Till Meyer

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Till Eberhard Meyer (* 31. März 1944 in Luckenwalde) ist ein ehemaliges Mitglied der terroristischen Vereinigung Bewegung 2. Juni und war später Agent der DDR-Staatssicherheit.

Biographie[Bearbeiten]

Till Meyer war APO-Aktivist und gehörte kurze Zeit der DKP an.

Im Jahr 1972 wurde Meyer festgenommen und verurteilt. Am 11. November 1973 gelang ihm die Flucht aus der Justizvollzugsanstalt Castrop-Rauxel. Am 6. Juni 1975 wurde Meyer in Berlin bei seiner erneuten Festnahme angeschossen. Am 10. April 1978 begann am Berliner Kammergericht der „Lorenz-Drenkmann-Prozess“ gegen Till Meyer, Ronald Fritzsch, Gerald Klöpper, Fritz Teufel, Andreas Vogel und Ralf Reinders. Den Angeklagten wurde die Entführung des Berliner CDU-Vorsitzenden Peter Lorenz und die Ermordung des Berliner Kammergerichtspräsidenten Günter von Drenkmann vorgeworfen.

Noch während des laufenden Prozesses befreiten zwei Gesinnungsgenossinnen Meyer am 27. Mai 1978 mit Waffengewalt aus der Justizvollzugsanstalt Berlin-Moabit. Am 21. Juni 1978 werden Meyer, Gabriele Rollnik, Gudrun Stürmer und Angelika Goder im bulgarischen Burgas von deutschen Kriminalbeamten erkannt und von der bulgarischen Polizei festgenommen. Am Folgetag werden sie an die Bundesrepublik Deutschland ausgeliefert. Der Berliner Justizsenator Jürgen Baumann (FDP) zog politische Konsequenzen aus der Flucht und trat am 3. Juli 1978 von seinem Amt zurück. Wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Beteiligung an der Entführung von Peter Lorenz wurde Meyer im Oktober 1980 zu 15 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Die Ermordung Drenkmanns konnte keinem der Angeklagten nachgewiesen werden.

Im Jahr 1986 wurde Meyer vorzeitig aus der Haft entlassen, nachdem er sich vom bewaffneten Kampf losgesagt hatte. Er arbeitete dann als Redakteur bei der tageszeitung (taz). 1992 wurde er als inoffizieller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR enttarnt. Meyer war dort Mitarbeiter der Abteilung 23 (Terrorabwehr). Er spionierte seine Kollegen der taz aus.[1]

1996 erschien seine Autobiografie Staatsfeind. Gemeinsam mit Roland Mayer, Knut Folkerts, Karl-Heinz Dellwo und Gabriele Rollnik sprach er 1997 bei einem Kongress linker Gruppen zur "Geschichte der bewaffneten Kämpfe in Europa" in Zürich.[2]

Er arbeitet als Journalist und war zeitweise Frankfurter Korrespondent für die junge Welt. Meyer lebt in Berlin und ist verheiratet.

Schriften[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Till Meyer: Journalist mit IM-Vergangenheit SPIEGELonline, 2. Dezember 2008
  2. Wolfgang Gast: Fruchtloser Frontalunterricht, taz, 24. Mai 1997