Thomas Love Peacock

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Henry Love Peacock (Gemälde von Henry Wallis)

Thomas Love Peacock (* 18. Oktober 1785 in Weymouth, Dorset, England; † 23. Januar 1866 in Lower Halliford, Middlesex, England) war ein britischer Romancier, Dichter und Dramatiker, der vor allem durch die Romane Nightmare Abbey und Crotchet Castle bekannt wurde, und als Vorsitzender des Prüfungsausschusses über zwanzig Jahre das Handeln der Britischen Ostindien-Kompanie entscheidend mitbestimmte.

Leben[Bearbeiten]

Erste literarisches Schaffen und Nightmare Abbey[Bearbeiten]

Peacock, Sohn eines Londoner Glasfabrikanten, der kurz nach der Geburt seines einzigen Sohnes verstarb, erhielt seine Schulbildung auf einer Privatschule in Englefield Green in Surrey und begann bereits früh nach einer kurzen Tätigkeit in der Privatwirtschaft mit seiner schriftstellerischen Tätigkeit.

1804 gab er sein literarisches Debüt mit The Monks of St. Mark, dem mit Palmyra (1806), The Genius of the Thames (1810) und The Philosophy of Melancholy (1812) einige weitere, poetische Werke ohne größere Bedeutung folgten. Daneben verfasste er einige Bühnenwerke, die jedoch nicht aufgeführt wurden. Nach einer kurzen Tätigkeit als Privatsekretär von Sir Home Riggs Popham unternahm er einige Reisen nach Wales und lernte dabei 1812 Percy Bysshe Shelley kennen. 1814 erschien Sir Horn-book, or Childe Lancelot’s Expedition.

Im Jahre 1815 erreichte er mit seinem Roman Headlong Hall einen ersten Erfolg, dem 1817 mit Melincourt eine Novelle folgte, die in der Epoche der Regency spielte und deren Charakter des ‚Mr. Mystic‘ an den mit ihm befreundeten Schriftsteller Thomas Taylor erinnert. In diesem Jahr lebte er in Great Marlow, wo er beinahe täglich Kontakt zu Shelley hatte. Dort verfasste er schließlich mit Nightmare Abbey (1818) und Rhododaphne (1818) die besten seiner längeren Gedichte.

Tätigkeit für die Britische Ostindien-Kompanie[Bearbeiten]

Das India House der Britischen Ostindien-Kompanie

1819 wurde er zum Prüfungsassistenten im India House der Britischen Ostindien-Kompanie berufen, wobei dies durch Vermittlung seines Schulfreundes Peter Auber, des Sekretärs der Britischen Ostindien-Kompanie, erfolgte.

Im Jahre 1820 heiratete er Jane Gryffydh, die er zuvor nie gesehen hatte, und hatte mit dieser vier Kinder, wobei seine Tochter Mary Ellen Peacock die erste Ehefrau des Schriftstellers und Dichters George Meredith wurde.

In den folgenden Jahren verfasste er mit Maid Marian (1822) eine Parodie auf mittelalterliche Romanzen wie Robin Hood, The Misfortunes of Elphin (1829) sowie Crotchet Castle (1831) drei weitere Romane, wobei er seine literarische Tätigkeit nach dem Tode seiner Mutter 1833 zeitweise einschränkte. Daneben veröffentlichte er aber auch Beiträge in den Tageszeitungen Westminster Review und The Examiner.

Andererseits nahm er zunehmend wichtigere Aufgaben innerhalb der Ostindien-Kompanie wahr und verteidigte diese durch seine Stellungnahmen erfolgreich gegen die Angriffe von James Silk Buckingham und die Liverpooler Salzsteuer. Darüber hinaus setzte er sich für die Nutzung der Dampfschifffahrt nach Indien ein und vertrat die Gesellschaft in dieser Angelegenheit vor mehreren Ausschüssen des Unterhauses (House of Commons).

Peacock war 1835 auch zuständig für die Abwicklung und Aufstellung der Expedition von Francis Rawdon Chesney zum Euphrat und wurde 1836 nach dem Tode von James Mill als dessen Nachfolger Vorsitzender des Prüfungsausschusses (Chief Examiner) im India House. Zwischen 1839 und 1840 war er als Superintendent der Ostindien-Kompanie für den Bau von Dampfschiffen aus Stahl für die Fahrt um das Kap der Guten Hoffnung zuständig, wobei diese auch zum Einsatz im Ersten Opiumkrieg kamen.

1856 trat er von seinem Amt als Chief Examiner der Britischen Ostindien-Kompanie zurück und erhielt anschließend eine öffentliche Pension.

Wirkung seiner Werke auf die englische Literatur[Bearbeiten]

In den letzten zehn Jahren seines Lebens widmete er sich wieder der Schriftstellerei zu und veröffentlichte mehrere Beiträge im Fraser’s Magazine, wie zum Beispiel Erinnerungen an Shelley, dessen Testamentsvollstrecker er war. Das Magazin veröffentlichte 1860 auch seinen letzten Roman Gryll Grange, der allerdings seinen früheren Werken an Humor und Lebendigkeit nachstand.

Peacocks Rolle in der englischen Literatur ist einzigartig, da es Romane in dieser Art vor ihm nicht gab, wenngleich Jonathan Swift ähnlich beim Verfassen seiner „höflichen Konversationen“ vorging. Peacock sprach dabei sowohl in seiner eigenen Person als auch durch seine Charaktere, und seine markigen Witze und Gefühle, mit bemerkenswerter Genauigkeit von Anmut und natürlicher Beschreibung, treten zurück zugunsten der Kombination von primitiver Einfachheit der Handlung und Charaktere.

Von seinen sieben Romanen gehören Nightmare Abbey und Crotchet Castle zu den besten Werken: Während der erste von der Lustigkeit („vis comica“) der Situation lebt, hat der letztere die größte Vollständigkeit intellektueller Kraft und die geschickteste Ansammlung einer bunten Mischung von Charakteren.

Maid Marian und The Misfortunes of Elgin sind dagegen weit weniger unterhaltend, beinhalten aber dennoch beschreibende Passagen von außergewöhnlicher Schönheit. Sein Roman Melincourt schlägt dagegen völlig fehl, zumal die exzellente Idee, ein die Menschen nachahmender Orang-Utan, als einzige Grundlage für einen Roman ungeeignet war. Der Roman Headlong Hall gab einen ersten Eindruck seiner späteren Vortrefflichkeit, wohingegen das Spätwerk Gryll Grange dieser nicht mehr gerecht wurde.

Daneben erzielte er durch seine Gedichte, besonders mit Werken wie Years Ago, große Beachtung, wobei seine Lyrik allgemein von einer exakten und melodischen Sprache sowie einem Instinkt für wahre Gefühle geprägt war. Seine anspruchsvolleren Gedicht waren mit Ausnahme von Rhododaphne weniger wert- und anspruchsvoll vom Inhalt und der Perfektion der Komposition. Sein Gedicht The War-Song of Dinas Vawr wurde von William Empson in Seven Types of Ambiguity (1930) als Beispiel für eine sogenannte antithetischen Reihe angeführt.

Andererseits waren seine literaturkritischen Arbeiten meistens interessiert, insbesondere die Restaurierung verlorengegangener klassischer Dramen in Horae dramaticae, wenngleich die einzige nachhaltige Arbeit die geistvoll-zerlegende Auseinandersetzung mit Thomas Moores Buch The Episcurean aus dem Jahr 1827 in der Westminster Review blieb. Daneben verfasste er in The Edinburgh Reviewer literarisch-satirische Karikaturen über die bekannten Dichter der Romantik wie William Wordsworth, Samuel Taylor Coleridge, George Gordon Byron, Shelley und Robert Southey.

In deutscher Übersetzung erschien der Roman Nightmare Abbey 1989 beim Manesse Verlag mit dem Titel Nachtmahr-Abtei, der unter der Regie von Heinz von Cramer 1991 auch als Hörspiel adaptiert wurde.

Hintergrundliteratur[Bearbeiten]

  • A. Martin Freeman: Thomas Love Peacock. London: Martin Secker (1909)
  • Carl van Doren: The Life of Thomas Love Peacock. London: J. M. Dent (1911)
  • W. H. Helm: Thomas Love Peacock. Chicago, IL: F. G. Browne & Co. (1913)
  • J. B. Priestley: Thomas Love Peacock. London: Macmillan (1927)
  • Augustus H. Able: George Meredith and Thomas Love Peacock: A Study in Literary Influence. Gordian Press (1933, Nachdruck 1970)
  • Olwen W. Campbell: Thomas Love Peacock. London: Arthur Barker (1953)
  • Carl Dawson: His Fine Wit: A Study of Thomas Love Peacock. Berkeley, CA: University of California Press (1970)
  • Carl van Doren, Felix Felton: Thomas Love Peacock. London: George Allen & Unwin (1973)
  • Robert Forbes Felton: Thomas Love Peacock. Allen and Unwin (1973)
  • James Mulvihill: Thomas Love Peacock. Twayne (1987)
  • Margaret McKay: Peacock's Progress: Aspects of Artistic Development in the Novels of Thomas Love Peacock. Uppsala University Press (1992)
  • Neil Tomkinson: The Christian Faith and Practice of Samuel Johnson, Thomas De Quincey and Thomas Love Peacock. Lewiston, NY: Edwin Mellen Press (1992)

Weblinks und Quellen[Bearbeiten]