Tintagel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Tintagel (Begriffsklärung) aufgeführt.

50.663611111111-4.7427777777778Koordinaten: 50° 40′ N, 4° 45′ W

Karte: England
marker
Tintagel
Magnify-clip.png
England

Tintagel (kornisch Dintagell oder Tre war Venydh) ist eine Ortschaft an einem zerklüfteten Küstenabschnitt der Grafschaft Cornwall im äußersten Südwesten Englands.

Die Ortsbezeichnung ist vor allem bekannt durch die in der Nähe am Meer liegende Burgruine Tintagel Castle, die der Chronist Geoffrey of Monmouth 1136 in seiner Historia Regum Britanniae zu König Artus' Residenz erklärt hat. Im Dorf leben etwa 700 Menschen, die Gemeinde hat 1820 Einwohner (Volkszählung 2001). Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts hieß der Ort Trevena, und Tintagel war die Bezeichnung für das Gemeindegebiet und das Oberland. Die Umbenennung erfolgte durch die Postverwaltung. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Tintagel in der Chronik von Monmouth mit der lateinischen Bezeichnung Tintagol.

Geschichte[Bearbeiten]

In der Spätantike (ca. 5. bis 7. Jahrhundert) befand sich hier eine größere Siedlung, die von den Archäologen teils als Kloster, teils als Fürstensitz interpretiert worden ist. Auffällig ist, dass sich in den Ruinen große Mengen an aus Ostrom importierter Keramik fanden, was auf recht enge Kontakte zum Mittelmeerraum hinweist. Später wurde der Komplex unter unklaren Umständen aufgegeben.

In normannischen Zeiten wurde dann im kleineren, nahgelegenen Dorf Bossiney eine Burg errichtet, was wohl vor der Entstehung des Domesday Books und damit also vor 1086 geschah. Als Bezirke wurden Tintagel und Bossiney im Jahre 1253 unter Richard von Cornwall etabliert.

Im Jahr 1927 wurde hier der Orden der Gefährten von den Rittern der Tafelrunde (Order of the Fellowship of the Knights of the Round Table) von Frederick Thomas Glasscock gegründet, drei Jahre später errichtete er für diesen Orden ein Gebäude mit dem Namen King Arthur's Hall, das heutzutage hauptsächlich als Museum dient.

Gegenwart[Bearbeiten]

Der Ort selbst präsentiert sich heute als eine Ansammlung von Bungalows und Gasthäusern. Er gehört zu den am häufigsten von Touristen besuchten Zielen in England. Viele der alten Häuser wurden bereits Anfang des 20. Jahrhunderts abgerissen, um den Anforderungen des Tourismus gerecht zu werden. Erhalten blieb aus früheren Zeiten nur das Alte Postamt, ein kleines, pittoreskes Herrenhaus aus dem 14. Jahrhundert mit gewelltem Schieferdach. Der National Trust hat das Gebäude restauriert und einen der Räume entsprechend seiner ehemaligen Bestimmung wieder als viktorianische Dorfpost eingerichtet. In der Vielzahl von Souvenirläden im Ortskern weist praktisch alles, was sich käuflich erwerben lässt, auf König Arthur hin. Tintagel selbst kann zwar keine eigene Badebucht vorweisen, doch kaum eine halbe Stunde Fußweg entfernt liegt Trebarwith Strand, einer der schönsten Sandstrände Cornwalls und ideal zum Surfen.

Eines der bekanntesten Bauwerke, welches dem Tourismus dient, ist das King Arthur's Castle Hotel aus dem Jahre 1899, das heute unter dem Namen Camelot Castle Hotel geführt wird. Im November 2010 brachte der englische Fernsehsender BBC einen 12-minütigen Bericht über die Geschäftspraktiken des Hotels, da vermutet wurde, es sei im Besitz von Scientology. [1]

Panoramablick von Tintagel Castle, mit dem Camelot Castle Hotel

Kirchen und Kapellen[Bearbeiten]

Ein Stück vom Ort entfernt steht die normannische Pfarrkirche St. Materiana.

Die katholische Kirche des Apostels St. Paul (St Paul's Church)[2] wurde 1967 erbaut. Bekanntheit erlangte die Kirche dank ihres dreißigtausend-teiligen Mosaiks, des Schweizer Künstlers Hanspeter Steiner. Zum 40. Jahrestag der Kirche, im Jahre 2008, wurde ein moderne Fassung von Leonardo da Vincis Letztem Abendmahl in der Kirche aufgehängt, welches vom ortsansässigen Künstler Nicholas St John Rosse geschaffen wurde.[3] Zudem besuchen Menschen aus aller Welt die Kirche, da sie im dort ausliegenden Miscarriage & Infant Loss Memorial Book lesen wollen, welches die Namen von Säuglingen bewahrt die durch Fehlgeburt, Totgeburt oder durch andere Ursachen starben.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Robert Andrews: The Rough Guide to Devon & Cornwall. 3. Auflage. Rough Guides, New York, London, Delhi 2007, ISBN 978-1-84353-807-3, S. 343.
  •  Peter Sager: Süd-England - DuMont Kunst-Reiseführer. 5. Auflage. DuMont Buchverlag, Köln 1981, ISBN 3-7701-0744-6, S. 311.

Bilder aus Tintagel[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tintagel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. BBC: Inside Camelot Castle Hotel & Scientology
  2. St Paul's (Roman) Catholic Church (Messezeiten und andere Neuigkeiten)
  3. Vgl. BBC News: Last Supper