Theo Zwanziger
Theo Zwanziger (* 6. Juni 1945 in Altendiez) ist ein deutscher Politiker (CDU), Sportfunktionär, Jurist, ehemaliger Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB) und Mitglied im FIFA-Exekutivkomitee.
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Außersportliches Leben [Bearbeiten]
Theo Zwanziger besuchte die Tilemannschule (Gymnasium) in Limburg an der Lahn und legte dort 1965 sein Abitur ab. Die Berufslaufbahn des Juristen begann 1965 als Steuerinspektor, später war er in der Verwaltung des Westerwaldkreises in Montabaur beschäftigt und wurde 1978 an der Universität Mainz im Steuer- und Verfassungsrecht zum Dr. iur. promoviert. 1985 bis 1987 gehörte er als CDU-Abgeordneter dem rheinland-pfälzischen Landtag an. Von 1987 bis 1991 fungierte er als Regierungspräsident des damaligen rheinland-pfälzischen Regierungsbezirks Koblenz und schließlich als Verwaltungsrichter beim Abgabensenat des Oberverwaltungsgerichts Koblenz. 1991 gründete Zwanziger eine Anwaltskanzlei in Jena und später eine zweite in Altendiez. Die Anwaltskanzlei Dr. Theo Zwanziger & Collegen hat heute ihren Sitz im thüringischen Hermsdorf und Gera.
Theo Zwanziger ist verheiratet und hat zwei Söhne. Sein Sohn Ralf ist bei der TSG 1899 Hoffenheim Manager für den Frauen-Fußball. Am 19. Juni 2011 war er im Tatort „Im Abseits“ in einem Cameo-Auftritt zu sehen.
Laufbahn als Fußballfunktionär [Bearbeiten]
Bis 1975 spielte er selbst beim VfL Altendiez und war anschließend Vorstandsmitglied des kleinen Vereins, dem er heute noch angehört. Weitere Stationen waren der Vorsitz des Fußballverbands Rheinland sowie ab 1992 der DFB-Vorstand, wo er zwischen 2001 und 2004 den Posten des Schatzmeisters innehatte. Innerhalb des Organisationskomitees für die WM 2006 war Zwanziger seit 2003 als Vizepräsident für Finanzen, Personal und Recht zuständig; zudem hatte er sich als Botschafter für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 der Menschen mit Behinderung in Deutschland engagiert.
Am 6. Juli 2004 erklärte er, bei der nächsten Wahl zum Vorsitzenden des DFB gegen Gerhard Mayer-Vorfelder anzutreten. Um eine Kampfabstimmung zwei Jahre vor der WM zu verhindern, einigte man sich am 9. Juli 2004 auf eine Doppelspitze, die am 23. Oktober 2004 auf dem 38. DFB-Bundestag in Osnabrück beschlossen wurde. Mayer-Vorfelder wurde dort als Präsident und Zwanziger als geschäftsführender Präsident gewählt; die Aufgabenbereiche wurden zwischen beiden aufgeteilt. Schon vor der Wahl sagte Mayer-Vorfelder intern zu, bei einem außerordentlichen DFB-Bundestag 2006 nicht erneut zu kandidieren. Auf diesem wurde Zwanziger am 8. September 2006 einstimmig zum (alleinigen) Präsidenten gewählt. Am 2. Dezember 2011 kündigte er an, 2013 nicht für eine Wiederwahl zur Verfügung zu stehen und eventuell 2012 vorzeitig von seinem Amt zurückzutreten.[1] Als offiziellen Grund gab er an, dass er in Deutschland keine Herausforderung mehr sehe. Diverse Medien behaupteten jedoch, die zunehmende Kritik an seiner Person sei der wahre Grund für diese Entscheidung gewesen.
Während seiner Zeit als Vorsitzender des Deutschen Fußball-Bundes wurde Zwanziger mit verschiedenen Auszeichnungen geehrt: Seit Juli 2005 ist er Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland. Das Große Bundesverdienstkreuz erhielt er im März 2012. Ferner wurde er mit verschiedenen Preisen für sein Eintreten gegen Fremdenfeindlichkeit und Homophobie bedacht, etwa mit dem Tolerantia-Preis der Maneo 2008 für seinen „Einsatz gegen Intoleranz und Homophobie im Breitensport“[2] (gemeinsam mit dem Fußballer Philipp Lahm und der Sportwissenschaftlerin Tanja Walther), dem Preis des Vereins Gegen Vergessen – Für Demokratie 2008[3], der Kompassnadel des Schwulen Netzwerkes NRW 2009[4] und dem Leo-Baeck-Preis 2009 „für seinen Einsatz gegen Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Rechtsextremismus“.[5]
Für Aufsehen sorgte 2008 und 2009 ein Rechtsstreit Zwanzigers mit dem freien Sportjournalisten Jens Weinreich, von dem Zwanziger aufgrund der Bezeichnung „unglaublicher Demagoge“ eine Unterlassungserklärung verlangte. Zwanziger unterlag in fünf Gerichtsinstanzen gegen Weinreich, bevor die Kontrahenten sich außergerichtlich einigten.[6][7] Der Fall wurde intensiv in Online- und Printmedien diskutiert; insbesondere vor dem Hintergrund, dass nicht nur Zwanziger selbst, sondern auch die Presseabteilung des DFB öffentlich und wiederholt bekundete, es habe sich bei Weinreichs Äußerung um eine Diffamierung des Funktionärs gehandelt.[8]
2010 gründete Zwanziger die „Theo-Zwanziger-Stiftung“, die der Förderung des Sports, dabei insbesondere der Förderung des Mädchen- und Frauenfußballs gewidmet ist.[9]
2011 wurde Zwanziger vom 35. Kongress des europäischen Fußball-Verbandes UEFA per Akklamation in das 24-köpfige Exekutivkomitee der FIFA gewählt.[10]
Theo Zwanziger unterstützt als Botschafter die Initiative Respekt! Kein Platz für Rassismus.[11]
Er ist erklärter Fan von Borussia Mönchengladbach.[12]
Autobiografie [Bearbeiten]
- Theo Zwanziger mit Stefan Kieffer: Die Zwanziger Jahre. Bloomsbury Berlin, Berlin 2012, ISBN 978-3827011145.
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Dr. Zwanziger: „Wenn es nach mir geht, ist im Oktober Schluss“
- ↑ queer.de: Tolerantia-Preis für Philipp Lahm und Theo Zwanziger
- ↑ gegen-vergessen.de: Dr. Theo Zwanziger erhält den Preis „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ 2008.
- ↑ wdr.de: D'r rosa Zoch kütt – DFB-Präsident Zwanziger geehrt
- ↑ Zwanziger erhält Leo-Baeck-Preis. „Niemals tatenlos zuschauen“ (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.) → Erläuterung. Auf: tagesschau.de, 4. November 2009.
- ↑ Konrad Lischka: Wie Blogger den DFB bloßstellten., In: Spiegel Online, 24. November 2008.
- ↑ Netzwelt-Ticker, Spiegel Online vom 27. März 2009
- ↑ http://www.stefan-niggemeier.de/blog/dfb-diffamieren-statt-klagen/
- ↑ Satzung der Theo-Zwanziger-Stiftung
- ↑ http://fussball.zdf.de/ZDFsport/inhalt/23/0,5676,8226487,00.html
- ↑ http://www.respekt.tv/die-interviews/theo-zwanziger.html
- ↑ Walter M. Straten: Das Abschieds-Interview! In: Bild, 25. Februar 2012 (Interview).
Literatur [Bearbeiten]
- Theo Zwanziger: Der Gleichheitssatz im Spannungsverhältnis zwischen Verteilungsgerechtigkeit, Besteuerung nach Leistungsfähigkeit und Gerechtigkeitsempfinden : dargestellt unter besonderer Berücksichtigung der Neuregelung des Familienlastenausgleichs, Mainz, Univ., Diss., 1978
Weblinks [Bearbeiten]
- Literatur von und über Theo Zwanziger im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Kurzporträt von Theo Zwanziger auf dfb.de
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Zwanziger, Theo |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Jurist, Politiker (CDU), MdL, Sportfunktionär und Präsident des Deutschen Fußball-Bundes |
| GEBURTSDATUM | 6. Juni 1945 |
| GEBURTSORT | Altendiez |