Theodor Waigel

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Theo Waigel, 2012

Theodor „Theo“ Waigel (* 22. April 1939 in Oberrohr, Gemeinde Ursberg) ist ein deutscher Politiker (CSU). Er war von 1989 bis 1998 Bundesminister der Finanzen und von 1988 bis 1999 CSU-Vorsitzender.

Waigel wurde auf dem Parteitag am 18. Juli 2009 zum Ehrenvorsitzenden der CSU gewählt.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Beruf [Bearbeiten]

Nach dem Abitur am Simpert-Kraemer-Gymnasium im schwäbischen Krumbach nahm Waigel 1959 ein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in München und später in Würzburg auf, welches er 1963 mit dem ersten juristischen Staatsexamen beendete. 1967 folgte das zweite Staatsexamen sowie seine Promotion zum Dr. iur. mit der Arbeit Die verfassungsmäßige Ordnung der deutschen insbesondere der bayerischen Landwirtschaft. Nach einer Tätigkeit als Gerichtsassessor bei der Staatsanwaltschaft beim Landgericht München I wechselte Waigel 1969 als Persönlicher Referent des Staatssekretärs in das Bayerische Staatsministerium der Finanzen. Von 1970 bis 1972 nahm er dieselbe Funktion beim Bayerischen Staatsminister für Wirtschaft und Verkehr wahr.

Theo Waigel (rechts) mit Erwin Huber, 1989

Nach seiner politischen Tätigkeit wechselte Waigel u. a. zur Deutschen Vermögensberatung AG (DVAG) sowie zur EnBW[1] als Mitglied des Beirats. Des Weiteren ist er beratend für die Risikokapitalgesellschaft Texas Pacific Group[2] sowie die PR-Beratung Brunswick Group[3] tätig. Von 1999 bis 2002, also noch während seiner Zeit als Mitglied des Bundestages, hatte er einen hochdotierten Beratervertrag mit dem Medienunternehmer Leo Kirch.[4]

Im sechsteiligen Fernsehspiel Die Affäre Semmeling von Dieter Wedel hat er in seiner Funktion als Bundesfinanzminister zwei Kurzauftritte.

Seit 2005[5] ist er ferner Vorsitzender des Aufsichtsrates des Geldspielautomaten-Herstellers NSM-Löwen Entertainment GmbH.[6]

Im Auftrag der US-Justizbehörden wurde Waigel im Januar 2009 Anti-Korruptions-Beauftragter (Compliance Monitor) beim Technologiekonzern Siemens.[7] Als solcher berichtet er unter anderem dem Justizministerium der Vereinigten Staaten und der US-amerikanischen Börsenaufsicht SEC.[8] In den USA ist dieses Monitoring der Compliance-Prozesse eines Unternehmens üblicher Bestandteil einer Einigung bei strafrechtlichen Verfahren. Einen Monitor zu verpflichten war eine Auflage des amerikanischen Justizministeriums (DOJ) und der US-Börsenaufsicht (SEC) im Zuge der Beilegung eines Verfahrens gegen Siemens.[9] Für Herbst 2012 hat Waigel seinen Rückzug von diesem Amt angekündigt.[10]

Die Schirmherrschaft für die 1. Alpine Skiweltmeisterschaft der Gehörlosen[11] in Nesselwang im Allgäu vom 23. Februar bis 2. März 2013 hat Waigel im Beisammen mit seiner Frau Dr. Irene Epple-Waigel übernommen.

Waigel ist katholisch. In erster Ehe war er von 1966 bis 1993 mit der Diplom-Volkswirtin Karin Waigel verheiratet, mit der er zwei Kinder hat. In zweiter Ehe ist er seit 1994 mit der ehemaligen Skirennläuferin Irene Epple verheiratet und hat mit ihr ein Kind.

Waigel ist als Rechtsanwalt in der gleichen Münchner Rechtsanwaltskanzlei wie sein Sohn Christian Waigel als sog. Of Counsel tätig.[12] Sein Sohn Christian ist darüber hinaus Honorarkonsul des Fürstentums Liechtenstein.

Theo Waigel bei einer F. J. Strauß-Ausstellung in der Bayerischen Landesvertretung in Bonn, 1990

Partei [Bearbeiten]

Waigel ist seit 1960 Mitglied der CSU. Von 1971 bis 1975 war er Landesvorsitzender der Jungen Union in Bayern. Von 1973 bis 1988 war er außerdem Vorsitzender der Grundsatzkommission der CSU. Er war von 1970 an Mitglied im CSU-Landesvorstand sowie seit 1983 im Präsidium der CSU. 1987/88 war er CSU-Bezirksvorsitzender von Schwaben. Von November 1988 bis Januar 1999 war er dann Vorsitzender der CSU. Nachdem die CSU bei der Bundestagswahl 1998 47,7 % der Stimmen aus Bayern erhielt und damit unter dem Wahlziel 50+x blieb, wurde der damalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber sein Nachfolger als Parteivorsitzender.

Am 4. April 2009 wurde Waigel im Hinblick auf seine Verdienste für Deutschland und Europa vom CSU-Vorstand zum zweiten Ehrenvorsitzenden neben Edmund Stoiber vorgeschlagen und[13] auf dem Parteitag am 18. Juli 2009 zum Ehrenvorsitzenden der CSU gewählt.

Abgeordneter [Bearbeiten]

Von 1966 bis 1972 war er Mitglied im Kreistag von Krumbach, von 1972 bis 2002 Mitglied des Deutschen Bundestages. Dort bekleidete er von 1978 bis 1980 die Funktion des Obmanns der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Ausschuss für Wirtschaft. Von Dezember 1980 bis Oktober 1982 war Waigel Vorsitzender der Arbeitsgruppe Wirtschaft sowie wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Im Oktober 1982 wurde er zum Vorsitzenden der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag und damit gleichzeitig zum Ersten Stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion gewählt. Im April 1989 legte er diese Ämter nieder. Waigel war zuletzt (14. Wahlperiode) mit 54,8 % der Stimmen direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Neu-Ulm.

Öffentliche Ämter [Bearbeiten]

Theodor Waigel bei einer Rede im Bayerischen Landtag (2009)

Im Zuge einer Kabinettsumbildung wurde er am 21. April 1989 in die von Bundeskanzler Helmut Kohl geführte Bundesregierung in das Amt des Bundesministers der Finanzen berufen, in welchem er für die Ausverhandlung und Durchführung der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion verantwortlich war. Nach der Bundestagswahl 1998 schied er am 26. Oktober 1998 aus der Regierung aus.

Die Bezeichnung „Euro“ für die gemeinsame europäische Währung geht auf einen von Waigel im Dezember 1995 im Europäischen Rat eingebrachten Vorschlag zurück, sodass er häufig auch als „Namensgeber für den Euro“[14] bezeichnet wird.

Kabinette [Bearbeiten]

Auszeichnungen [Bearbeiten]

Waigel erhielt unter anderem auch folgende Auszeichnungen: Großes Bundesverdienstkreuz (1984), mit Stern (1988) und Schulterband (1996), Bayerischen Verdienstorden, Ehrendoktorwürde der University of South Carolina und Kommandeur der französischen Ehrenlegion.[17]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Rezzo Schlauch berät EnBW. Handelsblatt. 15. März 2006. Abgerufen am 15. Oktober 2012.
  2. Die Helfer der Heuschrecken. Cicero. 23. Juli 2007. Abgerufen am 15. Oktober 2012.
  3. Waigels neue Kollegin: Meckel wird Beraterin. netzeitung.de. 29. September 2005. Abgerufen am 15. Oktober 2012.
  4. Kirchs Rentenkasse. Spiegel Online. 14. April 2003. Abgerufen am 15. Oktober 2012.
  5. Former Federal AccessLibrary-Meldung: Finance Minister Dr. Theo Waigel is the new Chairman of the board of directors at NSM-Lowen
  6. Website Löwen-Entertainment: Impressum, abgerufen am 9. April 2009
  7. Süddeutsche Zeitung: Theo Waigel kontrolliert Siemens - "Nicht mehr in Knechtschaft". 16. Dezember 2008.
  8. Spiegel Online: Siemens beendet Schmiergeldaffäre mit Milliardenbuße (abgerufen am 18. Dezember 2008)
  9. Dr. Theo Waigel appointed as compliance monitor (Englisch) Siemens AG. 15. Dezember 2008. Abgerufen am 3. April 2012.
  10. Waigel will sich bei Siemens zurückziehen. WirtschaftsWoche. 14. November 2011. Abgerufen am 3. April 2012.
  11. Homepage der 1. Alpine Skiweltmeisterschaft
  12. Dr. Theo Waigel. GSK Stockmann + Kollegen. Abgerufen am 22. März 2012.
  13. Informationen bezüglich des Ehrenvorsitzes an Theo Waigel auf den Seiten des Bayerischen Rundfunks − gefunden 4. April 2009, 12:01 Uhr MESZ.
  14. Graf von Nayhauß, M. (2012): Größenwahn und Politik (Hrsg.), S. 29, Köln (ISBN 9783941118959)
  15. Die Verleihung der Auszeichnung an Theo Waigel (pdf-Datei; 200 kB)
  16. Dinosaurier des Jahres. NABU. Abgerufen am 23. Februar 2013.
  17. Dr. Theo Waigel. Econ Referenten Agentur. Abgerufen am 23. Februar 2013.

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Theodor Waigel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien