Tim Peters

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Tim Peters (* 1973 in Hamburg) ist ein deutscher Jurist und Politikwissenschaftler.

Leben[Bearbeiten]

Peters war von 1993 bis 1995 Reserveoffizieranwärter bei der Bundeswehr.

Er studierte von 1995 bis 2001 Rechtswissenschaften an der Technischen Universität Dresden, der Universität Paris-Nanterre und der Humboldt-Universität zu Berlin. Nach Ablegung seines Ersten Juristischen Staatsexamens und dem Licence en droit (Frankreich)[1] arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer und beim Justiziar der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Ronald Pofalla[2] im Deutschen Bundestag. Im Anschluss studierte er Politikwissenschaften an der Technischen Universität Chemnitz und wurde 2005 durch die CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung gefördert am Promotionskolleg „Politischer Extremismus und Parteien“[3] bei Eckhard Jesse mit der Dissertation Der Antifaschismus der PDS. Ursachen und Wirkungen zum Dr. phil. promoviert.[1]

Nach dem Rechtsreferendariat am Kammergericht in Berlin, beim Bundesministerium der Finanzen und der Europäischen Kommission in Brüssel legte er 2007 sein Zweites Juristisches Staatsexamen ab. Von 2007 bis 2012 war er Referent in der Vertretung des BDI/BDA in Brüssel.[2] Zuvor war er Justiziar für europäisches Umweltrecht in der Europavertretung von General Electric.[2] Seit 2012 ist er als Rechts- und Sprachsachverständiger im Europäischen Parlament tätig.

Peters ist seit 1995 Mitglied der katholischen Studentenverbindung K.D.St.V. Chursachsen Dresden.

Rezeption[Bearbeiten]

Der PDS-Landtagsabgeordnete von Brandenburg Peer Jürgens äußerte sich 2004 im PDS-Rundbrief zu Peters Aufsatz Wie demokratisch ist Antifaschismus der PDS? mit: „Vor jeglicher Auseinandersetzung ist Herrn Peters zunächst einmal Respekt zu zollen. Sowohl die Beschäftigung mit dem Antifaschismus der PDS in seiner Person als Landesvorsitzender der Jungen Union Berlin als auch die Publikation des Textes in einer Zeitschrift der PDS zeugen davon, dass Herr Peters von der „Mauer im Kopf“ befreit ist. Dieser kritische Blick über den eigenen Tellerrand verdient Anerkennung und sollte in der PDS sowohl als Beispiel dienen als auch Anstoß zu eigenen Diskussionen geben. Um so betrüblicher ist es, dass Herr Peters, zumal als Politologe, seine Analyse auf brüchige Fundamente stellt und sich bei seinem Resümee allzu sehr von dem „kalten Krieger“ Professor Jesse leiten lässt.“[4]

Der linke Historiker Rolf Richter schrieb im gleichen Jahr: „Mit Freude registriere ich, dass ein junger, gebildeter Mann aus konservativen Kreisen sich mit Antifaschismus beschäftigt und gar mit dem der PDS. Er kritisiert die PDS. Unter der Kritik des politischen Gegners zu leben, so meine ich, ist immer eine Chance, eine Hoffnung, eine Perspektive. Tim Peters ist auch ein standfester Mann, denn er unterscheidet sich deutlich von dem Bild vieler anderer seiner Parteifreunde, die, wie im Sächsischen Landtag, grundsätzlich alles ablehnen, was aus PDS-Munde kommt, auch wenn es vielleicht für die Menschen im Freistaat gut wäre. Tim Peters nähert sich freilich seinem Gegenstand als Wissenschaftler, nicht als Wahlkämpfer. Er geht deshalb mit Fleiß und hoher wissenschaftlicher Genauigkeit vor.“[5]

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hieß es beim Politikwissenschaftler Harald Bergsdorf zu Peters’ Buch: „Tim Peters analysiert, inwieweit der Antifaschismus der PDS demokratieverträglich ist. Der Antifaschismus der PDS folgt stark dem SED-Antifaschismus, der versuchte, die bundesdeutsche Demokratie als ‚faschistisch‘ zu präsentieren – und die SED-Diktatur als Hort von Demokratie und Antifaschismus. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg durften frühere NS-Täter scharenweise bei der antiisraelischen und antiamerikanischen SED unterschlüpfen, um beim Aufbau der zweiten deutschen Diktatur zu helfen. Die Maschinengewehre des ‚antifaschistischen Schutzwalls‘ zielten auf DDR-Bürger. Ähnlich wie die SED geriert sich die PDS mit ihrem Engagement gegen ‚Faschismus‘ als demokratisch – üblicherweise meidet sie den Begriff ‚Rechtsextremismus‘, der ‚Linksextremismus‘ impliziert.“[6]

Der Politikwissenschaftler Jürgen P. Lang rezensierte 2006 für das Online-Portal der Bundeszentrale für politische Bildung Deutschland Archiv: „Tim Peters' Argumentationen sind schlüssig, die Ergebnisse gut nachvollziehbar. [...] eine gute Informationsbasis für alle, die sich mit der Antifaschismus-Thematik befassen.“[7]

Der FAZ-Redakteur Reiner Burger rezensierte Peters’ Buch Der Antifaschismus der PDS aus antiextremistischer Sicht mit: „Peters kommt zu dem Schluß, daß eine Erneuerung des Antifaschismus in der PDS höchstens sprachlich, nicht aber ideologisch stattgefunden habe. Die ‚antifaschistische Bündnispolitik‘ der Partei sei darauf gerichtet, die politische Isolation der PDS zu durchbrechen, die PDS als Verteidigerin des demokratischen Verfassungsstaates darzustellen und schließlich der Partei mit Hilfe des Kampfs ‚gegen rechts‘ eine ‚kulturelle Hegemonie‘ zu verschaffen.“[8]

Auf dem Portal für Politikwissenschaft kommentierte Christian Zettl 2007 „Als Ergebnis stellt Peters fest, dass die Antifaschismus-Thematik innerhalb der PDS eine zentrale Bedeutung besitzt. Sie diene einerseits zur Integration der heterogenen Parteibasis und Wählerschaft und andererseits biete sie die Möglichkeit, sich gegenüber anderen Parteien zu profilieren. Dabei seien die antifaschistischen Aktionen der PDS nicht allein gegen rechtsextremistische Akteure gerichtet, sondern auch gegen bürgerlich-konservative Parteien und Verbände sowie die soziale Marktwirtschaft. Allerdings sieht der Autor dadurch keine generelle Gefahr für den anti-extremistischen Konsens im bundesrepublikanischen Parteiensystem. Peters hat eine äußerst detaillierte Arbeit vorgelegt, die jedoch Originalität auf methodischer Ebene vermissen lässt. Die grundsätzliche Problematik, ob die PDS extremistische Züge aufweist, wird ebenfalls nur am Rande kritisch reflektiert.“[9]

In der bpb-Beilage Aus Politik und Zeitgeschichte fasste Peters’ Doktorvater Eckhard Jesse 2008 dessen These zu „Extremistischen Parteien“ folgendermaßen zusammen: So wird die Partei ‚Die Linke‘ nicht müde, Antifaschismus zu propagieren. Darauf geradezu fixiert, will sie eine ‚antifaschistische Klausel‘ im Grundgesetz und in den Verfassungen der Bundesländer verankern. Dabei agiert sie mit ihrem antifaschistischen Impetus nicht nur gegen tatsächlichen Rechtsextremismus, sondern agitiert auch gegen ‚neoliberale‘ Strömungen.[10]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

Monografie[Bearbeiten]

  • Tim Peters: Der Antifaschismus der PDS aus antiextremistischer Sicht. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006, ISBN 3-531-14775-7.

Beiträge in Sammelbänden[Bearbeiten]

  • Der Antifaschismus der PDS. In: Uwe Backes, Eckhard Jesse (Hrsg.): Jahrbuch Extremismus & Demokratie, Nomos Verlag, Baden-Baden 2003, S. 177–193.
  • Antifaschismus und Sozialismus statt Demokratie und Marktwirtschaft. Extremistische Ansätze in der Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik der Linkspartei.PDS. In: Eckhard Jesse, Hans-Peter Niedermeier: Politischer Extremismus und Parteien (= Schriftenreihe der Gesellschaft für Deutschlandforschung, Band 92). Duncker & Humblot, Berlin 2007, ISBN 978-3-428-12596-8, S. 301–320.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Tim Peters: Der Antifaschismus der PDS aus antiextremistischer Sicht. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006, ISBN 3-531-14775-7, S. 230.
  2. a b c politikszene. In: Politik & Kommunikation 158 (2007), S. 1 (PDF).
  3. Promotionskolleg „Politischer Extremismus und Parteien“, TU Chemnitz, abgerufen am 2. Januar 2014.
  4. Peer Jürgens: Antwort auf „Wie demokratisch ist Antifaschismus der PDS?“ von Tim Peters (Rundbrief 2+3/04). In: PDS-Rundbrief 4/2004. S. 50 (PDF).
  5. Rolf Richter: Antwort auf „Wie demokratisch ist Antifaschismus der PDS?“ von Tim Peters (Rundbrief 2+3/04). In: PDS-Rundbrief 4/2004. S. 51–52 (PDF).
  6. Harald Bergsdorf: Mit und ohne Maske. PDS und WASG bieten Verschwörungstheorien (Rez.). In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. Mai 2006.
  7. Jürgen P. Lang: Tim Peters: Der Antifaschismus der PDS aus antiextremistischer Sicht (Rez.). In: Deutschland Archiv 39 (2006) 3, S. 544–545.
  8. Reiner Burger: Überbleibsel. PDS und Antifaschismus (Rez.). In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. August 2006.
  9. Christian Zettl: Tim Peters: Der Antifaschismus der PDS aus antiextremistischer Sicht (Rez.). Portal für Politikwissenschaft, 25. Juni 2007.
  10. Eckhard Jesse: „Extremistische Parteien“ – Worin besteht der Erkenntnisgewinn? – Essay. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, 10. November 2008.