Titus Brandsma

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Statue des sel. Titus Brandsma in Nimwegen

F. Titus Brandsma O.Carm. (* als Anno Sjoerd Brandsma am 23. Februar 1881 in Oegeklooster bei Bolsward; † 26. Juli 1942 im KZ Dachau) war ein niederländisch-friesischer promovierter Philosoph, römisch-katholischer Theologe und Karmelit, der im Widerstand gegen den Nationalsozialismus in den Niederlanden aktiv war. Im November 1985 wurde er von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen. Er wird in der katholischen Kirche als Märtyrer verehrt. Sein liturgischer Gedenktag ist der 27. Juli.[1]

Leben[Bearbeiten]

Anno Sjoerd Brandsma, Sohn eines Milchbauern und Kommunalpolitikers, wurde in der Pfarrei St. Martin in Bolsward getauft. Nach dem Besuch des Gymnasiums der Franziskaner in Megen trat er im September des Jahres 1898 in das Karmelitenkloster in Boxmeer ein, wo er den Ordensnamen Titus annahm. Er wählte die Karmeliten, weil er in einer Gemeinschaft mit vielen Ordensbrüdern leben wollte und nicht mit nur einem oder zweien, wie es die Franziskaner dort taten. In Boxmeer studierte er bei seinem späteren Freund und Mentor Hubertus Driessen Philosophie. Im Oktober 1899 legte Titus Brandsma seine ersten Gelübde ab und wurde am 17. Juni 1905 zum Priester geweiht. Anschließend studierte er auf Empfehlung von Eugenius Driessen, einem Professor der Gregoriana, und durch Vermittlung von dessen Bruder Hubertus Driessen in Rom an der Päpstlichen Universität Gregoriana und schloss mit dem Doktortitel in Philosophie ab.

Nach seiner Rückkehr in die Niederlande wurde er Professor im Karmelitenseminar von Oss und später Prior des Karmelitenklosters in Nimwegen. Ab 1922 ließ er die dortige Priorei erbauen. 1923 wurde er an der neu gegründeten Katholischen Universität Nimwegen Professor und 1932/33 Rector Magnificus. In dieser Zeit setzte er sich neben seiner Tätigkeit für die niederländische Karmelitenprovinz auch für die Wiederbelebung der deutschen und der amerikanischen Karmelitenprovinz ein, wohin er im Jahre 1935 eine Vortragsreise unternahm.

In dieser Zeit wurde er vom Koadjutor des Erzbischofs von Utrecht, Jan de Jong, zum geistlichen Ratgeber der Mitarbeiter der mehr als dreißig katholischen Zeitungen ernannt. P. Brandsma kritisierte den in Deutschland zur Herrschaft gelangten Nationalsozialismus seinen Vorlesungen. Im gleichen Sinn nutzte er seinen Einfluss auf die katholische Presse. Mit Beginn der Besatzung der Niederlande durch die Deutschen am 10. Mai 1940 und dem Einsetzen der Judenverfolgung kündigte der katholische Widerstand in den Niederlanden am 26. Januar 1941 an, allen Unterstützern des Regimes die Sakramente zu verweigern.

Als die Bischöfe der katholischen Kirche es ablehnten, NS-Propaganda in ihren Zeitungen abzudrucken, entschloss sich P. Titus Brandsma, jedem katholischen Zeitungsschreiber die Anweisung der Bischöfe persönlich zu übergeben. Nachdem er 14 Schreiber erreicht hatte, wurde er am 19. Januar 1942 auf Veranlassung des Reichskommissariats im Kloster Boxmeer gefasst und als „rotgesinnter politischer Häftling“ in Gefängnissen in Scheveningen und Amersfoort gefangengehalten.

Am 19. Juni 1942 wurde er in das KZ Dachau verschleppt. Unter Zwangsarbeit, Folter, Misshandlung und Unterernährung verschlechterte sich seine Gesundheit rapide. In der dritten Juliwoche wurde er in die Krankenstation des Konzentrationslagers eingewiesen. Dort führte ein KZ-Arzt mit ihm medizinische Experimente durch und gab ihm schließlich am 26. Juli 1942 um 13.50 Uhr die Todesspritze. Zehn Minuten später wurde P. Brandsma für tot erklärt. Nach einer KZ-ärztlichen Todesurkunde für die Verwandten sei Titus Brandsma an Darmkatarrh gestorben.

Titus Brandsma war ein großer Förderer der Verehrung des hl. Bonifatius und setzte sich für die Schaffung eines Bonifatiusschreins in Dokkum ein. Lange Zeit war er aktives Mitglied der Internationalen Katholischen Esperanto-Vereinigung.

Einweihung der Titus-Brandsma-Kapelle in Nimwegen, 1960

Viele von Brandsmas Familienmitgliedern waren Geistliche und Ordensschwestern. So war sein Bruder Heinricus Franziskaner, seine Schwestern Willebroda Missionsschwester vom Kostbaren Blut und Barbara Franziskanerin. Ein Cousin von ihm war Father G.G. Brandsma M.H.M., Bischof in Kenia.

2004 wurde die ehemalige Pfarrkirche St. Josef in Nimwegen den Karmeliten übergeben und zur Titus-Brandsma-Gedächtniskirche umgestaltet.

Obwohl Titus Brandsma nicht in Nimwegen geboren ist, wählte ihn die Bevölkerung der Stadt bei einer Befragung 2005 mit knapp 1.900 der 4.000 abgegebenen Stimmen zum „größten Mitbürger aller Zeiten“.

Der Journalist Ton Crijnen schrieb Brandsma in seiner kritischen Biografie[2] Eitelkeit, Jähzorn, radikale Energie, politische Naivität, wirkliche Nächstenliebe, anspruchslose Frömmigkeit, Tatkraft und großen persönlichen Mut zu. Brandsma vereinige moderne Ideen und heute überholte Ansichten, auch eine sehr negative Sicht auf das Judentum, mit einer absoluten Ablehnung des Antisemitismus im Nazismus.

Zitate[Bearbeiten]

„Unter den vielen Fragen, die ich mir stelle, bewegt mich keine stärker als das Rätsel, dass der sich entwickelnde Mensch, selbstsicher und stolz auf seinen Fortschritt, sich in so großer Zahl von Gott abwendet. Unbegreiflich ist es, dass wir in unserer Zeit so großer Fortschritte auf vielen Gebieten konfrontiert sind mit einer wie eine Epidemie um sich greifenden Entehrung und Leugnung Gottes. Wie konnte das Bild Gottes sich so verdunkeln, dass so viele nicht mehr von ihm berührt werden? Liegt der Fehler nur bei ihnen? Oder gibt es jetzt einen Auftrag an uns, es wieder in hellerem Licht aufstrahlen zu lassen über der Welt, und dürfen wir die Hoffnung haben, dass das Studium des Gottesbegriffs diese größte aller Nöte zumindest lindern wird?“

Aus der Rede zum Jahrestag der Gründung der Katholischen Universität Nimwegen 1932[3]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Titus Brandsma – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gebotener Gedenktag in der Niederländischen Kirchenprovinz (Niederländischer liturgischer Kalender mit Biografie, niederländisch)
  2. Vgl. hierzu: Titus Brandsma, de Man achter de Mythe, 2008
  3. Originaltext, Übersetzung RF