Tim Guldimann

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Urs Christian Timotheus Guldimann (* 19. September 1950 in Zürich) ist ein Schweizer Diplomat und Politikwissenschaftler. Guldimann ist der amtierende Botschafter der Schweiz in Berlin.

Diplomatie[Bearbeiten]

Guldimann trat 1982 in den Dienst des Aussenministeriums ein und war in Bern, Genf und Kairo tätig. Einen Höhepunkt seiner diplomatischen Laufbahn erlebte Guldimann in Tschetschenien, wo er 1996 bis 1997 als Botschafter und Leiter der OSZE-Mission massgeblich für den ersten, später gescheiterten Tschetschenien-Friedensvertrag und die im Februar 1997 durchgeführten Wahlen verantwortlich war. 1997 bis 1999 war er Leiter der OSZE-Mission in Kroatien.

Von 1999 bis 2004 war er Schweizer Botschafter im Iran. Die Schweiz vertritt im Iran die Interessen der USA, die nach der Geiselnahme von Teheran (von 1979 bis 81) den direkten diplomatischen Kontakt zum Land abgebrochen hatten. Hier fungierte er als aktiver Vermittler zwischen Iran und USA und den unterschiedlichen Kulturen, konnte sich jedoch mit seinen Plänen zur Aufnahme von direkten Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran nicht gegen die Bush-Regierung durchsetzen (siehe Schweizer Memorandum).

Vom 1. Oktober 2007 bis im Oktober 2008 war Guldimann Leiter der OSZE-Mission im Kosovo. Eigentlich sollte Guldimann 2007 den Posten des Botschafters in Israel übernehmen, was jedoch nach internen Auseinandersetzungen im Aussenministerium der Schweiz in letzter Minute verhindert wurde.[1]

Seit Mai 2010 ist Guldimann Botschafter in Berlin.[2] Ende Februar 2014 wurde er vom OSZE-Vorsitzenden und Schweizer Bundespräsidenten Didier Burkhalter als Sondergesandter in die Ukraine entsendet, um in der Krimkrise zu vermitteln.[3] Seit 21. März leitet er die OSZE-Mission zur Beobachtung der Krise in der Ukraine.[4]

Wissenschaft[Bearbeiten]

Ab 1989 war er Lehrbeauftragter für Aussenpolitik an den Universitäten Zürich, Freiburg im Breisgau und Bern. Von letzterer erhielt er 1995 eine Honorarprofessur.

Um seine praktische Arbeit und Erkenntnisse wissenschaftlich aufzuarbeiten, lehrte er von 2005 bis 2007 an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main, weitere Lehraufträge hatte er an der Universität Bern und am Europakolleg in Brügge und Natolin inne.[5]

Weiteres[Bearbeiten]

Tim Guldimann ist mit der deutschen Spiegel-Journalistin Christiane Hoffmann verheiratet[6] und hat zwei Kinder. Er ist Mitglied der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten]

  • Lateinamerika, die Entwicklung der Unterentwicklung. Beck, München 1975
    Guldimann thematisiert, dass die Länder Lateinamerikas, welche seit ihrer Eroberung durch die Europäer wegen ihres natürlichen Reichtums bevorzugte Objekte des Kolonialismus und Imperialismus waren, zu den unterentwickelten Ländern gehört. Tim Guldimann stellt in seinem Buch die Entwicklung der Unterentwicklung anhand präziser historischer und systematischer Analysen dar. Der lateinamerikanischen Dependenztheorie folgend macht er klar, dass die Unterentwicklung Lateinamerikas ein politisches und kein ökonomisches Problem ist.
  • Die Grenzen des Wohlfahrtsstaates, am Beispiel Schwedens und der Bundesrepublik. Beck, München 1976
  • Starnberger Studien II – Sozialpolitik als soziale Kontrolle. Suhrkamp, Frankfurt 1978 (zusammen mit Marianne Rodenstein, Ulrich Rödel und Frank Stille)
    In diesem Buch aus der Reihe der Starnberger Studien sind Arbeiten zusammengefasst, die auf der Basis der Auswertung von Sekundärliteratur Hypothesen über die Funktion staatlicher Sozialpolitik entwickeln. Diese Hypothesen werden aber keiner eigenen empirischen Erhebung unterzogen. Der Aufsatz von Tim Guldimann beschäftigt sich mit der historischen Entwicklung staatlicher Sozialpolitik in England, Frankreich und Schweden. Die Sozialpolitik in diesen Ländern war im 19. Jahrhundert darauf ausgerichtet, die autonomen und kollektiven Bemühungen der Arbeiterschaft, sich gegen Folgen der Reproduktionsrisiken zu schützen, von den illegalisierten Streikkassen abzuspalten und unter staatliche Kontrolle zu bringen. Die Errichtung umfassender Sozialversicherungssysteme im ersten Drittel des 19. Jh. lässt sich als Sozialpolitik „von oben“ interpretieren. Der Kontrollcharakters lässt sich belegen. Die Furcht vor der Gefährdung der militärischen Stärke der Nationalstaaten durch den schlechten Gesundheitszustand potentieller Soldaten und das Bestreben des Staates, die Ausgaben für die Armenfürsorge einzudämmen, sind zwei wichtige Einflussfaktoren bei der Entwicklung staatlicher Sozialpolitik in der von Guldimann untersuchten ersten Phase bis 1930.
  • Staatlich organisierter Arbeitsmarkt und Anpassung der Arbeitslosen: Der Fall Schweden. Campus, Frankfurt 1979 (Dissertation)
  • Moral und Herrschaft in der Sowjetunion. Suhrkamp, Frankfurt 1984
  • Europa-Plattform Für ein soziales, ökologisches und demokratisches Europa. Zusammen mit der Schweiz. Positionspapier der SP Schweiz. Zentralsekretariat der SP Schweiz, Bern 1995

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bettina Mutter: Calmy-Rey will Guldimann nicht in Israel, in: Tages-Anzeiger, 2. November 2007
  2. Website der Schweizerischen Botschaft in Berlin
  3. OSZE kündigt Entsendung von Tim Guldimann an. In: Neue Zürcher Zeitung/sda, abgerufen am 2. März 2014
  4. "Präsenz markieren und beobachten", DLF am 26. März 2014
  5. Website von Tim Guldimann
  6. Tages-Anzeiger vom 13. September 2013.
Vorgänger Amt Nachfolger
Rudolf Weiersmüller Schweizer Botschafter im Iran
1999–2004
Philippe Welti
Christian Blickenstorfer Schweizer Botschafter in Deutschland
seit 2010