn ein bekannter bildender Künstler stiftet eines seiner Werke, um der Auszeichnung die äußere Erscheinung zu geben. Die Verleihung findet immer im Theater im Bauturm statt.

2006 erhielt die Schauspielerin Renan Demirkan den Preis. Sie hatte sich in einer finanziell schwierigen Situation bereit erklärt, das Stück Love Letters ohne Honorar zu proben und zehnmal zu spielen. Seit 2005 bis heute ist es die erfolgreiche Produktion im Bauturm-Repertoire. Der Objektkünstler Günther Uecker stiftete eine seiner Nagelkonstruktionen. Die Verleihung fand am 22. Oktober 2006 im Theater im Bauturm statt.

2008 wurde Axel Siefer, Regisseur und Schauspieler (u. a. in Der Kontrabaß), mit der Auszeichnung für sein Engagement geehrt. Er leitete in den Anfangsjahren den Bauturm ehrenamtlich und beteiligte sich auch danach immer wieder an der Weiterentwicklung des Theaters.[18] Axel Siefer erhielt eine Stahl-Skulptur des im August 2010 verstorbenen Künstlers Ansgar Nierhoff.[19]

2010 erhielten alle Beteiligten der Benefiz-Lesereihe „Kölner lesen zu zweit“ den Bauturm Kunstpreis in Form einer Holzskulptur von Erwin Wortelkamp. Stellvertretend nahm Gisela Völger, die die Lesereihe die ersten Jahre organisiert und durchgeführt hatte, den Preis entgegen. Die Laudatio hielt der Kölner Rechtsanwalt Louis Peters.

2012 wurde der Preis an die langjährigen Vermieter und Unterstützer des Theaters verliehen: Gabi und Erich Schneider-Wessling, Vreneli und Peter Busmann sowie Gerda und Gottfrid Haberer. Der Preis wurde gestiftet von Gerd Bonfert.[20] Die Verleihung fand am 21. Oktober 2012 im Theater im Bauturm selbst statt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Theater im Bauturm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. theaterszene-koeln.de
  2. koeln.de
  3. http://theaterpur.net/theater/schauspiel/2012/03/koeln-bauturm-faust.html
  4. http://www.theaterzeitung-koeln.de/kritisiert/akt-inszenierung-des-monats/deportation-cast/
  5. a b ksta.de
  6. http://www.orden-pourlemerite.de/mitglieder/peter-busmann
  7. http://www.ksta.de/koeln/-bauturm-kunstpreis--auszeichnung-fuer-die-vermieter,15187530,20683412.html
  8. http://www.welt.de/wams_print/article2006828/Eine-lange-Ehe-mit-dem-Kontrabass.html
  9. a b theater-im-bauturm.de
  10. ksta.de: Wichtige Inspiration für Kölner Szene / Ehrentheaterpreis für Gerhardt Haag (abgerufen am 30. Juli 2014)
  11. http://theater-im-bauturm.de/index.py?content=theaterschwaermer
  12. http://theaterpur.net/theater/schauspiel/2013/04/koeln-bauturm-deportation.html
  13. http://theater-im-bauturm.de/index.py?afri=00008
  14. http://www.kulturstiftung-des-bundes.de/cms/de/sparten/buehne_und_bewegung/africologne.html
  15. http://www.koeln.de/koeln/africologne_koeln_trifft_afrika_711832.html
  16. http://theaterpur.net/uebrigens/2013/04/26/festival-africologne-in-k%C3%B6ln-vom-12.-%E2%80%93-22.-juni-2013/
  17. http://theater-im-bauturm.de/index.py?klzz=00004
  18. http://www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/pdf-ob/reden/2008/10/19-bauturm-kunstpreis.pdf
  19. http://www.ksta.de/koeln-uebersicht/theater-im-bauturm-haus-fuer-kreative-dramatik,16341264,13082856.html
  20. http://www.ksta.de/koeln/lichtkuenstler-gerd-bonfert-stiftete-den-kunstpreis,15187530,20683342.html

50.9365636.936504Koordinaten: 50° 56′ 12″ N, 6° 56′ 11″ O