Tinghir

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Tinghir
Wappen fehlt
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Tinghir (Marokko)
Tinghir
Tinghir
Basisdaten
Staat: Marokko
Region: Souss-Massa-Draâ
Provinz: Tinghir (Provinz)
Koordinaten 31° 31′ N, 5° 32′ W31.52-5.53055555555561340Koordinaten: 31° 31′ N, 5° 32′ W
Einwohner: 40.000
Höhe: 1340 m
Tinerhir – mehrgeschossige hohe Lehmbauten bilden die Grenze zwischen der Siedlung und den Feldern der Oase.
Tinghir – Oasenlandschaft entlang des Oued Todgha. Während die teilweise mehrgeschossigen Lehmhäuser auf unfruchtbaren Böden errichtet wurden, blieben die fruchtbaren Oasen – wie überall im Süden Marokkos – von menschlicher Bebauung verschont.

Tinghir, auch Tinerhir (tamazight:ⵜⵉⵏⵖⵉⵔ; arabisch: تنغير) ist eine Oasenstadt im Süden Marokkos in der Region Souss-Massa-Draâ. Die Stadt hat etwa 40.000 Einwohner − die meisten davon sind Angehörige verschiedener Berberstämme.

Lage[Bearbeiten]

Tinghir liegt an der südlich des Hohen Atlas verlaufenden N 12 etwa 165 Kilometer nordöstlich von Ouarzazate bzw. ca. 150 Kilometer westlich von Erfoud in einer Höhe von etwa 1340 Metern ü. d. M..

Wirtschaft[Bearbeiten]

In früheren Zeiten dominierte ganz eindeutig die Oasenwirtschaft, die sich in den beiden großflächigen Dattelpalmenoasen südlich und östlich der Stadt ausbreitet und eine ganzjährige Selbstversorgung der Bewohner gewährleistete. Viehzucht spielte in allen Oasen nur eine untergeordnete Rolle.

Seit dem Jahr 2009 ist Tinghir Hauptstadt der neugeschaffenen gleichnamigen Provinz. Darüber hinaus ist es ein regional bedeutsamer Verwaltungs- und Marktort. In der Stadt gibt es viele kleinere Handwerksbetriebe, Transportunternehmen, Ärzte und Apotheken sowie Groß- und Einzelhändler, die weite Teile der Umgebung mit ihren Produkten oder Dienstleistungen versorgen. Manche eine Familie lebt jedoch ganz wesentlich von den Geldüberweisungen der in die Städte des Nordens abgewanderten Männer.

Stadtbild[Bearbeiten]

Das Stadtzentrum von Tinghir besteht nur noch aus neuen, meist zwei- bis viergeschossigen Häusern mit Wänden aus Hohlblocksteinen, Decken und Treppenaufgängen aus Beton und einer Satellitenschüssel auf der Dachterrasse. Nach Fertigstellung des Rohbaus werden die Häuser − wie in Marokko üblich − verputzt und in gelblichen, hellroten bzw. rosa Farbtönen angestrichen. Die letzten noch existierenden und teilweise noch zu Wohnzwecken genutzten Lehmbauten finden sich an den Rändern der Oasen.

Kasbahs[Bearbeiten]

Thami El Glaoui ließ − um seinen Machtanspruch zu dokumentieren − in den Jahren 1919 und 1930 gleich zwei Gebäudekomplexe mit politisch-strategischer und repräsentativer Bedeutung (Kasbahs) in Tinghir errichten. Beide monumental wirkenden Bauten wurden von den Bewohnern der Stadt jedoch schon immer als Fremdkörper angesehen und sind in argem Verfall begriffen − sie sind deshalb für Besucher nicht zugänglich. Eine weitere Kasbah wurde im Jahr 1944 von Cheikh Bassou, dem Oberhaupt eines mit El Glaoui rivalisierenden Berberclans, errichtet − das Gebäude dient heute als Hotel.

Oasen[Bearbeiten]

Eigentlich sind es zwei große Palmenoasen, die Tinghirs Reiz ausmachen und zu Erkundungsgängen auffordern − eine verläuft eher in ost-westlicher und die andere eher in nord-südlicher Richtung. Beide bilden grüne Uferlandschaften entlang des Oued Todgha und dort wo die fruchtbaren Böden enden, beginnt die Bebauung. Früher waren dies − zum Teil sogar mehrgeschossige − Lehmbauten mit Ecktürmen in der Art der Tighremts, doch von ihnen hat sich nichts erhalten. Die noch existierenden − turm- und schmucklosen − Lehmbauten stammen allesamt aus der 2. Hälfte des 19. und der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Viele werden von den Eigentümern nicht mehr instand gehalten, denn in den lichtlosen, staubigen und mittlerweile auch einsturzgefährdeten Lehmhäusern will in der heutigen Zeit niemand mehr wohnen. Nur landflüchtige Kleinbauern, die zu den Ärmsten in Marokko gehören und sich in Tinerhir als Tagelöhner verdingen, haben keine andere Wahl und sind mit dem billigsten Wohnraum zufrieden.

Angebaut bzw. angepflanzt werden Getreide (Gerste), Gemüse (Bohnen, Kichererbsen, Möhren etc.) und Baumfrüchte (Datteln, Feigen, Granatäpfel, Oliven etc.). Die Bäume spenden überdies den für die Oasenwirtschaft notwendigen Schatten. Die Wasserversorgung erfolgt über das aus den Bergen ablaufende Schmelzwasser des Todgha-Flusses, welches mit Hilfe von − nur zeitweise betriebenen − Dieselpumpen, die die Handarbeit früherer Zeiten ersetzt hat, in kleine, höhergelegene Kanäle befördert wird und von dort auf die Felder gelangt.

Umgebung[Bearbeiten]

Etwa 12 Kilometer nördlich von Tinghir liegt die touristisch interessante Todgha-Schlucht mit ihren spektakulären, etwa 300 Meter hohen und beinahe senkrecht abfallenden Felswänden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weitere wichtige Städte an der sogenannten 'Straße der Kasbahs' zwischen Ouarzazate und Erfoud sind:

Literatur[Bearbeiten]

  • Arnold Betten: Marokko. Antike, Berbertraditionen und Islam − Geschichte, Kunst und Kultur im Maghreb. DuMont, Ostfildern 2009 S. 304f ISBN 978-3-7701-3935-4

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tinghir – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien