Timgad

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel bedarf einer Überarbeitung: In Anbetracht des Status als Weltkulturerbe, sollte der Artikel ausgebaut und neustrukturiert werden.--Manuel Heinemann (Diskussion) 13:13, 27. Feb. 2013 (CET) Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.
Thamugadi unter anderen römischen Stadten in Africa

Timgad (arabisch ‏تيمقاد‎) ist der heutige Name der römischen Stadt Thamugadi, deren Überreste sich etwa 40 Kilometer östlich von Batna in Algerien befinden. Im Norden und Osten der antiken Stadt liegt der moderne Ort Timgad.

Die Siedlung wurde im Jahre 100 unter dem römischen Kaiser Trajan durch Lucius Munatius Gallus, den Legaten der Legio III Augusta, als Militärkolonie an einem bisher nicht besiedelten Ort errichtet. Die Colonia Marciana Traiana Thamugadi, wie sie mit vollem Namen hieß, lag in der römischen Provinz Africa proconsularis (ab 198 n. Chr. Numidia) und weist die typische Quadratform und quadratische Unterteilung römischer befestigter Militärlager auf. In der Spätantike war Thamugadi ein wichtiger Sitz des Donatismus und Bischofssitz, der im 7. Jahrhundert mit der islamischen Expansion unterging. Auf den Bischofssitz geht das heutige Titularbistum Thamugadi der römisch-katholischen Kirche zurück.

Die Stätte wurde 1982 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt, weil hier die typische Struktur römischer Stadtgründungen noch gut erkennbar ist, die in anderen Städten römischen Ursprungs durch spätere Überbauung nicht mehr sichtbar ist.

Beschreibung[Bearbeiten]

Stadtplan von Timgad
Der Trajansbogen auf einer Postkarte des späten 19. Jahrhunderts

Timgad liegt im Norden des Aurès-Gebirges, das zu römischer Zeit mit Nadelbäumen und immergrünem Wald bestanden war. Die umliegenden Hügel waren fruchtbares Land, wie ganz Numidien, das als Kornkammer Roms bekannt wurde. Die Großstadt bezog einen großen Teil ihres Bedarfs an Gerste, Feigen und Oliven aus dieser nordafrikanischen Provinz.

Die quadratische Stadtanlage von etwa 300 Meter Seitenlänge war mit Mauern gesichert, die an drei Seiten von Stadttoren unterbrochen wurden. Entsprechend dem typischen Grundriss einer römischen Stadt bildeten zwei Straßen kreuzförmig die Hauptachsen: der von Nord nach Süd verlaufende Cardo trifft im Zentrum beim Forum auf den west-östlich verlaufenden säulenbestandenen Decumanus. Der Stadtplan war in 132 quadratische Häuserblocks (insulae) aufgeteilt. Dazwischen verlaufen etwa fünf Meter breite Straßen unter denen die Kanalisation verlegt ist. Die Insulae enthielte ungefähr 400 Häuser von unterschiedlicher Größe, dabei auch Läden und Tavernen. Timgad hatte zahlreiche öffentliche Anlagen und Gebäude: das Forum mit der Curia, die Versammlungshalle, Tempel, öffentliche Bäder, eine Bibliothek und ein Theater mit 4000 Sitzplätzen. Ein Aquädukt brachte Wasser aus einer fünf Kilometer entfernten Quelle in die Stadt.

Am westlichen Stadteingang wurde gegen Ende des 2. oder Anfang des 3. Jahrhunderts ein dreitoriger Ehrenbogen errichtet, der heute (fälschlich) Trajansbogen von Timgad genannt wird. Als die Stadt wuchs wurden auch außerhalb des Mauern-Quadrats Wohngebiete und öffentliche Einrichtungen angelegt. So gibt es zwei Marktplätze vor dem Trajansbogen, das Capitol im Südwesten und weitere Bäder und Tempel im Umkreis. [1]

Festival[Bearbeiten]

Timgad ist in Algerien auch für ein alljährlich stattfindende Musikfestival bekannt. Dort treten Tanz- und Musikgruppen aus Algerien und den arabischen Nachbarstaaten auf. Zunächst wurde das Theater der Ruinen für die Veranstaltung genutzt. Der große Besucherandrang hat allerdings in der Vergangenheit zu Beschädigungen der Ruinen geführt und in Folge zur wiederholten Drohung der UNESCO den Status als Weltkulturerbe abzuerkennen. Aus diesem Grund wurde ein modernes Theater neben der Ruinenstadt erbaut.

Personen[Bearbeiten]

Bildergalerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Émile Boeswillwald, Albert Ballu, René Cagnat: Timgad, une cité africaine sous l'Empire romain. Paris 1905 (grundlegender Ausgrabungsbericht) (Digitalisat).
  • Heinrich Holtzinger: Timgad und die römische Provinzialarchitektur in Nordafrika (= Die Baukunst. Serie 3, Heft 1) Spemann, Berlin 1906 (überholt) (Digitalisat).
  • Albert Ballu: Les ruines de Timgad, antique Thamugadi. Sept années de découvertes (1903–1910). Neurdein, Paris 1911 (Digitalisat).
  • Jean Lassus: La forteresse byzantine de Thamugadi. Edition du Centre National de la Recherche Scientifique, Paris 1981, ISBN 2-222-02676-8.
  • Andrew Wilson: Timgad and Textile Production, in: David Mattingly, John Salmon (Hrsg.): Economies beyond Agriculture in the Classical World, London, New York 2001, S. 271–296.
  • Werner Huß: Thamugadi. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 12/1, Metzler, Stuttgart 2002, ISBN 3-476-01482-7, Sp. 240.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Timgad – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Donald Langmead, Christine Garnaut: Encyclopedia of Architectural and Engineering Feats. Santa Barbara (Californien) 2001, S. 342 ISBN 1-57607-112-X google-books

35.4848296.468716Koordinaten: 35° 29′ N, 6° 28′ O