Tim im Kongo

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Tim im Kongo (franz. Originaltitel: Tintin au Congo) ist ein Comicalbum aus der Reihe Tim und Struppi des belgischen Zeichners Hergé, das zunächst von 1930 bis 1931 als Fortsetzungsgeschichte in der Kinderbeilage Le Petit Vingtième der belgischen Zeitung Le Vingtième Siècle und 1931 als Album in Schwarz-Weiß erschien. Die kolorierte Fassung wurde 1946 vollständig neu gefasst und 1975 erneut überarbeitet.

Der Band war nicht das erste Abenteuer von Tim und Struppi, auch wenn es heute als Nummer 1 veröffentlicht wird. Tim im Lande der Sowjets (1928) erschien vorher, wurde aber nicht – wie alle anderen Alben – in Farbe neu aufgelegt.

Handlung[Bearbeiten]

Tim und Struppi reisen gemeinsam nach Belgisch-Kongo. Nach einigen Vorfällen auf der Hinreise erreichen sie ihr Reiseziel, wo sie gemeinsam mit dem einheimischen Jungen Coco in einem Mietwagen auf Jagd gehen. Nach kurzer Zeit wird ihnen das Fahrzeug von einem Weißen entwendet. Ihnen gelingt es, den Wagen wiederzubekommen, der Dieb kommt jedoch davon.

Später besuchen Tim, Struppi und Coco ein Einheimischendorf. Tim wird weiterhin von dem Weißen verfolgt, der mehrfach versucht, Tim umzubringen. Noch bleibt sowohl für Tim als auch für den Leser offen, weshalb der Weiße Tim nachstellt. Bei einem letzten Versuch wird Tim von einem weißen Missionar gerettet, der ihn mit in seine Mission nimmt, wo Tim jedoch weiterhin den Angriffen des Weißen ausgesetzt ist. In einem finalen Kampf zwischen den beiden wird der Weiße von Krokodilen verspeist, obwohl Tim dies eigentlich nicht beabsichtigt hatte.

In den Habseligkeiten des Weißen findet Tim einen Brief des Mafiabosses Al Capone, der einen Diamantenschmugglerring im Kongo anführt. Al Capone hatte den Weißen auf Tim angesetzt, weil er irrtümlicherweise angenommen hatte, dieser wäre nach Afrika gereist, um gegen den Schmugglerring zu ermitteln. Tim deckt in der Folge den Schmugglerring auf, und die Bande wird gefasst. Letztendlich können Tim und Struppi doch noch ihre Freizeit in Afrika genießen. Als sie von einer Büffelherde beinahe zertrampelt werden, rettet sie ein Flugzeug, das sie zurück nach Belgien nimmt, wo sie sich für ihre nächste Reise nach Amerika vorbereiten.

Kritik[Bearbeiten]

Hergé wurde wegen der Folge Tim im Kongo rassistische, kolonialistische und gewaltverherrlichende Darstellungen vorgeworfen. Die afrikanischen Einheimischen werden als sehr naiv und kindlich dargestellt. Die Darstellungen sind ein Abbild der damals vorherrschenden Vorurteile der Europäer gegenüber den Afrikanern. Auch die Gewalt gegenüber Tieren wurde kritisiert, zum Beispiel tötet Tim einen Elefanten, um sich dessen Elfenbein anzueignen, und beteiligt sich wie selbstverständlich an der damals unter den Kolonialherren beliebten Großwildjagd.

Hergé räumte später ein, dass das Album aus einer sehr naiven Sicht auf Afrika entstand. In der späteren Farbversion (1946) entfernte Hergé alle Hinweise auf Belgien als Heimat Tims und darauf, dass der Kongo zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung des Abenteuers (1930) noch eine belgische Kolonie war. Damit wurde die Geschichte vereinfacht und auch für die internationale Veröffentlichung optimiert. Mit diesen Veränderungen kam Hergé den Kritikern jedoch nur sehr wenig entgegen, da unter anderem die rassistischen Darstellungen weitgehend erhalten blieben. Dieser Umstand hatte zur Folge, dass die Farbausgabe von Tim im Kongo in den Vereinigten Staaten und in Großbritannien erst 2005 im Egmont Verlag veröffentlicht wurde, und dort auch mit einem speziellen Vorwort, das den historischen Kontext der Entstehung erläutert. Im Februar 2013 sagte der Verlagsverantwortliche beim Carlsen-Verlag der Zeitung Neues Deutschland, die belgischen Rechteinhaber verböten es Carlsen, ein Vorwort oder sonst eine Erklärung des kolonialistischen Hintergrundes des Comics ins Heft aufzunehmen (das und mehr s.u. Weblinks).

In Deutschland erschien die Farbausgabe erst 1976. Für die skandinavische Fassung war eine Episode, in der Tim ein Nashorn mit Dynamit sprengt, gegen eine harmlosere Variante ausgetauscht worden, die auch in der deutschen Version Verwendung fand.

Überarbeitete Fassung[Bearbeiten]

Die Figuren Schulze und Schultze erscheinen in Tim im Kongo gleich im ersten Bild des Albums, hatten aber ihren Erstauftritt nicht in dieser Geschichte. Die beiden waren in der Erstausgabe von 1930 nicht abgebildet und wurden erst 1946 hinzugefügt. In der Farbversion von Tim im Kongo hat sich Hergé als einen der Reporter, die Tim in Antwerpen am Bahnhof verabschieden, selbst gezeichnet.

Literatur und Quellen[Bearbeiten]

  • Michael Farr: Auf den Spuren von Tim & Struppi, Carlsen, Hamburg 2005, ISBN 978-3-551-77110-0
  • Hergé: Tim im Kongo, Carlsen, Hamburg, November 1997, ISBN 978-3-551-73221-7
  • Kurosch Sadjadi Nasab: Tim und Struppi im Kongo. Rassistische Stereotype in Hergés Afrika, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 43 (1998), Heft 1, S. 94-103.

Weblinks[Bearbeiten]

  • Artikel in der New York Times über die politische Diskussion zu Tim im Kongo (englisch)
  • Themenseite von Februar 2013 in der Neues Deutschland zu dem Comic, wo sowohl der Umgang in der deutschsprachigen Comic-Szene mit dem Heft kritisiert, die Debatte darüber in anderen Ländern beleuchtet und der Verlagsverantwortliche interviewt wird