Thomas Cajetan
Thomas Cajetan; eigentlich: Tommaso de Vio (* 20. Februar 1469 in Gaëta (daher: Gaëtanus, Cajetan); † 10. August 1534 in Rom) war von 1508 bis 1518 Ordensgeneral der Dominikaner, Kardinal der Titelkirche Santa Prassede und Begründer des Neuthomismus in der Renaissance. Er wurde berühmt für seine zweitägige Unterredung mit Luther, bei der er ihn aufforderte seine 95 Thesen über den Ablass zu widerrufen, da er diese mit Bezug auf die Päpstliche Bulle "Unigenitus dei filius (1343)" von Papst Clemens VI. für ketzerisch hielt und er selbst als Theologe das Papsttum für unfehlbar erklärte.
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Leben [Bearbeiten]
Eine Station auf diesem Wege war das „väterliche Verhör“ Luthers durch Kardinal Cajetan anlässlich des Augustinerkonvents im Oktober 1518 beim 18. Reichstag zu Augsburg, nachdem Kurfürst Friedrich der Weise die Auslieferung des rebellischen Mönchs nach Rom abgelehnt hatte. Luther sprach selbst vom schwersten Gang seines Lebens, hatte er doch das Schicksal des Jan Hus, also den Scheiterhaufen vor Augen. Aber Luther war nicht bereit zum Widerruf. Der drohenden Verhaftung entzog er sich durch die Flucht aus Augsburg.
Cajetan verfasste zahlreiche Schriften für die römischen Päpste, darunter Ausarbeitungen zur Ablasslehre und ein Gutachten zur Ehesache Heinrichs VIII.[1]
Werke [Bearbeiten]
- Opera omnia, 5 Bände; Lyon 1639
- Opuscula omnia; Paris 1530
- Kommentar zur Summa theologica des hl. Thomas; Lyon 1540; neu herausgegeben in der Ausgabe der Werke des hl. Thomas durch Leo XIII., 9 Bände; 1888–1906
Neuausgaben [Bearbeiten]
- De divina institutione Pontificatus Romani Pontificis (1521), neu herausgegeben von Friedrich Lauchert, in: CCath X, 1925; In Porphyrii Isagogen; Rom 1934
- De comparatione auctoritatis papae und Apologia; Rom 1936; De Anima, Rom 1938
- Scripta philosophica, 6 Bände; herausgegeben von P. Zammit, M.-H. Laurent und J. Coquelle; 1934–1939
Literatur [Bearbeiten]
- Claus Arnold: Die römische Zensur der Werke Cajetans und Contarinis (1558–1601). Grenzen der theologischen Konfessionalisierung. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2008. ISBN 978-3-506-76437-9
- Friedrich Wilhelm Bautz: Cajetan, Thomas. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 1, Bautz, Hamm 1975. 2., unveränderte Auflage Hamm 1990, ISBN 3-88309-013-1, Sp. 847–848.
- Ulrich Horst: Juan de Torquemada und Thomas de Vio Cajetan. Zwei Protagonisten der päpstlichen Gewaltenfülle. Akademie Verlag, Berlin. 2012. ISBN 978-3-05-005902-0
- E. Stöve: De Vio, Tommaso (Tommaso Gaetano, Caetano). In: Dizionario biografico degli Italiani Band 39 (online bei treccani.it, italienisch)
Weblinks [Bearbeiten]
- Literatur von und über Thomas Cajetan im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Thomas Cajetan: De nominum analogia
- Thomas Cajetan: Kommentar zu Thomas von Aquin: De ente et essentia
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Gerhard Hennig: Cajetan (1469–1534). In: Helmut Burkhardt und Uwe Swarat (Hrsg.): Evangelisches Lexikon für Theologie und Gemeinde. 1, R. Brockhaus Verlag, Wuppertal 1992, ISBN 3417246415, S. 345.
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
| Jean Clérée | Ordensgeneral der Dominikaner 1508–1518 |
García de Loaysa |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Cajetan, Thomas |
| ALTERNATIVNAMEN | de Vio, Tommaso |
| KURZBESCHREIBUNG | katholischer Theologe und Kardinal |
| GEBURTSDATUM | 20. Februar 1469 |
| GEBURTSORT | Gaëta |
| STERBEDATUM | 9. August 1534 oder 10. August 1534 |
| STERBEORT | Rom |