Theophilos (Lukas)

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Theophilos ist im Neuen Testament der Bibel der Adressat des Lukasevangeliums (Lk 1,3-4 EU) und der Apostelgeschichte (Apg 1,1 EU).

Im Lukasevangelium wird er mit „erlauchter Theophilos“ („κράτιστε Θεόφιλε“) angeredet, eine Anrede, die schriftlich und mündlich für römische Senatoren, Ritter und Prokuratoren verwendet wurde, z. B. für Felix in Apg 23,26 EU und für Festus in Apg 26,25 EU. Daher kann man annehmen, dass Theophilos ein vornehmer Mann war.[1] Aus dem Umstand, dass er nur bei Lukas so angeredet wird, während in der Apostelgeschichte schlicht „o Theophilos“ („ὦ Θεόφιλε“) steht, schließen manche Autoren, dass sich Theophilos zwischen der Abfassung des Evangeliums und der Apostelgeschichte bekehrt habe. Man kann das Fehlen des Ehrenprädikats in der Apostelgeschichte aber auch darauf zurückführen, dass es unüblich war, Ehrenprädikate in Fällen wie diesen zu wiederholen.[2]

Theophilos wird im Neuen Testament nur bei Lukas erwähnt. In den Pseudo-Klementinen ist jedoch erwähnt, dass in Antiochia ein Theophilos, der „angesehener war als die mächtigsten Männer der Stadt“, Petrus seinen Portikus als Predigtlokal zur Verfügung gestellt habe.[3]

Bezüglich der Herkunft von Theophilos führt Fritz Rienecker auf, dass Lukas bei seinem Leser Unteritalien bis Rom und Sizilien anscheinend als bekannt voraussetzt, ebenso eine Reise von Antiochia nach Zypern und durch Kleinasien bis zur Troas, woraus man schließen kann, dass diese Orte Theophilos bekannt waren. Andererseits beschreibt Lukas sehr detailliert Sitten und Örtlichkeiten von Judäa, Kreta, Mazedonien und Athen, die Theophilos anscheinend nicht kannte.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schürmann, Das Lukasevangelium. Erster Teil. 1,1-9,50, Freiburg u.a., Sonderausgabe 2001 des Nachdrucks 1981 der Auflage von 1969, zu Lukas 1,3, S. 13 Anm. 83 (Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament).
  2. Schürmann, Das Lukasevangelium. Erster Teil. 1,1-9,50, Freiburg u.a., Sonderausgabe 2001 des Nachdrucks 1981 der Auflage von 1969, zu Lukas 1,3, S. 13f. in Verbindung mit ebd., Anm. 87 (Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament).
  3. Clementia X, LXXI.
  4. Fritz Rienecker, Das Evangelium des Lukas, Wuppertal/Zürich, Taschenbuch-Sonderausgabe 1994, S. 2. (Wuppertaler Studienbibel [Band 3]).

Literatur[Bearbeiten]

Christoph Heil, in Zusammenarbeit mit Thomas Klampfl: Theophilos (Lk 1,3; Apg 1,1), in: „Licht zur Erleuchtung der Heiden und Herrlichkeit für dein Volk Israel“. Studien zum lukanischen Doppelwerk (Bonner Biblische Beiträge 151), hg.v. Christoph Gregor Müller, Hamburg 2005, 7–28.