Tjumen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Stadt
Tjumen
Тюмень
Flagge Wappen
Flagge
Wappen
Föderationskreis Ural
Oblast Tjumen
Stadtkreis Tjumen
Innere Gliederung 4 Stadtrajons
Leiter der Verwaltung Alexander Moor
Gegründet 1586
Stadt seit 1782
Fläche 235 km²
Bevölkerung 581.907 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Bevölkerungsdichte 2476 Einwohner/km²
Höhe des Zentrums 70 m
Zeitzone UTC+6
Telefonvorwahl (+7) 3452
Postleitzahl 6250xx
Kfz-Kennzeichen 72
OKATO 71 401
Website www.tyumen-city.ru
Geographische Lage
Koordinaten 57° 9′ N, 65° 32′ O57.1565.53333333333370Koordinaten: 57° 9′ 0″ N, 65° 32′ 0″ O
Tjumen (Russland)
Red pog.svg
Lage in Russland
Tjumen (Oblast Tjumen)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Tjumen
Liste der Städte in Russland

Tjumen (russisch Тюмень; Aussprache?/i) ist die Hauptstadt der gleichnamigen russischen Oblast in Westsibirien. Sie hat 581.907 Einwohner (Stand 14. Oktober 2010)[1] und liegt am Fluss Tura, der flussabwärts in den Tobol mündet. Die Stadt ist etwa 1700 Kilometer Luftlinie von Moskau entfernt.

In der Flagge und im Wappen ist ein Doschtschanik, ein flaches Boot, abgebildet.

Klima[Bearbeiten]

In Tjumen herrscht Kontinentalklima. Charakteristisch sind schnelle Temperaturänderungen. Die mittlere Temperatur beträgt im Januar −17 °С und im Juli +18 °С. Die niedrigste Temperatur im Winter beträgt −50 °C, die höchste Temperatur im Sommer beträgt 38 °С.

Tjumen
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
24
 
-12
-22
 
 
17
 
-9
-20
 
 
15
 
-1
-11
 
 
27
 
9
-1
 
 
39
 
17
4
 
 
62
 
22
10
 
 
85
 
24
13
 
 
58
 
21
10
 
 
49
 
15
5
 
 
39
 
5
-2
 
 
32
 
-3
-11
 
 
24
 
-9
-18
Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: Roshydromet
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Tjumen
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) −12,4 −9,4 −0,5 9,2 16,6 22,2 24,1 20,7 14,9 5,4 −3,3 −9,4 Ø 6,6
Min. Temperatur (°C) −21,7 −20,0 −11,4 −1,3 4,4 10,3 13,3 10,4 5,1 −2,2 −10,7 −17,6 Ø −3,4
Niederschlag (mm) 24 17 15 27 39 62 85 58 49 39 32 24 Σ 471
Regentage (d) 7 5 4 6 7 9 9 10 9 9 8 6 Σ 89
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
−12,4
−21,7
−9,4
−20,0
−0,5
−11,4
9,2
−1,3
16,6
4,4
22,2
10,3
24,1
13,3
20,7
10,4
14,9
5,1
5,4
−2,2
−3,3
−10,7
−9,4
−17,6
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
24
17
15
27
39
62
85
58
49
39
32
24
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: Roshydromet

Geschichte[Bearbeiten]

Tjumen ist eine der ältesten russischen Ansiedlungen in Sibirien. Es wurde bereits 1586 als Fort der Kosaken an der Mündung der Flüsse Tjumenka und Tura zum Schutz gegen die Steppennomaden gegründet. Seit dem 17. Jahrhundert war Tjumen ein wichtiger Transitpunkt auf dem Handelsweg von Sibirien nach China. Tjumen wurde Handelszentrum und bedeutendes Handwerkerzentrum mit Schmieden, Glockengießereien, Lederverarbeitung und Seifenproduktion. Seit 1709 gehörte Tjumen zum Sibirischen Gouvernement. 1782 erhielt Tjumen das Stadtrecht und wurde 1796 Kreisstadt im Gouvernement Tobolsk. Mit dem Bau des ersten Schiffes in Sibirien 1838 begann in Tjumen die Flussschifffahrt, auch wurde eine Bahnlinie nach Jekaterinburg gebaut. Tjumen wurde zum Zentrum für Schiffbau, Holzverarbeitung und Fischfang, auch die Teppichproduktion war stark entwickelt. Jährlich fand hier einer der größten Sommerjahrmärkte in Sibirien statt. Im 19. Jahrhundert wurde Tjumen zur Zwischenstation für Umsiedler und Verbannte, hier wurden sie registriert und an ihre endgültigen Wohnorte in Sibirien verteilt. In Tjumen bestand das Kriegsgefangenenlager 93 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.[2]

Während der Zeit der Sowjetunion stieg die Einwohnerzahl Tjumens massiv an, von weniger als 80.000 im Jahr 1939 bis auf fast 500.000 im Jahr 1989.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner
1897 29.544
1939 79.205
1959 150.195
1970 268.526
1979 358.992
1989 476.869
2002 510.719
2010 581.907

Anmerkung: Volkszählungsdaten

Winterliches Tjumen

Wirtschaft und Bildung[Bearbeiten]

Bürogebäude in Tjumen

Die wichtigsten Wirtschaftszweige sind der Schiffs- und Maschinenbau, außerdem die Herstellung von Fleischprodukten und die chemische Industrie. Tjumen liegt an der Hauptstrecke der Transsibirischen Eisenbahn, verfügt über einen Flusshafen und (in Roschtschino) einen internationalen Flughafen, in dem die Fluggesellschaft Utair Aviation ihren Hauptsitz unterhält. Auch die deutsche Firma Schwank, Marktführer für Hallenheizung, unterhält dort ihre Tochtergesellschaft, SibSchwank, die im russischen Markt Marktanteile von ca. 25% hält.[3]

Tjumen ist außerdem Sitz mehrerer Universitäten und Hochschulen. Dazu gehören etwa die Staatliche Universität Tjumen, die Staatliche Universität für Architektur und Bauingenieurwesen Tjumen sowie weitere, kleinere Hochschulen. Bis 2016 soll in Tjumen eine moderne medizinische Hochschule mit dem Schwerpunkt Neurochirurgie entstehen.[4]

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Stadtzentrum

Tjumen ist in vier Stadtbezirke (Stadtrajons) unterteilt:

  • Kalininski (Kalinin-Rajon)
  • Leninski (Lenin-Rajon)
  • Zentralny (Zentralrajon)
  • Wostotschny (Ostrajon; seit dem 21. März 2008, aus dem Leninski rajon ausgegliedert)

2004 wurden die Orte Melioratorow, Mechanisatorow, Mys, Noworoschtschino, Trufanowa, Suchodolski und Parfenowski eingemeindet.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

  • China VolksrepublikChina Daqing, Volksrepublik China, seit 1993
  • DeutschlandDeutschland Celle, Deutschland, seit 1994
  • Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Houston, Vereinigte Staaten, seit 1995

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Sonstige[Bearbeiten]

  • Georg Wilhelm Steller, deutscher Naturforscher, starb hier 1746 auf seiner Rückreise von Sibirien nach Sankt Petersburg

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das Naturkundemuseum Tjumens ist als eines der wenigen weltweit im Besitz eines vollständig erhaltenen Mammutskeletts.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Tom 1. Čislennostʹ i razmeščenie naselenija (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Band 1. Anzahl und Verteilung der Bevölkerung). Tabellen 5, S. 12–209; 11, S. 312–979 (Download von der Website des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Maschke, Erich (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962-1977.
  3. IHK Nürnberg: Kurzbeschreibung der Region Tjumen., Nürnberg 2008.
  4. http://www.rg.ru/2013/12/20/reg-urfo/medgorodok.html

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tjumen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien