Titulus

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Tafelbild mit Titulus, um 1540

Als Titulus (Pl. Tituli; lat. für „Aufschrift, Bildtafel, Schild“) wird in der Kunstgeschichte eine Inschrift oder Beischrift auf frühen Bildwerken bezeichnet, mit deren Hilfe das jeweils Dargestellte erklärt oder kommentiert wurde.

Tituli waren schon im ersten Jahrtausend n. Chr. hoch entwickelt und wurden in Mittelalter und früher Neuzeit weiter eingesetzt. Kennzeichnend für ihre damalige Bedeutung ist, dass fast jede mittelalterliche Schrift über Malerei auch Anweisungen darüber enthält, wie solche Inschriften herzustellen waren. Tituli waren oft – aber nicht notwendig – in Versform abgefasst und zitierten antike Autoren. Es gilt daher als wahrscheinlich, dass die ausführenden Künstler häufig von humanistischen Gelehrten beraten wurden, die mit den klassischen Texten vertraut waren.[1] In geeigneten Zusammenhängen verwendete man Zitate aus der Bibel oder aus den Schriften der Kirchenväter. Wo biblische Gleichnisse in verschlüsselten Bildern dargestellt wurden, lieferten Tituli die Deutung, so entstand eine allegorische Doppelform. Wegen des Neben- oder Miteinanders von Bild und Text gehörten Tituli zu den Quellen der frühneuzeitlichen Kunstform der Embleme, die ebenfalls aus Text-Bild-Kombinationen bestanden.

Literatur[Bearbeiten]

  • William S. Heckscher, Karl-August Wirth: Artikel Emblem, Emblembuch, Kapitel IV (Quellen der Emblematik) in Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, Bd. 5, Sp. 85–228, Stuttgart 1959/1967/1986, ISBN 3406141978.
  • Arwed Arnulf: Versus ad picturas. Studien zur Titulusdichtung als Quellengattung der Kunstgeschichte von der Antike bis zum Hochmittelalter, München Berlin 1997, ISBN 3422062181.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. William S. Heckscher, Karl-August Wirth: Artikel Emblem, Emblembuch, Kapitel IV (Quellen der Emblematik) in Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, Bd. 5, Sp. 85–228, Stuttgart 1959/1967/1986, ISBN 3406141978.