Third-Person-Effekt

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Der Third-Person-Effekt ist ein Phänomen verzerrter Wahrnehmung, nämlich die Tendenz vieler Menschen zu glauben, dass die Massenmedien andere stärker beeinflussen, als sie selbst.[1] Der Third-Person-Effekt ist dem Bereich der Sozialpsychologie zuzuordnen.

Der Third-Person-Effekt kann sich auf menschliches Verhalten und gesellschaftliche Prozesse auswirken, beispielsweise durch Maßnahmen zur Erziehung von Kindern und Jugendlichen oder den Ruf nach Zensur, die auf der Annahme beruhen, dass „Dritte“ von den Medien besonders stark beeinflusst werden und deshalb besonderer Schutzmaßnahmen bedürften.[2]

Der Third-Person-Effekt wurde von W. Phillips Davison im Jahr 1983 erstmals anhand anekdotischer Evidenz beschrieben.[3] Seither untermauerten zahlreiche Studien Davisons Überlegungen mit empirischen Daten.[4] Der Third-Person-Effekt weist zudem Bezüge zu anderen Theorien menschlichen Verhaltens und der Medienwirkungsforschung auf, beispielsweise zur Theorie der Schweigespirale.[5]

Nomenklatur[Bearbeiten]

In der Literatur wird der beschriebene Effekt auch unter anderen Namen geführt. Anscheinend hat sich im deutschen Sprachraum bis heute keine einheitliche Bezeichnung durchgesetzt. So schreibt Michael Schenk in seinem Standardwerk Medienwirkungsforschung vom Dritt-Personen Effekt.[6] Weitere Bezeichnungen sind:

  • Andere-Leute Effekt[7]
  • Third-Person Phänomen[8]

Bezeichnungen wie Second-Person Effekt oder Dritt-Personen-Wahrnehmung (engl. Third-Person Perception) sind keine abweichenden Bezeichnungen, sondern bezeichnen Elemente innerhalb der Theorie des Third-Person Effekts.[9]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Dohle, Marco (2013): Third-Person-Effekt. Baden-Baden: Nomos
  2. Vgl. Kunczik, Michael / Zipfel, Astrid (2001): Publizistik. Köln, Weimar, Wien: Böhlau. S. 384.
  3. Vgl. Davison, W. Phillips (1983). The third-person effect in communication. In: Public Opinion Quarterly, 47, S. 1-15.
  4. Vgl. Perloff, Richard M. (1993): Third-Person Effect Research 1983-1992: A Review and Synthesis. In: International Journal of Public Opinion Research, 5, S. 167-184.
  5. Vgl. Mutz, Diana C. (1989): The Influence of Perceptions of Media Influence; Third-Person Effects and Public Expression of Opinion. In: International Journal of Opinion Research 1, S. 3-23.
  6. Vgl. Schenk, Michael (2007): Medienwirkungsforschung. 3. vollständig überarbeitete Auflage. Tübingen: Mohr Siebeck, S. 550.
  7. Vgl. Kepplinger, Hans Mathias (2009): Wirkung der Massenmedien. In: Noelle-Neumann, Elisabeth/Schulz, Winfried/Wilke, Jürgen (Hrsg.): Fischer Lexikon Publizistik Massenkommunikation. Frankfurt am Main: Fischer, S. 676.
  8. Vgl. Wirth, Werner/Bonfadelli, Heinz (2005): Medienwirkungsforschung. In: Bonfadelli, Heinz/Jarren, Otfried/Siegert, Gabriele (Hrsg.): Einführung in die Publizistikwissenschaft. Konstanz: UVK, S. 564.
  9. vgl. Schenk (2007), S. 554ff.