Tiefenbrunn (Vogtland)

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50.332083612.1236441605Koordinaten: 50° 19′ 56″ N, 12° 7′ 25″ O

Tiefenbrunn
Gemeinde Eichigt
Höhe: 605 m ü. NHN
Eingemeindung: 1994
Tiefenbrunn (Sachsen)
Tiefenbrunn

Lage von Tiefenbrunn in Sachsen

Tiefenbrunn ist ein Ortsteil der Gemeinde Eichigt im Vogtlandkreis in Sachsen.

Lage und Geographie[Bearbeiten]

Dreiländereck Sachsen, Flur Tiefenbrunn (im Vordergrund links) – Bayern (rechts) – Tschechien (im Hintergrund)

Das Dorf liegt nahe der Landesgrenze zu Bayern und Tschechien im sächsischen Vogtland. Die Flur Tiefenbrunns hat direkten Anteil an Dreiländereck zwischen Bayern, Sachsen und Böhmen.

Das Ortsgebiet liegt in höherem Gelände, abgeflacht südhängig, nahe der Wasserscheide von Weißer Elster und Saale, die sich erst bei Halle (Saale) vereinigen. Das Dorf und die zugehörigen Ortsteile entwässern hierbei nach Bayern, nämlich über die Regnitz in die Saale. Im Norden von Tiefenbrunn schließt sich ein größeres zusammenhängendes Waldgebiet an, in dem sich auch die Erhebungen Bubenstock und Platzerberg befinden. Tiefenbrunn nebst verstreuten Ortsteilen ist von Feldern, Wiesen und Waldparzellen geprägt. Im Westen beim einstigen Ortsteil Wieden wird das Land sogar komplett als Ackerfläche genutzt.

Ortsgliederung[Bearbeiten]

Tiefenbrunn hatte mit seinen Weilern und Höfen Streusiedlungscharakter, besitzt aber einen etwas zusammenhängenderen Dorfkern.

Zum Ort gehörten

  • Birkigt
  • Feilerhaus - 1974 zerstört
  • Gräben im Tale - 1974 zerstört
  • Hammerleithen - 1974 zerstört
  • Hetzschenhaus - 1928 von Ebmath übertragen, zerstört
  • Kugelreuth
  • Pabstleithen - 1950 eingemeindet
  • Wieden mit Oberwieden und Unterwieden - 1974 zerstört

Birkigt, Kugelreuth und Pabstleithen sind heute ebenso eigenständige Ortsteile von Eichgt wie Tiefenbrunn. Birkigt und Kugelreuth gehören allerdings noch zur Gemarkung Tiefenbrunns.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Dorf Tiefenbrunn wurde vermutlich im 14. Jahrhundert angelegt. Der Name lässt sich wahrscheinlich auf einen tiefen Moorbrunnen zurückführen, der sich hier befunden haben könnte. Zur urkundlichen Ersterwähnung im Jahre 1405 war der Ort allerdings bereits wüst, denn er wird eine wustunge czu Tyfenbrune genannt. Wohl wiederaufgebaut und 1413 als Tieffenbrun bezeichnet, soll der Ort mit seinen 8 Höfen bereits wenig später im Hussitenkrieg wieder komplett zerstört worden sein. 1487 noch als Wüstung verzeichnet erfolgte die Wiederbebauung Tiefenbrunns wohl im 16. Jahrhundert.

Der Ort wurde nach Posseck gepfarrt. Laut einem Vistionsprotokoll von 1599 gehörten seine Bewohner teils zum Rittergut Posseck und teils zum Rittergut Sachsgrün. 1791 hatte auch das Rittergut Ebmath einen Anteil. Der Ortsteil Unterwieden gehörte hingegen lange Zeit zum bayerischen Gattendorf. Der Sage nach soll sich ein Fräulein von Reitzenstein aus dem Hause der Rittergutsbesitzer von Posseck im damals noch dichten Walde zu Wieden verirrt haben. Erst als die das Glöcklein der Kirche zu Gattendorf vernahm, fand sie sich wieder zurecht. Aus Dankbarkeit schenkte sie der Kirche Gattendorf mehrere Ländereien und Wälder um Wieden zum Lehen. In den Meilenblättern von Sachsen, 1780-1806 gefertigt, sind noch weite Teile des Gebietes bis in die unmittelbare Ortslage von Tiefenbrunn hinein als "königlich bayerische" Besitztümer gekennzeichnet. Tiefenbrunn gehörte bis ins 19. Jahrhundert zum kursächsischen Amt Voigtsberg.[1]

Wachturm zwischen dem einstigen Gräben im Tale und Feilehaus

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Leben in den Ortsteilen von Tiefenbrunn auf Grund der Nähe zur Innerdeutschen Grenze zunehmend schwieriger. Bereits in den 1950er Jahren wurden von der DDR-Staatssicherheit gegen die Bewohner einzelne Zwangsaussiedlungen (Aktion Ungeziefer) vorgenommen. Bis zum Jahre 1974 wurden dann zusammen mit den Grenztruppen der DDR die Ortsteile Wieden mit Ober- und Unterwieden, Hammerleithen, Gräben im Tale und Feilehaus komplett entvölkert und zerstört. Tiefenbrunn selbst war bis 1989 nur mit Passierschein zu erreichen.

1994 wurde Tiefenbrunn nach Eichigt eingemeindet. Die Grenzanlagen wurden weitgehend beseitigt und entlang der Grenze wurde das Naturschutzgebiet Dreiländereck als Teil des Naturschutzprojektes Grünes Band Deutschland eingerichtet.

Weblinks und Literatur[Bearbeiten]

Belege[Bearbeiten]

  1. Historisches Ortsverzeichnis Sachsen