Tischchen deck dich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack

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Tischlein deck dich ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter Tischlein deck dich (Begriffsklärung) aufgeführt.
Darstellung von Alexander Zick

Tischlein deck dich, Esel streck' Dich und Knüppel aus dem Sack („Tischlein, deck dich!“) ist ein Märchen (ATU 212, 2015, 563). Es steht in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm an Stelle 36 (KHM 36). In der 1. Auflage hieß es Von dem Tischgen deck dich, dem Goldesel und dem Knüppel in dem Sack, in der zweiten Tischchen deck dich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack, in allen weiteren Tischchen deck dich, Goldesel, und Knüppel aus dem Sack. Ludwig Bechstein übernahm es in sein Deutsches Märchenbuch als Tischlein deck dich, Esel streck dich, Knüppel aus dem Sack (1845 Nr. 41, 1853 Nr. 38).

Inhalt[Bearbeiten]

Illustration von Leutemann/ Offterdinger

Ein Schneider lebt mit seinen drei Söhnen und einer Ziege zusammen, die sie mit ihrer Milch ernährt, wozu sie täglich auf die Weide muss und dort die allerbesten Kräuter fressen darf. Als der Älteste sie schön geweidet hat und fragt, ob sie satt sei, antwortet diese: „Ich bin so satt, ich mag kein Blatt: mäh! mäh!“ Als aber der Vater zu Hause die Ziege fragt, antwortet sie mit einer Lüge: „Wovon sollt ich satt sein? Ich sprang nur über Gräbelein, und fand kein einzig Blättelein: mäh! mäh!“ Der Vater erkennt die Täuschung der Ziege nicht und jagt im Affekt den Ältesten mit der Elle aus dem Haus. Den beiden anderen Söhnen ergeht es die folgenden Tage genauso. Als der Vater die Ziege dann selbst ausführt und sie draußen so und zu Haus so antwortet, erkennt er, dass er seinen Söhnen Unrecht getan hat, schert der Ziege den Kopf und jagt sie mit der Peitsche fort.

Goldesel bei der Produktion (Skulptur in Diekirch)

Die Söhne gehen bei einem Schreiner, einem Müller und einem Drechsler in die Lehre. Am Ende bekommt der Älteste einen unscheinbaren kleinen Tisch mit; wenn man zu dem sagt „Tischchen, deck dich!“, dann ist er sauber gedeckt und mit den herrlichsten Speisen versehen. Der Mittlere bekommt einen Esel; wenn man zu dem sagt „Bricklebrit!“, dann fallen vorne und hinten Goldstücke heraus. Alle drei Söhne verzeihen dem Vater schließlich während ihrer Wanderjahre und sehen die Möglichkeit, dass auch ihr Vater seinen Groll vergisst, sobald sie ihn mit ihrem eigenen Wunderding gewonnen haben. Die beiden älteren werden aber vor ihrer Heimkunft in ihrer Freigiebigkeit nacheinander vom selben Wirt betrogen, als der dem einen ein falsches Tischchen und dem anderen einen anderen Esel unterschiebt. Sie bemerken es erst, als sie ihr Wunderding zu Hause vorführen wollen. Sie schämen sich vor allen Gästen, die der Vater eingeladen hat, der jetzt weiter als Schneider arbeiten muss.

Der Jüngste bekommt von seinem Meister einen Knüppel im Sack, der jeden Gegner verdrischt, wenn man sagt „Knüppel, aus dem Sack!“ und erst aufhört, wenn man sagt „Knüppel, in den Sack!“. Damit nimmt er dem Wirt das Tischchen und den Esel wieder ab, als der ihm den Sack – verwendet als Kopfkissen – stehlen will, dessen Wert er ihm vorher gepriesen hatte.

Die Ziege verkriecht sich aus Scham über ihren kahlen Kopf in einen Fuchsbau, wo der Fuchs und dann der Bär vor ihren glühenden Augen erschrecken. Aber die Biene sticht ihr in den geschorenen Kopf, sodass die Ziege vor Schmerz flieht und, nun endgültig heimatlos geworden, abgängig ist.

Herkunft[Bearbeiten]

Grimms Anmerkung notiert Aus Hessen (von Jeanette Hassenpflug nach der alten Mamsell Storch bei Henschel). Eine andere Erzählung (1811 von Dortchen Wild, ab 2. Auflage nur Anmerkung) beginnt so, dass der Vater die Söhne nacheinander mit Pfannkuchen und Heller wandern schickt. Sie hüten die Herde eines reichen Herrchens in einer Nussschale, lassen sich aber verbotenerweise von Tanzmusik in ein Haus locken (vgl. KHM 57). Tischleindeckdich und Goldesel werden unterwegs vertauscht, erst der Jüngste verstopft seine Ohren mit Baumwolle. Er holt mit dem Knüppel die Wunderdinge wieder. Der Vater freut sich, seine drei Heller an ihnen nicht verschwendet zu haben. Vergleiche: KHM 54 Der Ranzen, das Hütlein und das Hörnlein; Grimms Irische Elfenmärchen Nr. 9 Die Flasche; viele auswärtige Literaturstellen.

Literarisches Vorbild war aus Giambattista Basiles Pentameron I,1 Das Märchen vom Orco.

Interpretation[Bearbeiten]

Wilhelm Salber sieht hier einerseits eine Gier nach konfliktloser Einheit in geschichtslosem Zugleich, aber auch Handlung mit Veränderung und Entwicklung. Aus All-Wünschbarem wird reales.[1]

Rezeption[Bearbeiten]

Bekanntheitsgrad[Bearbeiten]

Das Märchen ist auch bekannt unter dem verkürzten und leicht veränderten Titel: „Tischlein, deck dich!“ In dieser Form diente es zur Namensgebung von Essensbringdiensten, Gaststätten und Tischdekoration. Das Märchen ist besonders bekannt, insbesondere durch Sprüche wie „Ich bin so satt, ich mag kein Blatt.“. Der Begriff Goldesel wird im übertragenen Sinn gebraucht für Verfahren, die einen hohen wirtschaftlichen Gewinn versprechen, vergleichbar mit dem Begriff cash cow. Die Redensart „Der hat einen Goldesel daheim“ (oder ebenfalls in Anlehnung an das Märchen derber: einen Geldscheißer) wird für Menschen verwendet, die Geld „mit vollen Händen“ ausgeben.

Vgl. das Einleitungsgedicht Knüppel aus dem Sack in Hoffmann von Fallerslebens Unpolitische Lieder (... O Märchen, würdest du doch wahr / Nur Einen einz'gen Tag im Jahr, ...).[2] Josef Sills berichtet ironisch ein juristisches Nachspiel auf Amtsdeutsch, wobei der Jüngste wegen Körperverletzung, die Lehrherren wegen Nichtbezahlung von Krankenkassenbeiträgen und die Tischchen- und Eselbesitzer wegen unbefugter Produktion von Genusswaren und Vergehens gegen das Devisen- und Valutagesetz angeklagt sind.[3] Iring Fetscher deutet unter ironischer Nennung marxistischer Fachkollegen die drei Gaben als Feudalismus, Kapitalismus und revolutionären Volkskrieg oder als technologischen, ökonomischen und politischen Aspekt der bürgerlichen Revolution.[4]

Theater[Bearbeiten]

Filme[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Grimm, Brüder: Kinder- und Hausmärchen. Vollständige Ausgabe. Mit 184 Illustrationen zeitgenössischer Künstler und einem Nachwort von Heinz Rölleke. S. 215-228. Düsseldorf und Zürich, 19. Auflage 1999. (Artemis & Winkler Verlag; Patmos Verlag; ISBN 3-538-06943-3)
  • Grimm, Brüder: Kinder- und Hausmärchen. Ausgabe letzter Hand mit den Originalanmerkungen der Brüder Grimm. Mit einem Anhang sämtlicher, nicht in allen Auflagen veröffentlichter Märchen und Herkunftsnachweisen herausgegeben von Heinz Rölleke. Band 3: Originalanmerkungen, Herkunftsnachweise, Nachwort. Durchgesehene und bibliographisch ergänzte Ausgabe, Stuttgart 1994. S. 77-78, S. 457. (Reclam-Verlag; ISBN 3-15-003193-1)
  • Hans-Jörg Uther: Handbuch zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. Berlin 2008. S. 88-92. (de Gruyter; ISBN 978-3-11-019441-8)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tischchen deck dich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wilhelm Salber: Märchenanalyse (= Werkausgabe Wilhelm Salber. Band 12). 2. Auflage. Bouvier, Bonn 1999, ISBN 3-416-02899-6, S. 99-100, 138
  2. Steffen Martus: Die Brüder Grimm. Eine Biographie. 1. Auflage. Rowohlt, Berlin 2009, ISBN 978-3-87134-568-5, S. 396.
  3. Josef R. Sills: Tischlein deck dich, Esel streck dich. In: Wolfgang Mieder (Hrg.): Grimmige Märchen. Prosatexte von Ilse Aichinger bis Martin Walser. Fischer Verlag, Frankfurt (Main) 1986, ISBN 3-88323-608-X, S. 166-169 (zuerst erschienen in: Simplicissimus. Nr. 32, 5. August 1961, S. 501-502.; Autorenangabe „Josef R. Sills“ bei Mieder mit „?“ versehen.).
  4. Iring Fetscher: Wer hat Dornröschen wachgeküßt? Das Märchen-Verwirrbuch. Hamburg und Düsseldorf 1974. Claassen Verlag. S. 66-69. ISBN 3-596-21446-7.