Thomann (Unternehmen)

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Musikhaus Hans Thomann
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Rechtsform Eingetragener Kaufmann
Gründung Januar 1954
Sitz Burgebrach
Leitung Hans Thomann jun.
(Geschäftsführer)
Mitarbeiter 1080[1]
Umsatz 330 Mio. EUR (2009)[2][3]
Branche Musikhaus und Onlinemusikversandhandel
Produkte Musikinstrumente, Studio-, Licht- und BeschallungsequipmentVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.thomann.de
Haupteingang Musikhaus Thomann

Das Musikhaus Thomann ist ein Familienunternehmen und wurde 1954 in Treppendorf (heute Ortsteil des Marktes Burgebrach, Bayern) von Hans Thomann sen. gegründet. Mit seinem Online-Shop für Musikerbedarf, dem Thomann Cyberstore, ist es der umsatzstärkste Musikalienhändler weltweit.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

1954–1989 Gründung und Expansion unter Hans Thomann Senior[Bearbeiten]

Der Treppendorfer Hans Thomann gab 1954 seinen bisher ausgeübten Beruf als Wandermusiker, in dessen Ausübung er unter anderem bei Zirkussen angestellt war, auf und machte sich mit einem eigenen Musikgeschäft selbständig.[5] In Würzburg studierte er Trompete.[5] Trotz der ländlichen Struktur hatte sich Hans Thomann für ein Musikgeschäft in seinem bäuerlich geprägten Heimatdorf entschieden. Ende der 1950er und in den 1960er Jahren reiste er viel in der Umgebung herum, um mit Blaskapellen und Musikern Geschäfte zu tätigen.[5]

In den 1970er Jahren begann das Musikgeschäft zu wachsen, so dass immer mehr Wohnräume des familieneigenen Hofs zu Ausstellungsflächen umfunktioniert wurden.[5] Unterstützt wurde dies auch durch das Aufkommen neuer Instrumente wie Elektronische Orgeln, E-Gitarren und Synthesizern.[5] Die Umfunktionierung von Wohn- in Geschäftsflächen setzte sich weiter fort, so dass in den 1980er Jahren die ehemalige Scheune als Lichtabteilung und Kartonlager und das ehemalige Kinderzimmer als Büro für die Buchhaltung genutzt wurde.[5] Zu dieser Zeit begann Thomann auch mit der Einrichtung von Tonstudios, bis 1989 hatte Thomann 24 Studios in Süddeutschland u. a. für Rundfunkanstalten eingerichtet.[6]

1990–1999 Geschäftsleitung durch Hans Thomann Junior[Bearbeiten]

Im Jahr 1990 übernahm Hans Thomann jun. als ältester Sohn die Geschäftsleitung von seinem Vater, der im Jahr 2004 verstarb. Seine vier Geschwister arbeiteten damals alle im familieneigenen Betrieb[5] und führten unter anderem die Bereiche Buchhaltung & EDV (Elisabeth) und Versand (Gabi).[6] Der heute bekannte Prospekt Hot Deals wurden erstmals 1992 an die damals rund 10.000 Kunden, die größtenteils aus der Region kamen, verschickt. Heute enthalten die Hot Deals etwa 2.100 aktuelle Angebote und werden monatlich in einer Auflage von 1.250.000 Exemplaren (Stand 2007) gedruckt.[7] Als erster Musikhändler in Deutschland eröffnete Thomann im Jahr 1996 seinen Internetauftritt. Eingehende E-Mails wurden damals ausgedruckt, in die Abteilungen gebracht und postalisch beantwortet.[5] Im ersten Jahr wurde über den Internetauftritt ein Umsatz von 800.000 DM erwirtschaftet.[8]

1997 wurde ein wichtiger Expansionschritt mit der Übernahme des damals größten deutschen Musik-Versandhauses Roadstar aus Eisingen vollzogen.[5] Die Anzahl der Kunden wurde dadurch auf gut 100.000 mehr als verdoppelt.[5] Der heutige Eingangsbereich wurde 1998 mit dem Bau der PA- / Lichthalle und neuer Räumlichkeiten für die Studio- und Schlagzeug-Abteilung errichtet. Die Planung und Realisierung der Raumakustik für die Schauräume mit Ambiophonie benötigte zwei Jahre.[5] 1999 wurde ein eigenes Callcenter errichtet. Heute (2013) führt Thomann zwei eigene Callcenter mit je 40 Mitarbeitern, eines für den deutschen Markt und eines für das Ausland.[5]

2000 bis heute: Internationalisierung[Bearbeiten]

Die Veröffentlichung der Hot Deals in Großbritannien im Jahr 2000 brachten ein Musikmagazin, das die Hot Deals als Beilage führte, in Bedrängnis, da es dadurch von etlichen englischen Anzeigenkunden boykottiert wurde. Bis Ende 2006 nahm daher kein britisches Musikmagazin mehr Anzeigen von Thomann auf.[5] 2001 wurde die 15 Mitarbeiter starke Abteilung Thomann Audio Professionell zur Installation von Audio- und PA-Anlagen in Theatern, Stadthallen, Museen, Discos und ähnlichen Gebäuden gegründet.[5]

2003 wurde ein Logistik Center mit 4800 m² mit einer Kapazität von 5400 Paketen pro Schicht gebaut.[5][9] Die Anzahl der Kunden hat sich seit 2004 ungefähr verdoppelt und liegt derzeit bei fünf Millionen Kunden (Stand: Juni 2013).[1]

„Die große Wand“ in der 2005 errichteten Gitarrenabteilung
Überblick der Gitarrenabteilung

Im Jahr 2005 erfolgten die bis heute größten Ausbaumaßnahmen. So wurde ein Containerlager mit über 10.000 Palettenplätzen auf einer Fläche von 7700 m², ein vierstöckiges Bürogebäude und neue Ausstellungsräume für die Gitarren-, Brass- und Streicherabteilungen errichtet.[5]

Unternehmensstruktur[Bearbeiten]

Das Musikhaus Thomann gliedert sich in drei Bereiche:

  • Musikhaus Thomann: Musikhaus, Lager und Logistikcenter
  • Thomann Direktversand und Thomann Cyberstore: Versandbereich mit ca. 1,3 Millionen Kunden und die Thomann.de-Internetplattform
  • Thomann Audio Professionell: Installationsabteilung für Großinstallationen in Theatern, Stadien, Hallen etc.

Seit den Erweiterungen im Jahr 2005 sind mehr als 25.000 Artikel aus dem Musikspektrum ständig auf Lager. Weitere 4.000 können innerhalb von drei Werktagen angeliefert werden, so dass immer fast 30.000 Artikel kurzfristig verfügbar sind.[7]

Die Firmenphilosophie beschrieb Marketing-Leiter Sven Schoderböck gegenüber dem Metal Hammer im Jahr 2007 wie folgt: „Wir lassen uns von unseren Kunden leiten und bemühen uns, für sie ein zuverlässiger Partner zu sein. Das ist extrem wichtig in Zeiten, in denen jeder mal schnell eine Website eröffnen oder bei Ebay Ware anbieten kann.“[7]

Eigenmarken[Bearbeiten]

Das Unternehmen führt mehrere Eigenmarken[10]. Darunter sind beispielsweise:

  • Harley Benton (Zupf- und Streichinstrumente sowie Zubehör, Gitarrenverstärker)
  • Startone (Blasinstrumente, Akkordeons, Gitarren, Notenständer)
  • Lead Foot (Effektpedale und Fußschalter)
  • Millenium (Schlagzeug, Perkussion und Stative)
  • Stairville (Scheinwerfer, Lichteffekte, Lichtsteuerung, Lichtstative, Truss und Zubehör)
  • Swissonic (Audio-Recorder)
  • the box/the box pro (PA-Lautsprecher und Zubehör)
  • the sssnake/pro snake (Kabel, Kabeltrommeln, Stageboxen, Multicore, Kabeladapter und Zubehör)
  • the t.akustik (Dämm- und Absorbermaterial)
  • the t.amp (Endstufen)
  • the t.mix (Mischpulte)
  • the t.meter (Peakmeter)
  • the t.bone (Mikrofone, Kopfhörer)
  • the t.racks (Rack-Zubehör)
  • Thomann (diverse Produkte)
  • Thon (Racks/Cases)
  • Zultan (Becken)[11]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

In den Jahren 2004 und 2006 wurde Thomann als wachstumsstarkes Mittelstandsunternehmen mit dem Preis Bayerns best 50 des Bayerischen Wirtschaftsministeriums ausgezeichnet.[12][13] Im September 2010 bekam Thomann die Auszeichnung Versender des Jahres vom Bundesverband des Deutschen Versandhandels verliehen, im Mai 2011 in Barcelona den Global E-Commerce Award in Gold. [14][15][16] 2013 wurde Thomann durch den Handelsverband Deutschland mit dem Deutschen Handelspreis in der Kategorie „Managementleistung Mittelstand“ ausgezeichnet.[17]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Mitarbeiter- und Kundenzahl auf der Webpräsenz thomann.de abgerufen am 5. Februar 2014
  2. Thomann wird Versender des Jahres onetoone.de, abgerufen am 23. November 2011
  3. Thomann als Versender des Jahres ausgezeichnet internetworld.de, abgerufen am 23. November 2011
  4. Litzlfelder, Matthias: Thomann gibt weiter den Ton an. Fränkischer Tag vom 8. Juli 2014, S. 7
  5. a b c d e f g h i j k l m n o p Die Thomann Firmengeschichte, thomann.de, abgerufen am 8. Dezember 2012
  6. a b Stefan Kerzel: Firmenportrait: Thomann. In: Metal Hammer, Ausgabe Februar 1989, Jürg Marquard-Gruppe, Glarus 1989, S. 115
  7. a b c Anon.: Technik: Firmenprofil Thomann. In: Metal Hammer, Ausgabe Mai 2007, Axel Springer Mediahouse München GmbH, München 2007, S. 120
  8. EZI-N: Shopping-Malls mit Millionenumsatz (PDF-Datei; 47 kB), 4. September 1998.
  9. Christoph Galau: Hans Thomann - Vom Wohnzimmer-Händler zum Branchenführer, veröffentl. im Stern, 24. August 2004.
  10. Thomann-Eigenmarken, thomann.de, abgerufen am 29. Juni 2013.
  11. Test der Z-Serie auf musikmachen.de, abgerufen am 13. Juni 2014.
  12. Bayerischen Wirtschaftsministerium: BAYERNS BEST 50 - Preisträger 2004, Abruf 9. Dezember 2012.
  13. Bayerischen Wirtschaftsministerium: BAYERNS BEST 50 - Preisträger 2006 (PDF-Datei; 126 kB), Abruf 9. Dezember 2012.
  14. Bild-Online: Instrumenten-Versender Thomann erhält Auszeichnung , 29. September 2010.
  15. E-Commercefacts.com: Thomann.de gewinnt goldenen European E-Commerce Award in Barcelona, 27. Mai 2011.
  16. Audiofanzine.com: Thomann.de Wins European E-Commerce Gold Award, 27. Mai 2011.
  17. http://www.einzelhandel.de/index.php/gesicht/item/110849-verleihungdesdeutschenhandelspreises.html HDE Preisträger