Tilman Riemenschneider

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Tilman Riemenschneider
Mutmaßliches Selbstporträt, Detail vom Creglinger Marien-Retabel
Trauernde Frauen, um 1508 (Landesmuseum Württemberg, Stuttgart)

Tilman Riemenschneider (* um 1460 in Heiligenstadt; † 7. Juli 1531 in Würzburg) war einer der bedeutendsten Bildschnitzer und Bildhauer am Übergang von der Spätgotik zur Renaissance um 1500.

Leben[Bearbeiten]

Der heilige Georg im Kampf mit dem Drachen, um 1490/1495 (Bode-Museum, Berlin)
Heilige Barbara, um 1510, Bayerisches Nationalmuseum

Tilman Riemenschneider wurde zwischen 1459 und 1462 in Heiligenstadt im Eichsfeld geboren. Als Tilman etwa fünf Jahre alt war, musste sein Vater wegen früherer Verwicklungen in die Mainzer Stiftsfehde Heiligenstadt verlassen und verlor außerdem seinen Besitz. Die Familie zog nach Osterode um, wo sich der Vater als Münzmeister niederließ und Tilman seine Kinder- und Jugendjahre verbrachte.

Um 1473 lernte Tilman Riemenschneider das Bildhauer- und Bildschnitzerhandwerk. Heute geht man davon aus, dass Riemenschneider sein Handwerk in Straßburg und Ulm erlernte. Wegen schlechter Quellenlage weiß man aber von diesem Lebensabschnitt Riemenschneiders nahezu nichts. Tilman Riemenschneider kam aber in dieser Zeit mit hoher Wahrscheinlichkeit mit der Kunst Martin Schongauers in Berührung, dessen Kupferstiche ihm später auch als Vorlagen dienten. 1483 gelangte er schließlich in seine Wahlheimat, die fürstbischöfliche Residenzstadt Würzburg, wo er am 7. Dezember 1483 als Malerknecht in die Sankt-Lucas-Gilde der Maler, Bildhauer und Glaser aufgenommen wurde. Nachdem er am 28. Februar 1485 Anna Schmidt, die Witwe eines Goldschmiedemeisters geheiratet hatte, endete sein Gesellendasein, und er kam zu Meisterehren. Dieser Weg des gesellschaftlichen Aufstiegs war im Spätmittelalter durchaus üblich. Die starre Zunftordnung ließ Ortsfremden oft gar keine andere Möglichkeit, in die Reihen der einheimischen Handwerksmeister aufgenommen zu werden. Außer Status und Vermögen brachte Tilman Riemenschneiders erste Frau drei Söhne in die Ehe mit. Sie verstarb nach fast zehn Ehejahren und hinterließ ihm eine gemeinsame Tochter. 1497 heiratete Tilman Riemenschneider zum zweiten Mal. Auch die zweite Frau, Anna Rappolt, mit der er eine weitere Tochter und drei Söhne hatte, verstarb im neunten Ehejahr. Ein Jahr nach dem Tod seiner zweiten Frau heiratete Tilman Riemenschneider 1507 zum dritten Mal, nämlich Margarete Wurzbach, und nachdem auch diese verstorben war, ein letztes Mal um 1520. Von seiner letzten Frau, die ihn schließlich auch überlebte, ist jedoch nur der Vorname, Margarete, bekannt.

Während die Ehefrauen nacheinander den großen Meisterhaushalt führten, betrieb Tilman Riemenschneider sein Gewerbe mit viel Geschäftssinn und Kunstfertigkeit. Um 1500 hatte er als Künstler einen hervorragenden Ruf und war zum wohlhabenden Bürger geworden. Er besaß in Würzburg mehrere Häuser, reichlich Grundbesitz mit eigenen Weinbergen und eine florierende Werkstatt, in der er viele, teils auch sehr begabte Gesellen beschäftigte. Im November 1504 wurde Tilman Riemenschneider schließlich in den Rat der Stadt Würzburg berufen, dem er danach über 20 Jahre angehörte. Durch die öffentlichen Ämter und Privilegien als Ratsherr mehrte er nicht nur sein gesellschaftliches Ansehen, sondern erlangte auch viele große, lukrative Aufträge. Von 1520 bis 1524 übernahm er sogar das Amt des Bürgermeisters. Zu dieser Zeit wehte schon der Geist der Reformation durchs Land und nahm auch viele Würzburger Bürger für sich ein. Der Rat der Stadt führte seit längerem politische Auseinandersetzungen mit dem mächtigen Fürstbischof, der als Landesherr in der Festung Marienberg direkt oberhalb der Stadt residierte. Der Streit eskalierte 1525 während des Bauernkriegs, als sich aufständische Bauern vor der Stadt sammelten und die Würzburger Bürger sich mit ihnen gegen den Bischof verbündeten. Die Festung Marienberg hielt jedoch der Belagerung und den Angriffen aus der Stadt stand. Der Bischof drohte sogar der Stadt mit Zerstörung, was die Bürger in ihrem Kampfeswillen demoralisierte. Zur entscheidenden Schlacht kam es am 4. Juni 1525 außerhalb der Stadt, wo die anrückenden Landsknechte des Georg Truchsess von Waldburg-Zeil das Bauernheer vernichteten. Da die Bauern am Vortag von ihrem militärischen Führer Götz von Berlichingen verlassen worden waren, mussten sie führerlos in den Kampf und hatten keine Chance. Innerhalb von zwei Stunden wurden 8.000 Bauern getötet. Als die gut ausgerüsteten und kampferprobten Truppen des Bischofs zum Angriff auf die Stadt übergingen, endete auch der Aufstand der Bürger in ihrer totalen Niederlage und Unterwerfung.

Die Anführer des Aufstands – unter ihnen alle Ratsherren – wurden in den Verliesen der Festung Marienberg eingekerkert, gefoltert und zum Teil grausam bestraft. Auch Tilman Riemenschneider war zwei Monate in Kerkerhaft und unterlag der Folter. Lange hielt sich die Legende, dass dem Künstler, der sich in die Politik verstrickt hatte, im Kerker die Hände gebrochen wurden und er danach nie mehr arbeiten konnte. Aber dafür gibt es keine Beweise. Zusammen mit den anderen Ratsherren kam er schließlich wieder frei und wurde mit der Einziehung großer Teile seines Vermögens bestraft. Die nachtragende Obrigkeit sorgte außerdem dafür, dass Tilman Riemenschneider bald in Vergessenheit geriet. Nach seiner Freilassung erhielt er nie mehr einen größeren Auftrag. Bis zu seinem Tod 1531 führte er mit seiner vierten Ehefrau in Würzburg ein zurückgezogenes Leben. Als Nachfolger Tilmans übernahm sein auch als Jörg bekannter Sohn Georg Riemenschneider aus zweiter Ehe die Werkstatt. Erst im 19. Jahrhundert wurde Tilman Riemenschneider anhand seiner Kunstwerke wiederentdeckt.

Gedenktag[Bearbeiten]

7. Juli im Evangelischen Namenkalender.[1]

Erinnerungsstätten[Bearbeiten]

Riemenschneider wohnte in der Franziskanergasse 1 und starb dort am 7. Juli 1531. Eine Gedenktafel in der Sterngasse erinnert an ihn als Baumeister und Bürgermeister. [2]

Selbst Riemenschneiders Grabstein, den sein Sohn Jörg angefertigt haben soll, war verschollen und wurde erst 1822 wiedergefunden. Ein Abguss ist heute in der Nähe des Fundorts an der Außenmauer des St. Kilian Doms gegenüber dem Eingang zum Dom-Museum befestigt. Das Original befindet sich im Mainfränkischen Museum auf der Festung Marienberg.

Stil[Bearbeiten]

Die von Riemenschneider geschaffenen Holz- und Steinskulpturen zeichnen sich durch ausdrucksstarke Gesichter (oft mit einem „nach innen gekehrten Blick“) und durch detaillierte Gewandungen mit reichem Faltenwurf aus. Einige seiner Werke waren nie farbig gefasst und nach einer verbreiteten Ansicht von vornherein auf Holzsichtigkeit hin angelegt; er ist der erste bedeutende Bildhauer, bei dem dies der Fall ist. Die Farbfassungen an anderen seiner Werke stammen teilweise von seinem Zeitgenossen Jakob Mülholzer, der von 1490/91 bis 1514/15 nachgewiesen ist und in jener Zeit mit Riemenschneider auch in engem Kontakt stand.

Nachfolger bzw. Schüler Riemenschneiders waren Peter Breuer, Peter Dell, Hans Fries v. Mergentheim, Hans Gottwalt, Philipp Koch sowie viele, die sich namentlich nicht mehr fassen lassen.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Heilig-Blut-Altar, Rothenburg ob der Tauber
Beweinung Christi, Maidbronn
Creglingen - Marienaltar
Heilige Magdalena von Engeln erhoben, aus dem Hochaltar der Münnerstädter St. Maria Magdalena-Kirche, 1490/92, Bayerisches Nationalmuseum
Hl. Jakobus d. Ä., ca. 1505, Bayerisches Nationalmuseum

Werke in Kirchen[Bearbeiten]

Die Werke von Riemenschneider befinden sich in einem Radius von ca. 100 km um Würzburg. [3]

Werke in Museen[Bearbeiten]

  • Das Museum im Ritterhaus in Osterode beherbergt Replikate

Werke aus der Riemenschneider-Werkstatt[Bearbeiten]

  • Diakon, der eine aufgeschlagene Bibel zum Lesen bereithält, um 1500, Würzburger Dom [4]

Ausstellungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Dokumentationen[Bearbeiten]

Romane[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

5-Mark-Gedenkmünze der DDR zum 450. Todestag von Tilman Riemenschneider aus dem Jahr 1981

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tilman Riemenschneider – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tilman Riemenschneider im Ökumenischen Heiligenlexikon
  2. Erika Kerestely: Würzburg. Stadtführer mit farbigem Stadtplan. Stürtz Stadtführer. Verlagshaus Würzburg GmbH & Co KG, Würzburg 2008. ISBN 978-3-8003-1929-9. S. 51
  3. Verzeichnis der Werken von Tilman Riemenschneider auf einer Landkarte auf der Innenseite des Buchdeckels von Tilman Röhrig: Riemenschneider. Historischer Roman, Piper, München, 2007. ISBN 978-3-492-05055-5
  4. Herzlich Willkommen im Würzburger Dom. Faltblatt im Dom von ca. 2009