Tiefanlenkung

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Unterschied zwischen hoch und tief liegendem Drehzapfen
Anlenkung des Drehgestellrahmens mit einer Zug-/Druckstange (von rechts kommend) bei einem ICE-1-Triebkopf

Die Tiefanlenkung dient bei Drehgestellen von Schienenfahrzeugen dazu, ungleichen Radsatz-Belastungen entgegenzuwirken.

Gründe für Tiefanlenkung[Bearbeiten]

Zur Übertragung der Zug-, Brems- und Führungskräfte vom Drehgestell zum Brückenrahmen werden bei Lokomotiven größtenteils am Lokrahmen befestigte Drehzapfen mit entsprechender Lagerung eingesetzt. Da die Gegenkraft zwangsläufig tangential am Radreifen auf Höhe der Schienenoberkante auftritt, ergibt sich bei hochliegendem Drehzapfen ein großer Hebelarm, wodurch vor allem beim Anfahren ein starkes Moment auftritt, welches die vorderen Radsätze entlastet. Hierdurch kann bei hohen Lasten die Zugkraft nicht mehr ausreichend auf die Schiene übertragen werden.

Verwendung von Drehtürmen[Bearbeiten]

Um diese Entlastung der beiden vorauslaufenden Achsen der Drehgestelle beim Anfahren zu verringern, werden bei der Tiefanlenkung die Drehzapfenlager möglichst tief (20–50 cm über Schienenoberkante) im Drehgestell angeordnet, wie etwa beim Taurus. Dieser Drehzapfen wird dabei aufgrund seiner Größe Drehturm genannt.

Verwendung von Zug-/Druckstangen[Bearbeiten]

Eine weitere Möglichkeit ist die Übertragung der Zugkraft vom Drehgestellrahmen auf den Lokkasten mithilfe von Zug-/Druckstangen, wie es etwa bei der Baureihe 101 realisiert ist. Hierbei erfolgt die Kraftübertragung nicht über den Drehzapfen, sondern über eine möglichst tief an den Drehgestellrahmen angebrachte Stange, die mit dem Lokkasten verbunden ist.