Tiruvannamalai (Distrikt)

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Distrikt Tiruvannamalai
திருவண்ணாமலை மாவட்டம்
Lagekarte des Distrikts
Bundesstaat Tamil Nadu
Verwaltungssitz: Tiruvannamalai
Fläche: 6.188 km²
Einwohner: 2.464.875 (2011)
Bevölkerungsdichte: 398 Ew./km²
Website: tiruvannamalai.tn.nic.in

Der Distrikt Tiruvannamalai (Tamil: திருவண்ணாமலை மாவட்டம்; auch: Thiruvannamalai) ist ein Distrikt des indischen Bundesstaates Tamil Nadu. Verwaltungszentrum des Distrikts ist die namengebende Stadt Tiruvannamalai. Der Distrikt Tiruvannamalai hat eine Fläche von 6.188 Quadratkilometern und rund 2,5 Millionen Einwohner (Volkszählung 2011).

Geografie[Bearbeiten]

Blick vom Tirumalai-Berg bei Polur

Der Distrikt Tiruvannamalai liegt im nordöstlichen Binnenland Tamil Nadus. Nachbardistrikte sind Kanchipuram im Nordosten, Viluppuram im Südosten, Dharmapuri im Westen, Krishnagiri im Nordwesten und Vellore im Norden.

Mit einer Fläche von 6.188 Quadratkilometern ist der Distrikt Tiruvannamalai der drittgrößte Distrikt Tamil Nadus.[1] Der größte Teil des Distriktgebiets ist eben. Im Nordwesten an der Grenze zum Distrikt Vellore erheben sich dagegen die Javadi-Berge, ein Ausläufer der Ostghats. Auch die Ebenen werden hier und da von isolierten Einzelbergen wie dem 980 Meter hohen Arunachala, zu dessen Füßen die Stadt Tiruvannamalai liegt, durchsetzt. Durch den Distrikt fließen die Flüsse Cheyyar und Ponnaiyar.

Der Distrikt Tiruvannamalai ist in die sieben Taluks Chengam, Thandarampattu, Tiruvannamalai, Polur, Arani, Vandavasi und Cheyyar unterteilt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Gegend des heutigen Distrikts Tiruvannamalai kam Ende des 9. Jahrhunderts unter die Kontrolle des nordwärts expandierenden Chola-Reiches. Im 10. Jahrhundert stand das Gebiet zwischenzeitlich unter der Herrschaft der zentralindischen Rashtrakuta-Dynastie, ehe die Cholas während der Regierungszeit Rajarajas I. Tiruvannamalai zurückeroberten. Ab dem 13. Jahrhundert wurde das Gebiet von mehreren aufeinanderfolgenden Reichen beherrscht: Den Pandya, Hoysala, Vijayanagar, den Nayaks und den Nawabs von Arcot. Im 18. Jahrhundert rangen die Kolonialmächte Großbritannien und Frankreich in den Karnatischen Kriegen um die Vormacht in Südindien. 1760 gelang den Briten in der Schlacht von Wandiwash (Vandavasi) ein entscheidender Sieg, mit dem sie ihre Herrschaft festigten.

Als der Nawab von Arcot 1801 seine Besitzungen an die Britische Ostindien-Kompanie abtrat, gliederten die Briten das Gebiet von Viluppuram als Teil des Distrikts North Arcot in die Präsidentschaft Madras ein. Nach der indischen Unabhängigkeit 1947 kam North Arcot zum Bundesstaat Madras, der 1956 nach den Sprachgrenzen des Tamil neu formiert und 1969 in Tamil Nadu umbenannt wurde. 1989 wurde der Distrikt North Arcot in die Distrikte Tiruvannamalai-Sambuvarayar (heute Distrikt Tiruvannamalai) und North Arcot Ambedkar (heute Distrikt Vellore) geteilt.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Verkäufer von Metallgeschirr in Tiruvannamalai

Nach der indischen Volkszählung 2011 hat der Distrikt Tiruvannamalai 2.464.875 Einwohner. Die Bevölkerungsdichte ist mit 398 Einwohnern geringer als im Durchschnitt des Bundesstaates (555 Einwohner pro Quadratkilometer). Der Distrikt ist dabei ländlich geprägt: Nur 20 Prozent der Einwohner leben in Städten. Der Urbanisierungsgrad ist damit deutlich niedriger als der Mittelwert Tamil Nadus (48 Prozent).[2] Die Alphabetisierungsquote liegt mit 74 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt des Bundesstaates (80 Prozent).[3]

Unter den Einwohnern des Distrikts Tiruvannamalai stellen nach der Volkszählung 2001 Hindus mit 93,4 Prozent die große Mehrheit. Daneben gibt es kleinere Minderheiten von Muslimen (3,6 Prozent) und Christen (2,5 Prozent).[4]

Die Hauptsprache im Distrikt Tiruvannamalai ist wie in ganz Tamil Nadu das Tamil. Nach der Volkszählung 2001 wird es von 96,6 Prozent der Einwohner des Distrikts als Muttersprache gesprochen. 1,8 Prozent sprechen Telugu, 1,4 Prozent Urdu und 0,2 Prozent sonstige Sprachen.[5]

Nach der Volkszählung 2011 sind 22,9 Prozent der Einwohner des Distrikts Angehörige niederer Kasten (scheduled castes) und 3,7 Prozent Angehörige der Stammesbevölkerung (scheduled tribes)[6]. Zu letzteren gehören die in den Javadi-Bergen siedelnden Malayali.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Arunachaleshwara-Tempel von Tiruvannamalai vom Arunachala-Berg aus gesehen

Der wichtigste touristische Anziehungspunkt des Distrikts ist die am Fuße des Arunachala-Berges gelegene Stadt Tiruvannamalai. Der dortige Arunachaleshwara-Tempel, dem Hindu-Gott Shiva als „Herrn des Arunachala-Bergs“ geweiht, gehört zu den bedeutendsten Beispielen für die Tempelarchitektur Tamil Nadus. Das Heiligtum wurde schon im 7. und 8. Jahrhundert von den shivaitischen Dichterheiligen (Nayanmar) besungen, doch geht der Tempel in seiner heutigen Form im Wesentlichen auf das 16.-17. Jahrhundert zurück. Der zehn Hektar große Tempelkomplex ist, wie für den südindischen Dravida-Stil typisch, in mehrere sich konzentrisch um den Hauptschrein gruppierende Bereiche gegliedert. Die äußerste Umfassungsmauer wird von vier gewaltigen Gopurams (Tortürmen) gekrönt.

Tiruvannamalai-Stadt war Wirkungsort des Hindu-Gurus Ramana Maharshi (1879–1950). Das von ihm gegründete Ashram zieht bis heute spirituell Interessierte aus der ganzen Welt an.

Im Dorf Seeyamangalam 60 Kilometer nordöstlich von Tiruvannamalai finden sich zwei historische Höhlentempel: Ein shivaitischer Höhlentempel aus dem 7. und ein jainistischer aus dem 9. Jahrhundert. Ein weiteres Jaina-Heiligtum befindet sich in Tirumalai nahe Polur.

Städte[Bearbeiten]

Im Distrikt Tiruvannamalai gibt es 1.103 Dörfer und folgende 14 Städte:[7]

Stadt Einwohner
(2011)[8]
Arani 63.671
Chengam 26.980
Chetpet 19.827
Desur 4.597
Kalambur 14.304
Kannamangalam 7.399
Kilpennathur 13.718
Peranamallur 5.801
Polur 28.123
Pudupalayam 11.382
Tiruvannamalai 145.278
Tiruvethipuram 37.802
Vandavasi 31.320
Vettavalam 15.506

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Census of India 2011: Primary Census Abstract – Tamil Nadu. (PDF; 873 kB)
  2. Census of India 2011: Primary Census Data Highlights - Tamil Nadu. Chapter - I Population, Size and Decadal Change.
  3. Census of India 2011: Primary Census Data Highlights - Tamil Nadu. Chapter - III Literates and Literacy Rate.
  4. Census of India 2001: Basic Data Sheet: District Tiruvannamalai (06), Tamil Nadu (33) (PDF; 54 kB)
  5. Census of India 2001: C-15 : Population by Mother Tongue (Tamil Nadu), abgerufen unter Tabulations Plan of Census Year - 2001.
  6. Census of India 2011: Primary Census Data Highlights - Tamil Nadu. Chapter - II Scheduled Castes and Scheduled Tribes Population.
  7. Abfrage unter Census of India 2011: Villages/Towns Directory - 2011.
  8. Abfrage unter Census of India 2011: Search PCA Data by District/SubDistrict/Town/Village Name.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Distrikt Tiruvannamalai – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien