Theodor Adrian von Renteln

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Theodor Adrian von Renteln

Theodor Adrian von Renteln (* 15. September 1897 in Hodsi, Russland; † 1946 in der Sowjetunion) war ein deutscher Journalist, Politiker (NSDAP) und Wirtschaftsfunktionär. Für die NSDAP arbeitete er vor allem zu Themen des Mittelstandes, insbesondere in Handwerk, im Handel und in genossenschaftlichen Organisationsformen. 1931/32 war er kurzzeitig Führer der Hitlerjugend. Während des Zweiten Weltkriegs war er als Gebietskommissar in Litauen auf Seiten der Zivilverwaltung einer der Hauptverantwortlichen für die Ermordung der litauischen Juden.

Leben[Bearbeiten]

Renteln war von baltendeutscher Herkunft und hatte von 1905 bis 1917 Gymnasien in Riga und Dorpat besucht. Ab 1917 hielt er sich in Deutschland auf, wo er von 1920 bis 1924 Volkswirtschaft und Rechtswissenschaft in Berlin und Rostock[1] studierte. Im Februar 1924 wurde mit einer Arbeit über die Währung Lettlands zum Dr. rer. pol. promoviert.

Zwischen 1924 und 1929 arbeitete von Renteln als Kaffeehausmusiker und freier Journalist. 1928 leitete er die Hochschulgruppe Berlin des NS-Studentenbundes und trat zum 1. Januar 1929 in die NSDAP (Mitgliedsnummer 109.184) und die SA ein.[2] Im November 1929 gründete er den zuvor seit 1927 nur in einzelnen Ortsvereinigungen bestehenden NS-Schülerbund (NSS) als reichsweite Organisation und stand ihm bis zum 16. Juni 1932 als Reichsführer vor. Zugleich war er als Wirtschaftsreferent in der Reichsleitung der NSDAP in München beschäftigt.

Am 1. November 1931 wurde von Renteln als Nachfolger Kurt Grubers vorübergehend auch Reichsführer der Hitlerjugend, bis Baldur von Schirach dieses Amt am 16. Juni 1932 übernahm. Von April 1931 bis 1933 war von Renteln auch hauptamtlicher Referent für Wirtschaftsfragen in der Reichsleitung der NSDAP und Leiter der Abteilung für Wirtschaftspolitik in der Hauptabteilung IV (Wirtschaft) der Reichsorganisationsleitung der NSDAP.

Im Jahr 1932 wurde er Mitglied des Reichstages, dem er bis 1945 angehören sollte. Von 1932 bis 1933 war er Führer des „NS-Kampfbundes für den Gewerblichen Mittelstand“. Am 3. Mai 1933 wurde er vom Reichsverband der Deutschen Industrie (RDI) zum neuen Vorsitzenden gewählt. Er war ab Mai 1933 Führer des Reichsstandes des deutschen Handwerks und des Reichsstandes des deutschen Handels sowie von Juni 1933 bis 1935 Präsident des Industrie- und Handelstages. Von 1933 bis 1935 war er Amtsleiter in der Reichsleitung der NSDAP und Präsident der Nationalsozialistischen Handwerks-, Handels-, und Gewerbeorganisation (NS-HAGO), eine Gliederung der NSDAP (1933-1935), danach Teil der Deutschen Arbeitsfront (DAF).[3] Von Renteln war in dieser Funktion maßgeblich an der Organisation der Kampagnen gegen die jüdischen Warenhäuser im Deutschen Reich beteiligt.

Im Juni 1935 wurde von Renteln von Robert Ley zum Stabsleiter der Deutschen Arbeitsfront ernannt und war seit Oktober 1935 Vorsitzender des Obersten Ehren- und Disziplinarhofes der DAF, dessen Aufgabe es war, den Beschwerdeweg innerhalb der Organisation zu regeln und „asoziale Elemente“ aus ihr zu entfernen. Zugleich leitete er im Zentralbüro der DAF das Hauptarbeitsgebiet Handel und Handwerk. Im März 1935 ernannte ihn Bernhard Rust zum Leiter des Instituts für angewandte Wirtschaftswissenschaft an der Universität Leipzig, wo 1936 auch Honorarprofessor wurde. Seit 1939 war von Renteln auch Mitglied der NS-Akademie für Deutsches Recht.[2] 1940 wurde er „Hauptamtsleiter Handel und Handwerk in der Reichsleitung der NSDAP“ und ein Jahr später Generalkommissar in Litauen. Als solcher war er auf Seiten der Zivilverwaltung der Hauptverantwortliche für die Ermordung der litauischen Juden in der Zeit der deutschen Besetzung.

1946 wurde von Renteln in der Sowjetunion hingerichtet. Nach anderer Darstellung (Dieckmann, 1997) gelang ihm möglicherweise die Flucht nach Südamerika.[4]

Schriften[Bearbeiten]

  • mit Herbert von Obwurzer: Selbstversorgung (Autarkie) im Dritten Reich. Nationaler Freiheitsverl, Berlin 1933.
  • Das Handwerk im nationalsozialistischen Wirtschaftsaufbau., o.O. 1933.
  • Kaufmann – nicht Händler!. Bartholdy & Klein, Berlin (1934).

Literatur[Bearbeiten]

  • Johannes Bähr, Ralf Banken (Hrsg.): Wirtschaftssteuerung durch Recht im Nationalsozialismus: Studien zur Entwicklung des Wirtschaftsrechts im Interventionsstaat des „Dritten Reichs“. Klostermann, Frankfurt am Main 2006 (= Studien zur europäischen Rechtsgeschichte, 199; Das Europa der Diktatur, 9; ISBN 3-465-03447-3), S. 517 Anm. 18
  • Michael Buddrus: Totale Erziehung für den totalen Krieg. Hitlerjugend und nationalsozialistische Jugendpolitik. Saur, München 2003, ISBN 3598116152.
  • Christoph Dieckmann: Überlegungen zur deutschen Besatzungsherrschaft in Osteuropa 1941–1944: das Beispiel Litauen. In: Annaberger Annalen. 5. 1997, S. 26-46, hier S. 41f. (PDF-Version; 96 kB)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Siehe dazu die Einträge von Theodor Adrian von Renteln im Rostocker Matrikelportal
  2. a b Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Zweite aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-596-16048-0, S. 492.
  3. Historisches Lexikon Bayerns
  4. Christoph Dieckmann : Überlegungen zur deutschen Besatzungsherrschaft in Osteuropa 1941–1944: das Beispiel Litauen. In: Annaberger Annalen. 5 (1997), S. 41f.