Tirol

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Dieser Artikel behandelt Tirol als Region in Mitteleuropa, andere Bedeutungen finden sich unter Tirol (Begriffsklärung).
Lage der ehemaligen Grafschaft Tirol im heutigen Österreich und Italien
Gebiete, die heute die Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino bilden. Zum historischen Tirol gehörten darüber hinaus Cortina d’Ampezzo, Livinallongo del Col di Lana, Colle Santa Lucia (BL), Valvestino, Magasa (BS) und Pedemonte (VI).

Tirol ist eine Region in den Alpen, die sich vom Westen Österreichs bis in den Norden Italiens erstreckt. Das Gebiet stand zeitweise unter einer gemeinsamen Herrschaft. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Untergang des Habsburger Reiches (Österreich-Ungarn) wurde Tirol im Jahre 1919 durch den Vertrag von St. Germain auf zwei Staaten geteilt:

  1. Nordtirol und Osttirol (beides das heutige Bundesland Tirol) zur neuen Republik Österreich
  2. Südtirol und Welschtirol (beides die heutige Autonome Region Trentino-Südtirol) zu Italien

Seit dem Jahr 2011 besitzt die Region Tirol eine eigene Rechtspersönlichkeit in Form eines Europäischen Verbundes für territoriale Zusammenarbeit.

Etymologie[Bearbeiten]

Nach Egon Kühebacher basiert der Name Tirol auf einem Geländenamen, der anschließend auf Dorf Tirol und Schloss Tirol sowie zuletzt das gesamte Herrschaftsgebiet der Grafen von Tirol überging. Als Wurzel setzt er *tir mit der Bedeutung „Gebiet, Grund, Boden“ an, die sich auch im Lateinischen (terra) und Altirischen (tir) findet. Erstmals belegt ist der Name im Jahr 1182 als de Tirale. Das Suffix -al verdumpfte in dieser Zeit bereits lautgesetzlich, sodass schon 1184 die Schreibung de Tyrols, 1191 Tyrol dokumentiert ist.[1][2]

Gelegentlich vermutet wird ein direkter Zusammenhang mit dem römischen Kastellnamen Teriolis, aus dem sich Zirl entwickelte, allerdings handelt es sich wohl weniger um eine Ableitung als um ein gemeinsames Etymon von zwei als unabhängig voneinander zu betrachtenden Ortsnamen. Bereits Karl Finsterwalder verwies auf den Umstand, dass die ältesten auf Dorf und Schloss Tirol beziehbaren Schreibungen vom Ende des 12. Jahrhunderts Tiral(e) lauten, was die Theorie einer Gleichsetzung des Namens Tirol im Burggrafenamt mit dem Nordtiroler Teriolis unplausibel macht.[3]

Geografie[Bearbeiten]

Landschaftlich ist Tirol durch die Alpen geprägt. Tirols höchste Berge sind der Ortler (3905 m ü. A) und die über 3859 Meter hohe Königspitze in Südtirol, der Großglockner (3798 m ü. A) in Osttirol, der Monte Cevedale (3769 m s.l.m.) in Welschtirol (Trentino) und die Wildspitze (3768 m ü. A) in den Ötztaler Alpen in Nordtirol.

Die Entwässerung erfolgt in Nord- und Osttirol über Inn, Drau und Lech, die alle in die Donau münden. Südtirol und Trentino werden hauptsächlich von der Etsch und ihren Nebenflüssen entwässert. Die Teilung des Landes erfolgte fast genau an der Wasserscheide.

Die Region Tirol grenzt im Norden an Bayern, im Westen an Vorarlberg und den Kanton Graubünden, im Südwesten an die Lombardei, im Süden und Südosten an Venetien und im Osten an Salzburg und Kärnten.

Die größten Städte Tirols[Bearbeiten]

   Name Einwohner
1 Innsbruck 120.147
2 Trient 115.540
3 Bozen 104.029
4 Rovereto-Rofreit 38.141
5 Meran 37.673
6 Pergine Valsugana-Fersen 20.700
7 Brixen 20.512
8 Kufstein 17.388
9 Arco-Arch 17.198
10 Leifers 16.161
11 Riva del Garda-Reiff 16.052
12 Telfs 14.986
13 Bruneck 14.535

Wappen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Tiroler Wappen

Das Wappentier Tirols ist der Tiroler Adler: Im silbernen Schild den golden gekrönten und bewehrten roten Adler mit goldenen Flügelspangen.

Geschichte[Bearbeiten]

Frühgeschichte[Bearbeiten]

Das Gebiet von Tirol ist seit Jahrtausenden besiedelt. Älteste Funde reichen bis in die Alt- und Mittelsteinzeit zurück. Die ersten Siedler lebten als Jäger und Sammler bis sich um etwa 4000 v. Chr. der Ackerbau durchsetzte. Von dieser Zeit zeugen der Fund der Gletschermumie Ötzi und mehrere Ausgrabungen in allen Teilen Tirols.

Tirol verfügte schon früh über eine Bergbaukultur. Die älteste Verhüttung wurde in der Nähe von Brixlegg gefunden und stammt aus dem frühen 4. Jahrtausend v. Chr. In den folgenden Jahrtausenden wurden weitere Abbaustellen vor allem für Kupfer errichtet. Der Kupferabbau führte zu einem blühenden Handel, was vor allem die reichen Grabbeigaben in der Urnenfelderzeit, z. B. aus dem Gräberfeld Volders (ca. 1400–900 v. Chr.) beweisen. Das damalige Handelsnetz reichte von der Nordsee bis zum Mittelmeer.

Die Zeit ab ca. 450 v. Chr. bis zur römischen Invasion wird als La-Tène-Zeit bezeichnet. In dieser Zeit siedelten in den Tiroler Alpen Völker, die in den umliegenden Gebieten oft von Kelten verdrängt worden sind. Diese meist illyrischen Völker, die zwischen dem Comer See (lat. Larius, ital. Lario) und Kärnten lebten, wurden von den Römern als Räter bezeichnet, wie die Breonen[4] (in der Inschrift des Tropaeum Alpium von 6/7 v. Chr. als Breuni erwähnt, wohl im Inntal, davon unsicher Brennerpass), Genaunen (Unterinntal), Isarken (am Eisack), Venosten (im Vintschgau). Die Kultur bezeichnen Historiker nach den beiden wichtigsten Fundorten als die Fritzens-Sanzeno-Kultur. Sie verfügte über Weinfässer, die später von den Römern übernommen wurden und über ein eigenes Alphabet. Daneben finden sich auch keltische Bergvölker, wie die Taurisker (Salzach-, Zillertal, davon wohl Tauern), und später von den Slawen aus dem ehemaligen Norikum verdrängte westwärts ziehende Stämme.[5] Im Süden finden sich aber die nördlichsten Siedlungsgebiete der nicht illyrischen, sondern italischen Veneter (Veneto).

Römerzeit[Bearbeiten]

Germanien zur Römerzeit.
Droysen: Historischer Handatlas, 1886

Im Jahr 15 v. Chr. wurde das Gebiet von den Römischen Feldherren Drusus und Tiberius erobert und auf die römischen Provinzen Rätien (Vinschgau, Burggrafenamt, Eisacktal, Wipptal, Oberinntal und Teile des Unterinntals) und Noricum (Pustertal, Defereggen und Teile des Unterinntals rechts des Zillers und des Inns) aufgeteilt. Bozen und der äußerste Süden des Landes gehörten zur Provinz Venetia et Histria.

In dieser Zeit übernahmen die in Tirol lebenden illyrischen und rätischen Stämme das Vulgärlatein und verbanden es mit ihrer eigenen Sprache. Daraus wurde dann das noch heute gesprochene Rätoromanisch.

Tirol profitierte zu dieser Zeit vor allem durch den römischen Fernhandel, der durch die Errichtung von befestigten Straßen wie der Via Claudia Augusta und Via Raetia begünstigt wurde. Als Siedlungsgebiet war Tirol für die Römer aber nicht attraktiv, was die wenigen Städte beweisen. Die bekannteste römische Stadt auf Tiroler Gebiet war in Noricum die Stadt Aguntum, die sich in der Nähe von Lienz befand.

In der Spätantike (ab 476 n. Chr.) gehörte Tirol zum Reich der ostgermanischen Ostgoten. 534 überließen diese den Vinschgau mit Meran bis zur Passer den westgermanischen Franken. Nach dem Zusammenbruch des Ostgotenreichs (550/553) erfolgte von Norden her die Einwanderung der westgermanischen Bajuwaren (Baiern), während ab 568 die ostgermanischen Langobarden weite Teile Italiens eroberten und von Süden heraufdrangen. Im heutigen Trentino, dem ehem. Welschtirol errichteten sie das langobardische Herzogtum Trient, das bis Bozen reichte. Von Osten erfolgte slawische Besiedelung, die wohl bis zur Eroberung Kärntens durch die Baiuwaren an die Grenzen Osttirols herangereicht hat.[5]

Mittelalter[Bearbeiten]

Seither gehörte der weitaus größte Teil Tirols zum Herzogtum Bayern. Die bayerisch-langobardische Grenze lag unmittelbar südwestlich von Bozen. Salurn und das Gebiet rechts der Etsch, darunter auch Eppan, und Kaltern bis zur Falschauer in Lana wurden langobardisch. Das Gebiet links der Etsch und das Fassatal wurden bayerisch. Die Christianisierung erfolgte durch die Bischöfe von Brixen und Trient. Der Grenzverlauf blieb auch während der Karolingerzeit und der Ottonenzeit unverändert, während gleichzeitig auch im langobardischen Teil bis Salurn die bajuwarische Besiedlung vordrang.

1027 trennte Kaiser Konrad II. zur Sicherung der wichtigen Brennerroute das südlich angrenzende Bistum Trient vom italienischen Reichsteil (dem ehem. Königreich der Langobarden) ab und gliederte es dem deutschen Reichsteil ein. Dadurch kam auch das linke Etschtal zwischen Lana und Deutschmetz (Mezzocorona) zum Herzogtum Bayern. Im Laufe des 12. Jahrhunderts gelang es den Grafen von Tirol, einem bayerischen Adelsgeschlecht, im südlichen Teil des Herzogtums ausgehend von Schloss Tirol bei Meran und dem Vinschgau mit der Grafschaft Tirol ein eigenes Territorium zu schaffen und im 13. Jahrhundert während der kaiserlosen Zeit anerkennen zu lassen.

Die Grafen von Tirol waren zunächst Vögte der Bischöfe von Brixen und Trient, erweiterten aber ihr Land bald auf Kosten der Bischöfe und konkurrierender Adelsfamilien (wie der Eppaner) und machten sich von ihnen wie auch vom bayerischen Herzog unabhängig (Absetzung Heinrichs des Löwen 1180). 1228 traten sie die Saalforste an die Wittelsbacher ab; diese Gebiete gehören auch heute noch zu Bayern. 1253 wurden sie von den Grafen von Görz (Meinhardiner) beerbt, nach dem Aussterben derer männlichen Linie 1335 kam das Land abwechselnd an die Luxemburger und an die Wittelsbacher. 1363 vermachte die Tochter des letzten Meinhardiners, Margarete Maultasch von Tirol, ihr Land im Einvernehmen mit den Landständen ihrem nächsten Verwandten, dem Habsburger Rudolf, dem Stifter. Im Frieden von Schärding erkannten 1369 auch die Wittelsbacher diese Entscheidung an.

Zum Zeitpunkt des Übergangs an die Habsburger war die Grafschaft Tirol ein geschlossenes Territorium mit etwa der heutigen Größe. Das Unterinntal unterhalb von Schwaz gehörte allerdings weiterhin zu Bayern, das Zillertal zu Salzburg. Brixen und das Pustertal waren bischöfliche Territorien bzw. Teil der Grafschaft Görz. Dafür war das Montafon und das Unterengadin tirolisch.

Unter den Habsburgern hatte das Gebiet große strategische Bedeutung, da es nicht nur an vielen wichtigen Alpenpässen Anteil hatte, sondern auch eine Landbrücke in ihre alemannischen Besitzungen darstellte. 1406, im Zuge der habsburgischen Erbteilungen wurde es wieder zu einer eigenen Herrschaft, in der die Landstände, zu denen in Tirol auch die Großbauern gehörten, bedeutende Mitspracherechte hatten. Friedrich IV. verlegte seine Residenz nach Innsbruck, das von da an Meran überflügelte.

Neuzeit[Bearbeiten]

„Neue Karte der sehr ausgedehnten Grafschaft Tirol und ihrer Nachbargebiete“ des Warmund Ygl, 1604/05
Der Atlas Tyrolensis von Peter Anich und Blasius Hueber, 1774

1500, mit dem Stammland der Görzer, fielen auch Lienz und das Pustertal an Habsburg und wurden mit Tirol vereinigt (strategische Landbrücke von Wien nach Mailand). Nachdem mit dem Verzicht Herzog Siegmunds 1490 das Land wieder an die Hauptlinie zurückgefallen war, wurde Innsbruck Residenz des römisch-deutschen Königs und späteren Kaisers Maximilian I. Mit dem Gewinn der Herrschaften Kufstein, Kitzbühel und Rattenberg von Bayern wurde das Gebiet abgerundet. Die Reformation fand auch in Tirol ursprünglich zahlreiche Anhänger. Unter ihnen waren auch viele radikal-reformatorische Täufer wie der aus dem Pustertal stammende Jakob Hutter, der 1528 die Bewegung der Hutterer gründete. Wegen starker Verfolgung waren sie zur Auswanderung zunächst nach Mähren und später Nordamerika gezwungen, wo heute ihre Nachkommen noch immer einen tirolerischen Dialekt pflegen.

Im Jahre 1525 geriet Tirol in den Sog der deutschen Bauernkriege. Der Aufstand in Tirol wurde von Michael Gaismair angeführt, allerdings nach zwei Monaten niedergeschlagen.

Danach rief Kaiser Ferdinand I. die Jesuiten ins Land, um im Zuge der Gegenreformation unter der Führung von Petrus Canisius eine Lateinschule zu errichten. Somit wurde 1562 das heutige Akademische Gymnasium gegründet, das das älteste Gymnasium Westösterreichs ist und aus dem 1669 die Universität Innsbruck hervorging.

In der Tiroler Landesordnung von 1532 wurde das Freistiftrecht verboten und generell Erbleihe eingeführt.

1564 wurde Tirol mit Vorderösterreich an Ferdinand II., einem Sohn Ferdinands I. übergeben, der aber aufgrund seiner morganatischen Ehe mit Philippine Welser keine erbberechtigten Nachkommen hatte. Nach seinem Tod herrschten mehrere Statthalter aus habsburgischem Hause, von denen einer, Leopold V. von Habsburg, sich erneut zum Landesherren aufschwingen konnte. Diese Nebenlinie starb aber mit seinem jüngeren Sohn Sigismund Franz schon wieder aus.

Nachdem Tirol Anfang 1349 vom europaweit grassierenden „Schwarzen Tod“ erfasst wurde, kam es beim Ausgleich des Bevölkerungsverlustes zu einer regen Zuwanderung aus dem heutigen Slowenien. Erneut wütete die Pest im Jahre 1512 und forderte allein in der Stadt Innsbruck 700 Opfer, auch die Umgebung von Innsbruck war betroffen. Die letzte Pestepidemie traf Tirol in den Jahren 1611 bis 1612.[6]

Tirol unter bayerischer Herrschaft 1808

Im späten 16. und in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts kam es zu den letzten Änderungen der Bevölkerungsstruktur bis 1919, die vor allem durch die Gegenreformation verursacht wurden. In dieser Zeit verstärkte sich der italienische Einfluss im Trentino, was zum einen durch die Besetzung der Pfarreien mit italienischen Priestern und zum anderen durch die Zuwanderungen aus der Poebene verursacht wurde. Durch diese Entwicklung entstand die noch heute bestehende deutsch/italienische Sprachgrenze, südlich derer nur die deutschen Sprachinseln der Zimbern blieben. In der Region rund um den Reschenpass wurde die rätoromanische Sprache endgültig verdrängt, was durch die Feindschaft gegen die meist protestantischen Räter im Unterengadin begünstigt wurde.

Im Gegensatz zu anderen Gebieten des Römisch-Deutschen Reiches blieb Tirol vom Dreißigjährigen Krieg fast vollständig verschont; nur in den Gemeinden Leutasch und Seefeld kam es zu größeren Plünderungen.

1703 stießen im Spanischen Erbfolgekrieg die Bayern nach Tirol vor, erlitten aber an der Pontlatzer Brücke bei Landeck eine Niederlage und wurden aus dem Land getrieben.

1796/1797 griffen die Franzosen zum ersten Mal Tirol an und besetzten einige Ortschaften, wurden jedoch von den Tiroler Schützen vertrieben.

Mit dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 wurden die Bistümer Brixen und Trient, die ohnehin unter Tiroler Oberhoheit gestanden hatten, offiziell dem Land angegliedert. Nach der Niederlage gegen Napoléon Bonaparte wurde Tirol im Frieden von Pressburg vom 26. Dezember 1805 an das Kurfürstentum Bayern abgetreten.

Tiroler Volksaufstand[Bearbeiten]

Die Erschießung von Andreas Hofer in Mantua am 20. Februar 1810

1809 entlud sich der Widerstand gegen die bayerische Politik unter dem Grafen Maximilian von Montgelas im Tiroler Volksaufstand, der von Andreas Hofer, Josef Speckbacher und Pater Joachim Haspinger angeführt wurde. Der Volksaufstand wurde auch vom konservativen Klerus unterstützt, aber vor allem vom österreichischen Hof in Wien zuerst aufgestachelt, dann aber im Stich gelassen.

Die entscheidende Niederlage erlitten die Österreicher und Tiroler bei Wörgl am 13. Mai. In Folge kamen Teile des Landes vorübergehend an Italien und an die Illyrischen Provinzen Frankreichs; Am 3. Juni 1814 wurde das Land wiedervereinigt und kam zurück an den Habsburger Vielvölkerstaat Österreich. Das seit alters Salzburger Zillertal fiel mit Salzburg 1805 an Österreich und 1810 an Bayern. Vermutlich 1814 kam es (innerhalb Österreichs) an Tirol. Es gab jedoch auch kleinere Erfolge der Tiroler wie im „Giggler Tobl“, wo die Frauen und Kinder des Paznauns mit Steinlawinen und anderen primitiven Waffen die Bayerische Armee aus ihrem Tal hielten.

Selbstständigkeit von Vorarlberg[Bearbeiten]

Noch bis in die Spätzeiten des Kaisertums Österreich hieß das Territorium Gefürstete Grafschaft Tirol mit dem Lande Vorarlberg[7] (gefürstet 1504 von Kaiser Maximilian)[8] und umfasste die Territorien am Rhein, die teils schon immer von Innsbruck aus verwaltet wurden, teils auch von Vorderösterreich nach dem Wiener Kongress 1815 übriggeblieben waren.

Am 6. April 1861 erhielt Vorarlberg, wie alle Kronländer, auf Grund des Februarpatents von Kaiser Franz Joseph I. wieder einen eigenen Landtag, der vom Kaiser zu genehmigende Gesetze beschloss. Das Land blieb aber, was die Vertretung des Kaisers und der k.k. Regierung in Wien betraf, weiterhin im Amtsbereich des Statthalters in Innsbruck (so wie sich die für die Gefürstete Grafschaft Görz und Gradisca zuständige Statthalterei außerhalb dieses Kronlandes in Triest befand).

Das bis 1918 für beide Kronländer in Innsbruck publizierte Gesetz- und Verordnungsblatt für die gefürstete Grafschaft Tirol und das Land Vorarlberg[9] enthielt auch die nur Vorarlberg betreffenden Rechtsvorschriften; sie wurden im Unterschied zu den Tiroler oder in beiden Ländern geltenden Rechtstexten nicht auch in Italienisch abgedruckt.[10] Die Vorarlberger Versuche von 1907 und 1913, eine von Innsbruck gänzlich unabhängige Verwaltung zu erhalten, blieben in der Monarchie erfolglos.[11] Tirol verblieb als Gefürstete Grafschaft Tirol bis zum Ende Österreich-Ungarns 1918.

Teilung in Nord und Süd[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Südtirols

Während des Ersten Weltkrieges verlief die Gebirgsfront von 1915 bis 1918 an der südlichen Grenze Tirols. 1919, im Friedensvertrag von St. Germain, kam das Gebiet südlich des Brenners an Italien. Italien hatte ungeachtet der viel weiter südlich verlaufenden deutsch-italienischen Sprachgrenze die Wasserscheide zwischen Mittelmeer und Schwarzem Meer als seine Nordgrenze beansprucht, die anderen Alliierten hatten diesem Punkt zugestimmt, nicht zuletzt um das politisch instabile Italien an sich zu binden (siehe Londoner Geheimverträge). Selbst die Teilung an der Wasserscheide wurde nicht eingehalten, da drei Gemeinden des östlichen Pustertals, Toblach, Innichen und Sexten, deren Bäche zum Teil in die Drau münden, zu Italien kamen.

Durch die Machtergreifung der Faschisten in Italien, der Nationalsozialisten in Deutschland und dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich vertieften sich die Gräben zwischen Nord- und Südtirol weiter. Im Abkommen zwischen Hitler und Mussolini wurde die Grenze am Brennerpass besiegelt, wobei mit der Option in Südtirol eine Umsiedlung der deutschsprachigen Südtiroler geplant war, die jedoch wegen des Krieges nur in geringem Maße durchgeführt wurde.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg blieb die Teilung Tirols bestehen – die Grenzziehung des Friedensvertrages von St. Germain existiert bis heute.

Autonomie Trentino-Südtirols und europäische Integration[Bearbeiten]

Obwohl auch weitere Versuche nach dem Zweiten Weltkrieg, zumindest den Gebietsteil mit deutschsprachiger Bevölkerung wieder an das österreichische Tirol anzugliedern, scheiterten, konnte 1948 und 1972 (1. und 2. Autonomiestatut) im Südtirol-Paket eine Autonomie für Südtirol erreicht werden (Gruber-De-Gasperi-Abkommen). Die nun „autonome Provinz“ hat umfassende Kompetenzen erhalten, und die Zwei- bzw. Dreisprachigkeit (Deutsch, Italienisch und Ladinisch) ist offiziell gesetzlich verankert.

Im Zuge der europäischen Integration erlangten das österreichische Bundesland Tirol und die italienische autonome Provinz Südtirol wieder eine gewisse Zusammengehörigkeit. Durch das Schengener Abkommen verschwanden nahezu alle Grenzkontrollposten zwischen den Ländern, und durch die Einführung der Gemeinschaftswährung Euro wuchs die Region auch wirtschaftlich enger zusammen. 1998 wurde darüber hinaus die Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino gegründet, in der die Landeshauptmänner des Bundeslandes Tirol, der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol und der Autonomen Provinz Trient in regelmäßigen Abständen einem gesamttirolerischen Landtag vorstehen. Die Arbeit der Europaregion stärkt seither die gemeinsame kulturelle Identität der Region und fördert die wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit innerhalb dieser.

Das ladinischsprachige Gebiet um Cortina d’Ampezzo (ladinisch Anpezo, deutsch Hayden) gehörte ursprünglich ebenfalls zum Kronland Tirol, wurde 1923 von den italienischen Faschisten jedoch der Provinz Belluno angeschlossen. Derzeit gibt es Bestrebungen, die Gemeinden Cortina d’Ampezzo, Livinallongo del Col di Lana (ladinisch Fodom, deutsch Buchenstein) und Colle Santa Lucia (ladinisch Col, deutsch Verseil) an Südtirol anzugliedern. Am 28. Oktober 2007 ergab eine Volksbefragung hierzu eine deutliche Mehrheit für die Wiederangliederung.

Auch die Gemeinde Pedemonte war Bestandteil des altösterreichischen Kronlandes. Sie wurde 1929 der Provinz Vicenza zugeschlagen. Valvestino und Magasa wurden 1934 von der Provinz Trient getrennt und Brescia angegliedert. Im Jahr 2008 fanden in den drei Gemeinden Referenden statt, die ein klares Votum für die Wiederherstellung der historischen Landesgrenzen brachten.

Letztendlich wird das italienische Parlament über diese Neugliederungen entscheiden.

Zur detaillierten Geschichte nach 1919, siehe Bundesland Tirol, Geschichte Osttirols und Geschichte Südtirols

Liste der Herrscher in Tirol[Bearbeiten]

Grafen von Tirol[Bearbeiten]

Grafen von Görz-Tirol[Bearbeiten]

Luxemburger[Bearbeiten]

Wittelsbacher[Bearbeiten]

Habsburger[Bearbeiten]

Ältere Tiroler Linie (Nebenlinie der Habsburger)

beim Herzogtum Österreich: (1493 gefürstet: Gefürstete Grafschaft Tirol)

Ferdinand II. von Tirol und habsburgische Statthalter

Jüngere Tiroler Linie (Nebenlinie der Habsburger)

bei Österreich:

Wirtschaft[Bearbeiten]

Der Tourismus stellt einen wichtigen Wirtschaftszweig dar. Allein der österreichische Teil von Tirol verzeichnet mehr Gästenächtigungen (43 Millionen) als ganz Griechenland.

Die gesamte Tiroler Region verfügt aber auch über moderne Industrieansiedlungen, die sich vor allem durch Swarovski, GE Jenbacher, Tyrolit, Adler Lacke, die Plansee Group und Sandoz Kundl in Nordtirol, durch Seilbahnbauer Leitner AG, die Bergsportgruppe Salewa und die Südtiroler Speckerzeuger einen Namen gemacht hat. Südtirol und Welschtirol sind zudem für ihre sonnenverwöhnte Tal- und Gebirgslandschaft, ihren Wein und für ihren Obstanbau bekannt.

Das gesamte Gebirgsland Tirol ist im Allgemeinen ein sehr wohlhabendes Land. Südtirol ist das reichste Gebiet; es konnte 2004 ein Pro-Kopf Einkommen von 31.158 € vorweisen mit einer Kaufkraft, die 40 % über dem EU-27-Schnitt liegt. Es folgen das Bundesland Tirol mit 29.461 € und das Trentino mit 28.212 €, was immer noch ein Einkommen ausmacht, das beinahe 27 Prozent über EU-Schnitt liegt.[12]

Kultur[Bearbeiten]

Tirol um 1920 (Franz Defregger)

Die Staatsgrenze, die Tirol durchzieht, ist weder eine Sprach- noch eine Kulturgrenze. Unterschiede in den Kulturen Tirols sind wenig festzustellen. Die Salurner Klause gilt heute als Sprachgrenze, wenn sie auch nicht gänzlich als solche bezeichnet werden kann, da es seit jeher Deutschsprachige in Trentino sowie seit langer Zeit Italiener im südlichen Südtirol und Ladiner in beiden Landesteilen gab. Varianten der ladinische Sprache finden sich heute neben den Tälern der Dolomiten auch im Nonstal. Bis ins 17. und 18. Jahrhundert wurde das rätoromanische bzw. ladinische bis ins Südtiroler Vinschgau sowie im Nordtiroler oberen Gericht gesprochen.

Die traditionelle Kultur des Trentino verbindet Tiroler Traditionen mit Elementen der italienischen Nachbarn in Venetien und in der Lombardei. So wird in allen Landesteilen das Tiroler Musik- und Schützenwesen (Tiroler Schützen) gepflegt. Viele Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen Sprachgruppen im Süd- und Welschtiroler (Trentiner) Raum haben sich auch bei traditionellen Trachten, Speisen, Festen, weltlichen und religiösen Bräuchen erhalten.

Universitäten und Forschungseinrichtungen[Bearbeiten]

Wichtige Persönlichkeiten[Bearbeiten]

 

Politische Parteien (Auswahl)[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: Tirol – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Tirol
 Wiktionary: Tirol – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Tirol – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Tirol – Quellen und Volltexte
 Wikinews: Tirol – in den Nachrichten

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Egon Kühebacher: Die Ortsnamen Südtirols und ihre Geschichte. Die geschichtlich gewachsenen Namen der Gemeinden, Fraktionen und Weiler. Athesia, Bozen 1991, ISBN 88-7014-634-0, S. 470-471
  2. Franz Huter (Bearb.): Tiroler Urkundenbuch, Abt. I, Bd. 1, Innsbruck 1937, S. 206ff. Nr. 406 (zu 1182) und S. 215f. Nr. 419 (zu 1184).
  3. Karl Finsterwalder: Besprechung zu C. Battisti - G. Giacomelli, I nomi locali del Burgraviato di Merano. In: Tiroler Ortsnamenkunde. Gesammelte Aufsätze und Arbeiten, Band 3, Wagner, Innsbruck 1990, ISBN 3-7030-0279-4, S. 1127
  4.  Peter Anreiter, Institut für Sprachwissenschaft der Universität Innsbruck (Hrsg.): Breonen, Genaunen, und Fokunaten. Vorrömisches Namengut in den Tiroler Alpen. Innsbruck 1997, ISBN 3-85124-181-9.
  5. a b  Manfred Scheuch: Österreich – Provinz, Weltreich, Republik. Ein historischer Atlas. Verlag Christian Brandstätter; Lizenzausgabe: Verlag Das Beste, Wien 1994, ISBN 3-87070-588-4, Romanisierte Restbevölkerung, S. 18/19.
  6. Die Pest Tirol 1611–1612 Wirtschaftsgeschichte. Stadtmagistrat Innsbruck, 1982, ISBN 3-901886-10-9.
  7. Verfassungsdokumente Österreichs, Ungarns und Liechtensteins 1791–1849. Saur, München 2006, ISBN 978-3-598-44053-3
  8. Tirol (Geschichte). In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 15, Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1892, S. 724.
  9. Elektronisch auf alex.onb.ac.at archiviert
  10. Vorarlberg gab sich vor 90 Jahren die Eigenständigkeit. Sowie: Markus Barnay: Die Erfindung des Vorarlbergers Ethnizitätsbildung und Landesbewußtsein im 19. und 20. Jahrhundert.. Vorarlberger Autoren Gesellschaft, Bregenz 1988, ISBN 3-900754-01-2, S. 389
  11. Vorarlberger Landesverfassungen des 19. und 20. Jahrhunderts
  12. Eurostat News Release 23/2007: Regional GDP per inhabitant in the EU 25 (PDF)