Titanic (1943)

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Der Film Titanic aus dem Jahr 1943 erzählt vom Untergang des Luxusliners Titanic im Jahr 1912.

Entstehung des Films[Bearbeiten]

Das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda forderte 1939 von den Filmstudios die Entwicklung antibritischer Stoffe. 1940 legte die Tobis Filmkunst GmbH ein Drehbuch nach dem Roman von Josef Pelz von Felinau vor, das von ihm selbst und Werner Bergold verfasst worden war. Die Erzählung beruht auf den Aussagen von Max Dittmar Pittmann, der behauptete, dritter Offizier auf der Titanic gewesen zu sein. Pelz von Felinau gab an, sich selbst auf der RMS Carpathia befunden zu haben, was er aber später unter Bedauern widerrief. Da Propagandaminister Joseph Goebbels umfangreiche Änderungen forderte, stieg Pelz von Felinau aus dem Projekt wieder aus. 1941 wurde dann ein erstes Drehbuch von dem Erziehungswissenschaftler August Christian Riekel unter dem Pseudonym Harald Bratt vorgelegt. Diese Vorlage wich aber stark von der ursprünglichen Version ab. Für die Regie war Herbert Maisch angekündigt. Dieser lehnte aber ab, da er mit anderen Projekten beschäftigt war. Andere Quellen behaupten, Maisch hätte der plumpe Drehbuchentwurf missfallen. Weitere Regisseure lehnten ab, weil sie sich die Darstellung eines Katastrophenfilms unter diesen Vorgaben nicht zutrauten. Am Ende fiel die Entscheidung auf Herbert Selpin. Ausschlaggebend soll dabei gewesen sein, dass Selpin bereits Erfahrungen mit maritimen Filmen hatte. Selpin hielt das Drehbuch von Harald Bratt allerdings für unzureichend und verlangte seinen Freund Walter Zerlett-Olfenius hinzuzuziehen. Selpin und Zerlett-Olfenius überarbeiteten das Drehbuch erneut. Selpin veranschlagte 87 Drehtage, was selbst heute noch für große Hollywood-Produktionen ein sehr hoher Maßstab ist. Es wurden 4 Millionen Reichsmark (heute ca. 140 Millionen Euro) für die Produktion bereit gestellt.

Handlung[Bearbeiten]

Der Film schildert die Katastrophe in Form antibritischer Propaganda. Die White Star Line habe kurz vor dem Bankrott gestanden und deshalb den Kapitän bestochen, mit der Titanic in Rekordzeit den Atlantik zu überqueren, um die Reederei durch den Ruhm des „Blauen Bandes“ (der Auszeichnung für das jeweils schnellste Passagierschiff zwischen Ärmelkanal und New York) finanziell retten zu können. Nur der deutsche Erste Offizier Petersen (in Wirklichkeit gab es keinen deutschen Offizier an Bord) erkennt die Gefahr; seine Warnungen werden aber ignoriert. Während des Untergangs versuchen reiche Passagiere und auch der Reederei-Präsident Sir Joseph Bruce Ismay, den Kapitän um Plätze in den Rettungsbooten zu bestechen. Den größten Mut und Charakter während der Katastrophe zeigen die deutschen Passagiere und Besatzungsmitglieder. Als Kapitän Smith den Besatzungsmitgliedern sagt, sie seien frei und alle versuchen sich zu retten, rettet Petersen im letzten Moment ein britisches Mädchen, welches in einem Zimmer noch allein gelassen wurde, und bringt es in ein Boot. Schockiert beobachten die Passagiere in den Booten den Untergang der Titanic. In der Gerichtsszene am Schluss des Films bezichtigt Petersen den Präsidenten der Hauptschuld am Unglück. Die Gerichtskommission verwirft diese Auffassung, weil rechtlich gesehen nur der (umgekommene) Kapitän das Kommando hatte. In der Nebenhandlung gibt es mehrere romantische Geschichten, bei denen die Situationen von wahrer Liebe, alter Liebe, neuer Liebe, Dreiecksbeziehung, Verlobung, Heirat und Aufopferung zum Thema werden.

Hintergrund[Bearbeiten]

Der Film verfälschte sowohl Ursachen als auch Ablauf der Katastrophe: Das alte Gerücht, die Titanic sei aus Rekordsucht ins Verderben gefahren, war schon zu Zeiten des Films längst widerlegt. Das Schiff hätte nie den damaligen Geschwindigkeitsrekord brechen können, und dies war von der Reederei auch nicht beabsichtigt. Die White Star Line war auch nicht kurz vor dem Konkurs, denn sonst hätte sie nicht bis 1935 (dann Fusion mit der Cunard Line) weiter existieren können. Dass Bruce Ismay den Kapitän aus PR-Gründen dazu überredete, einen Tag früher als vorgesehen in New York anzukommen, ist dagegen durchaus glaubhaft belegt.

Ein weiterer Fehler, der weniger der Propaganda dient, ist der Handlungsgegenstand, Bruce Ismay würde nach der Ankunft in New York eine Frau namens Gloria heiraten. Ismay war aber bereits verheiratet und war nie mit einer Gloria verheiratet.

Regisseur Herbert Selpin wurde noch während der Dreharbeiten wegen negativer Äußerungen über die Wehrmacht verhaftet. Am 1. August 1942 starb er im Gefängnis, vermutlich durch Selbstmord.

Nach der Fertigstellung des Films 1943 hatte sich die Kriegslage mittlerweile so ungünstig für Deutschland entwickelt, dass Joseph Goebbels defätistische Wirkungen befürchtete und das Werk nicht für deutsche Kinos freigab. Nur im besetzten Ausland wurde es gezeigt. Ein Schiffsuntergang hätte von deutschen Filmzuschauern nur allzuleicht mit dem bevorstehenden Untergang des Deutschen Reiches assoziiert werden können.

Die Szenen im Film, die in der Nacht des Untergangs spielen und das Bootsdeck der Titanic zeigen, entstanden an Bord der Cap Arcona, eines deutschen Schiffes, das 1945 von alliierten Bombern in der Bucht von Lübeck getroffen wurde, wobei mehrere tausend deportierte KZ-Häftlinge getötet wurden.

Die genaue Rekonstruktion und realistische Darstellung des Schiffes im Film mit Hilfe einer für die damalige Zeit hochentwickelten Trickfilmtechnik sowie des Einsatzes eines 6 m langen Modells war der Grund dafür, die Aufnahmen zum Teil in dem Film Die letzte Nacht der Titanic von 1958 nochmals zu verwenden.

Kritik[Bearbeiten]

„In der Darstellung der Katastrophe eindringlich, ansonsten wenig überzeugend.“

film-dienst

„Bemerkenswert waren an diesem Film neben den Bauten von Fritz Maurischat vor allem die Trickaufnahmen, die nach dem Krieg noch in den englischen »Titanic«-Film „A night to remember“ eingeschnitten wurden.“

– Reclams Filmführer[1]

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Reclams Filmführer, 2.A. 1973, ISBN 3-15-010205-7