Thum

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Dieser Artikel erläutert die Stadt im Erzgebirge; zu anderen Bedeutungen siehe Thum (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Thum
Thum
Deutschlandkarte, Position der Stadt Thum hervorgehoben
50.67027777777812.951111111111505Koordinaten: 50° 40′ N, 12° 57′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Erzgebirgskreis
Höhe: 505 m ü. NHN
Fläche: 18,89 km²
Einwohner: 5424 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 287 Einwohner je km²
Postleitzahl: 09419
Vorwahl: 037297
Kfz-Kennzeichen: ERZ, ANA, ASZ, AU, MAB, MEK, STL, SZB, ZP
Gemeindeschlüssel: 14 5 21 640
Stadtgliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rathausplatz 4
09419 Thum
Webpräsenz: www.stadt-thum.de
Bürgermeister: Michael Brändel
Lage der Stadt Thum im Erzgebirgskreis
Sachsen Amtsberg Annaberg-Buchholz Aue Auerbach (Erzgebirge) Bad Schlema Bärenstein (Erzgebirge) Lauter-Bernsbach Bockau Börnichen/Erzgeb. Borstendorf Breitenbrunn/Erzgeb. Burkhardtsdorf Crottendorf Deutschneudorf Drebach Ehrenfriedersdorf Eibenstock Elterlein Lugau/Erzgeb. Gelenau/Erzgeb. Geyer Gornau/Erzgeb. Gornsdorf Großolbersdorf Großrückerswalde Grünhain-Beierfeld Grünhainichen Heidersdorf Hohndorf Zwönitz Jahnsdorf/Erzgeb. Johanngeorgenstadt Jöhstadt Königswalde Lauter-Bernsbach Pockau-Lengefeld Lößnitz (Erzgebirge) Lugau/Erzgeb. Marienberg Mildenau Neukirchen/Erzgeb. Niederdorf (Sachsen) Niederwürschnitz Oberwiesenthal Oelsnitz/Erzgeb. Olbernhau Pfaffroda Pockau-Lengefeld Raschau-Markersbach Scheibenberg Schlettau Schneeberg (Erzgebirge) Schönheide Schwarzenberg/Erzgeb. Sehmatal Seiffen/Erzgeb. Stollberg/Erzgeb. Stützengrün Tannenberg Thalheim/Erzgeb. Thermalbad Wiesenbad Thum Wolkenstein (Erzgebirge) Marienberg Zschopau Zschorlau ZwönitzKarte
Über dieses Bild

Thum ist eine Stadt im sächsischen Erzgebirgskreis.

Geografie[Bearbeiten]

Markt

Die Stadt Thum liegt am Jahnsbach. Nach Westen schließt sich das gleichnamige Waldhufendorf an. Im Osten liegt der Ortsteil Herold, ebenfalls ein Waldhufendorf. Im Süden grenzt an die Stadt das Waldgebiet der Greifensteine.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Nördlich von Thum liegt Gelenau, im Nordosten Venusberg, im Osten Drebach, im Süden Ehrenfriedersdorf und im Westen Zwönitz und Auerbach.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Ortsteile von Thum sind:

Geschichte[Bearbeiten]

Die Besiedelung des Greifensteingebietes erfolgte vermutlich im 12. bis 13. Jahrhundert. Neben der Landwirtschaft war Thum bis ins 16. Jahrhundert stark vom Bergbau geprägt, wobei insbesondere Zinn aber auch Silber und Blei abgebaut wurde. Thum wurde 1389 erstmals urkundlich erwähnt. 1445 wurde die Siedlung als Bergstädtlein bezeichnet. 1469 erkauften die Thumer Bürgerschaft die obere und niedere Gerichtsbarkeit, was als Erwerb der Stadtrechte anzusehen ist. Im Jahr 1542 wurde Friedrich von Schönberg mit Jahnsbach, Thum und Oberdorf belehnt, infolgedessen es zu einem langwierigen und kostspieligen Prozess insbesondere über die Ausführung der Gerichtsbarkeit zwischen der Thumer Bürgerschaft und den Herren von Schönberg kam. Am 15. Januar 1648 fand auf Thumer Flur das letzte Gefecht des Dreißigjährigen Krieges im Kurfürstentum Sachsen statt. Seit dem 17. Jahrhundert entwickelte sich insbesondere das Posamentiererhandwerk, was ab dem 18. Jahrhundert zunehmend durch die Strumpfwirkerindustrie abgelöst wurde.

Bei einem Luftangriff in der Nacht vom 14. zum 15.Februar 1945 wurde die Stadtkirche St. Anna bis auf die Umfassungsmauern zerstört und die Innenausstattung vernichtet. Der Wiederaufbau erfolgte unter Verwendung der Umfassungsmauern 1946 bis 1951, der Turm wurde neu errichtet.[2]

Im Zuge der Gemeindegebietsreform erfolgte zum 1. Januar 1999 der Zusammenschluss der Orte Herold und Jahnsbach sowie der Stadt Thum zur neuen Stadt Thum.[3]

Der Hof zu Thum, das Rittergut und Oberdorf[Bearbeiten]

Anfang des 15. Jahrhunderts wurden die Thumer Richter neben der Gerichtsbarkeit mit dem freien Lehnhof hinter der Kirche sowie einer „wüsten Hofstatt“ bei der Kirche belehnt. Die Besitzungen des Hofes haben sich vermutlich bis hin zu den Hofwiesen in Jahnsbach und dem Thumer Kommunwald erstreckt. Zum Lehnhof gehörten zum Teil die umliegenden Bergwerke, ein Pochwerk und eine Schmelzhütte. Neben der Gerichtsbarkeit gingen Ende des 15. Jahrhunderts ebenfalls der Hof und die „wüste Hofstatt“ an die Stadt Thum über.

Zum Rittergut, früher auch der „Edelhof beim Elend“ genannt, gehörte neben den umliegenden Häusern auch Herold, das Kalkwerk, die Forsthäuser, das Knochengut sowie ein Teil von Drebach. Die Rittergutsgemeinde (später auch als Dorf Thum bezeichnet) war bis ins 19. Jahrhundert politisch und rechtlich von der Stadt Thum unabhängig. Im Jahr 1879 erfolgte die Auflösung, wobei die Häuser zwischen der Stadt Thum und Herold aufgeteilt werden. Das Herrenhaus des Rittergutes wurde 1882 an die Stadt Thum verkauft und dient seither als Rathaus.

Das ehemalige Dorf Oberdorf, heute Oberthum genannt, schließt sich im Norden an die Stadt an und war bis 1822 ein verwaltungsmäßig eigenständiger Ort.

Dampfbrauerei[Bearbeiten]

Das alte Thumer Brauhaus wurde bereits im 14. Jahrhundert gegründet und befand sich bis 1546 im Besitz der Kirche und wurde anschließend der Stadt übergeben. 1882 löste sich die bürgerliche Braugenossenschaft auf und der Braumeister William Böttger kaufte die Gebäude sowie das gesamte Inventar. Im Jahr 1898 ließ Böttger eine neue Brauerei bauen und konnte die Produktion von 10.000 Hektoliter auf 15.000 Hektoliter steigern. Am 30. Juli 1926 verkaufte die Witwe von William Böttger das Brauhaus an die Stadt, die aber keinen neuen Käufer finden konnte. Somit endete die fast 600-jährige Braugeschichte in Thum. 2000 wurde die Marke unter dem Namen Thumer Lager wiederbelebt; gebraut wird das Bier nach Original-Rezept der Thumer Dampfbrauerei allerdings in einer Chemnitzer Brauerei.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Am 3. Oktober 1990 zählte Thum 6551 Einwohner. Die Einwohnerzahlen beziehen sich jeweils auf den 31. Dezember des Vorjahres.

1993 bis 1997

  • 1993: 6195
  • 1994: 6209
  • 1995: 6277
  • 1996: 6206
  • 1997: 6217

1997 bis 2002

  • 1998: 6190
  • 1999: 6213
  • 2000: 6184
  • 2001: 6166
  • 2002: 6070

2003 bis 2007

  • 2003: 5981
  • 2004: 5906
  • 2005: 5829
  • 2006: 5814
  • 2007: 5751

ab 2009

  • 2009: 5659
  • 2010: 5592
  • 2011: 5528
  • 2012: 5459
  • 2013: 5433
Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaats Sachsen

Gedenkstätten[Bearbeiten]

Kirchen und Glaubensgemeinschaften[Bearbeiten]

Die Kapelle der Evangelisch-methodistischen Kirche in Thum sowie die Versammlungsräume der römisch-katholischen Kirche und der Neuapostolischen Kirche in Thum wurden inzwischen aufgegeben. Die Gemeinde der Römisch-katholischen Kirche trifft sich zu regelmäßigen Gottesdiensten am Dienstag und Samstag in der ehemaligen evangelisch-methodistischen Kirche, die von einem Bestattungsunternehmen erworben wurde.

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009[4]
Wahlbeteiligung: 53,6 %
 %
50
40
30
20
10
0
43,5 %
27,8 %
12,5 %
9,5 %
3,7 %
3,0 %
Rathaus (ehemaliges Rittergut)

Stadtrat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 7. Juni 2009 führte zu folgender Verteilung der 18 Sitze im Stadtrat:

  • CDU: 9 Mitglieder
  • Bürgerliste: 5 Mitglieder
  • LINKE: 2 Mitglieder
  • Verein Jugendblasorchester der Stadt Thum e. V.: 2 Mitglieder

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bürgermeister ist seit 2006 Michael Brändel (parteilos).

Wappen[Bearbeiten]

Das heutige Wappen wurde am 2. Mai 2000 nach Eingemeindung von Jahnsbach und Herold durch den Stadtrat angenommen.

Der Herold im linken Wappenteil steht für den Ortsteil Herold. Der Turm im unteren Teil steht für die Stadt Thum. Der Baum im linken Feld steht für Jahnsbach und soll einen Gerichts- oder Lebensbaum darstellen. Schlegel und Eisen auf weißem Grund stehen für den früheren Bergbau.

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Partnerstadt von Thum ist Žatec in Tschechien.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Stadtkirche

Verkehr[Bearbeiten]

Durch Thum führt die B 95. Zwischen 1886 und 1975 war Thum das Zentrum mehrerer Schmalspurbahn-Strecken im Erzgebirge.

Freizeitangebote[Bearbeiten]

Sport[Bearbeiten]

  • Fußball- und Tennisplätze
  • Kegelbahn
  • Reitplatz
  • Wintersportmöglichkeiten
  • Sportstadion

Volkskunst[Bearbeiten]

  • Schnitzverein Jahnsbach
  • Klöppelvereine in den Ortsteilen Jahnsbach, Thum und Herold

Treffs und Freizeitgestaltung[Bearbeiten]

  • Freizeit- und Familienzentrum im Ortsteil Thum
  • Jugendclub in Jahnsbach

Vereine[Bearbeiten]

Sport[Bearbeiten]

Die größten Sportvereine des Ortes sind der SV Jahnsbach, der Herolder SV, der TBV 08 Thum und der LV 90 Thum sowie der LSV Waldfrieden Thum für Laufsportfreunde. Außerdem gibt es einen Tischtennis-, Schach- und Kegelverein, die in unterschiedlichen Ligen aktiv sind.

Kultur[Bearbeiten]

  • Schnitzverein
  • Klöppelvereine
  • Bergbrüderschaft Thum e. V.
  • Bergkapelle Thum e. V.
  • Verein Jugendblasorchester der Stadt Thum e. V.

Traditionell findet alljährlich am Wochenende nach Pfingsten der Thumer Orchestertreff mit zum Beispiel im Jahr 2008 mehr als 1000 Musikern statt.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Weitere mit der Stadt verbundene Personen[Bearbeiten]

  • Friedrich von Sydow (1780–1845), Offizier und Schriftsteller, lebte von 1781 bis 1793 in Thum
  • Heinrich Minckwitz (1819–1886), sächsischer Revolutionär, Politiker, Besitzer des Ritterguts (1858–1863)
  • Armin zur Lippe-Weißenfeld (1825–1899), Gutsbesitzer, Agrarwissenschaftler und Reichstagsabgeordneter, Besitzer des Ritterguts (1863–1872)
  • Isolde zur Lippe-Weißenfeld, Witwe des Georg Heinrich Wolf von Arnim (1800–1855), Besitzerin des Ritterguts (1872–1881)

Sonstiges[Bearbeiten]

Die Fernsehserie des Fernsehen der DDR Spuk von draußen wurde 1987 teilweise in Thum gedreht.

Die Minerale der Axinitgruppe wurden wegen ihres früher relativ häufigen Vorkommens in der Umgebung von Thum auch als Thumit oder Thumerstein bezeichnet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Alfred Schmidt: Bunte Bilder aus vergangenen Tagen. Beiträge zur Geschichte der Parochie Thum. Verlag Delitsch, Thum 1900 (Digitalisat)
  • Richard Steche: Thum. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 4. Heft: Amtshauptmannschaft Annaberg. C. C. Meinhold, Dresden 1885, S. 90.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Thum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Thum im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2012 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Heinrich Magirius in „Schicksale Deutscher Baudenkmale im Zweiten Weltkrieg“. Hrsg. Götz Eckardt, Henschel-Verlag, Berlin 1978. Band 2, S.465
  3. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999
  4. http://www.statistik.sachsen.de/wpr_neu/pkg_w04_erg.prc_erg_gr?p_bz_bzid=GR09&p_ebene=GE&p_ort=14521640