Thomas Aigner (Medienunternehmer)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Thomas Aigner - Postproduktion PilotsEYE.tv (2012)

Thomas „Thomy“ Aigner (* 14. Juli 1964 in Klosterneuburg bei Wien) ist ein ehemaliger österreichischer Radio- und Fernsehmoderator sowie Journalist, der heute als Medienunternehmer und Dozent tätig ist.

Ausbildung und Einstieg in den Journalismus[Bearbeiten]

Nach seinem Abschluss zum Hotelkaufmann absolvierte er ab 1983 eine journalistische Ausbildung beim Österreichischen Rundfunk in Wien und war anschließend als Moderator und Redakteur des Senders Ö3 tätig, unter anderem für die Sendungen Treffpunkt Ö3, Nachtexpress und Ö3 Wecker. Im Österreichischen Fernsehen moderierte er 1986 die erste interaktive Spielsendung Superflip.

Auslandsaufenthalt und Studium in Los Angeles[Bearbeiten]

Nach sechs Jahren beim ORF Wien wechselte er nach Los Angeles, um dort ein Korrespondentenbüro zu gründen. Von dort belieferte er den ORF mit zahlreichen Radio- und TV-Beiträgen, im Rahmen der Sendungsreihen Jolly Joker, Seitenblicke und Look. Darüber hinaus war er auch für deutsche Sender wie Bayern 3, den Südwestfunk (SWF), Antenne Bayern und Radio FFN tätig. Für RTL Radio Luxemburg produzierte er 54 Folgen der wöchentlichen Radiosendung Hollywood hautnah. Deutsche und österreichische Zeitungen und Zeitschriften (unter anderem Kurier, Kronen Zeitung, WienerIn, Basta, Skip[1][2] und Quick) belieferte er mit Berichten aus Los Angeles und den USA. Vor Ort sammelte er weitere Erfahrungen bei verschiedenen Radio- und TV-Sendern, so bei KIIS-FM und der Morningshow Rick Dees in the morning. An der UCLA absolvierte er parallel das Studium Broadcast Management.

Sendungen im deutschen Fernsehen[Bearbeiten]

Von 1990 bis 1992 war Aigner 580 Folgen lang Moderator der TV-Spielshow Hopp oder Top des Senders Tele 5. Der Sender tm3 sendete über 1000 Wiederholungen dieser Sendung in der Primetime.[3][4]

In der Folge moderierte er 1994 die politische Quiz-Show Vox Box bei VOX sowie 12 Folgen der Sendung Das ist Liebe, die Show der zwischenmenschlichen Differenzen im ZDF.

1994/95 produzierte und moderierte er die Sendung GongTalk (später: Talkline), das erste SimulCast TalkRadio. Dabei wurde die Sendung gleichzeitig bei Radio Gong und Radio NRW ab 23.00 Uhr ausgestrahlt. Ab Mitternacht schaltete sich Vox dazu.

1995 moderierte Aigner für 3sat die Sendung Internet, irre neue Welt[5], die gleichzeitig in Deutschland und in San Francisco ausgestrahlt wurde.

1996/97 moderierte Aigner netNite die erste regelmäßige TV-Sendung zum Thema Internet für das ZDF. Die mitternächtliche Sendung begrüße Gäste wie Hubert Burda oder Jörg Kachelmann und erreichte bis zu 10 Prozent Marktanteil.

Eigene Firma und Projekte[Bearbeiten]

Seit 1995 ist er Geschäftsführer seines eigenen Multimedia-Unternehmens AignerMEDIA (AME) GmbH (vormals: AME Aigner Media & Entertainment GmbH) in München.

1996–1997 produzierte AME für das ZDF mit netNite die erste regelmäßige Internet-TV-Sendung im deutschen Fernsehen. Ab Oktober 1998 produzierte er die Multimedia-Sendung netRadio für das Hörfunkprogramm Bayern 3 des Bayerischen Rundfunks. Insgesamt lief die Sendung neun Jahre lang.

Für netRadio entwickelte er 1998 die Second-Screen-App URL-Push.

Parallel zu den von ihm produzierten Radio- und TV-Sendungen gab Aigner den netNewsletter (ISSN 1617-2116) heraus. Dieser hatte wöchentlich rund 23.000 Leser über Themen rund um das Internet.

Beim netNewsletter kam es durch das Fehlen des wenig verbreiteten Opt-in-Verfahrens zu einer Klage, weil sich ein Abonnent bei der Angabe der E-Mail-Adresse vertippt hatte. Dieses Gerichtsverfahren führte nach acht Jahren in letzter Instanz vor dem BGH zum ersten Spam-Urteil in der Geschichte des deutschen Internets.[6]

In einer darauf folgenden Anfrage an den Bundestag wurde das Urteil zwar inhaltlich bestätigt, jedoch „hätte es die Herausgeber des netNewsletters nicht treffen sollen, da dieser ein kostenloser Newsletter war", so die damalige Verbraucherschutzministerin Renate Künast. Mittlerweile wurde das BGH-Urteil noch weiter präzisiert: „Ein Newsletter, der das Ergebnis einer redaktionellen Tätigkeit ist, geniesst den Schutz der Rundfunk- und Meinungsfreiheit, auch dann wenn er Werbung enthält“.[7]

1998 entwickelte er die filmische Umsetzung der neu gegründeten Initiative Schulen ans Netz für das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Zur Jahreswende 1999/2000 kreierte er zusammen mit dem Münchner Künstler Markus Heinsdorff das Kunst-Projekt Screenhouse, bei dem zehn Tage lang Internetseiten auf eine 900 m² große Außenfläche der Zentrale der HypoVereinsbank in München projiziert wurden.[8] Der Kulturminister Julian Nida-Rümelin lobte das Projekt in seiner Laudatio, „Screenhouse ist es erstmals gelungen, die digitale Welt mit der urbanen Welt zu verschmelzen“.

Im Jahr 2000 beauftrage Endemol Aigners Agentur mit der gesamten multimedialen Umsetzung der TV-Sendung Big Brother.[9]. Mittels Videostreaming wurden am stärksten Tag (Einzug Verona Feldbusch) 700.000 Zuschauer erreicht. Diese Nachfrage wurde mit einer selbstprogrammierten Serverlastverteilung realisiert. Der Projektumfang umfasste aber auch die Sicherung der Domains und deren Rechtewahrnehmung.[10] [11][12] [13] [14] [15][16]

Im Jahr 2001 erhielt Aigner eine Teil-Lizenz für die Münchner Hörfunkfrequenz 92,4 MHz und belieferte das FAZ Businessradio mit dem täglichen Programmfenster net.fm.

Weitere Projekte waren PAYperSTREAM, die TowerCam auf dem Münchener Olympiaturm[17] und der LogoToaster.[18]

Zuletzt arbeitete Aigner vornehmlich an dem Projekt PilotsEYE.tv. Dabei handelt es sich um Filmaufnahmen an Bord eines Flugzeugs, wobei den Zuschauern mit sechs synchronisierten Kameras in hochauflösender Qualität (High Definition) der Flug aus Sicht der Piloten gezeigt wird.[19] [20] [21]

Regelmäßig fungiert Aigner als Moderator und Keynote-Speaker zu den Themen der neuen Medien und der Verschränkung mit den klassischen Medien, unter anderem seit 1996 für die Medientage München. [22] [23]

Lehrtätigkeiten[Bearbeiten]

Seit 2005 ist er Leiter des Bildungsgangs Marketingwirt BAW an der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing (BAW).[24]

Seit 2011 unterrichtet er an der Bayerischen Akademie für Fernsehen (BAF).[25]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

1985 wurde Thomas Aigner von den Lesern der Jugendzeitschrift MusicMan zum beliebtesten Radiomoderator Österreichs gewählt.

Im Jahr 2000 wurde Thomas Aigner vom Branchendienst kressreport zu einem der „100 wichtigsten Deutschen im Internet“ gewählt.

Im Jahr 2000 wurde er für das Format und die Aufbereitung der Sendung netRadio auf Bayern 3 mit dem OnlineStar ausgezeichnet.

Für die Folge Nordpol von PilotsEYE.tv erhielt Aigner 2009 im Rahmen des World Media Festivals in Hamburg einen silbernen intermedia-globe [26].

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Thomas Aigner (Medienunternehmer) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Interview mit Julia Roberts (Skip 1991)
  2. Interview mit Harrison Ford (Skip 1991)
  3. Welche Kult-Show wollen Sie zurück? (Bild)
  4. Das Fernsehlexicon zu Hopp oder Top und Talkline bei Vox
  5. Internet, irre neue Welt, Uni Dortmund
  6. Spam-Urteil des BGH, I ZR 81/01 vom 11. März 2004 E-Mail-Werbung Leitsatzentscheidung
  7. OLG Köln im Mai 2010, AZ 6U 48/09
  8. Projekt "Screenhouse"
  9. Online-Umsetzung von Big Brother (Welt)
  10. Durch den digitalen Reißwolf gedreht, Ernst Corinth (Heise)
  11. Kampf gegen illegale Big-Brother Seiten (Chip)
  12. "Kult der leeren Räume" von Claudia Brunst (Berliner Zeitung)
  13. "Brot und Seife fürs Fernsehvolk" von Bettina Koch (Spiegel)
  14. "Kulturpolitische Mitteilungen Nr.88" (PDF; 31 kB)
  15. Shopping for Big Brother von Steve Kettman (WIRED 2000) engl.
  16. Schutz vor Rechtsproblemen in Internet von Prof. Dr. Zimmerling, Ulrich Werner.
  17. UMTS-Webcam auf Münchner Olympiaturm
  18. Projekt LogoToaster
  19. Review Pilot's Eye TV Sonderroute Alpen
  20. Filmdreh im Cockpit des A380 (Kurier)
  21. Flugbilder über den Wolken (Colofoto)
  22. Panel "Connected TV" (Medientage 2012)
  23. Audiomitschnitt "Wenn Prominente Radio machen" mit Hugo Egon Balder, (Medientage 2013) (MP3; 59,7 MB)
  24. Marketingstudium an der BAW
  25. Dozentenverzeichnis BAF
  26. Preisträger World Media Festival 2009