Theologische Fakultät Paderborn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel befasst sich mit der heutigen Theologischen Fakultät Paderborn, die in der Rechtstradition der historischen Jesuitenuniversität Paderborn steht. Zur heutigen Universität siehe Universität Paderborn.

Vorlage:Infobox Hochschule/Mitarbeiter fehlt

Theologische Fakultät Paderborn
Logo
Gründung 10. September 1614
Trägerschaft kirchlich
Ort Paderborn
Bundesland Nordrhein-Westfalen
Staat Deutschland
Rektor Josef Meyer zu Schlochtern
Studenten 92 Stand: WS 2012/13[1]
Professoren 15
Website www.thf-paderborn.de

Die Theologische Fakultät Paderborn ist eine staatlich anerkannte Hochschule in der Trägerschaft des Erzbischöflichen Stuhles zu Paderborn.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Theologische Fakultät Paderborn ist die älteste Hochschule Westfalens. Sie wurde am 10. September 1614 durch den Paderborner Fürstbischof Dietrich IV. von Fürstenberg (1585–1618) als Jesuitenuniversität mit theologischer und philosophischer Fakultät gegründet; noch im selben Jahr fanden bereits erste Vorlesungen in beiden Disziplinen statt. Papst Paul V. (1605–1621) bestätigte die Gründung am 2. April 1615 durch das Breve „In supereminenti“, Kaiser Matthias (1605–1619) durch ein Diplom am 14. Dezember 1615. Im Herbst 1616 wurden diese Urkunden in Paderborn proklamiert, 1617 für beide Fakultäten Dekane ernannt und die Statuten der Universität veröffentlicht. Papst und Kaiser hatten die Jesuitenuniversität mit allen akademischen Rechten, insbesondere auch mit dem Promotionsrecht für beide Fakultäten privilegiert. Zu den Professoren der ersten Generation gehörte Friedrich Spee von Langenfeld (1591–1635), der bedeutende Barockdichter und Kämpfer gegen den Hexenwahn. Er war hier 1623 bis 1626 als Professor der Philosophie und 1629 bis 1631 als Professor der Moraltheologie tätig.

Auch nach der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 und dem Ende des Fürstbistums Paderborn durch den Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 existierte die Hochschule weiter. Zwar verfügte König Friedrich Wilhelm III. von Preußen (1797–1840) am 18. Oktober 1818 ihre Aufhebung, diese wurde aber nicht umgesetzt und am 16. April 1836 durch Allerhöchsten Erlass ausdrücklich zurückgenommen. Dennoch dauerten Verhandlungen zwischen dem Paderborner Bischofsstuhl und der preußischen Regierung bis 1843 an, bevor die Hochschule unter Bischof Richard Dammers (1841–1844) als „Philosophisch-Theologische Lehranstalt“ neue Statuten erhielt. Während des Kulturkampfes (1871–1887) blieb sie aufgrund staatlicher Beschränkungen von 1873 bis 1887 geschlossen, danach erlebte sie eine neue Blütezeit. 1909 bestanden an ihr acht Lehrstühle; deren Professoren gaben in diesem Jahr erstmals die Fachzeitschrift „Theologie und Glaube“ heraus. Seit dem 16. März 1917 trug die Hochschule die Bezeichnung „Philosophisch-Theologische Akademie“. Weil ihre Gebäude nach den schweren Luftangriffen auf Paderborn im März 1945 völlig zerstört waren, wurde der Studienbetrieb nach dem Zweiten Weltkrieg (1939–1945) nach Bad Driburg verlegt und konnte erst im Wintersemester 1949/50 wieder in Paderborn aufgenommen werden.

Durch ein Dekret vom 11. Juni 1966 erkannte Papst Paul VI. (1963–1978) der Hochschule den Rechtsstatus einer Theologischen Fakultät zu und bestätigte zugleich ihr Recht, alle akademischen Grade zu verleihen. Dieser Rechtsstatus wurde am 14. Oktober 1966 in einer Urkunde des Kultusministeriums des Landes Nordrhein-Westfalen bekräftigt und besteht noch heute. Laut novellierter Fassung des Hochschulgesetzes des Landes Nordrhein-Westfalen vom 31. Oktober 2006 ist „die Theologische Fakultät Paderborn staatlich anerkannte Hochschule im Sinne dieses Gesetzes“ (§ 74 Abs. 1). Sie hat damit den gleichen Rang wie die entsprechenden Fakultäten oder Fachbereiche der staatlichen Universitäten der Bundesrepublik Deutschland.

Die Theologische Fakultät, die seit 1974 die wissenschaftliche Buchreihe „Paderborner Theologische Studien“ herausgibt (aktuell 53 Bände), liegt im historischen Stadtzentrum Paderborns. An ihr sind momentan 15 Professoren, mehrere Lehrbeauftragte und Wissenschaftliche Mitarbeitende tätig. Zum akademischen Profil der Hochschule zählt der zehnsemestrige Studiengang der Katholischen Theologie mit dem Abschluss Magister Theologiae. Darüber hinaus sind die Abschlüsse des Lizentiats, des Doktorats und der Habilitation möglich.

Mit der Universität Paderborn besteht eine institutionelle Kooperation. Sie erstreckt sich vor allem auf das Studium der Philosophie, in das die Theologische Fakultät mit ihren beiden Lehrstühlen der Geschichte der Philosophie und der Systematischen Philosophie eingebunden ist. Daher können Absolventen der Theologischen Fakultät unter bestimmten Voraussetzungen auch zum Doktor der Philosophie promoviert werden.

Vom Wintersemester 1999/2000 bis zum Sommersemester 2008 wurde an der Theologischen Fakultät der Diplom-Aufbaustudiengang Caritaswissenschaft durchgeführt.

Lehrstühle[Bearbeiten]

Das Fach Katholische Theologie gliedert sich an der Theologischen Fakultät Paderborn in die folgenden Fächergruppen und wird momentan durch die namentlich aufgeführten Professoren in Forschung und Lehre vertreten.

I. Philosophie

II. Biblische Theologie

III. Historische Theologie

IV. Systematische Theologie

V. Praktische Theologie

  • Kirchenrecht – Rüdiger Althaus
  • Pastoraltheologie und Homiletik, Religionspädagogik und Katechetik – Herbert Haslinger
  • Pastoralpsychologie und Pastoralsoziologie – Christoph Jacobs

Institute und Bibliothek[Bearbeiten]

Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik[Bearbeiten]

Das Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik wurde 1957 durch den Paderborner Erzbischof Lorenz Jaeger gegründet und ist der Theologischen Fakultät Paderborn angegliedert. Benannt ist es nach dem Tübinger Theologen Johann Adam Möhler (1796–1838), der mit seiner „Symbolik, oder Darstellung der dogmatischen Gegensätze der Katholiken und Protestanten nach ihren öffentlichen Bekenntnisschriften“ (1832) als katholischer Wegbereiter der Ökumene und zur wissenschaftlichen Erforschung der christlichen Konfessionen gilt. Das international in Forschung, Lehre und im Rahmen verschiedener Ökumenischer Dialoge tätige Institut verfügt über eine Spezialbibliothek mit über 150.000 Bänden und 200 laufend gehaltenen Zeitschriften. Vom Institut herausgegeben wird u.a. die wissenschaftliche Buchreihe „Konfessionskundliche und kontroverstheologische Studien“ sowie die ökumenische Fachzeitschrift „Catholica“.

Josef Pieper Arbeitsstelle[Bearbeiten]

An der Theologischen Fakultät besteht seit 2008 in Verbindung mit dem Lehrstuhl für Systematische Philosophie die Josef Pieper Arbeitsstelle (JPA). Sie widmet sich dem Gesamtwerk Josef Piepers (1904–1997), eines international bedeutenden Philosophen des 20. Jahrhunderts, und möchte dem wachsenden Interesse an seinem Werk ein Forum bieten. So vermittelt die Arbeitsstelle umfassende Informationen zur Bibliographie und zum aktuellen Forschungsstand, trägt zur Erschließung des literarischen Nachlasses, der sich im Deutschen Literaturarchiv in Marbach am Neckar befindet, bei, betreut wissenschaftliche Qualifizierungsarbeiten und koordiniert die internationale Forschung.

Erzbischöfliche Akademische Bibliothek[Bearbeiten]

Die Erzbischöfliche Akademische Bibliothek Paderborn mit ihren rund 320.000 Bänden und ca. 500 laufend gehaltenen Zeitschriften ist die Hochschulbibliothek der Theologischen Fakultät und zugleich die Diözesanbibliothek für das Erzbistum Paderborn. Ihre historischen Bestände umfassen u.a. rund 750 Inkunabeln (Frühdrucke bis zum Jahr 1500) und 140 mittelalterliche Handschriften. Zur Bibliothek gehört auch die Bibliotheca Theodoriana, die 1614 von Fürstbischof Dietrich IV. von Fürstenberg als Bibliothek der Jesuitenuniversität gegründet wurde; nach erheblichen Verlusten gegen Ende des Zweiten Weltkrieges sind heute noch etwa 6.000 Bände vorhanden. Im Zuge der Säkularisation wurden der Bibliotheca Theodoriana viele Druckwerke und Handschriften aus aufgehobenen Klöstern der Region eingegliedert, unter anderem aus dem Benediktinerkloster Abdinghof in Paderborn oder dem Augustiner-Chorherrenstift Böddeken; auch ein Großteil der Klosterbibliothek der ehemaligen Reichsabtei Corvey (ca. 2.500 Bände) befindet sich heute in der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek.

Montagsakademie[Bearbeiten]

Seit 1994/95 (zunächst unter dem Namen „Seniorenakademie“, seit 2007/08 unter dem Namen „Montagsakademie“) veranstaltet die Theologische Fakultät Paderborn jeweils im Wintersemester eine Ringvorlesung, in der Professoren der Fakultät und weitere Dozenten zu vielfältigen Themen der Theologie Stellung beziehen. Diese Vorträge finden jeweils montags ab 18.00 Uhr im Auditorium maximum der Fakultät statt.

Bisher standen die Ringvorlesungen unter folgenden Überschriften:

  • 1994/95 – Stationen am Wege des Heils
  • 1995/96 – Theologie im Wandel
  • 1996/97 – Kirche der Zukunft. Zukunft der Kirche
  • 1997/98 – Jesus Christus. Gottes Sohn
  • 1998/99 – Ein geistliches Jahr mit der Kirche
  • 1999/2000 – Krise des Gottesglaubens? Aufbruch!
  • 2000/01 – Theologie aktuell
  • 2001/02 – Kirche im Übergang
  • 2002/03 – Deutschland. Deine Werte
  • 2003/04 – Das Jahr der Bibel
  • 2004/05 – 40 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil. Große Dokumente – bleibende Fragen
  • 2005/06 – Herr, bleibe bei uns! Die Bedeutung der Eucharistie – aus unterschiedlichen Perspektiven nachgefragt
  • 2006/07 – Hier beginnt die Zukunft: Ehe und Familie
  • 2007/08 – Jesus heute. Zugänge und Zeugnisse
  • 2008/09 – Paulus. Ein unbequemer Apostel
  • 2009/10 – Evolutionstheorie und Schöpfungsglaube
  • 2010/11 – Zwischen Freud und Leid. Die Ambivalenz menschlicher Sexualität
  • 2011/12 – Franziskus. Ein Armer macht Geschichte
  • 2012/13 – Das Zweite Vatikanische Konzil. Krise und Erneuerung der Kirche
  • 2013/14 - Streitthemen des Glaubens. Das Credo als Bekenntnis und Herausforderung

Bekannte Professoren und Absolventen[Bearbeiten]

17. Jahrhundert

  • Bernhard Frick (um 1600–1655) Generalvikar und Weihbischof in Paderborn und Hildesheim, wurde 1628 an der Jesuitenuniversität in Paderborn promoviert
  • Friedrich Spee (1591–1635) Jesuit, Moraltheologe, Verfasser der Cautio Criminalis

18. Jahrhundert

19. Jahrhundert

20. Jahrhundert

Ehrendoktorate[Bearbeiten]

  • 1978: Heinz Schürmann (1913–1999), Professor für Exegese des Neuen Testaments in Erfurt („Philosophisch-Theologisches Studium Erfurt“)
  • 2000: Avery Dulles (1918–2008), Professor an der Fordham University und der Katholischen Universität von Amerika, Präsident der Katholischen Theologischen Gesellschaft der USA
  • 2000: Emil Stehle (* 1926), emeritierter Bischof von Santo Domingo de los Colorados
  • 2011: Fouad Twal (* 1940), Lateinischer Patriarch von Jerusalem

Literatur[Bearbeiten]

  • Joseph Freisen: Die Universität Paderborn. Erster Teil: Quellen und Abhandlungen von 1614-1808, Paderborn 1898.
  • Joseph Freisen: Die Matrikel der Universität Paderborn. Matricula Universitatis Theodorianae Padibornae 1614-1844, 2 Bde., Würzburg 1931-1932.
  • Karl Hengst: Jesuiten an Universitäten und Jesuitenuniversitäten. Zur Geschichte der Jesuiten in der Oberdeutschen und Rheinischen Provinz der Gesellschaft Jesu im Zeitalter der konfessionellen Auseinandersetzung (Quellen und Forschungen aus dem Gebiet der Geschichte, Neue Folge Heft 2), Paderborn u.a. 1981.
  • Karl Hengst: Die Academia Theodoriana zu Paderborn. Westfalens älteste Universität, in: Theologie und Glaube 79 (1989), S. 350–378.
  • Gerhard Friedrich Hohmann: Urkunden zur Gründung des Jesuitenkollegs und der Universität in Paderborn 1604-1615, Paderborn 1986.
  • Klemens Honselmann: Die Philosophisch-Theologische Akademie in Paderborn und ihr Stiftungsvermögen, Paderborn 1954.
  • Wilhelm Richter: Die Einrichtung der bischöflichen philosophisch-theologischen Lehranstalt zu Paderborn, in: Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde 69 (1911), II, S. 91–206.
  • Johannes Sander SJ (1596-1674): Geschichte des Jesuitenkollegs in Paderborn 1580-1659, Textedition und Übersetzung von Gerhard Ludwig Kneißler, mit Anmerkungen versehen von Gerhard Friedrich Hohmann (Studien und Quellen zur westfälischen Geschichte 64), Paderborn u.a. 2011.
  • Sven-Hinrich Siemers: Die archäologischen Fundamente der Theologischen Fakultät Paderborn. Erste Ergebnisse der Ausgrabungen von 2002 am Kamp 6 in Paderborn, in: Theologie und Glaube 95 (2005), S. 1–40.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt: Studierendenzahlen Studierende und Studienanfänger/-innen nach Hochschularten, Ländern und Hochschulen, WS 2012/13, S. 66-113 (abgerufen am 3. November 2013)

51.7160833333338.7549444444444Koordinaten: 51° 42′ 57,9″ N, 8° 45′ 17,8″ O