Thomas Chalmers

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Thomas Chalmers
Thomas Chalmers

Thomas Chalmers (* 17. März 1780 bei Anstruther-Easter in Fifeshire (Schottland); † 31. Mai 1847 in Edinburgh) war ein reformierter Theologe, Schriftsteller und der Begründer der Freien Kirche Schottlands.

Leben[Bearbeiten]

Chalmers studierte 1795 bis 1798 an der Universität St Andrews Evangelische Theologie, Mathematik, Chemie und Astronomie. Seit 1799 hielt er selbst dort Vorlesungen über Mathematik. Diese setzte er auch fort, als er 1803 in Kilmany Pfarrer geworden war, denn eine akademische Karriere schien ihm wichtiger als seine Amtspflichten. 1810/11 aber bekehrte er sich zu einer evangelikalen Frömmigkeit. 1815 wurde er Prediger in Glasgow. Dort etablierte er ein neues System der Armenfürsorge, das auf der Förderung von Eigeninitiative und Engagement beruhen sollte. Zu diesem Zweck teilte Chalmers die riesige Stadtgemeinde in überschaubare Bezirke ein, in denen freiwillige Laien Hausbesuche machten und praktische Hilfe anboten. Diese Männer, in denen das altreformierte Diakonenamt wieder erstand, entlasteten den Pfarrer und die Ältesten, die sich ganz auf ihre seelsorgerliche Aufgabe konzentrieren konnten. Das System der kirchlichen Armenpflege ließ sich auf die Dauer nicht aufrechterhalten, aber seine Grundprinzipien beeinflussten das Elberfelder System und hatten so großen Einfluss auf die staatliche Sozialpolitik.

1823 übernahm Chalmers die Professur für Moralphilosophie an der Universität St Andrews, wechselte aber 1828 auf eine Professur für Theologie an der Universität Edinburgh. Hier wurde er zum Führer der „evangelikalen“ Fraktion in der General Assembly der Church of Scotland. Sein besonderes Engagement galt weiterhin der Präsenz der Kirche in den industriellen Zentren, und so konnten zwischen 1834 und 1841 220 neue Kirchen gebaut werden. 1834 wurde er Mitglied der Royal Society of Edinburgh.

Schon seit 1834 hatte die General Assembly der Church of Scotland beansprucht, dass nur den Presbyterien als kirchlichen Gremien das Pfarrerwahlrecht zukommen solle; zumindest ein Vetorecht gegen ungeeignete Kandidaten sollten sie haben. Chalmers war der Anführer der Nonintrusionists, die gegenüber der staatlichen Macht die Selbständigkeit der Kirche forderten, weil nur Christus allein und keine fremde Herren in der Kirche herrschen dürfen. Das von den Adligen dominierte Londoner House of Lords wollte aber keine Einschränkung am Recht der Patrone auf Einsetzung der Pfarrer zulassen. Als alle Vermittlungsversuche gescheitert waren, trat Chalmers am 18. Mai 1843 mit einem großen Teil der Geistlichen aus der Staatskirche aus (der sog. „disruption“). Große Teile der Bevölkerung und der Pfarrerschaft schlossen sich der neuen Free Church of Scotland an, deren Aufbau und Organisation von Chalmers besonders geprägt wurde. Chalmers wollte aber keinen Gegensatz zwischen Staatskirchen und Freikirchen, und so betrieb er die Gründung der Evangelischen Allianz im Jahr 1846.

Thomas Chalmers war seit dem 30. November 1798 ein Mitglied im Bund der Freimaurer, seine Loge St. Vigean 101 ist in Arbroath ansässig.[1][2]

Werk[Bearbeiten]

Seine Schriften umfassen 38 Bände, die sich meist in apologetischer Weise mit Theologie beschäftigen, unter anderem sein Beitrag zu den Bridgewater Treatises. Er galt auch als mitreißender Prediger.

Seine Studien, die Theologie mit den Naturwissenschaften und der Volkswirtschaft verbanden, übten einen belebenden Einfluss auf die Kirche seiner Zeit aus.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ulrich Gäbler: "Auferstehungszeit". Erweckungsprediger des 19. Jahrhunderts. Sechs Porträts. C.H. Beck Verlag, München 1991, ISBN 3-406-35157-3.
  •  Gerhard Ruhbach: Chalmers, Thomas (1780-1847). In: Helmut Burkhardt, Uwe Swarat (Hrsg.): Evangelisches Lexikon für Theologie und Gemeinde. Band 1, R. Brockhaus Verlag, Wuppertal 1992, ISBN 3-417-24641-5, S. 358.
  • Harald Beutel: Die Sozialtheologie Thomas Chalmers’ (1780-1847) und ihre Bedeutung für die Freikirchen: Eine Studie zur Diakonie der Erweckungsbewegung. (Arbeiten zur Pastoraltheologie, Liturgik und Hymnologie, Band 52) 1. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, ISBN 978-3-525-62396-1 (zugleich Diss. Universität Heidelberg, 2004).
  •  Stewart J. Brown: Chalmers, Thomas. In: Hans Dieter Betz u.a. (Hrsg.): Religion in Geschichte und Gegenwart. Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft. 4. Auflage. Band 2, UTB, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8252-8401-5, S. 96.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. John Hamill, Robert Gilert (Hrsg.): Freemasonry, A Celebration Of The Craft. In: J.G. Press. 1998, S. 229.
  2. The History of Lodge St. Vigean 101., Homepage: Saint Vigean 101 Lodge, (Abgerufen am 20. März 2012)